Angriffe auf die Feuerwehr - alles zum Thema

Gewalt gegen Rettungskräfte: DFV setzt nochmal deutliches Zeichen

Erfurt – Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) hat sich auf seiner Delegiertenversammlung in Erfurt nochmals deutlich zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte positioniert. “Wir fordern die Gesellschaft, insbesondere Politik, Justiz, Bevölkerung und Medien, dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und uns vor Gewalt zu schützen”, lautet die Forderung aus der Versammlung.

In einer Resolution sind fünf entscheidende Punkte und Forderungen aus Sicht des DFV nochmal zusammengefasst: Mehr Respekt vor Einsatzkräften; Sensibilisierung der Bevölkerung; Werte vermitteln, Werte schätzen; Strafverschärfung und konsequente Strafverfolgung; Feuerwehrangehörige nicht im Stich lassen.

Die Resolution des DFV als Download:

>>Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit! Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige

Die Resolution wird vom Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund mitgetragen.

 

Alles zum Thema “Gewalt gegen Einsatzkräfte”

Inhaltsverzeichnis:

Studie über Gewalt
Was zählt zur Gewalt gegen Rettungskräfte?
Kommunikation
Gefahren erkennen
Waffen und Westen
Eure Rechte!
Öffentlichkeitsarbeit
13 Präventive Maßnahmen

Nichts polarisiert in der Feuerwehr Welt momentan so stark wie das Thema Gewalt gegen Rettungskräfte. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland Feuerwehrmänner und Rettungskräfte angepöbelt oder gar angegriffen werden. Erkenntnisse aus einer Studie lassen auf eine extrem hohe Dunkelziffer von nicht angezeigten Fällen von körperlicher Gewalt schließen. Aber auch, dass Feuerwehrleute nicht unbedingt häufiger attackiert werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet eine stark ansteigende Zahl von körperlichen Übergriffen gegenüber Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdienst. Doch eine Studie verrät: Die Zahl ist noch viel höher. Grafik: Sander; Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik.

Im Brandeinsatz angegriffen: Neue Studie über Gewalt

Der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum befragte im Mai und Juni 2017 rund 4.000 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehr- und Rettungsdienstkräfte aus Nordrhein-Westfalen. 812 davon füllten die Fragebögen aus.

Nach Erhebungen über Gewalterfahrungen von hauptamtlichen Einsatzkräften (wir berichteten), sollten nun auch freiwillige Feuerwehren einbezogen werden. Im Gesamtbild ergibt sich, dass die meisten Angriffe im rettungsdienstlichen Bereich während der Diagnose oder Therapie erfolgen. Darauf folgen aber die Einsatzsituationen “Eintreffen”,”Erkundung” und “Brandeinsatz”.

Gewalt gegen Rettungskräfte gehört mittlerweile zu den Gefahren an der Einsatzstelle. Symbolfoto: Markus Brändli (Bild: Markus Brändli)

Neu ist: 80 Prozent der Einsatzkräfte meldeten den letzten verbalen oder nonverbalen Übergriff auf ihre Person nicht. 30 Prozent selbst dann nicht, wenn sie Opfer körperlicher Gewalt wurden. Dabei sagten mehr als 20 Prozent der Angegriffenen aus,  in dessen Folge psychische Beeinträchtigungen erlitten hätten. Rund 40 Prozent berichteten von körperlichen Schäden.

Wer sind die Haupttätergruppen? Welche Studien haben sich bereits mit Gewalt gegen Rettungskräfte befasst und mit welchen Ergebnissen? Welche Maßnahmen müssen von der Politik durchgesetzt werden?

Das alles erfahrt Ihr im Feuerwehr-Magazin Heft 5/2018.

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In der Studie äußerten die Befragten zudem den Wunsch, in ihrer Ausbildung intensiver auf eskalierende Einsatzsituationen vorbereitet zu werden. Sowohl soziale Brennpunkte in Großstädten als auch bürgerliche Wohngebiete sind besonders betroffen.

Die Studie erfolgte mit Unterstützung des Ministeriums des Innern sowie des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der Unfallkasse NRW und der komba gewerkschaft.

