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Angriffe auf die Feuerwehr - alles zum Thema

Gewalt gegen Feuerwehr- und Rettungskräfte

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo in Deutschland Feuerwehrmänner und -frauen und Rettungskräfte angepöbelt oder gar tätlich angegriffen werden. Erkenntnisse aus einer Studie lassen auf eine extrem hohe Dunkelziffer von nicht angezeigten Fällen von körperlicher Gewalt schließen. Aber auch, dass Feuerwehrleute nicht unbedingt häufiger attackiert werden. Ganz entgegen der polizeilichen Kriminalstatistik. Gleichzeitig fordern viele Einsatzkräfte Deeskalations- oder Selbstverteidigungstrainings sowie gar Schutzwesten und Waffen. Wir klären auf, wie hoch die Zahl der Angriffe tatsächlich ist und welche Maßnahmen gegen Gewalt sinnvoll sind.

Auf Grund der häufigen Übergriffe fordern viele Einsatzkräfte Deeskalations- oder Selbstverteidigungstrainings sowie gar Schutzwesten und Waffen. Wir klären auf, wie hoch die Zahl der Angriffe tatsächlich ist und welche Maßnahmen gegen Gewalt sinnvoll sind. Symbolfoto: Sander

Inhaltsverzeichnis:

Studie über Gewalt
Was zählt zur Gewalt gegen Rettungskräfte?
Kommunikation
Gefahren erkennen
Waffen und Westen
Eure Rechte!
Öffentlichkeitsarbeit
13 Präventive Maßnahmen
Resolution des Deutschen Feuerwehrverbands

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Im Brandeinsatz angegriffen: Aktuelle Studie über Gewalt

Der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum befragte im Mai und Juni 2017 rund 4.000 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehr- und Rettungsdienstkräfte aus Nordrhein-Westfalen. 812 davon füllten die Fragebögen aus.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet bis 2017 eine stark ansteigende Zahl von körperlichen Übergriffen gegenüber Einsatzkräften von Feuerwehr (FW) und Rettungsdienst (RD). 2018 sank die Zahl auf das Niveau von 2015. Doch eine Studie verrät: Die Dunkelziffer ist viel höher als die angezeigten Angriffe. Grafik: Sander; Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS).

Nach Erhebungen über Gewalterfahrungen von hauptamtlichen Einsatzkräften (wir berichteten), sollten nun auch freiwillige Feuerwehren einbezogen werden. Im Gesamtbild ergibt sich, dass die meisten Angriffe im rettungsdienstlichen Bereich während der Diagnose oder Therapie erfolgen. Darauf folgen aber die Einsatzsituationen “Eintreffen”,”Erkundung” und “Brandeinsatz”.

Neu ist: 80 Prozent der Einsatzkräfte meldeten den letzten verbalen oder nonverbalen Übergriff auf ihre Person nicht. 30 Prozent selbst dann nicht, wenn sie Opfer körperlicher Gewalt wurden. Dabei sagten mehr als 20 Prozent der Angegriffenen aus,  in dessen Folge psychische Beeinträchtigungen erlitten hätten. Rund 40 Prozent berichteten von körperlichen Schäden.

Unser Themendossier “Gewalt gegen Einsatzkräfte”

behandelt folgende Punkte:

  • Warum Übergiffe zunehmen
  • Wie Deeskalation klappt
  • Erfahrungsberichte
  • Aktuelle Zahlen

eDossier “Gewalt gegen Einsatzkräfte” hier downloaden!

In der Studie äußerten die Befragten zudem den Wunsch, in ihrer Ausbildung intensiver auf eskalierende Einsatzsituationen vorbereitet zu werden. Sowohl soziale Brennpunkte in Großstädten als auch bürgerliche Wohngebiete sind besonders betroffen.

Die Studie erfolgte mit Unterstützung des Ministeriums des Innern sowie des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, der Unfallkasse NRW und der komba gewerkschaft.

