Eröffnung in 2 Jahren geplant

Luxemburg baut Europas modernstes Feuerwehr-Ausbildungszentrum

Luxemburg – Im Jahr 2020 soll das Nationale Brandschutz- und Rettungszentrum CNIS in Luxemburg-Stadt in Betrieb genommen werden. Es wird auch die Nationale Feuerwehr- und Rettungsdienstschule INFSS beinhalten. Als Vorbilder für dessen Planung dienten unter anderem deutsche Feuerwehrschulen.

Entwurf des Nationalen Brandschutz- und Rettungszentrums CNIS in Luxemburg-Stadt.
Entwurf des Nationalen Brandschutz- und Rettungszentrums CNIS in Luxemburg-Stadt. (Bild: CGDIS)

Die ersten Planungen für das CNIS (Centre national d’incendie et de secours) reichen schon in die 1990er Jahre zurück.  Im Jahr 2004 gewann das Hamburger Büro Böge Lindner K2 den Architektenwettbewerb.  Seitdem wurden die Pläne immer wieder auf den neuesten Stand gebracht.

eDossier „Feuerwehrreform in Luxemburg“

In einer 9-seitigen Reportage berichten wir über die Feuerwehr-Reform in Luxemburg und den Neubau des CNIS – inklusive Interview mit dem luxemburgischen Innenminister. 

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Der gewaltige Rohbau ist bereits fertiggestellt. Auf fast 40.000 Quadratmeter Fläche wird es Platz für die Feuer- und Rettungswache der Stadt Luxemburg mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften, die Verwaltung des CGDIS (Corps grand-ducal d’incendie et de secours, deutsch: Großherzogliches Feuerwehr- und Rettungskorps) sowie die Notrufzentrale (Einsatzleitstelle) bieten.

„Die Front der Wache ist 220 Meter lang und bietet endlich die dringend nötige Verbesserung unserer Platzverhältnisse“, sagt Serges Heiles, Chef der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache in Luxemburg (vormals BF Luxemburg). „Unsere bisherigen Gebäude waren für 60 Feuerwehrleute gebaut worden, jetzt sind wir fast 200.“

Blick auf die Baustelle des CNIS im Mai 2018.
Blick auf die Baustelle des CNIS im Mai 2018. (Bild: CGDIS/Foto Brausch R.)

Blick nach Bruchsal und Frankfurt

Auch die Nationale Feuerwehr- und Rettungsdienstschule (INFSS = Institut national de formation des services de secours), mit der die Ausbildungseinrichtungen von Protection Civile und Feuerwehr zusammengefasst werden, wird an dem neuen Standort am Ban de Gasperich angesiedelt. Zur Infrastruktur soll ein Ausbildungszentrum, unter anderem mit Hausfassaden, Tunnel- und Gleisanlagen, gehören.

„Am Anfang der Planungen haben wir uns an der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg in Bruchsal orientiert“, erzählt CGDIS-Generaldirektor Paul Schroeder. „Die Übungshalle wird nach diesem Vorbild entstehen. Außerdem wird eine Häuserzeile nach dem Muster des Fire & Rescue Trainings Center (FRTC) in Frankfurt errichtet.“

„Wir werden Europas modernstes Ausbildungszentrum bekommen“, freut sich Luxemburgs Innenminister Dan Kersch. „Egal ob Haupt- oder Ehrenamtliche: Bei Einsätzen ist es keine Frage, wer von ihnen es macht, sondern wie sie dafür ausgebildet sind. Daher wurde auch eine inhaltliche Neuordnung der Ausbildung vorgenommen.“

Das CNIS wird das Herzstück des seit dem 1. Juli bestehenden Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) sein. Es ist das Ergebnis einer umfassenden Reform des Feuerwehr- und Rettungswesens in Luxemburg.

Feuerwehr-Reform als Vorbild für Deutschland?