Die 5 wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  1. Entgegen der deutschen Polizeilichen Kriminalstatistik meldet die Studie von Prof. Dr. Feltes und Marvin Weigert keinen Anstieg von Gewaltdelikten gegen Feuerwehrkräfte. Basis dafür sind Befragungen, die jeweils 2011 und 2017 durchgeführt wurden.
  2. Die Autoren der Untersuchung vermuten aber eine hohe Dunkelziffer nicht angezeigter Fälle von Gewalt.
  3. Freiwillige Feuerwehrleute sind seltener von Gewalt betroffen als beispielsweise Berufsfeuerwehrleute. Dies hänge unter anderem mit den geringeren Einsatzzahlen zusammen.
  4. Jeder Dritte von körperlicher Gewalt Betroffene gab an, akutmedizinisch ärztlich und/oder psychotherapeutisch behandelt worden zu sein.
  5. Jede gemeldete beziehungsweise angezeigte Straftat verbessert die Erkenntnisse zu der Problematik. Dadurch können Präventionsmaßnahmen dort angesetzt werden, wo sie optimal wirken. Einen elektronischen und vereinheitlichten Meldebogen gibt es zum Beispiel auf www.dfeug.de

Was zählt zur Gewalt gegen Rettungskräfte?

Das Spektrum von Gewalt gegen Einsatzkräfte ist sehr vielfältig und breit gefächert: Vom fehlenden Verständnis für erforderliche Absperrungen bis zu dem stark alkoholisierten Patienten, der nicht mehr erkennt, dass die Rettungswagen-Besatzung ihm nur helfen will. Und da sind natürlich auch die „erlebnisorientierten“ Menschen (Polizeijargon für gewaltbereite Jugendliche), die mit Steinen und Flaschen auf Einsatzkräfte im Löscheinsatz werfen. Die Bandbreite reicht demnach von verbalen und nonverbalen Angriffen (Beleidigungen, Drohungen, drohende Gesten) bis hin zu körperlicher Gewalt (Treten, Schlagen, Schubsen, Anwendung von Waffen).

Die Bandbreite von Gewalt gegen Einsatzkräfte reicht von verbalen und nonverbalen Angriffen (Beleidigungen, Drohungen, drohende Gesten) bis hin zu körperlicher Gewalt (Treten, Schlagen, Schubsen, Anwendung von Waffen). Symbolfoto: Rüffer

Sicher ist die Situation in Großstädten eine andere als in ländlichen Gegenden. Vermutlich wird es darüber hinaus regionale Unterschiede geben. Doch egal, wo sich der Einsatz befindet – stets gilt: Agieren ist besser als Reagieren. Konkret bedeutet Agieren in diesem Zusammenhang vor allem Vorbeugen. Die Gewaltprävention ist das beste Mittel, um gefährliche Situationen überhaupt erst gar nicht entstehen zu lassen. Und genau deshalb ist hier die intensivste Arbeit nötig.

Kommunizieren bei drohender Gewalt

Der Appell an die Feuerwehr muss daher lauten: Prävention und Deeskalation lernen. Schutzausrüstung und Selbstverteidigung sind sicherlich greifbarer, aber eine alte Weisheit lautet: „Die stärkste Waffe eines Menschen ist das Wort“. Weiter gefasst: „die Kommunikation.“

“Die stärkste Waffe eines Menschen ist die Kommunikation.”

Ein Beispiel: die nicht akzeptierte Absperrung. Sie kommt auch in den kleinsten Orten vor. Das einfachste Mittel zur Deeskalation sollte in diesem Fall sein, den Grund der Maßnahme einfach und ruhig zu verdeutlichen. Hierbei gilt es, auf die Notwendigkeit hinzuweisen und Kompetenz auszustrahlen. Das gelingt durch ein selbstsicheres Auftreten und den Einklang von Worten, Gestik und Körperhaltung. „Freundlich, aber bestimmt“, lautet das Motto. Ähnlich verhält es sich bei stark alkoholisierten Personen. Wer nicht mehr Herr seiner Sinne ist, kann schnell durch zu forsche Kommunikation gereizt werden und die angebotene Hilfe als Bedrohung ansehen. Gleiches gilt auch für das entsprechende Umfeld dieser Personen.

Eine große Gefahr beim Handeln der Einsatzkräfte liegt in der Routine oder – deutlicher gesagt – dem „Abstumpfen“. Gerade deshalb ist es wichtig, jede Situation neu zu bewerten und die Herangehensweise anzupassen:

  • Wie spreche ich die Person an?
  • Spreche ich vielleicht zuerst die umstehenden Personen an?
  • Erkläre ich den Begleitern, was ich mache?