Die 5 wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  1. Entgegen der deutschen Polizeilichen Kriminalstatistik meldet die Studie von Prof. Dr. Feltes und Marvin Weigert keinen Anstieg von Gewaltdelikten gegen Feuerwehrkräfte. Basis dafür sind Befragungen, die jeweils 2011 und 2017 durchgeführt wurden.
  2. Die Autoren der Untersuchung vermuten aber eine hohe Dunkelziffer nicht angezeigter Fälle von Gewalt.
  3. Freiwillige Feuerwehrleute sind seltener von Gewalt betroffen als beispielsweise Berufsfeuerwehrleute. Dies hänge unter anderem mit den geringeren Einsatzzahlen zusammen.
  4. Jeder Dritte von körperlicher Gewalt Betroffene gab an, akutmedizinisch ärztlich und/oder psychotherapeutisch behandelt worden zu sein.
  5. Jede gemeldete beziehungsweise angezeigte Straftat verbessert die Erkenntnisse zu der Problematik. Dadurch können Präventionsmaßnahmen dort angesetzt werden, wo sie optimal wirken. Einen elektronischen und vereinheitlichten Meldebogen gibt es zum Beispiel auf www.dfeug.de

Was zählt zur Gewalt gegen Rettungskräfte?

Das Spektrum von Gewalt gegen Einsatzkräfte ist sehr vielfältig und breit gefächert: Vom fehlenden Verständnis für erforderliche Absperrungen bis zu dem stark alkoholisierten Patienten, der nicht mehr erkennt, dass die Rettungswagen-Besatzung ihm nur helfen will.

Und da sind natürlich auch die „erlebnisorientierten“ Menschen (Polizeijargon für gewaltbereite Jugendliche), die mit Steinen und Flaschen auf Einsatzkräfte im Löscheinsatz werfen. Die Bandbreite reicht demnach von verbalen und nonverbalen Angriffen (Beleidigungen, Drohungen, drohende Gesten) bis hin zu körperlicher Gewalt (Treten, Schlagen, Schubsen, Anwendung von Waffen).

Die Bandbreite von Gewalt gegen Einsatzkräfte reicht von verbalen und nonverbalen Angriffen (Beleidigungen, Drohungen, drohende Gesten) bis hin zu körperlicher Gewalt (Treten, Schlagen, Schubsen, Anwendung von Waffen). Symbolfoto: Rüffer

Sicher ist die Situation in Großstädten eine andere als in ländlichen Gegenden. Vermutlich wird es darüber hinaus regionale Unterschiede geben. Doch egal, wo sich der Einsatz befindet – stets gilt: Agieren ist besser als Reagieren. Konkret bedeutet Agieren in diesem Zusammenhang vor allem Vorbeugen.

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Die Gewaltprävention ist das beste Mittel, um gefährliche Situationen überhaupt erst gar nicht entstehen zu lassen. Und genau deshalb ist hier die intensivste Arbeit nötig.

Kommunizieren bei drohender Gewalt

Der Appell an die Feuerwehr muss daher lauten: Prävention und Deeskalation lernen. Schutzausrüstung und Selbstverteidigung sind sicherlich greifbarer, aber eine alte Weisheit lautet: „Die stärkste Waffe eines Menschen ist das Wort“. Weiter gefasst: „die Kommunikation.“

“Die stärkste Waffe eines Menschen ist die Kommunikation.”

Ein Beispiel: die nicht akzeptierte Absperrung. Sie kommt auch in den kleinsten Orten vor. Das einfachste Mittel zur Deeskalation sollte in diesem Fall sein, den Grund der Maßnahme einfach und ruhig zu verdeutlichen. Hierbei gilt es, auf die Notwendigkeit hinzuweisen und Kompetenz auszustrahlen. Das gelingt durch ein selbstsicheres Auftreten und den Einklang von Worten, Gestik und Körperhaltung. „Freundlich, aber bestimmt“, lautet das Motto.

Ähnlich verhält es sich bei stark alkoholisierten Personen. Wer nicht mehr Herr seiner Sinne ist, kann schnell durch zu forsche Kommunikation gereizt werden und die angebotene Hilfe als Bedrohung ansehen. Gleiches gilt auch für das entsprechende Umfeld dieser Personen.

Eine große Gefahr beim Handeln der Einsatzkräfte liegt in der Routine oder – deutlicher gesagt – dem „Abstumpfen“. Gerade deshalb ist es wichtig, jede Situation neu zu bewerten und die Herangehensweise anzupassen:

  • Wie spreche ich die Person an?
  • Spreche ich vielleicht zuerst die umstehenden Personen an?
  • Erkläre ich den Begleitern, was ich mache?

