Gegen den Mitgliederschwund

Feuerwehr Mitgliederwerbung: 13 Ideen, wie es funktioniert

Das Thema Mitgliederwerbung für die freiwillige Feuerwehr wird angesichts des zunehmenden Mitgliedermangels immer wichtiger. Es gelten dabei zwei Grundsätze, um neue Mitglieder zu gewinnen: Feuerwehr muss attraktiv “verkauft” werden und die freiwilligen Feuerwehren müssen vor allem selbst aktiv werden – egal ob mit oder ohne Hilfe. Wir haben an dieser Stelle 13 interessante Ideen zusammengetragen, wie Feuerwehr Mitgliederwerbung betrieben werden kann. Welche Fehler gilt es zu vermeiden.

Umfrage: Wie gewinnt Ihr erfolgreich neue Mitglieder?

Feuerwehr Mitgliederwerbung: Was ist grundsätzlich zu beachten?

Das Wichtigste: Keine Idee sollte “zufällig mal eben so” und zwischendurch umgesetzt werden. Besser ist es, wenn sich eine festgelegte Projektgruppe “Mitgliedergewinnung Feuerwehr” (möglichst nicht größer als fünf Personen) um das Thema kümmert – und eine zeitlich begrenzte, nicht zu lange Kampagnen-Aktion durchführt (z. B. sechs bis zwölf Monate lang). Nur so lassen sich Erfolge messen und das Thema schläft weder bei den Initiatoren und ggf. Sponsoren, noch bei den potentiellen Adressaten und verbreitenden Medien ein. Falls erforderlich kann eine neue Kampagne mit einem neuen Ansatz gestartet werden – dann vielleicht auch mit neuem, engagierten Personal.

Innerhalb dieser Projektgruppe sollten nicht nur die “üblichen Verdächtigen” sitzen, die ohnehin schon viel Zeit für die Feuerwehr leisten. Empfehlenswert ist eher eine gute Mischung aus Führungspersonal (es muss nicht immer der Chef sein!) und einer gewissen Wehrstruktur (jüngere Mitglieder, ebenso wie ältere Mitglieder, Frauen und Männer). Außerdem denkbar und sinnvoll: der Einsatz externer Berater (vielleicht auch nur für das Brainstorming), wie etwa Journalisten, professionelle Pressesprecher oder ein Mitarbeiter einer Werbeagenture.

Ebenso wichtig: ein realistisch gestecktes Planungsziel. Niemand kann von einer freiwilligen Feuerwehr erwarten, innerhalb eines Jahres 25 neue Mitglieder aufzunehmen. Und: Vieles funktioniert nicht beim ersten Mal. Vielleicht wird bei Menschen zunächst Interesse geweckt, aber erst beim zweiten oder dritten Mal werden sie aktiv. Wiederholungen einzelner Aktionen sind deshalb unerlässlich!

13 Ideen zur Mitgliederwerbung Feuerwehr:

Mit-Mach-Tag

Ein Mit-Mach-Tag für potentielle Interessenten: Unverbindlich vorbeischauen, sehen, staunen – aber vor allem: Mitmachen! (Bitte vorher mit der jeweiligen Unfallkasse abstimmen – welche Aktion ist erlaubt, was ist versichert?) Wichtig ist dabei ein hochattraktives, ansprechendes Programm. Action bieten – besonders interessantes Gerät (zum Beispiel Chemikalienschutzanzug, Wasserwerfer, etc.), eine Vorstellung der Fahrzeuge, nicht nur einen einfachen Stand!