Feuerwehrleute, die auch im Rettungsdienst tätig sind, sollten sich bewusst sein: Das Zerschneiden von Bekleidung und das Setzen von Zugängen kann bei eingeschränkter Wahrnehmung schnell falsch gedeutet werden. Letztendlich kann auch hier wieder die klare Abgrenzung von „Staatsmacht“ und „Hilfeleister“ eine Situation entschärfen.

Gib der Gewalt keine Chance

Michael Steil führt in seinem Buch “Gib der Gewalt keine Chance” viele sehr hilfreiche Tipps auf, wie Feuerwehrmänner und Rettungsdienstkräfte am Einsatzort auf Gewalt reagieren können und sollten.

Er geht auf Deeskalation und Kommunikation ein. Aber er zeigt auch Handgriffe zur Selbstverteidigung. Die Tipps von Michael Steil sind sehr konkret und obendrein gut bebildert.

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In der Polizeiarbeit hat sich der Einsatz von “Konfliktmanagern” oder “Kommunikationsmanagern” als erfolgreich erwiesen. Warum also nicht einmal die guten Kontakte nutzen und eine Weiterbildung von Führungskräften, Pressesprechern oder anderen interessierten Kameraden anschieben?

Gewalt: Gefahren erkennen

An der Einsatzstelle angekommen, sind erfahrungsgemäß alle Augen auf das eigentliche Geschehen, sei es der Großbrand oder der Unfall, gerichtet. Dann spielen die Gefahren der Einsatzstelle eine wichtige Rolle für das Handeln der Führungskräfte. Dazu sollten die Kameraden auch die möglichen Gefahren von außen – also durch anwesende Personen – im Blick haben. Das gehört zur Eigensicherung.

Erst Kommunizieren, nicht gleich Zupacken. Symbolfoto: Westphal

Es gilt, die Augen offen zu halten und den sogenannten Tunnelblick zu brechen. Grundsätzlich ist das alles nichts Neues. Wir schauen als Strahlrohrführer natürlich zum Feuer, aber auch, ob eventuell der Giebel einstürzt. Und beim Aufschneiden des verunfallten Pkw achten wir auf Spannungen im Material oder auslaufende Betriebsstoffe. Wir versuchen ganz allgemein, weitere Gefahren zu erkennen. Eine dieser Gefahren, wie zum Beispiel ein „Randalierer“, ist nun aber außerhalb unseres Fokus. Das bedeutet, auch der Blick über die Schulter, hinein ins Umfeld, muss dazu gehören, um diese Gefahr zu erkennen.

Waffen und Westen bei der Feuerwehr

Immer wieder steht die Diskussion darüber im Raum, ob die Feuerwehr Schutzwesten, Reizstoffsprühgeräte (Pfefferspray/CS-Gas) oder Elektroschocker nutzen darf. Wie sinnvoll ist der Einsatz solcher Ausrüstung?

“Waffen haben bei der Feuerwehr oder einer Hilfsorganisation grundsätzlich nichts zu suchen”, macht Deeskalationstrainer und Polizeihauptkommissar Tim Tietje direkt deutlich. “Es besteht erstens die Gefahr, sich selbst oder unbeteiligte Personen zu schädigen und zweitens kann Dir durch das Mitführen einer Waffe Vorsatz vorgeworfen werden.” Vor Gericht könne dann aus “Notwehr” durchaus “gefährliche Körperverletzung” werden. Ganz abgesehen vom Schaden für das Image der Feuerwehr. Gleiches gelte im Übrigen auch für den Einsatz schwerer Stabtaschenlampen.

Bei Schutzwesten hingegen ist die Lage eine differenziertere. Christian Münstermann, Zugführer und Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Laufach (BY, Kreis Aschaffenburg): “Wir haben im Jahr 2013, nach mehreren in den Medien bekannt gewordenen Übergriffen gegenüber Rettungsdienst und Feuerwehr, stichhemmende Schutzwesten angeschafft.” Drei der Westen von der Firma Mehler sind seitdem auf dem Vorausrüstwagen der FF verlastet. “Das ist unser Haupteinsatzfahrzeug bei First-Responder-Einsätzen und fährt in der Regel als erstes die Einsatzstelle an”, sagt Münstermann.

