Kommentar: Sachsen-Anhalts Imagekampagne geht in die Hose

Wenn Du einen Brand hast, lösch’ ihn bei der Feierwehr

Magdeburg – Über den goldenen Weg zur Mitgliederwerbung lässt sich streiten. Sicher nicht, indem Feuerwehren die Ausbildungsnachweise von frisch Zugezogenen nicht akzeptieren, die wieder in eine Einsatzabteilung möchten. Während aber das Nachbarland Brandenburg es mit Prämien für den aktiven Dienst versucht und zudem beschließt, Soforthilfen an Hinterbliebene zu zahlen, überrascht Sachsen-Anhalt mit einer prickelnden Imagekampagne für die Feuerwehr.

So sieht die Beschriftung der Bierdeckel aus, mit denen das Innenministerium für neue Mitglieder werben will. Foto: LMI Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) kündigte Ende März 2017 an, 100 Millionen Euro für neue Feuerwehrhäuser sowie Fahrzeuge zu investieren. Und: in eine große Werbekampagne zur Mitgliedergewinnung.

Unter dem Motto „Voller Einsatz“ wirbt das Landesministerium für Inneres und Sport nun für neue Mitglieder der „Feierwehr“. Mit Sprüchen auf Bierdeckeln. Noch deutlicher wird die Doppeldeutigkeit in ihrem Imagevideo. Darin beschwert sich ein duselig aussehender junger Mann mit verquollenen Augen: „Hab ich einen Brand.“ Doch die Lösung ist nah: „Dann komm löschen.“ Wo? Natürlich bei der Feuerwehr. Bei derart prickelnder Werbung kommen sicher die richtigen Anwerber.

Wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ berichtet, seien bislang etwa 51.000 Euro für Werbekampagnen geflossen. Grundsätzlich stünden 300.000 Euro bereit.

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Unter anderem der Kreisfeuerwehrverband Harz positioniert sich in einem Newsletter gegen die Aktion: „Eine Werbekampagne wie zum Beispiel die Bierdeckel Feierwehr darf es nicht wieder geben. Ein Großteil der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Harz lehnt eine solche Werbekampagne ab.“

Jahrzehntelang gehen die Feuerwehren gegen das Image an, hauptsächlich ein trockenes Plätzchen zum saufen zu sein. Hoffen wir, dass die restlichen 249.000 Euro nüchtern verwendet werden und die Kampagne “Voller Einsatz” von niemandem ernsthaft aufgegriffen wurde.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Solch eine Werbekampagne ist ein Schlag ins Gesicht für jeder/n Freiwilligen Feuerwehrfrau/mann. Wie wäre es damit zu werben Verantwortung zu über nehmen, es ist manchmal richtig harte Arbeit und gefährlich, aber wenn man Leben retten kann dann lohnt es sich allemal.

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  2. Der Meinung bin ich auch. Mit so einer Werbekampagne macht man das gesamte Image der freiwilligen Feuerwehren lächerlich.

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  3. Auch wenn das hier einige nicht glauben oder hören wollen:
    Ich bin damals zur Feuerwehr gegangen weil es bekannt war, dass dort eine feucht-fröhliche Kameradschaft herrscht und mir das eher zugesagt hat als etwa die Leute vom Sportverein.
    Mir ging es also erstmals nur um die Kameradschaft und das Trinken.
    Erst mit der Grundausbildung und ersten Einsätzen fand ich es auch ganz cool jemandem helfen zu können. Mittlerweile gehöre ich zu den am besten ausgebildeten Kameraden die die Lehrgänge mit Bestnoten bestanden haben und auch im Realeinsatz sich an die Normen und Regeln halten.
    Wir haben auch schon einige Leute bei uns aufgenommen. Ich sehe uns teilweise auch als Auffangbecken für Hinzugezogene und Leute ohne Anschluss. Und für fast alle ist es zunächst einmal die Kameradschaft und das hier verpönte Saufen, die sie immer wieder kommen lässt. Dann macht es Spaß und man ist gerne dabei und macht die Lehrgänge.
    Wir haben die Nachweise von anderen soweit ich weiß in letzter Zeit immer akzeptiert. Bei uns darf man auch von Anfang an mitmachen. Und um es nochmals klar zu machen: Wir haben eher zu viele, als zu wenige Kameraden.
    Die Aktion aus Sachsen-Anhalt finde ich deshalb auch nicht zu kritisieren.
    Wir sind in Baden-Württemberg 🙂

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  4. Ich finde die Werbekampagne gar nicht mal so schlecht, viele bei der Feuerwehr sollten endlich mal aufhören alles im Leben, und voralem sich selbst, zu ernst zu nehmen, bei der Feuerwehr, wie auch bei anderen Vereinen, gehört Geselligkeit nun mal dazu und ist für das soziale Untereinander sehr wichtig- das war immer so und das wird immer so bleiben. Und wenn dadurch neue Mitglieder gefunden werden ist doch alles gut, oder?

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  5. Vor drei Jahren bin ich umgezogen und in der Feuerwehr meines neuen Wohnortes bin ich vorbildlich aufgenommen worden. Ich trinke auch gerne ein Bier mit, aber im Allgemeinen finde ich, dass zu viel Alkohol getrunken wird, im Süden wie im Norden. Zum Feiern wird ohnehin jede Gelegenheit genutzt, Das noch zu fördern, sehe ich daher kritisch m

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  6. Ich habe zunächst an einen schlechten Scherz gedacht. Nun bin ich schlichtweg wütend über so eine schlechte Image- und Mitgliederwerbung. Viele Feuerwehren bemühen sich redlich gegen solche Vorurteile zu kämpfen und da ist er – der Elefant im Prozellanladen. Aus meiner Sicht sollte jemand dafür politische Verantwort übernehmen. Dieser “brilliante Idee”, die nebenbei aussieht, wie der VHS-Kurs Powerpoint für Anfänger, hat schließlich Steuergelder gekostet. Alle, die dieses Image noch pflegen, brauchen sich auch über zu wenig Respekt an Einsatzstellen auch nicht mehr wundern.

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