Feuerwehrleute, die auch im Rettungsdienst tätig sind, sollten sich bewusst sein: Das Zerschneiden von Bekleidung und das Setzen von Zugängen kann bei eingeschränkter Wahrnehmung schnell falsch gedeutet werden. Letztendlich kann auch hier wieder die klare Abgrenzung von „Staatsmacht“ und „Hilfeleister“ eine Situation entschärfen.

Gib der Gewalt keine Chance

Michael Steil führt in seinem Buch “Gib der Gewalt keine Chance” viele sehr hilfreiche Tipps auf, wie Feuerwehrmänner und Rettungsdienstkräfte am Einsatzort auf Gewalt reagieren können und sollten.

Er geht auf Deeskalation und Kommunikation ein. Aber er zeigt auch Handgriffe zur Selbstverteidigung. Die Tipps von Michael Steil sind sehr konkret und obendrein gut bebildert.

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In der Polizeiarbeit hat sich der Einsatz von “Konfliktmanagern” oder “Kommunikationsmanagern” als erfolgreich erwiesen. Warum also nicht einmal die guten Kontakte nutzen und eine Weiterbildung von Führungskräften, Pressesprechern oder anderen interessierten Kameraden anschieben?

Gewalt: Gefahren erkennen

An der Einsatzstelle angekommen, sind erfahrungsgemäß alle Augen auf das eigentliche Geschehen, sei es der Großbrand oder der Unfall, gerichtet. Dann spielen die Gefahren der Einsatzstelle eine wichtige Rolle für das Handeln der Führungskräfte. Dazu sollten die Kameraden auch die möglichen Gefahren von außen – also durch anwesende Personen – im Blick haben. Das gehört zur Eigensicherung.

Erst Kommunizieren, nicht gleich Zupacken. Symbolfoto: Westphal

Es gilt, die Augen offen zu halten und den sogenannten Tunnelblick zu brechen. Grundsätzlich ist das alles nichts Neues. Wir schauen als Strahlrohrführer natürlich zum Feuer, aber auch, ob eventuell der Giebel einstürzt. Und beim Aufschneiden des verunfallten Pkw achten wir auf Spannungen im Material oder auslaufende Betriebsstoffe. Wir versuchen ganz allgemein, weitere Gefahren zu erkennen.

Eine dieser Gefahren, wie zum Beispiel ein „Randalierer“, ist nun aber außerhalb unseres Fokus. Das bedeutet, auch der Blick über die Schulter, hinein ins Umfeld, muss dazu gehören, um diese Gefahr zu erkennen.

Waffen und Westen bei der Feuerwehr

Immer wieder steht die Diskussion darüber im Raum, ob die Feuerwehr Schutzwesten, Reizstoffsprühgeräte (Pfefferspray/CS-Gas) oder Elektroschocker nutzen darf. Wie sinnvoll ist der Einsatz solcher Ausrüstung?

“Waffen haben bei der Feuerwehr oder einer Hilfsorganisation grundsätzlich nichts zu suchen”, macht Deeskalationstrainer und Polizeihauptkommissar Tim Tietje direkt deutlich. “Es besteht erstens die Gefahr, sich selbst oder unbeteiligte Personen zu schädigen und zweitens kann Dir durch das Mitführen einer Waffe Vorsatz vorgeworfen werden.” Vor Gericht könne dann aus “Notwehr” durchaus “gefährliche Körperverletzung” werden.

Ganz abgesehen vom Schaden für das Image der Feuerwehr. Gleiches gelte im Übrigen auch für den Einsatz schwerer Stabtaschenlampen.

Bei Schutzwesten hingegen ist die Lage eine differenziertere. Christian Münstermann, Zugführer und Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Laufach (BY, Kreis Aschaffenburg): “Wir haben im Jahr 2013, nach mehreren in den Medien bekannt gewordenen Übergriffen gegenüber Rettungsdienst und Feuerwehr, stichhemmende Schutzwesten angeschafft.”

Drei der Westen von der Firma Mehler sind seitdem auf dem Vorausrüstwagen der FF verlastet. “Das ist unser Haupteinsatzfahrzeug bei First-Responder-Einsätzen und fährt in der Regel als erstes die Einsatzstelle an”, sagt Münstermann.

Die FF Laufach beschaffte 2013 stichhemmende Schutzwesten, um ersteintreffende Kräfte vor Übergriffen schützen zu können. Die Westen sind unter den Einsatzjacken nicht zu erkennen. Foto: FF Laufach.