Die FF Laufach beschaffte 2013 stichhemmende Schutzwesten, um ersteintreffende Kräfte vor Übergriffen schützen zu können. Die Westen sind unter den Einsatzjacken nicht zu erkennen. Foto: FF Laufach.

Die Westen können bei kritischen oder unklaren Situationen sowie bei Wohnungsöffnungen zum Einsatz kommen. Im Zweifelsfall beziehungsweise bei unklaren Lagemeldungen warten die Feuerwehrleute zudem gemäß Dienstanweisung das Eintreffen der Polizei ab. “Die Handhabung der Westen ist relativ einfach und sie lassen sich mit wenigen Handgriffen anziehen”, erklärt Christian Münstermann. “Außerdem sind sie unter den Einsatzjacken quasi unsichtbar und können daher nicht als Provokation wahrgenommen werden.”

Tietje gibt zu bedenken: “Zusätzliche Ausstattung für den Selbstschutz erfordert auch immer eine zusätzliche Ausbildung.” Überdies könnten Schutzwesten den Einsatzkräften ein übersteigertes Sicherheitsgefühl geben, das nicht dem tatsächlichen Schutz durch die Weste entspräche, und möglicherweise zu waghalsigen Aktionen verleite. “Der Einsatz einer Weste sollte deswegen durch ein intensives Training begleitet werden”, begründet Tietje.

Bisher mussten die Feuerwehrleute der FF Laufach die Schutzwesten nicht einsetzen. Sie hoffen, dass das auch so bleibt.

Was bringt ein Deeskalationstraining? Welche Präventionsmaßnahmen können Feuerwehren treffen, um Gewaltsituationen vorzubeugen?
Wir haben für Euch ein Training besucht und Konzepte von Berufs- sowie Freiwilligen Feuerwehren zusammengetragen. Die vollständige Reportage findet Ihr im Feuerwehr-Magazin 3/2018.
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Rechtsmittel: Was Ihr gegen Gaffer, Pöbler & Co. tun könnt

Das einzig probate Mittel, um dagegen vorzugehen, ist und bleibt der Rechtsweg. Wir nennen Euch die drei wichtigsten Paragraphen, auf die Ihr Euch berufen könnt.

Strafgesetzbuch (StGB), § 323c

Unterlassene Hilfeleistung; Behinderung von hilfeleistenden Personen:

(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer in diesen Situationen eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leistet oder leisten will.

Klartext: Wer nicht hilft oder Helfer/Einsatzkräfte bei der Hilfeleistung behindert, wird bestraft. Dazu gehören auch das Gaffen und das Nichteinhalten einer Rettungsgasse.

StGB, § 115

Widerstand gegen oder tätlicher Angriff auf Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen:

(3) Nach § 113 – Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe; in besonders schweren Fällen bis zu 5 Jahren) – wird auch bestraft, wer bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes durch Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt behindert. Nach § 114 – Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte (Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren) – wird bestraft, wer die Hilfeleistenden in diesen Situationen tätlich angreift.

Klartext: Wer Feuerwehrleute oder Kräfte des Rettungsdienstes im Einsatz durch Gewaltandrohung oder gar einen Angriff behindert, hat mit hohen Strafen zu rechnen.

StGB, § 305a

Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel:

(1) Wer rechtswidrig ein für den Einsatz wesentliches technisches Arbeitsmittel der Polizei, der Bundeswehr, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes, das von bedeutendem Wert ist, oder ein Kraftfahrzeug der Polizei, der Bundeswehr, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes ganz oder teilweise zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Klartext: Wer Einsatzmittel beschädigt oder versucht, sie zu beschädigen, kann bis zu 5 Jahre hinter Gittern landen.

(Stand: 30.06.2017)

Gewalt darf keine Antwort sein

Feuerwehr heißt Kameradschaft, füreinander einstehen und gegenseitig den Kopf hinzuhalten. Diese besondere Art der Gemeinschaft darf aber nicht dazu führen, dass im Einsatz angegriffene Kameraden gerächt werden. Bei allem Verständnis für den Unmut ist es kein probates Mittel, wenn sich die Löschgruppe mit Ausrüstungsgegenständen „bewaffnet“ und mit Gewalt antwortet. Im Gegenteil: diese Art der Kommunikation ist gefährlich.