Tag der offenen Tür

Der Tag der offenen Tür gilt oft als verstaubt und veraltet – zu Unrecht! Auch dabei lassen sich Menschen für die Feuerwehr begeistern. Vorausgesetzt, das Programm ist attraktiv genug. Niemand wird alleine durch eine Hüpfburg, ein paar Bierbänke und eine Erbsensuppe angelockt. Besser sind  z. B. diverse Schauübungen (evtl. sogar mit Stuntman und Feuerwerker). Lieber laufend viele kleine, als nur einmal eine große. Weitere Ideen: Fotoausstellung über Arbeit und Einsätze, Videoshow von Einsätzen, Modellbauausstellung, sowie ein attraktiver Rahmen – z. B. Sonderfahrzeuge aus dem Umland, Rettungsdienst, Polizei, usw. Auch hier sollte an Mit-Mach-Aktionen gedacht werden. Wichtig: Es muss einen extra Info-Stand für potentielle Mitglieder geben (besetzt mit redegewandten, kompetenten Kameradinnen/Kameraden) – sowie immer wieder (durch Moderation) der Hinweis, dass für die Freiwillige Feuerwehr neue Mitglieder gesucht werden.

Mitgliederwerbung beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr? Das funktioniert vielfach - allerdings nur, wenn es sich um eine sehr attraktive Veranstaltung handelt. Foto: Klöpper
Feuerwehr Mitgliederwerbung beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr? Das funktioniert vielfach – allerdings nur, wenn es sich um eine sehr attraktive Veranstaltung handelt. Foto: Klöpper

Präsenz zeigen

Feuerwehren sollten nicht nur einladen und auf das neue Mitglied warten – sondern selbst auch an anderen Stellen Präsenz zeigen – z. B. in der Fußgängerzone an einem verkaufsoffenen Sonntag, bei Kirchengemeinden und örtlichen Betrieben. Eher weniger gut kommt meist das “Abpassen” von Passanten vor Supermärkten, Baumärkten oder ähnliches an. Nicht wenige Menschen, die eigentlich nur einkaufen möchten, fühlen sich durch so etwas belästigt. Und es kann sogar ein negativer, verzweifelt wirkender Schatten auf die Feuerwehr fallen.

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Mundpropaganda

Nichts funktioniert so gut wie Mundpropaganda von einem begeisterten Feuerwehrmann. Wichtig ist dabei auch die Zufriedenheit und Motivation bei den bestehenden Kräften. Ein Feuerwehrmann, der zu seinem Nachbarn sagt: “Komm doch mal mit zur Feuerwehr, das ist wirklich klasse da!” wirkt um ein vielfaches besser, als jedes Plakat!

Social Media nutzen

Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter erreichen kostenneutral viele Menschen. Dabei gilt es zunächst, für die Feuerwehr zu begeistern. Jedes Posting will gut überlegt sein. Außerdem sollten nur Bilder und Videos guter Qualität eingestellt werden. Erwähnt man wirklich stolz, dass die Feuerwehr zehn Stunden bei einem Brand im Einsatz war – oder ist das vor dem Gedanken neue Mitglieder zu begeistern eher kontraproduktiv? Wiederholende Botschaften sind erlaubt, die Form sollte sich aber verändern. Beispiel: Einmal gibt es ein Posting, dass noch Plätze frei sind. Beim nächsten Mal berichtet z. B. die neu gewonnene Kameradin mit einem Satz und einem Foto, was ihr an der Feuerwehr so gut gefällt. Das alles funktioniert natürlich nur, wenn die Zahl der Fans einigermaßen hoch ist – und nicht nur die bestehende Mitgliederliste umfasst…

Feuerwehr und Social Media

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Örtliche Medien begeistern

Örtliche Medien begeistern: Eine Pressemitteilung “Wir brauchen Mitglieder!” mag vielleicht einmal kurz abgedruckt werden. Doch das bietet selten Erfolg, schon gar keinen dauerhaften. Interessanter könnte z. B. eine Serie über die Feuerwehr sein. Eine gute Gelegenheit, um sich attraktiv zu verkaufen! Viele Zeitungen sind dankbar für professionelle Zuarbeit mit honorarfreien Bildern und Texten. Ganz besonders in der “Sauren-Gurken-Zeit” während des Sommers. Und außer der Tageszeitung gibt es vielleicht noch mehr Medien im Umland? Lokale Radiostationen, Fernsehsender, Anzeigenblätter, Blogger… Wichtig: Sprechen Sie die Redaktionen individuell an – und nicht alle zur selben Zeit.

