Waldbrandbekämpfung der Zukunft

Brauchen deutsche Feuerwehren Löschflugzeuge?

Bremen – Seit Jahresbeginn haben sich in Deutschland bereits bis jetzt weit mehr Flächen- und Waldbrände ereignet als 2017. Und Prognosen zum Klimawandel gehen davon aus, dass die Sommer hierzulande immer trockener werden. In den letzten Wochen wurden daher Stimmen laut, die Feuerwehr müsse für die Waldbrandbekämpfung dringend mit Löschflugzeugen ausgestattet werden. Dem widerspricht nun der Deutsche Feuerwehrverband. 

Löschflugzeuge wie der Boeing 747-Supertanker von Evergreen sind für Deutschland wohl eher nicht geeignet. Doch GFMC-Direktor Prof. Goldammer sieht dringenden Handlungsbedarf in der Beschaffung von kleineren Löschflugzeugen. Foto: Klöpper

Mehr Trockenheit: Grundlage für Waldbrände

Die Rekord-Hitzewelle in diesem Jahr hat gravierende Folgen: Weltweit kommt es zu heftigen Vegetationsbränden. Unkontrollierbare Flammen fegen auch über europäische Städte und Dörfer. In Griechenland beispielsweise kamen bislang über 90 Menschen in den Feuern um. Nach einem Hilfeersuchen Schwedens rückten 52 freiwillige Feuerwehrleute aus dem Landkreis Nienburg (NI) aus, um dem Land bei der Waldbrandbekämpfung zu helfen.

Wald- und Flächenbrände in Europa, anhand von Satellitendaten des European Forest Fire Information System (EFFIS). Rote Dreiecke stellen aktuelle und bis einen Tag alte Brände dar. Zum heranzoomen auf die Karte klicken. Grafik: Sander

Und auch in Deutschland macht sich die Trockenheit bemerkbar. So steht der Waldbrandgefahrenindex (WBI) des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in weiten Teilen des Landes auf Stufe 4 und vielfach sogar auf der höchsten Stufe 5 (Stand 31.07.2018). Allein die diesjährigen Brandereignisse in Brandenburg und Niedersachsen zusammengerechnet, übertreffen die Gesamtzahl von Waldbränden in Deutschland 2017 (bislang 210 Brände in NI, 350 Vegetationsbrände in BB; 2017 in D gesamt: 424). 

Vom Umweltbundesamt veröffentlichte Daten zeigen: Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken. So soll sich die Niederschlagswahrscheinlichkeit in immer heißer werdenden Sommern verringern und damit für höhere Trockenheit sorgen – die Grundvoraussetzung für Vegetationsbrände.

Hat sich das Ausmaß der Waldbrände in den letzten 10 Jahren einigermaßen eingependelt, sorgt jetzt die erhöhte Trockenheit für ein extremes Waldbrandjahr. Schuld ist daran wohl auch der Klimawandel, durch den in Zukunft im Sommer weniger Niederschlag und dafür höhere Temperaturen vorkommen. Quelle: BMEL

Wie die „Bild“ berichtete, spricht sich Sachsen-Anhalts SPD-Landtagsfraktion sogar dafür aus, dass Landwirte bei Erntearbeiten ausreichend Löschwasser sowie einen Traktor mit Pflug vorhalten, der im Notfall Brandschneisen legen kann.

“Löschflugzeuge nur Symbolpolitik”

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ fordert der Direktor des Global Fire Monitoring Center (GFMC) am Max-Planck-Institut für Chemie, Prof. Johann Goldammer, die Einsatzkräfte hierzulande deshalb besser für Waldbrände vorzubereiten. Unter anderem rät er dringend zur Beschaffung von Löschflugzeugen.

Karl-Heinz Knorr, Amtsleiter der Feuerwehr Bremen und Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV), hält Löschflugzeuge jedoch nicht für dringend erforderlich. „Der bereits sehr gute Brandschutz in Deutschland mit 1,2 Millionen Feuerwehrkräften an 32.000 Standorten verfügt über sehr gute Ortskenntnisse und sehr kurze Eingreifzeiten, gute Infrastruktur in den Wäldern sowie kurze Meldezeiten. Anstelle von Löschflugzeugen sollten andere Punkte primär angegangen werden”, erklärt der Experte auf Anfrage des Feuerwehr-Magazins.