Gewaltsuchende Angreifer können die Feuerwehr dann tatsächlich als einen adäquaten Gegner ansehen, mit dem sich eine Auseinandersetzung „lohnt“. Abgesehen davon ist das Bild der prügelnden Feuerwehrmänner in den Medien mindestens genauso rufschädigend, wie das Bild des betrunkenen Kameraden.

Nicht zuletzt verfügen wir auf allen Ebenen unserer Struktur über qualifiziertes Personal im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Diese solltet Ihr nicht nur für die Erarbeitung von Kampagnen zur Mitgliederwerbung oder anderen altbekannten Tätigkeitsfeldern nutzen: Eine Abgrenzung der Aufgabenzuweisung zur Polizei und die klare Herausstellung der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr kann sich als hilfreich erweisen. Damit darf natürlich nicht einhergehen, dass wir die gute und unabdingbare Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Polizei gefährden.

Gewalttätige Übergriffe auf Rettungskräfte:

13 Präventive Maßnahmen gegen Gewalt an der Einsatzstelle

Deeskalierend kommunizieren

  • 1. Ruhig und gelassen bleiben.
  • 2. Lage und Stimmung erfassen.
  • 3. Die eigene Redeweise die der anwesenden Personen anpassen.
  • 4. Selbstbewusst und gleichzeitig respektvoll auftreten. Nicht in herablassendem Ton reden.
  • 5. Blickkontakt halten und „freundlich, aber bestimmt“ bleiben.
  • 6. Stets sachlich die Maßnahmen erklären, die von den Einsatzkräften getroffen werden.
  • 7. Identifizieren und dokumentieren
  • 8. Menschen, die sich angesprochen und/oder erkannt fühlen, lassen sich erfahrungsgemäß nicht so schnell zu strafbaren Handlungen hinreißen. Daher kann der Einsatz von Kameras oder das sichtbare Dokumentieren einer Situation beziehungsweise offenes Ansprechen von Personen schon dazu führen, dass das Gewaltpotential sinkt.
  • 9. Gleichzeitig ist die Dokumentation der Situation im Nachgang sehr wichtig für die Einsatznachbesprechung und mögliche rechtliche Folgen. Richtige Dokumentation ist vor einem Gericht häufig entscheidend für den Ausgang des Prozesses.
  • 10. Auch das Herstellen von Öffentlichkeit hilft hierbei.
  • 11. Im Notfall: Beleuchten. Im „rechten Licht“ fühlen sich Personen ertappt und können ihr „Ziel“ nicht mehr erblicken.

Rückzug

  • 12. Sieht man, dass es zu einer Eskalation kommen oder die Stimmung kippen kann, den Rückzug antreten.
  • 13. Nicht zu Racheaktionen übergehen. Diese schaden im schlimmsten Fall nicht nur einem selbst, sondern dem Ansehen der gesamten Feuerwehr.

Anzeigen und Opfer betreuen

  • 13. Alle Fälle von Gewalt müssen angezeigt werden. Bleiben die Täter ohne rechtliche Konsequenzen, kann sich bei den Opfern ein Ohnmachtsgefühl entwickeln. Denn: Einsatzkräfte, die Gewalt gegen sich erlebt haben, sind häufiger von psychischen Erkrankungen wie einer Posttraumatischen Belastungsstörung betroffen. Im schlimmsten Fall werden sie dadurch berufsunfähig. Daher ist sowohl eine rechtliche als auch psychologische Betreuung der Kräfte notwendig.

Autoren:

Timm Falkowski, Mitglied der FF Kaköhl-Blekendorf und Polizeioberkommissar der Bundespolizei;

Nils Sander, Volontär Feuerwehr-Magazin

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für den aufschlussreichen Bericht.

    Auch wir sehen einen zunehmende Nachfrage nach Lösungen, mit denen Feuerwehr- und Rettungskräfte im Notfall einen lokalisierbaren Alarm absetzen können.

    Im Zusammenhang mit unseren RES.Q Meldern mit integriertem GSM Modul bieten wir eine Lösung an, die einen Notruf auf unsere SOS Plattform absetzt und Ihnen so online die standardisierte Lokalisierung und Bearbeitung eines Notrufs ermöglicht – für ein möglichst schnelle Intervention zum Schutz Ihrer Kolleginnen und Kollegen.