Imagefilm / Video

Ein Imagefilm für Web oder das örtliche Kino sind eine tolle Sache – wer jedoch nicht die Möglichkeiten einer professionellen Umsetzung hat, sollte darauf lieber verzichten. Ganz wichtig: Für eine Viralität im Web (also eine automatische Verbreitung) muss das Video am besten witzig und überraschend sein – aber nicht lächerlich. Tipp für den eigenen Feuerwehr-Imagefilm gibt es hier.

Werbevideo der Freiwilligen Feuerwehr St. Johann im Pongau:

 

 

Doppelmitgliedschaften bei den freiwilligen Feuerwehren

Werben um Doppelmitglieder – in einigen Bundesländern sind Doppelmitgliedschaften bei der freiwilligen Feuerwehr erlaubt bzw. ausdrücklich gewünscht. Gezielte Werbekampagnen für Kameraden, die tagsüber in der Stadt arbeiten und die Feuerwehr unterstützen könnten, sind oftmals zielführend.

Feuerwehr-AG

Eine Feuerwehr-AG in der Schule hat sich oftmals zu einem echten Treiber für die Mitgliederzahlen entwickelt. Je nach Klassenstufe meist erst als JF-Mitglieder, doch auch diese werden vielleicht später aktive Feuerwehrleute. Wenn es nicht gleich eine Feuerwehr AG sein soll – auch das Thema “Feuerwehr” in Projektwochen kommt gut an und wird von vielen Schulen gerne gesehen. Bei vorhandenen Kinderfeuerwehren kann auch der Besuch im Kindergarten schon Sinn machen.

Brandschutzerziehung

Bei der Brandschutzerziehung sollte das Thema Feuerwehr Mitgliederwerbung für die Jugendfeuerwehr nicht unter den Tisch fallen. Die ausführenden Kameradinnen und Kameraden sollten nachdrücklich und mehrfach erwähnen, dass auch für die Jugendfeuerwehr Nachwuchs gesucht wird. Entsprechendes Infomaterial, dass an die Kinder – und am besten auch an die Eltern – übergeben wird, ist obligatorisch!

Infomaterial

Infomaterial muss stets professionell gestaltet sein – niemand lässt sich mit einer schlechten schwarz-weiß-Kopie eines Flyers ansprechen. Das Drucken von Flyern ist heute günstiger denn je – da kann durchaus etwas Geld für eine Gestaltung von Werbeprofis in die Hand genommen werden. Wenn es keinen Fotografen und Grafiker in der eigenen Wehr gibt: Es muss nicht immer die Kameradschaftskasse bluten – auch der Bürgermeister hat ein Interesse an ausreichend Mitgliedern und dürfte den Druck der Flyer etwas unterstützen. Einfach mal bei der Stadt oder Gemeinde anfragen! Empfehlenswert sind übrigens insbesondere lokale Motive – für einen Wiedererkennungswert und ein Verbundenheitsgefühl. Aber: Plakate und Flyer können nur noch ein Begleitmedium sein. Allein durch die Verbreitung auf diesem Weg sind kaum neue Mitglieder zu gewinnen!

Anlaufstellen nutzen

Wer neu in eine Stadt zieht, sucht vielleicht Anschluss und neue Freunde – das sollte die freiwillige Feuerwehr nutzen. Wer sich im Einwohnermeldeamt anmeldet, sollte gleich die passende Information, beispielsweise Ansprechpartner, von der Feuerwehr ausgehändigt bekommen.

Zielgruppe definieren

Jede Kampagne sollte individuell für eine bestimmte Zielgruppe ansprechend sein – nicht nur für Jugendliche oder junge Erwachsene. Auch ein 40-Jähriger kann eine tolle Verstärkung sein. Eine Definition der zu erreichenden Zielgruppe ist unerlässlich.