Der Leitende Branddirektor Karl-Heinz Knorr ist seit 1996 Leiter der Feuerwehr Bremen. Seit 2016 ist er als Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes verantwortlich für die Themen Einsatz, Löschmittel, Umweltschutz und Forschung. Foto: Warnke

Knorr verweist bei der Waldbrandbekämpfung darauf, dass es wichtiger sei

  1. Tanklöschfahrzeuge mit hoher Geländegängigkeit, Möglichkeiten zu Pump-and-Roll-Verfahren und Eigenschutzdüsen vorzuhalten.
  2. spezielle PSA für die Vegetationsbekämpfung zu beschaffen. Er fordert einlagige Jacken und Hosen sowie insgesamt leichte Einsatzkleidung, inklusive Schutzbrillen, plus D-Schlauch-Equipment und Waldbrand-Rucksäcke.
  3. Einsatz- und Führungskräfte speziell zu schulen. „Ein ausgedehnter Vegetationsbrand hat seine einsatztechnischen und -taktischen Besonderheiten und vor allem Gefahren. Denn kein anderer Einsatz hängt so vom Wetter beziehungsweise Wind ab, wie ein Vegetationsbrand“, so Knorr. Die Kräfte müssten beispielsweise den Einsatz von Karten und den Ringverkehr von TLF beherrschen.
  4. die Verfügbarkeit von Hubschraubern der Bundeswehr zu erhöhen.

„Bei einer Wetterlage wie jetzt sollten mindestens zwei, besser drei Bundeswehr-Maschinen mit jeweils zwei Crews einsatzbereit im Bereich der potentiell gefährdetsten Gebiete stehen“, sagt der Chef der Bremer Berufsfeuerwehr. Insbesondere Hubschrauber des Typs Sikorsky CH-53 sollten möglichst für die Waldbrandbekämpfung vorgehalten werden, denn nur diese könnten 5.000-Liter-Außenlastbehälter tragen. Die wartungsarmen und platzsparenden Behälter seien außerdem schnell und leicht verfügbar.

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Zudem ließen Hubschrauber – beispielsweise im Gebirge – Wasserabwürfe zu, die für Flächenflugzeuge schwer zugänglich seien. Das Befüllen im Schwebezustand könne weiterhin an jeder geeigneten Stelle passieren. Auch sei es möglich, vorgefüllte Behälter in weniger als einer Minute anzuhängen. Die selbsttätige Entnahme von 5.000-Liter-Behältern erfordere lediglich eine Gewässertiefe von 3 Metern. „Also kurze Wiederkehrzeiten und kurze Löschintervalle“, erklärt Knorr.

„Wenn diese Punkte umgesetzt sind, hat niemand etwas gegen Löschflugzeuge – vorher sind sie nur Symbolpolitik!“, schließt der DFV-Vizepräsident.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Zitat: „die Verfügbarkeit von Hubschraubern der Bundeswehr zu erhöhen.“

    Also widerspricht er nicht, dass die Brandbekämpfung aus der Luft wichtig ist! Beim Großbrand bei Beelitz / Fichtenwalde hat es sehr viele Stunden gedauert, bis der nötige größere Löschhubschrauber (5000 Liter) vor Ort war! Es war mit der Entdeckung ein Großbrand und eine Evakuierung drohte! Eigentlich am Anfang ein absolutes Desaster bzgl. Brandbekämpfung aus der Luft! Das hat man nur nicht so gemerkt, weil es nicht zu einem großen Kronenbrand gekommen ist (siehe „pnn Feuersturm wie ein Schnellzug“ und siehe „pnn Fichtenwalde Kameraden hatten Angst in den Augen“)! Brandbekämpfung aus der Luft ist wichtig, um Hitzeherde herunter zu kühlen (Infrarotkamera), sich schnell ausbreitende Kronenfeuer insbesondere in Nadelwäldern zu verhindern und um die Einsatzkräfte zu schützen. Wer Brandbekämpfung aus der Luft stiefmütterlich behandelt, spielt mit dem Leben von Menschen.