Immer weniger Ehrenamtliche stehen in Luxemburg für das Feuerwehr- und Rettungswesen zur Verfügung. Durch eine Reform sind seit dem 1. Juli 2018 beide Bereiche im Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) zusammengefasst. Es arbeitet verstärkt mit professionellen Kräften und wird von Staat und Gemeinden finanziert. Eignet sich das Modell als Vorbild für Deutschland? Ein Kommentar von Michael Rüffer, Fachjournalist, Redakteur Feuerwehr-Magazin.

Hauptamtliche Kräfte vor dem Einsatzzentrum Grevenmacher-Mertert. Luxemburg hat per Gesetz das Feuerwehr- und Rettungswesen neu strukturiert: Sämtliche Wachen werden ab dem 1. Juli 2018 in das Corps grand-ducal d’incendie et de secours (CGDIS) integriert und vier Kategorien zugeteilt. In Einsatzzentren der Kategorien III – wie Grevenmacher-Mertert – und IV unterstützen Hauptamtliche die Eh-renamtlichen bei ihrer Arbeit.
Hauptamtliche Kräfte vor dem Einsatzzentrum Grevenmacher-Mertert. Luxemburg hat per Gesetz das Feuerwehr- und Rettungswesen neu strukturiert: Sämtliche Wachen werden ab dem 1. Juli 2018 in das Corps grand-ducal d’incendie et de secours (CGDIS) integriert und vier Kategorien zugeteilt. In Einsatzzentren der Kategorien III – wie Grevenmacher-Mertert – und IV unterstützen Hauptamtliche die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit. (Bild: Michael Rueffer)

Das bisherige luxemburgische Feuerwehrwesen lässt sich nicht gänzlich mit Deutschland vergleichen – aber in zwei wesentlichen Punkten: Der Brandschutz wurde zu einem Großteil durch Freiwillige sichergestellt und die Gemeinden waren bis zur Reform für Aufstellung, Ausstattung und Unterhalt der Feuerwehren zuständig.

Unser Nachbarland stand daher vor denselben grundsätzlichen Herausforderungen. Da ist zum einen der Rückgang des ehrenamtlichen Engagements und damit auch der Verfügbarkeit von Einsatzkräften. Und zum anderen die Abhängigkeit von den Entscheidungsträgern der Gemeinden, die je nach Finanzlage und/oder politischem Willen mal mehr, mal weniger im Sinne der Feuerwehren beziehungsweise eines effizienten Brandschutzes agierten.

Luxemburg hat mit dem CGDIS nun zum großen Wandel angesetzt: Gemeinsames Engagement von Staat und Gemeinden, Zentralisierung der Organisation von Feuerwehr und Rettungsdienst, einheitliche Kommandostrukturen, Bündelung von Kräften unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit und Abdeckung des Einsatzgebietes, Professionalisierung in kritischen Funktionen und Bereichen sowie landesweite Standardisierung von Ausbildung, Einsatzmitteln und Taktik.

Umsetzung in den Bundesländern?

All dies sind Maßnahmen, die auch in Deutschland denkbar sind, um wachsende Probleme in den Griff zu bekommen. Zumindest auf Bundeslandebene. Aufgrund des föderalistischen Prinzips erscheint ein einheitliches Konzept von Flensburg bis Oberstdorf und Aachen bis Frankfurt/Oder allerdings unrealistisch.

Obwohl Luxemburg kein föderalistischer Staat ist, hat das CGDIS keineswegs eine leichte Geburt hinter sich. Die Reformpläne trafen – wie auch in Deutschland zu erwarten – auf Skepsis und Ängste, bei den Gemeinden ebenso wie bei hauptamtlichen und freiwilligen Feuerwehrleuten.

So sehen künftig neue Feuerwehrfahrzeuge in Luxemburg aus: HLF im Design des CGDIS. Der bestehende Fuhrpark aus rund 850 Fahrzeu-gen erhält eine vereinfachte Beklebung.
So sehen künftig neue Feuerwehrfahrzeuge in Luxemburg aus: HLF im Design des CGDIS. Der bestehende Fuhrpark aus rund 850 Fahrzeugen erhält eine vereinfachte Beklebung. (Bild: CGDIS/Frederic Schwarz)

Daher waren die interne und externe Kommunikation genauso wichtig wie die zu erarbeitenden Inhalte. Letztlich brauchte es einen unermüdlichen Motor in Person des aktuellen Innenministers, der die schon seit vielen Jahren angepeilte Reform trotz Schwierigkeiten zur Umsetzung brachte.