“Rettet die Feuerwehr” – Konzept Mitgliedergewinnung

Im August 2016 liest Alexander Döpel einer Statistik, die sein bisheriges Bild vom Feuerwehrwesen schlagartig verändert: Rund 96 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland sind ehrenamtlich tätig. Bislang ist der Universitätsdozent und preisgekrönte Gestalter davon ausgegangen, dass sich freiwillige und hauptamtliche beziehungsweise Berufsfeuerwehrkräfte die Waage halten würden. Anders konnte er sich die permanente Verfügbarkeit der Einsatzkräfte nicht erklären – ein weitverbreiteter Irrtum.

“Mir ist plötzlich bewusst geworden, welche ungeheure Last freiwillige Feuerwehren schultern und was dies – nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels – für die künftige Einsatzfähigkeit bedeutet”, erklärt der 36-Jährige. Von Neugier angetrieben, entscheidet er sich dazu, mit seinem Freund Dr. Holger Wondraczek über die strukturellen Probleme freiwilliger Feuerwehren zu diskutieren. Der 34-jährige Wondraczek ist stellvertretender Ortsbrandmeister der FF Bucha (Saale-Holzland-Kreis).

Im Verlauf dieses Gesprächs entwickeln die zwei eine Seminaridee für das Sommersemester 2017: ein Projekt zur Rettung der freiwilligen Feuerwehren. Döpel tauft den Kurs auf den Namen “Freiwillig”.

Feuerwehrübungen verbinden

Aufmerksamkeit zu erzeugen, um die öffentliche Wertschätzung gegenüber der Feuerwehr zu steigern, so formuliert der Dozent diese Kursbeschreibung. Zehn Studierende melden sich auf Anhieb an. Diese Entscheidung haben sie nicht bereut. “Nicht nur der Praxisbezug, sondern auch die Übungen, die wir mit der Feuerwehr erleben, machen das Projekt einzigartig”, berichtet die 19-jährige Seminarteilnehmerin Anna Graf.

Feuerwehr-Einsatzkleidung inmitten eines Modegeschäftes: Damit will Anna Graf Menschen in einem Umfeld abfangen, wo sie sich ungezwungen mit dem Thema freiwillige Feuerwehr auseinandersetzen können. Foto: Graf

Für Wondraczek von der FF Bucha ist es wichtig, dass die Studierenden im Vorfeld der Konzeptphase am regulären Übungsbetrieb der Wehr teilnehmen. “Einerseits sollen die Projektteilnehmer ein realistisches Bild davon bekommen, womit sich eine kleine Wehr, wie wir es sind, auseinandersetzen muss”, erklärt der 34-Jährige. Rund 60 Kameraden sind in Bucha aktiv. “Anderseits sollen sie ein Gefühl dafür bekommen, wie variantenreich die Arbeit der Feuerwehr ist “, erläutert er weiter.

“Da haben alle erst einmal so richtig gemerkt, was die Feuerwehrleute eigentlich leisten, denn nach den Übungsdiensten waren sie fix und fertig”, sagt Projektleiter Döpel. Am Ende der zweiten gemeinsamen Übung sitzen Feuerwehrleute und Studierende gemeinsam im Feuerwehrhaus und essen Soljanka – eine säuerlich-scharfe Suppe aus dem osteuropäischen Raum – und Eierkuchen.

Vorurteile überwinden

“Wir haben zum Teil bis 23 Uhr diskutiert”, sagt Wondraczek begeistert. Dabei hat es dem Feuerwehrmann anfangs reichlich Arbeit gekostet, seine Kameraden für das Projekt zu begeistern. Einige Feuerwehrleute standen der Zusammenarbeit mit Akademikern kritisch gegenüber, weil sie altbekannte Vorurteile hegten – zum Beispiel, dass die Studierenden sich für etwas Besseres halten würden. Auch die Projektteilnehmer konnten durch die gemeinsame Zeit mit den Feuerwehrleuten, vorgefertigte Denkmuster überwinden. “Meine persönlichen Vorstellungen haben sich im Laufe des Projekts sehr stark verändert. Die meisten Menschen denken bei der freiwilligen Feuerwehr doch eher an einen dörflichen Verein, deren Mitglieder am Abend nach dem Brand gerne auch noch den Durst löschen”, führt Graf aus.