    Zitat: „… besser drei Bundeswehr-Maschinen mit jeweils zwei Crews einsatzbereit …“

    Reines Wunschdenken fernab der Realität. Die Bundeswehrhubschrauber sind marode. Die eine Hälfte im Einsatz und die andere bei der Wartung und Reparatur. Selbst die Ausbildung der Piloten läuft über Hubschrauber vom ADAC (siehe „Bundeswehr bucht Flugstunden in ADAC-Hubschraubern“).

    Deutschland ist am Boden gut aufgestellt, vernachlässigt aber die Brandbekämpfung aus der Luft mutmaßlich aus Kostengründen. Das ist unverantwortlich!

    Ich sehe auch nicht, dass sich etwas ändern soll. Man versucht das Problem kleinzureden und zu relativieren.

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  2. Nach den riesigen Heide Brandt musste fast jede freiwillige Feuerwehr in Niedersachsen ein Geländegaeniges Tanklöschfahrzeug haben jetzt 43 Jahre danach ist fast alles verpufft ist ja etwas passiert wäre ja alles halb so schlimm wenn die Bundeswehr Hubschrauber hätte die auch einsatzbereit wären aber weder das eine ist da noch das andere der der blöde Feuerwehrmann und Feuerwehr Frau die ihre freizeit opfern die sind da und Arbeitgeber die anders denken als noch vor 43 Jahren, armes Deutschland

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  3. Löschflugzeuge hin oder her das Problem liegt im Ganzen . Nach dem Heideland wurden Tlfs angeschafft die mind.4000ltr Wasser trugen und Geländegängig waren aber das Problem ist das diese Fahrzeuge fast alle so alt sind das selbst die Ersatzteile sehr schwer zu beschaffen sind(bei uns aus Rußland) Der Altersdurchschnitt der Fahrzeuge liegt bei uns bei 29 Jahren. Weder der Bund ,das Land noch die Komunen halten es für nötig den Fuhrpark der Feuerwehren auf dem neusten Stand zu halten zudem kommt noch das das Ehrenamt Feuerwehr leider nicht mehr den Stellenwert hat wie vor 20 Jahren , kein Wunder bei dem alten Zeugs.
    Wir würden mit kleineren Kontrollflugzeugen und einer modern ausgerüsteten Bodentruppe denke ich gut klarkommen.Löschflugzeuge sollten auf Abruf bereitstehen Ch 53 wären ,wenn sie nicht auch schon so alt wären, ganz gut

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  4. Alles schon mal dagewesen, kauft Euch die DVD “DDR Feuerwehr im Einsatz” aber es musste ja erst mal alles kaputt geschlagen werden

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  5. Ich seh es schon kommen, es muss erst ein Dorf oder eine Stadt niederbrennen und es muss Tote geben, ganz gleich ob Anwohner oder ein Löschtrupp der trotz aller Vorsicht der vom Feuer eingeschlossen wurde, damit was unternommen wird.

    Fakt ist: Gelängegängige Fahrzeuge sind nicht alles. Bei größeren Waldbränden ist Luftunterstützung einfach unerlässlich. So eine 5000 Liter Wasserladung kann, wenn im Richtigen Moment abgeworfen, richtig Hilfreich sein.
    Doch sich allein auf die Hubschrauber der Bundeswehr zu verlassen ist definitiv die Falsche Taktik da ein großteil der Hubschrauber kaum Einsatzbereit ist da die Bundeswehr ja immer weiter weggespart wird.

    Es muss ja nicht auf jedem Deutschen Flughafen 10 Löschflugzeuge geben, es würde ja schon reichen wenn es funktionierende Hubschrauber geben würde, die bei Hoher Waldbrandgefahr in die betroffenen Gebiete verlegt werden können. Ob diese Hubschrauber nun von der Bundeswehr sind oder von der Feuerwehr, oder von einem Privatunternehmen, das ist ja nicht so wichtig, aber sie sollten vorhanden sein.

    Dazu kommt auch immer wieder die Problematik, das WENN Feuerwehren sich ein großes geländegängiges TLF anschaffen, wie zum Beispiel die GTLFs auf Tatra Fahrgestell wie das der FF Perleberg, das die Leute das Fahrzeug dann sehen, die Augen verdrehen und sagen: “Warum so was großes? Das Teil ist ja riesig! Wie viel Wasser hat der mit? 9000 Liter? Das brauchen wir doch niemals!”
    Nun, da lautet mein Motto: “Lieber haben, und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.”