Die Westen können bei kritischen oder unklaren Situationen sowie bei Wohnungsöffnungen zum Einsatz kommen. Im Zweifelsfall beziehungsweise bei unklaren Lagemeldungen warten die Feuerwehrleute zudem gemäß Dienstanweisung das Eintreffen der Polizei ab. “Die Handhabung der Westen ist relativ einfach und sie lassen sich mit wenigen Handgriffen anziehen”, erklärt Christian Münstermann. “Außerdem sind sie unter den Einsatzjacken quasi unsichtbar und können daher nicht als Provokation wahrgenommen werden.”

Tietje gibt zu bedenken: “Zusätzliche Ausstattung für den Selbstschutz erfordert auch immer eine zusätzliche Ausbildung.” Überdies könnten Schutzwesten den Einsatzkräften ein übersteigertes Sicherheitsgefühl geben, das nicht dem tatsächlichen Schutz durch die Weste entspräche, und möglicherweise zu waghalsigen Aktionen verleite. “Der Einsatz einer Weste sollte deswegen durch ein intensives Training begleitet werden”, begründet Tietje.

Bisher mussten die Feuerwehrleute der FF Laufach die Schutzwesten nicht einsetzen. Sie hoffen, dass das auch so bleibt.

Was bringt ein Deeskalationstraining? Welche Präventionsmaßnahmen können Feuerwehren treffen, um Gewaltsituationen vorzubeugen?
Wir haben für Euch ein Training besucht und Konzepte von Berufs- sowie Freiwilligen Feuerwehren zusammengetragen. Den vollständigen Bericht findet Ihr in unserem eDossier.

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Rechtsmittel: Was Ihr gegen Gaffer, Pöbler & Co. tun könnt

Das einzig probate Mittel, um dagegen vorzugehen, ist und bleibt der Rechtsweg. Wir nennen Euch die drei wichtigsten Paragraphen, auf die Ihr Euch berufen könnt.

Strafgesetzbuch (StGB), § 323c

Unterlassene Hilfeleistung; Behinderung von hilfeleistenden Personen:

(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer in diesen Situationen eine Person behindert, die einem Dritten Hilfe leistet oder leisten will.

Klartext: Wer nicht hilft oder Helfer/Einsatzkräfte bei der Hilfeleistung behindert, wird bestraft. Dazu gehören auch das Gaffen und das Nichteinhalten einer Rettungsgasse.

Paragraph 115, Strafgesetzbuch: Wer Feuerwehrleute oder Kräfte des Rettungsdienstes im Einsatz durch Gewaltandrohung oder gar einen Angriff behindert, hat mit bis zu 5 Jahren Haftstrafe zu rechnen. Symbolfoto: Markus Brändli (Bild: Markus Brändli)

StGB, § 115

Widerstand gegen oder tätlicher Angriff auf Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen:

(3) Nach § 113 – Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe; in besonders schweren Fällen bis zu 5 Jahren) – wird auch bestraft, wer bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes durch Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt behindert. Nach § 114 – Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte (Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren) – wird bestraft, wer die Hilfeleistenden in diesen Situationen tätlich angreift.

Klartext: Wer Feuerwehrleute oder Kräfte des Rettungsdienstes im Einsatz durch Gewaltandrohung oder gar einen Angriff behindert, hat mit hohen Strafen zu rechnen.

StGB, § 305a

Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel:

(1) Wer rechtswidrig ein für den Einsatz wesentliches technisches Arbeitsmittel der Polizei, der Bundeswehr, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes, das von bedeutendem Wert ist, oder ein Kraftfahrzeug der Polizei, der Bundeswehr, der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes ganz oder teilweise zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Klartext: Wer Einsatzmittel beschädigt oder versucht, sie zu beschädigen, kann bis zu 5 Jahre hinter Gittern landen.

(Stand: 30.06.2017)

Gewalt darf keine Antwort sein

Feuerwehr heißt Kameradschaft, füreinander einstehen und gegenseitig den Kopf hinzuhalten. Diese besondere Art der Gemeinschaft darf aber nicht dazu führen, dass im Einsatz angegriffene Kameraden gerächt werden. Bei allem Verständnis für den Unmut ist es kein probates Mittel, wenn sich die Löschgruppe mit Ausrüstungsgegenständen „bewaffnet“ und mit Gewalt antwortet. Im Gegenteil: diese Art der Kommunikation ist gefährlich.