Wenn der Mitgliederschwund und der Rückgang der freiwilligen Feuerwehren bei uns anhalten, tun wir gut daran, den weiteren Verlauf der CGDIS-Reform zu beobachten. Die vollständige Umsetzung wird noch etliche Monate in Anspruch nehmen. Aus den dabei gemachten Erfahrungen – auch aus möglichen Fehlern – können wir dann viel für ein mögliches Zukunftsszenario in Deutschland lernen.

„Wir brauchten unbedingt eine Reform“

Brachte die Reform auf den Weg: Luxemburgs Innenminister Dan Kersch.
Brachte die Reform auf den Weg: Luxemburgs Innenminister Dan Kersch. (Bild: Michael Rueffer)

Ausschnitt aus dem Interview des Feuerwehr-Magazins mit Luxemburgs Innenminister Kersch:

FM: Herr Minister, mit welchen inhaltlichen Argumenten sind Sie den Bedenken gegen die Reform begegnet?
Dan Kersch: Ich habe den freiwilligen Kräften zugesichert, dass Ausbildungen und Einsatzerfahrungen, die gemacht wurden, anerkannt werden. Und dass Führungskräfte bei entsprechender Qualität in ihrer Funktion bleiben können. Das abzuerkennen, wäre das Ende der Reform gewesen. Dadurch, dass wir von Beginn an mit der BF, der Flughafenfeuerwehr und dem SAMU die Hauptamtlichen einbezogen haben, konnten wir auch dort eine hohe Akzeptanz erreichen. Das war nicht einfach. Es war aber seriöser als der ursprüngliche Plan, die BF erst später zu integrieren. Wir setzen jetzt im CGDIS langjährige Forderungen der BF-Gewerkschaft um. Künftig werden wir uns auch progressiv mehr um die Integration von Hauptamtlichen bemühen. Das ist in der Vergangenheit vernachlässigt worden. […]

Das komplette Interview lest Ihr im eDossier “Feuerwehrreform in Luxemburg”

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In den Landesfarben: Ein stilisierter Löwenkopf mit Krone ziert das Logo des CGDIS. Es wurde vorab vom Großherzog persönlich abgesegnet.
In den Landesfarben: Ein stilisierter Löwenkopf mit Krone ziert das Logo des CGDIS. Es wurde vorab vom Großherzog persönlich abgesegnet. (Bild: CGDIS)

Stichwort CGDIS

  • CGDIS = Corps grand-ducal d’incendie et de secours (Großherzogliches Feuerwehr- und Rettungskorps).
  • Besitzt einen Verwaltungsrat mit jeweils acht Vertretern von Staat und Gemeinden.
  • Leitung mit einem Generaldirektor und sechs Direktoren für die Abteilungen.
  • Zirka 4.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte (Feuerwehr und Rettungsdienst) und 380 hauptamtliche Feuerwehrleute sowie 120 Mitarbeiter im administrativen Bereich.
  • Aufteilung des Landes in vier Einsatzzonen mit bis zu vier Unterzonen (Gruppierungen).
  • 100 Feuer- und Rettungswachen, eingeteilt nach Ausstattung/Verfügbarkeit in vier Kategorien mit zwei Erweiterungen, davon eine in der höchsten erweiterten Kategorie IV BIS (Stadt Luxemburg).
  • Drei Notarztstandorte, davon zwei auch mit Rettungshubschrauber.
  • Zirka 850 Einsatzfahrzeuge nach vereinheitlichtem Typenkatalog: HLF, LF, TLF, DLK, TMF, MZF, ULF, WLF, MTW, ELW, AMB (Ambulanz – Kastenaufbau), RTW (Kofferaufbau), SAMU (NEF) sowie Sonderfahrzeuge (zum Beispiel Kran und FLF).

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