    Da erinnere ich mich zum Beispiel gerne an das 4000qm Bodenfeuer das ich mal mit meiner FF im Naturschutzgebiet Meinweg an der Holländischen Grenze gehabt habe. Wir kamen von Deutscher seite, und von Drüben kamen die Holländer da man nicht genau wusste wo das Feuer war denn der Meinweg ist groß.
    Wir hatten und also quasi gerade mit den Holländischen Kollegen in der Mitte der vom Brand betroffenen Zone getroffen und wir bekamen so langsam ein Wasserproblem. Wir hatten zwar TLFs im Pendelverkehr, aber wir mussten recht weit durch den Wald und das dauerte. Da fragte mich einer der Holländer ganz cool: “Braucht ihr Wasser? Unser Wechselader mit 10.000 Liter kommt gleich und ein paar unserer Jungs legen auch gerade ne F-Leitung hier hin nur zur sicherheit.” Was meint ihr wie ich das gefeiert habe das wir gleich 10.000 Liter Wasser kriegen?

    Auch das neue GTLF das Rosenbauer kürzlich auf einem Tatra Fahrgestell vorgestellt hat, das Tigon, welches bei mir zufällig zusammen mit diesem Artikel aufgetaucht ist, DAS ist ein GTLF das es in sich hat. Ich mein, die GTLF 9000 auf dem selben Fahrgestell sind ja schon groß, aber das Tigon setzt in jeder Hinsicht noch mal ordentlich einen drauf.

    Des weiteren könnte man sich, wenn es nicht unbedingt ein Großfahrzeug sein soll und auch das Geld nicht im Übermaß vorhanden ist, einfach mal an den USA orientieren. Dort fahren sogenannte “Bush Fire Trucks” auf Pickup Fahrgestellen rum die bei Wald- und Flächenbränden zum Einsatz kommen. Der “Skeeter 6×6 Firewalker” (Zu sehen hier: https://www.youtube.com/watch?v=OgQ_pUZibuM ) zum Beispiel würde sich da sehr anbieten da er quasi die Perfekte Brücke zwischen TLF und Waldbrandbekämfungsfahrzeug ist. Umgerechnet hat der etwas mehr als 2200 Liter Wasser dabei was bei einem Fahrzeug dieser Art Wasser ohne Ende ist.

    Aber wie gesagt, es muss immer erst was passieren damit was unternommen wird. Die Frage ist nur: Wann und Wo?

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  6. Celle ist zu lange her. Die Bw kann nicht mehr alles.Und die FW-Oberen kennen nicht einmal mehr die Grundlagen. So wird von platzsparenden 5-000-Liter-Behältern gesprochen. Diese Größenordnung gibt es eigentlich nur als Festbehälter. Es gibt auch Brände in geografischen Lagen, wo kleinere Hubschrauber sinnvoll sind. Nach Schweden wurden zur Unterstützung fünf AS350 geschickt. Eine sinnvolle Einrichtung des Deutschen Hubschruberverbandes für einheitliche Verfahren für den Einsatz ziviler Hubschrauber wurde still und heimlich beerdigt. Die Rüstsätze zum Einbau in Transall mit 12 Tonnen Wasserkapazität sind nicht mehr vorhanden. Geländegängige Fahrzeuge mit Bodenfreiheit und entsprechendem Böschungswinkel sind fast ausgestorben. Schutzstreifen an Straßen werden nur noch unzureichend von Vegetation freigehalten. Einfach mal die einfachsten Dinge wieder aufleben lassen und nicht polemisieren. Passt aber ins Sommerloch. Keiner will im Falle des Falles irgendeine Verantwortung für die Entwicklung übernehmen, die er selbst maßgeblich mitbestimmt hat!.

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  7. Hallo,ein Land,wie Deutschland,muss doch wenigstens mit,2-3 Löschflugzeugen,ausgestattet sein,so arm sind wir nicht,wenn mal der Bayrische Wald brennt,dann gibt es echte Probleme,als grösster Wald,Europas..

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