    Bereits heute testen drei grosse deutsche Blaulichtorganisationen diese im Arbeitsschutz seit Jahren etablierte und bewährte Lösung. Erste Referenzen aus dem Blaulichtbereich werden für den Sommer/Herbst erwartet.

    In den kommenden Tagen lancieren wir dazu eine Aktion auf unserer Webseite http://www.swissphone.de

    Nähere Informationen erhalten Sie bei christoph.schaefer(at)swissphone.de.

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  2. Schönes Gerede , leere Worte , an den Realitäten vorbei. Ich bin seit 40 Jahren im Zivilschutz und Rettungsdienst. Was sich in diesem Land aber in den letzten 10 Jahren entwickelt hat , läßt sich nicht mehr mit Worten regeln. Schauen sie auf die einschlägigen Internetseiten der selbsternannten”Weltverbesserer und Sofarevolutier”! Dort wird expliziet zu Gewalt gegen JEDE Atorität, auch die , welche durch Kompetenz imEinsatzfall ensteht, aufgerufen und diese Gewalt gefeiert und bejubelt.Und es wird planmäßig und organisiert vorgegangen,siehe Hochwassereinsätze 2013 oder der jüngste Fall in Berlin, wo der Einsatz des Notarztes bewusst verhindert wurde , um eine Straftat zu verschleiern. Für eine immer größer werdende Gruppe , bedeutet eine Uniform bzw. Dienstkleidung schon ein Feindbild.Da diese Gruppe völlig indoktriniert , und meist mit irgendwelchen ” bewußtseinserweiternden Substanzen zu” ist , nehmen diese Worte garnicht oder völlig falsch war . Desweitern: Wie kommunizieren sie mit Leuten , die ihre Sprache nicht verstehen , oder nicht verstehen wollen ? Für mich habe ich die Regelung getroffen : Wer mich oder meine Leute im Einsatz angreift , braucht meine Hilfe nicht und bekommt sie auch nicht. Die Unterweisung im Selbstschutz und Vermeidung von Selbstgefährdung , gehört seit ehundjeh zur Ausbildung in den Hilfeleistungsorgas. , also warum soll ich mich als Rettungskraft von einer Giftwolke oder einer Bombe fernhalten , aber nicht von aggressiven, oft haßverblendeten u. bewaffneten Leuten ? Da sowieso jeder Bereich in unserer Gesellschaft amerikanisiert ist oder wird , schlage die amerikan. Lösung auch in unserem Land vor : Keine Rettungskraft geht in einen Einsatz , bevor nicht die Polizei da ist . Die Ausstattung von Rettungsfahrzeugen, wie schon in einigen Bundesländern geschehen, mit Rundumkameras , sollte durch Körperkameras erweitert , Strafen für Übergriffe erhöht werden. Die Feuerwehr hat Wasser unter Hochdruck , damit liesse sich auch eine Gefahrensituation durch Angreifer “abkühlen” , ist billiger , als Wasserwerfer und die dazugehörige BP auffahren zu lassen,; medizin. Personal hat genügend Chemikalien , um einen Angreifer außer Gefecht zu setzen , wenn Flugbegleitpersonal solche Mittel ohne mezin. Ausbildung einsetzen darf , ist es für mich unverständlich , warum das medizin . Rettungspersonal nicht tun sollen dürfen ! Abschließend : ” Wer sich nicht wehrt , lebt verkehrt” , war mal ein Slogan , der an fast jeder Hauswand stand . Wieso soll das nicht für Rettungkräfte gelten , in einer Gesellschft , die das Wort ” Opfer” als Schimpfwort benutzt und in der mit zunehmender Freude u.Perversion Andere zu Opfern gemacht werden , eben vorzugsweise jene , die sich nicht wehren. Sich nichtwehren ist für einen Großteil der Täter eine Einladung , da sie in ihrer vermeintlichen Unbesiegbarkeit durch Passivität bestärkt werden. Der Schutz von derUnversehrtheit der Person , der im Grundgesetz verankert ist , setzt bei Rettungskräften nicht aus . Diese haben schon genug “Versehrtheiten “durch unregelmäßigen Schichtdienst und schlecht oder garnicht behandelte traumatische Einsatzerlebnisse( wie zusehen müssen , wie eine Familie im Auto verbrennt , weil kein Durchkommen durch den Stau war) .

