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Berufsfeuerwehr Bern in Portrait.
Feuerwehrpflicht und Jugendfeuerwehr

Feuerwehr Schweiz: wie das Löschwesen in den Kantonen funktioniert

Bern – Nicht nur bei Schoki, Käse und Taschenmessern sind die Schweizer vorn dabei. Auch ihre Feuerwehr hat sich stark entwickelt. Doch im Vergleich zu Deutschland oder Österreich gibt es nur wenige Freiwillige Feuerwehren. Vielmehr besteht für die Bevölkerung eine Feuerwehrpflicht. Was es damit auf sich hat und wie das Schweizerische Feuerwehrsystem funktioniert.

Text: Heino Schütte, Feuerwehr-Magazin Autor

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Die Berufsfeuerwehr Bern vor dem Bundeshaus.
Die Berufsfeuerwehr Bern vor dem Schweizer Bundeshaus. Foto: Preuschoff

Zwar laufen in Sachen Brand- und Katastrophenschutz die Fäden bei der Feuerwehr Koordination Schweiz (FKS) zusammen. Doch der Föderalismus ist in den einzelnen Kantonen der Schweiz sehr stark ausgeprägt. Ein Kanton ist vergleichbar mit einem Bundesland in Deutschland und Föderalismus heißt: Ein Gesamtstaat besteht aus mehreren Gliedstaaten, die selbständig Gesetze erlassen können. In Deutschland sind das die Bundesrepublik und die einzelnen Bundesländer. Doch in der Schweiz wird der Föderalismus noch wesentlich intensiver gelebt.

In der Ausgabe 3/2020 verraten wir Euch, welche die älteste internationale Vereinigung von Feuerwehren im deutschsprachigen Raum ist, warum man bei Plauschwettbewerben auch ganz schön ins Schwitzen kommen kann und wie die Feuerwehr Diessenhofen (Kanton Thurgau, Schweiz) ausgestattet ist.

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Wie unterschiedlich die 26 Kantone sind, zeigt sich auch in den dort gesprochenen Sprachen: In den größten Teilen der Schweiz ist Deutsch die Muttersprache, im Süden und Westen aber auch Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Und da die Kantone auch für das Schweizer Brandschutzwesen und die Ausbildung der Feuerwehr zuständig sind, gibt es landesweit sehr unterschiedliche Feuerwehr-Konzepte.

Einzigartiges Milizsystem

In den meisten Kantonen herrscht eine Dienstpflicht für Männer und Frauen bei der Feuerwehr. Insgesamt rund 85.000 Aktive leisten in zirka 1.300 Feuerwehrorganisationen – darunter 16 Berufs- und 189 Betriebs- oder Werkfeuerwehren – ihren sogenannten Milizdienst.

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Die große Reportage: Berufsfeuerwehr Bern. Aus der neue Riesenwache rückt auch das Taktische-Feuerwehr Einsatzelement zur Unterstützung der Polizei aus.

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Das Milizsystem ist eine Schweizer Besonderheit: Für die Bürger ist es selbstverständlich, dass sie nebenberuflich oder ehrenamtlich Aufgaben für das Gemeinwesen übernehmen. Dies zeigt sich auch im Engagement in der Armee und für die Landesverteidigung, wozu auch der zivile Bevölkerungsschutz und damit die Feuerwehr zählt.

Die Verzahnung von Militär und Feuerwehr zeigt sich schon allein in den ähnlichen Rangbezeichnungen. Aber vor allem darin, dass die Feuerwehren im Bedarfsfall viel schneller Zugriff auf Ausrüstung und Personal der überall im Land verteilten Logistikzentren der Armee haben. Das schließt von Fahrzeugdepots bis hin zur unbürokratisch organisierten Hubschrauberunterstützung alles Mögliche ein.

Schweizer Feuerwehr: Atemschutzfahrzeug bzw. Atemschutzbus mit bis zu 15 Sitzplätzen, von denen sich 13 mit PA ausstatten können
Schweizer Besonderheit: Das Atemschutzfahrzeug. Der in Diessenhofen stationierte “Atemschutzbus” kann bis zu 15 Einsatzkräfte befördern, von denen 13 auf den beiden seitlich aufgereihten Sitzplätzen schon während der Anfahrt Pressluftatmer und Funkausrüstung anlegen können. Foto: Schütte

Reine ehrenamtliche Feuerwehren wie in Deutschland gibt es in der Schweiz eher selten. Wer übrigens die Feuerwehrpflicht im Sinne des Milizdienstes nicht leisten kann oder will, muss eine Abgabe zahlen. Die AdF (Angehörige der Feuerwehr) bekommen dafür eine weitaus höhere Dienstentschädigung als in Deutschland, die durchaus dem Stundenlohn eines Facharbeiters nahekommt. Finanziert wird das Feuerwehrwesen in vielen Kantonen unter anderem durch eine Gebäudeversicherung.

Alarm- und Leitstellen werden meist gemeinsam von Feuerwehr und Polizei betrieben. Über die Notrufnummer 112 landet man übrigens bei der Polizei, die einen aber zur Feuerwehr weiterleitet. Direkt erreicht man die Feuerwehr in der Schweiz über die 118.