Gewaltsuchende Angreifer können die Feuerwehr dann tatsächlich als einen adäquaten Gegner ansehen, mit dem sich eine Auseinandersetzung „lohnt“. Abgesehen davon ist das Bild der prügelnden Feuerwehrmänner in den Medien mindestens genauso rufschädigend, wie das Bild des betrunkenen Kameraden.

Nicht zuletzt verfügen wir auf allen Ebenen unserer Struktur über qualifiziertes Personal im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Diese solltet Ihr nicht nur für die Erarbeitung von Kampagnen zur Mitgliederwerbung oder anderen altbekannten Tätigkeitsfeldern nutzen: Eine Abgrenzung der Aufgabenzuweisung zur Polizei und die klare Herausstellung der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr kann sich als hilfreich erweisen. Damit darf natürlich nicht einhergehen, dass wir die gute und unabdingbare Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Polizei gefährden.

Gewalttätige Übergriffe auf Rettungskräfte (Auszug):

13 Präventive Maßnahmen gegen Gewalt an der Einsatzstelle

Deeskalierend kommunizieren

  • 1. Ruhig und gelassen bleiben.
  • 2. Lage und Stimmung erfassen.
  • 3. Die eigene Redeweise die der anwesenden Personen anpassen.
  • 4. Selbstbewusst und gleichzeitig respektvoll auftreten. Nicht in herablassendem Ton reden.
  • 5. Blickkontakt halten und „freundlich, aber bestimmt“ bleiben.
  • 6. Stets sachlich die Maßnahmen erklären, die von den Einsatzkräften getroffen werden.
  • 7. Identifizieren und dokumentieren
  • 8. Menschen, die sich angesprochen und/oder erkannt fühlen, lassen sich erfahrungsgemäß nicht so schnell zu strafbaren Handlungen hinreißen. Daher kann der Einsatz von Kameras oder das sichtbare Dokumentieren einer Situation beziehungsweise offenes Ansprechen von Personen schon dazu führen, dass das Gewaltpotential sinkt.
  • 9. Gleichzeitig ist die Dokumentation der Situation im Nachgang sehr wichtig für die Einsatznachbesprechung und mögliche rechtliche Folgen. Richtige Dokumentation ist vor einem Gericht häufig entscheidend für den Ausgang des Prozesses.
  • 10. Auch das Herstellen von Öffentlichkeit hilft hierbei.
  • 11. Im Notfall: Beleuchten. Im „rechten Licht“ fühlen sich Personen ertappt und können ihr „Ziel“ nicht mehr erblicken.

Rückzug

  • 12. Sieht man, dass es zu einer Eskalation kommen oder die Stimmung kippen kann, den Rückzug antreten.
  • 13. Nicht zu Racheaktionen übergehen. Diese schaden im schlimmsten Fall nicht nur einem selbst, sondern dem Ansehen der gesamten Feuerwehr.

Anzeigen und Opfer betreuen

  • 13. Alle Fälle von Gewalt müssen angezeigt werden. Bleiben die Täter ohne rechtliche Konsequenzen, kann sich bei den Opfern ein Ohnmachtsgefühl entwickeln. Denn: Einsatzkräfte, die Gewalt gegen sich erlebt haben, sind häufiger von psychischen Erkrankungen wie einer Posttraumatischen Belastungsstörung betroffen. Im schlimmsten Fall werden sie dadurch berufsunfähig. Daher ist sowohl eine rechtliche als auch psychologische Betreuung der Kräfte notwendig.

Gewalt gegen Rettungskräfte: DFV setzt nochmal deutliches Zeichen

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) hat sich auf seiner Delegiertenversammlung in Erfurt nochmals deutlich zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte positioniert. “Wir fordern die Gesellschaft, insbesondere Politik, Justiz, Bevölkerung und Medien, dazu auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen und uns vor Gewalt zu schützen”, lautet die Forderung aus der Versammlung.

In einer Resolution sind fünf entscheidende Punkte und Forderungen aus Sicht des DFV nochmal zusammengefasst: Mehr Respekt vor Einsatzkräften; Sensibilisierung der Bevölkerung; Werte vermitteln, Werte schätzen; Strafverschärfung und konsequente Strafverfolgung; Feuerwehrangehörige nicht im Stich lassen.