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  3. ich habe nun sämtlich Rettungsdienste informiert, dass ich im Notfall KEINE Behandlung zulasse. Ich bin Veganerin und lehne die Medizin komplett ab, weil für Medikamente Tierversuche unternommen werden. Ärzte verabscheue ich, weil diese während des Studiums Tierversuche durchführen. Sollte ich im Notfall dennoch behandelt werden, sehe ich im Moment keinen anderen Weg als mich gewaltsam aus der Situation zu berfreien. Mit Sanitätern lässt sich doch in der Situation nicht diskutieren. Die wollen Leben retten, auch wenn der “Gerettete”dies ausdrücklich verbietet! Natürlich habe ich immer eine Patientenverfügung bei mir, eine Vorsorgevollmacht beim Amtsgericht hinterlegt, aber was hilft es mir, mal ehrlich, wenn man einfach mir nichts dir nichts übergangen wird? Solange ich bei Bewusstsein bin, kann ich die Leute bestimmt bestimmt mit Pfefferspray auf Distanz halten. Was aber, wenn ich ohnmächtig bin? Es heißt zwar juristisch, dass das Selbstbestimmungsrecht Vorrang hat, aber wer kümmert sich darum? Immerhin liegt in diesem Fall der Tatbestand der Körperveretzung vor. Würde ich selbstverständlich auch zur Anzeige bringen und den Pfeffersprayangriff als Selbstverteidigung begründen.

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  4. Der Kommentar von Thomas Sebastian Kujira trifft den Nagel auf seinen Kopf.
    Der Autor kennt nur die politische Korrektheit. Aber wer seinen Lebenslauf kennt, weiß auch warum. Der hat noch nie lange auf der Straße gekämpft. Immer schöne Funktionsposten inne gehabt. So kann man auch nicht die wahren Probleme der Einsatzkräfte aus eigener Erfahrung kennen.

    Zu Sabrina Müller. Du hast ein gewaltiges Problem. “Ich habe sämtliche Rettungsdienste informiert…”. Ja klar. Die haben jetzt von Nordschleswig bis an Österreich ran alle Ortsgruppen informiert, dass sie Dich liegen lassen. Und was ist mit den Rettungsdiensten im Ausland ? Die wissen auch bescheid. Klar.

    Dass Du mit Deiner kranken Einstellung auch noch Gewalt durch Pfefferspray in die Sache einbringst, ist unfassbar. Es reichen schon die üblichen Verdächtigen aus, die uns allen das Leben überaus schwer machen. Da benötigen wir nicht auch noch Personen mit kranken Ansichten, die uns dann im Rettungswagen oder Krankenhaus angreifen, weil sie eine medizinische Behandlung gänzlich ablehnen.
    Viellicht solltest Du bedenken, dass Rettungskräfte jedem Menschen helfen. Egal ob links, rechts, schwarz, weiss, grün oder gelb. Und wenn wir jetzt auch noch auf Totalverweigerer achten müssen, die uns sogar hier mit einem Angriff bedrohen, können wir gleich zu Hause bleiben. Das machen wir aber nicht. Denn Gott sei Dank ist trotz aller Irritationen die Mehrheit immer noch dankbar über unsere schnelle Hilfe und zudem erhalten wir auch später immer noch Dankschreiben und Lob.

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  5. Was soll das, Redaktion FM? Mir ist in letzter Zeit wiederholt aufgefallen, das ihr alte Artikel aus der Versenkung holt und mit neuem Datum als aktuellen Beitrag neu postet. Dumm nur, wenn sich der Leser an den alten Beitrag noch erinnert oder wie in diesem Fall alte Kommentare unter dem Beitrag stehen. Das ist genau das Thema, weswegen ich das Feuerwehrmagazin nicht mehr kaufe. Ihr seit so aktuell wie die Fernsehzeitung von letzter Woche.
    Zum Thema:
    Ich habe so den Eindruck, hier soll von bestimmten Behörden Stimmung gemacht und die Angst geschürt werden um wieder mal schärfere Gesetze durchpeitschen zu wollen.
    Ich bin seit 30 Jahren in der Feuerwehr tätig und habe so einige Erfahrungen mit dem Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte machen dürfen. So wurde das LF bei voller Einsatzfahrt mit einer Bierflasche beworfen, welche nur 20cm neben der Seitenscheibe einschlug. Ich selber wurde mal mit einer Pistole bedroht (von einem 85-jährigen Opi), andere Kameraden wurden mit Silvesterraketen beschossen, etc. pp. Passiert ist das ganze allerdings um die Jahrtausendwende. In den letzten Jahren hat es solche Vorfälle nicht gegeben.