Wie ein Großteil der Gesellschaft konnten sich die Studierenden vor Projektbeginn kein Bild von der Feuerwehr machen. “Vorher war ich im Grunde vollkommen uninformiert und hatte keine rechte Vorstellung, was das Aufgabenfeld der Feuerwehren alles umfasst. Mir war auch nicht bewusst, dass der allergrößte Teil der deutschen Feuerwehren freiwillig ist”, sagt der 22-jährige Kursteilnehmer Robin Lindner.

Die Gesellschaft aufrütteln

Das erworbene Wissen, die gesammelten Erfahrungen bei den Feuerwehrübungen und der enge Kontakt zu den Feuerwehrleuten beflügelt die Projektgruppe bei der Ideenfindung. Allen Beteiligten ist schnell klar, dass sie unkonventionelle Ansätze benötigen, um Aufmerksamkeit zu generieren. “Wir wollen mit den Konzepten aufrütteln, polarisieren, den öffentlichen Kurs beflügeln”, sagt Döpel. Dazu knüpft der 36-Jährige auch Kontakt zum Thüringer Feuerwehrverband. Dieser steht der Projektgruppe beratend zur Seite und versorgt die Studierenden kontinuierlich mit aktuellen Fakten.

Ein Blickfang, der neugierig macht: Marlene Utz und Robin Lindner, zwei 22-jährige Studierende der Visuellen Kommunikation, wollen mit ihrem schwarz lackierten Feuerlöscher bewusst provozieren. Foto: Lindner

Eine Zwischenpräsentation vor den Mitgliedern der FF Buchau stellt sicher, dass die Studierenden mit ihren Ideen auf dem richtigen Weg sind. Die nächsten Wochen ist Feinarbeit angesagt. An Motivation mangelt es den Teilnehmern nicht. “Die Menschen schätzen die Feuerwehr zwar sehr, erkennen aber kaum das Privileg, überhaupt eine in ihrem Ort zu haben. Der gravierende Mitgliederschwund ist ihnen erst recht nicht bewusst”, erklärt die 22-jährige Corinna Lobinger, „den Leuten müssen die Augen geöffnet werden, da darf man sie auch mal schocken.“

Am 5. Juli ist es dann so weit: Die zehn Studierenden präsentieren ihre finalen Konzepte vor versammelter Mannschaft im Feuerwehrhaus Bucha. Die Feuerwehrleute sind begeistert.

Mit Provokation zum Erfolg

“Das größte Potenzial haben die Konzepte, die am meisten provozieren”, findet Wondraczek. Darunter die Idee von Robin Lindner und Marlene Utz: Sie wollen auf der Fläche vor dem Deutschen Bundestag 6.061 schwarz lackierte Feuerlöscher aufstellen. Die Feuerlöscher-Installation steht für die 6.061 Feuerwehren, die in den letzten 10 Jahren geschlossen werden mussten. “Einen Teil der Feuerlöscher konnten wir für die Aktion schon beschaffen, schwieriger wird es, eine Genehmigung für das Aufstellen auf dem Platz zu erhalten”, sagt Döpel. Bei so einer Aktion wäre die Wirksamkeit aufgrund des Medienechos groß, weiß der Experte.

Anna Graf setzt mit ihrem Konzept auf den Überraschungseffekt. Getreu dem Motto „Helfen kommt nie aus der Mode“ möchte sie Einsatzbekleidung inmitten von Modegeschäften platzieren. “Eine Schaufensterpuppe mit Aufsteller soll so die Menschen an Aktionstagen auf die verschiedenen Problematiken der freiwilligen Feuerwehr aufmerksam machen”, erläutert sie.