Zum weiterlesen:

Schweizer Jugendfeuerwehr

Thomas Widmer ist Leiter des Jugendfeuerwehrwesens beim Schweizerischen Feuerwehrverband (SFV). Die Unterschiede zum deutschen System: Was die Organisation anbelangt, gebe es keine Vorgabe, sondern allenfalls Empfehlungen für die 26 Kantone. Das Eintrittsalter schwankt zwischen 10 und 12 Jahren. Kinderfeuerwehren existieren bislang nicht.

Jugendfeuerwehr Vergleich: Schweiz, Österreich, Deutschland
Die internationalen Unterschiede in der JF-Bekleidung für den Übungsdienst: links Österreich, Mitte Deutschland, rechts Schweiz. Die Schweizer Ausstattung sticht durch ihre Ähnlichkeit zur Persönlichen Schutzausrüstung im Einsatzdienst hervor. Doch in den Kantonen gibt es dazu große Unterschiede. Foto: Schütte

Aufgrund der Vielfalt in den Kantonen fehle es dem SFV an exakten Zahlen zu JF-gruppen und -Mitgliedern. Widmer schätzt, dass es ungefähr 200 Jugendorganisationen mit etwa 2.000 Jungen und Mädchen sind. In einigen Kantonen der Schweiz habe es schon vor 30 Jahren Jugendfeuerwehr-Arbeit gegeben, in anderen seien die Gruppen aber erst in den letzten Jahren gegründet worden. “Wir sind gerade dabei, die Geschichte der Schweizer Jugendfeuerwehr zu dokumentieren”, berichtet Widmer. “Es war gewiss so, dass schon vor 100 Jahren begeisterte Jugendliche von der Feuerwehr fasziniert waren und dort bei Übungen und sogar Einsätzen ganz normal mitgewirkt haben.”  

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Ausländische Feuerwehren erklärt:

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. In der Schweiz gibts auch Schwierigkeiten bei der Mitgliedergewinnung (Demografischer Wandel)da die Geburten seit einiger Zeit rückläufig sind. Und da wie beim Militär nach Jährgängen rekrutiert (beitreten) werden, gibts natürlich auch weniger neue AdF. In manchen Feuerwehren mussten Veteranen länger verpflichtet werden. Dies weil z.B. Wehrleiterposten nicht besetzt werden konnten. Dazu trägt die Miliz nicht unbedingt zur Tagesverfügbarkeit ein bei. Da auch bei uns viele AdFs nicht am Wohnort arbeiten. In meiner Umgebung kenne ich eine Feuerwehr wo keine Tagesverfügbarkeit hat. Da wird automatisch die Nachbarwehr und der Stützpunkt mit alarmiert. Da man davon ausgeht das besagte Feuerwehr ihr KTLF nicht Rauskriegt (KTLF=MLF).

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  2. Lieber Matthias, das liegt ganz gewiss an der gesellschaftlichen Einstellung und ist somit ein gewaltiger Unterschied zwischen der eidgenössischen und deutschen Bevölkerung bezüglich Gemeinwesen. Schaut man alleine auf den massiven Rückgang der deutschen Vereinskultur ganz generell und weg von der Gemeinsamkeit hin zur Individualität, dürfte die Antwort schnell klar werden. Aber auch in Deutschland, gerade hier in Norddeutschland und vielen kleinen ländlichen Gemeinden mit zunehmender Stadtflucht, gibt es im Landesfeuerwehrgesetz die Möglichkeit für eine Kommune zur Umwandlung und Aufstellung einer Pflichtwehr als Ausweg. Ich denke, es wird künftig mehr und mehr umgreifen, da die letzte Konsequenz zur Rettung freiwilliger Wehren in der Zusammenlegung einzelner Gemeindewehren hin zur Sammelgemeinde- oder Schwerpunktwehr schon voll läuft. Der schon seit einigen Generationen zunehmende Trend zur Individualität bräuchte, wenn es denn wieder ein Umdenken geben sollte, wiederum mehrere Generationen zur Umsetzung. Bis dahin sind dann schon ganz viele Gemeinden auf eine Pflichtwehr umgestellt.

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  3. Warum bekommen wir das mit der Dienstpflicht nicht geregelt? Die Realität zeigt doch, dass sich immer weniger Menschen von alleine und wirklich 100%ig freiwillig melden. Wenn unser Sicherheitssystem so engmaschig und gut funktionierend wie bisher bleiben soll, dann muss etwas passieren. Man kann die Herkulesaufgabe, genügend neue Mitglieder zu werben und zu bekommen nicht den Feuerwehren und Gemeinden anlasten. Es braucht einen “sanften Zwang”, um viele unserer Mitbürger aus ihrer Komfortzone und der inneren Einstellung “geht mich nichts an, das werden schon andere machen, was bekomme ich dafür,…” herauszuholen. Mir ist dabei klar, dass nicht alle Verpflichteten mit der Motivation dabei sein werden, wie ein Kamerad, der das aus Überzeugung tut. Aber: wie viele ehemalige Wehrdienstbefreite sind durch den Dienst im KatS in den BOS hängengeblieben? Diese wären ohne die Verpflichtung vielleicht nie von alleine auf die Idee gekommen einer BOS beizutreten. Für mich ganz klar: eine Dienstpflicht muss auf kurz oder lang kommen. Ansonsten können wir uns von unserem gewohnten Brand- und KatS-Wesen verabschieden.

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