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  6. Hallo lieber “Jens”,

    unsere Veröffentlichungen sind immer aktuell, wir setzen nur vermehrt auf Themenseiten um, auf denen der Leser mehr Infos zu einem Thema bekommt.

    Weiterhin viel Spaß beim Lesen.

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  7. Liebe Frau Müller,
    wenn der Rettungsdienst zu ihnen kommt, weil sie in einer Notlage sind, will das Personal ihr Leben retten. Bei der ersten Sichtung wird sich weniger um den Papierkram des Patienten gekümmert und mehr um seine Gesundheit.
    Vermutlich verabscheuen sie Lederwaren?
    Dann müssen die Kollegen wohl Barfuß und mit herunter gelassener Hose zu ihnen kommen, da diese ebenfalls aus Leder bestehen. Vielleicht haben sie ja Glück und werden einfach nur in den Graben gelegt, statt behandelt zu werden. Oder sie tragen ab sofort eine Packung Notfall-Globuli bei sich, am besten mit der Nummer ihres Heilpraktikers.

    Wenn sie die Situation von uns Helfern nicht verstehen können oder wollen, sind sie hier auf der Internet Seite einer Fachzeitschrift definitiv falsch.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Kamerad, der gesund zu seiner Familie zurück will nach dem Einsatz

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  8. Hallo und vielen Dank dafür!

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  9. Also verletzen Sie bewusst andere Menschen, weil diese Ihnen helfen möchten und dabei nur ihre Arbeit machen?
    Die Rettungskräfte dürfen Sie nun einmal nicht einfach ignorieren, sondern es muss zunächst geklärt werden, ob diese Verfügung vorhanden und rechtskräftig ist. Nur weil der Verletzte sagt, er möchte nicht behandelt werden ist das noch kein Freifahrschein ihn liegen zu lassen, da die Person auch unter dem Einfluss von bewusstseinsverändernden Substanzen oder anderen Dingen steht, die eine rationale Entscheidung möglicherweise beeinflussen.
    Ach übrigens: Die abschreckende Wirkung von Reizgasen (zu denen auch das sog. Pfefferspray gehört) wurde meines Wissens nach an der Heinrich-Heine Universität zu Düsseldorf erforscht und zwar indem man die Substanzen auf ihre Wirksamkeit getestet hat. Aber das ist ja kein Problem, da waren es ja Tierversuche für “die gute Sache” und nicht für die “bösen, imperialistischen Pharmakonzerne” (die diese Spray unter anderem auch vertreiben…)

    Was die Angriffe auf Einsatzkräfte angeht bzw. deren Behinderung:
    Bei Gaffern an Unfallstellen: Handys einkassieren und die Leute bei Abholung identifizieren und sofort anzeigen (erfordert leider zusätzliches Personal)
    Ansonsten bin ich inzwischen der Meinung, dass es Singapur richtig macht: Man Überlegt es sich zweimal, ob man einen Retter angreift, wenn man dafür 10 Jahre eingesperrt werden kann, ohne Hoffnung auf vorzeitige Entlassung, oder man durch die Strafe in Armut gestürzt wird. Teilweise scheinen ja nur noch drakonische Strafen zu helfen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  10. lösung, verfassung-gebende versammlung.

    – durch diese v.v. (recht, von jedem, den ca. 50-60 mio. deutschen), könnte ihr, jetzt,
    alle parteien (cdu, spd, grüne, linke, usw.), &
    obere richter, polizei chefs, militär generäle, &
    alle bekannten nachrichten (ard, zdf, bild, spiegel usw.),
    auflösen, kündigen, & ersetzen,

    – mit einem neuen regierungs /politik,
    oder anderem system (organisations – ablauf).
    z.b. direkte – , & z.b. nur, direkte demokratie /volks-entscheide,
    also zu allen themen, & immer dann
    wenn etwas abgestimmt werden soll.

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