Alexander Döpel (36), Master of Arts 

“Erfolgreiche Werbekampagnen unterhalten. Sie erzählen eine relevante Geschichte, welche die Aufmerksamkeit des Betrachters weckt und bieten im besten Fall gleichzeitig einen Mehrwert. Ein Patentrezept für den Erfolg von Werbekampagnen gibt es leider nicht. Denn es spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle. Allerdings kann ich Ihnen einen der besten Ratschläge mit auf den Weg geben, der mir je erteilt wurde: ‚Überraschen Sie mich.‘”

Ein drittes Konzept mit konkretem, regionalem Umsetzungspotenzial stammt von Corinna Lobinger. Die 22-Jährige hat gemeinsam mit Sabrina Reis und Katharina Klemann Leitlinien für deutsche Autobahnen überausgearbeitet. Mit eindeutigen Fahrbahnmarkierungen und passenden Verkehrsschilder soll auf das richtige Bilden einer Rettungsgasse hingewiesen werden.

Auch wenn die Umsetzung der entwickelten Konzepte noch nicht absehbar ist, steht für Dr. Holger Wondraczek von der FF Bucha jetzt schon fest, dass sich das Projekt gelohnt hat. “Der Kurs hat zwei unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammen gebracht hat, die sonst wahrscheinlich nie miteinander zu tun gehabt hätten und auch nie eine konkretes Bild davon bekommen hätten, was der jeweils andere so tut.” Alexander Döpel kann sich ebenfalls vorstellen, das Projekt zu wiederholen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Wir haben mitte diesen Monats einen Schulbesuch in der Grundschule nach dem “Böblinger Konzept” durchgeführt. Bei der darauffolgenden Jugendfeuerwehrübung kamen dann 5 Kinder (von 45 beteiligten Kindern). Ob Sie bei der JFW dabei bleiben wird sich zeigen.
    Neben einer Publikation eines Berichtes über den Feuerwehrnachmittag auf unserer Website wurde dieser auch in der Tageszeitung publik gemacht:http://www.swp.de/crailsheim/lokales/landkreis_schwaebisch_hall/Im-Ernstfall-richtig-reagieren-Viertklaessler-loeschen-Brand;art5722,2506438
    Im Bericht sind unsere Ideen für einene interessanten Schulbesuch enthalten.

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  2. Die Probleme werden größer und können lange nicht mehr allein mit Werbung gelöst werden. Es müssen Strukturänderungen her die in viele Bereiche eingreifen. Es gibt in fast allen Bundesländern entsprechende Strategiepapiere um die Sicherheit der Bevölkerung trotz dieser gefährlichen Entwicklungen zu gewährleisten. Es bedarf vor allem der Zusammenarbeit von Politikern und Fraktionen um nicht immer mehr Aufgaben an die Feuerwehren zu delegieren. Hier nur erwähnt die o.g. Schulbesuche oder zusätzlicher Aufbau einer Kinderfeuerwehr…..
    Sollte Feuerwehr nicht entlastet werden und sich auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren? Gern können wir unser Strategiepapier für Sachsen in allen Punkten vorstellen aber auch hier arbeiten die verschiedenen Institutionen und Politiker nicht zusammen. Der Brandschutz wird immer jeweils dem anderen zu geschoben. In Mecklenburg Vorpommern wurde ein Strategiepapier vom Städte- und Gemeindetag mit dem Innenministerium erstellt, dass sich sehen lassen kann! Wie kann Feuerwehr in Zukunft noch funktionieren? Der Schutz der Bürger ist im Grundrecht verankert, deshalb finden wir das Werbemaßnahmen der einzelnen Feuerwehren schon längst unzureichend sind um das System Brandschutz auf sichere Füße zu stellen. Deshalb sollten auch hier (an Redaktion) auch die entsprechenden Strategien der Bundesländer vorgestellt und zu Diskussion gestellt werden?