Die Resolution des DFV als Download:

>>Unsere Einsatzkräfte – unsere Sicherheit! Nein zur Gewalt gegen Feuerwehrangehörige

Die Resolution wird vom Deutschen Städtetag, dem Deutschen Landkreistag sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund mitgetragen.

Autoren:

Timm Falkowski, Mitglied der FF Kaköhl-Blekendorf und Polizeioberkommissar der Bundespolizei;

Nils Sander, Redaktion Feuerwehr-Magazin

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Dann ist also schon lange passiert, was ich seit Jahren befürchte? Toll… Einfach super…

    Und warum ging dieser Fall nicht durch alle Medien? (Ich zumindest höre jetzt zum ersten mal davon. Wo war das?) Ich hätte jeden noch so kleinen Fernsehsender und jede Zeitung informiert und vor allem mal unsere Regierung damit endlich mal was unternommen wird!

    Ich meine, da sind 4 Menschen verbrannt weil irgendwelche Assis der Meinung waren Einsatzkräfte wären zum Streit suchen da anstatt zum helfen.
    Wie weit soll das noch gehen? So lange bis mal einem Kameraden der Gedultsfaden reisst und er so einen Typen im Affekt mit der Axt umhaut weil er sie zufällig in der Hand hat? Muss doch nicht sein…

    Solche Situationen sind vermeidbar!

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Das heisst also, laut den Paragraphen 323c, 115 und 305a steht es bereits seit Jahren, nein Jahrzehnten unter Strafe Einsatzkräfte zu behindern und anzugreifen? (Inklusive der Rettungsgasse die ja IMMER noch nicht richtig funktioniert!)

    Dann frage ich eines: Warum werden dann aggressive Gaffer und Leute die im vollbesitz ihrer Geistigen Kräfte Einsatzkräfte angreifen nicht nach diesen Gesetzen bestraft wie es sein sollte?

    Laut den Infos zu den Paragraphen kann das Strafmaß teilweise auf bis zu 5 Jahre Freiheitsentzug festgelegt werden, warum wird dies nicht getan? Sind die Einsatzkräfte es nicht wert durch diese Gesetze geschützt zu werden? Oder sind Gesetze in diesem Land doch nur für diejenigen Gültig die dumm genug sind sich daran zu halten?
    Ich meine, wozu haben wir Gesetze, wenn sie nicht eingehalten werden?

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Was ist bloß aus dieser Gesellschaft geworden?!?

    Ich muss leider als NFS aus eigener Erfahrung sagen das wir, meine Kollegen und ich, schon öfters angegriffen worden sind. Einer der Einsätze vor ca. 2 Jahren, war der SCHLIMMSTE, den ich je mit machen musste. Wir wurden zu einem Verkehrsunfall gerufen, in dem eine Familie im brennenden PKW (VAN 7-Sitzer) eingeklemmt war. Da weder eine Rettungsgasse gebildet worden ist und wir von irgendwelchen minderwertigen negativen Subjekten, die man einfach nicht mehr als Menschen bezeichnen kann angegriffen worden sind, war unser NEF, RTW und zwei Fahrzeuge der Feuerwehr RW und MLF beschädigt worden. Des Weiteren wurden unseren Kameraden teils schwerste Verletzungen zugefügt. Somit war es uns nicht mehr möglich Hilfe zu leisten. Die Familie (2 Erwachsens sowie 4 Kinder) sind an diesem Tag im PKW ums Leben gekommen, da sie im Fahrzeug verbrannt sind. Diese konnten nicht mehr gerettet werden.

    Nehmen wir nur einmal an und lassen den Gedanken spielen; wenn jetzt einer dieser Subjekte von damals, die uns angegriffen hatten, jetzt selbst Hilfe benötigt, sei es medizinisch oder brandbekämpfend. Was ist, wenn wir Rettungskräfte erneut NICHTzum Einsatzort gelangen, da an uns Gewalt verübt wird. Was denkt sich dann diese minderwertige Person, welche nun selbst Hilfe benötigt. Wenn dieser überhaupt in der Lage ist zu denken. Sei es der Fall, das Haus, die Wohnung brennt, ein Familienmitglied dieser Person ist in einem lebensbedrohenden Zustand und es kommt niemand zur Hilfe. Was dann???

    An alle Ihr negativeingestellten Menschen – schaltet euer Gehirn ein!!!

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