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  3. Ein weiteres Problem ist, dass vielfach durch Berufsfeuerwehr vorgaben gemacht werden, die nicht erfüllt würden können. Es ist zwar schön, dass es die AGBF gibt, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass zu sehr aus “dem Bauch” gehandelt wird. Damit meine ich, dass die es keine Nachhaltigkeit gibt. Es wird zwar vielfach erwartet, dass Hilfsfristen sowohl von Seiten der BF als auch von Seiten der FF eingehalten werden, aber das ist vielfach nicht machbar, z.B. eine nicht verfügbare Einsatzabteilung.
    Was genau so schlimm ist, dass überall gespart wird. ICh habe nun das Glück in einer Wehr zu sein, die ein Fahrzeug vom Bund gestellt bekommen hat. Aber nichtsdestotrotz fehlt es vielen Kameraden an Ausrüstung (z.B. PSA oder auch an Fahrzeugen).
    Ein weiteres Problem ist die “Nichtfreistellung durch den Arbeitgeber”. Laut Brandschutzgesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinem Mitarbeiter im Falle eines Alarm freizustellen. Doch viele machen das nicht. DAs geht sogar soweit, dass sich die Mitarbeiter nicht trauen, zu erzählen, dass sie Mitglied in einer Freiwilligen Feuerwehr sind. Ich habe es selber in der Firma, in der ich gearbeitet habe, erlebt.
    Ich fordere deshalb:
    1. Mehr Finanzen für den Brandschutz. Denn auch ihr, liebe Politiker, habt ein Zuhause und möchtet, dass euch geholfen wird, wenn ihr in Schwierigkeiten seid.
    2. Eine vernünftige und sichere Schutzausrüstung für jeden Angehörigen einer Freiwilligen Feuerwehr. Wir wollen alle wieder gesund nach Hause und das kann vielfach nur durch eine Schutzausrüstung gewährleistet werden.
    3. Unterstützung der Mitarbeiten von Seiten der Firma, die zusätzlich zu ihrem Beruf noch ehrenamtlich in einer Freiwilligen Feuerwehr tätig sind. Das gleiche gilt auch für euch, leibe Firmenchefs. Auch ihr habt eine Zuhause und vielfach eine Familie und wollt, das euch geholfen wird, wenn ihr in Gefahr seid.

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  4. Der Beitrag gefällt mir wirklich gut. Einige der Tipps haben wir in unserer Wehr bereits ausprobiert und hatten auch Erfolg damit. Besonders ansprechend ist die Mitmachaktion und kleine Schauübungen. Wenn dann noch eine gemütliche Ecke geschaffen wird in der die Besucher oder aber zukünftigen Kameraden sich weitere Information über die Feuerwehr, Rauchmelder uns sonstiges holen können ist die Kombination perfekt. Und nicht traurig sein wenn man nach der Durchführung einer solchen Aktion nicht einen neuen Kameraden begrüßen darf. Oftmals brauchen die Leute im Anschluss einfach nochmal 2 bis 3 Anläufe bis sie sich wagen zum Dienst zu kommen. Am besten ist es dann die Leute direkt anzusprechen ” Mensch du Freitag ist Übungsdienst komm doch einfach mal mit”

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  5. Die Attraktivität des Dienstes könnte auch gesteigert werden, indem die Stadt Schwimmbäder etc. Angehörigen von Blaulichtorganisationen kostenlos für die Gesunderhaltung zur Verfügung stellen würde.

    Eventuell kann auch der Impfschutz (Hepatitis, etc.) von der Stadt ohne großen Aufwand übernommen werden.

    Bei der Übernahme von neu zugezogenen Interessierten, welche bereits in einer anderen Feuerwehr Dienst getan haben, muss die Anerkennung von Lehrgängen deutlich erleichtert werden, bzw. die Ausbildung generell harmonisiert werden. Betroffen sind hier vor allem die Führungskräfte.

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  6. In Trier ( RLP) wurde die Brandschutzerziehung schon vor über 10 Jahren eingestellt. Grund: Die Stunden der BF-Leute durften nicht mehr aufs AZ-Konto.

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  7. Gute Idee sehr gute

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  8. Ich finde, es schon schlimm genug, dass eine Organisation wie die Feuerwehr oder teilweise auch Rotes Kreuz Werbung machen müssen. Solange es nicht in die Köpfe der Menschen geht, sich nicht nur selbst der Nächste zu sein, wird es in Zukunft immer schwerer werden Überhaupt noch jemanden zu motivieren ehrenamtliche Arbeit zu tätigen.

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  9. Wie wäre es wenn aktive ehrenamtliche Helfer in ihren Gemeinden und Städten, mit Hilfe eines Mitgliedsausweises, Rabatte in Geschäften, Werkstätten etc. erhalten würden? Ermässigungen beim Eintritt in Schwimmbäder und Freizeitparks wären vielleicht auch ein Anreiz in eine Freiwillige Feuerwehr einzutreten.

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  10. Dem Artikel kann man nicht ganz zustimmen: Feuerwehren sind ein bunter Haufen aller gesellschaftlichen Schichten. Warum geschrieben wird, dass mit den Studierenden einerseits und Feuerwehrleuten andererseits Welten aufeinander prallen, verstehe ich nicht ganz. In unserer Wehr (90 Aktive) gibt es alles, auch Akademiker und Studierende, vom Steuerberater über den Richter, Elektroingenieur bis hin zum Informatiker und Arzt, neben Selbstständigen, Handwerkern, Bauern und Winzern, Angestellten und Azubis. Gerade deswegen ist die Arbeit in der Feuerwehr so spannend, weil man mit Leuten aus allen Winkeln der Gesellschaft zu tun hat. Welten prallen aufeinander, aber nicht erst seit diesem Hochschulprojekt.

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  11. Hallo Michael, das ist prima. Leider ist es immer noch so, dass viele Studierende überhaupt keine Erfahrungen im Bereich Feuerwehr haben, wie in diesem Fall. Deswegen haben wir geschrieben, dass zwei Welten aufeinander prallen.

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  12. Ich finde, dass man die Bürger aufklären sollte, dass es auch bei den freiwilligen Feuerwehren am Personal mangelt.

    Es wird ja schon Werbung auch hier in NRW für den freiwilligen Dienst gemacht.

    Aber mal ernsthaft : Wer arbeitet gerne ohne Bezahlung ?

    Wer möchte seine geringe Freizeit für die Feuerwehr opfern ?

    Wer möchte gerne von anderen Mitmenschen verletzt, beleidigt, etc. werden.

    Wer kann noch neben seinem Job max 10 Std. Tag, noch nachts bereit sein, ohne Angst seine Arbeit zu

    verlieren.

    Wer möchte u.U. verbrannte, verletzte und tote Menschen sehen ? Wer kann das verarbeiten ?

    Dies ist keine gute Stellenbeschreibung für Freiwillige.

    Oder nach einem Dienstunfall von Kameraden und Verantwortlichen im Stich gelassen werden. Wie in meinem Fall.

    Im Anhang meine Berichte zu meinem Dienstunfall.

    Es werden Mitmenschen unter falschen Voraussetzungen zur Feuerwehr gelockt. Mit Spaß und Freude,Technik etc.

    Die alte Familientradition vom Opa über Vater zum Sohn bei der FFW ist nicht mehr vorhanden.

    Das ZDF WISO hat 2012 über die Personalprobleme deutschlandweit berichtet. es werden von Bezirksregierungen immer

    wieder Ausnahmegenehmigungen erteilt, dass es vorübergehend der Brandschutz gewährleistet wäre.

    Aber in meine EX Feuerwehr sind immer noch 40 Leute zu wenig.

    Da treten z. B. Ehefrauen der Feuerwehrmänner in die Feuerwehr ein um die Mitgliederzahlen zu schönen.

    Andere Kameraden stehen nur auf dem Papier, haben aber keine Zeit mehr um Einsätze zu fahren.

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