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Ausführliche Vorstellung der Rettungsorganisation
Gemeinsamkeiten & Unterschiede

Sapeurs Pompiers: Die Feuerwehr in Frankreich

Paris – Feuerwehrleute heißen auf Französisch Sapeurs Pompiers. Wie die französische Feuerwehr organisiert ist, warum das Militär eine große Rolle spielt und über welche Fahrzeugtypen sie verfügt, erklären wir Euch hier.

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Typisch für die französische Feuerwehr: Die Persönliche Schutzausrüstung mit den spiegelnden Helmen. Foto: Robin Kuntz Photography

In Frankreich unterscheidet sich die Feuerwehr in einigen Punkten sehr von der deutschen. Zum einen sind dort “nur” 79 Prozent der Kräfte Freiwillige Feuerwehrleute (Pompiers Volontaires) – hierzulande sind es etwa 94 Prozent. Das Verhältnis von Berufsfeuerwehrleuten (Pompiers Professionnels) zu Ehrenamtlichen ist demnach etwa dreimal so hoch wie in Deutschland.

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Soldaten als Feuerwehrleute

Zum anderen sind von den insgesamt zirka 51.000 Berufsfeuerwehrleuten rund ein Fünftel über das Verteidigungsministerium angestellt. Diese 12.500 Pompiers Militaires sind demnach Soldaten. Die meisten Pompiers Militaires arbeiten übrigens nicht an Stützpunkten der französischen Streitkräfte: Es sind die Kräfte der Feuerwehr Paris (Brigade des Sapeurs Pompiers Paris) und der Feuerwehr Marseille (Marins-Pompiers de Marseille), die beide dem Militär unterstehen.

Mit zirka 8.000 Einsatzkräften liegt die Pariser Feuerwehr personell hinter Tokio und New York, aber vor London. Eine ihrer Spezialaufgaben ist der Brandschutz am Raumfahrtzentrum Guayana (Französisch-Guayana), von dem aus die Ariane-Raketen der Europäischen Weltraumorganisation ESA starten. Französisch-Guayana ist als so genanntes Überseedépartement eine Besonderheit von Frankreich. Dieses größte französische Département liegt nämlich nicht in Europa sondern im Nordwesten von Südamerika. Trotzdem ist es kompletter Bestandteil von Frankreich. Es gibt sogar eine ganze Reihe von Überseeregionen, die auf unterschiedliche Weise in das Metropolitan-Frankreich – den europäischen Teil – eingegliedert sind.

Organisation der französischen Feuerwehr: Regionale Rettungszentren

Ein Département ist eine Gebietskörperschaft, die vergleichbar ist mit einem Kreis beziehungsweise Landkreis in Deutschland. In unserem Nachbarland sind diese in alphabetischer Reihenfolge nummeriert. Während in Deutschland die Kommunen (Städte, Gemeinden oder Verbandsgemeinden) als kleinste Gebietskörperschaft für die Ausstattung und Organisation der Feuerwehren verantwortlich sind, ist dies in Frankreich auf Ebene der Départements in eigenen Behörden geregelt. Diese nennen sich Service départemental d’incendie et de secours (SDIS) – grob übersetzt: Regionaler Feuerwehr- und Rettungsdienst.

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Ein SDIS führt demnach Risikoanalysen durch und stellt die Rettungsmittel für die einzelnen Gemeinden in dem Département zur Verfügung. In Frankreich sind Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz innerhalb einer Organisation zusammengefasst. Etwas vergleichbares wie das Technische Hilfswerk existiert dementsprechend nicht.

Die Alarmierung der Einsatzkräfte erfolgt über zwei verschiedene Leitstellen, die in der Regel ebenfalls im Département angesiedelt sind. Im centre de traitement de l’alerte (CTA) wird der Notruf angenommen und die ersten Einheiten alarmiert. Das centre opérationnel départemental d’incendie et de secours (CODIS) disponiert dann beispielsweise Nachforderungen im Einsatzgeschehen.

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Die allgemeine Bezeichnung für Feuerwehr- (und Rettungsdienst-)standorte ist Centre d’Incendie et de Secours (CIS). Hiervon gibt es verschiedene Abstufungen mit unterschiedlichen Mannschafts- und Ausstattungsstärken.

Jede Gemeinde muss mindestens durch ein so genanntes Rettungszentrum (centre de secours – CS) geschützt sein. Dieses kann sich allerdings auch in einer benachbarten Gemeinde befinden. Die Hilfsfristen sind in Frankreich entsprechend andere als in Deutschland. Ist die Dichte an Rettungsmitteln in einer Region gering, kann die Gemeinde ein First Responder-Zentrum (centre de première intervention – CPI) betreiben. Zudem gibt es die großen Hauptrettungszentren (centre de secours principaux – CSP) mit einer erweiterten Ausstattung. Diese befinden sich zumeist in den größeren Städten eines Départements.

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In Städten mit mehr als 80.000 Einwohnern sind die Hauptrettungszentren in der Regel von Berufsfeuerwehrleuten besetzt. Ist die Einwohnerzahl niedriger, gibt es auf den CSP meistens eine Mischung von Haupt- und Ehrenamtlichen. Die FF-Kräfte besetzen das Hauptrettungszentrum dann abends und am Wochenende. Zudem werden sie zu Großlagen herangezogen.

In den ländlichen Gemeinden mit geringer Bevölkerungsdichte bestehen die Rettungszentren häufig vollständig aus ehrenamtlichen Kräften. Diese bekommen nach 20 Dienstjahren eine Zusatzrente. Zudem werden Arbeitgeber steuerlich begünstigt, die Freiwillige Feuerwehrleute als Mitarbeiter in ihrem Betrieb haben.

Spezialisierte Feuerwehr Fahrzeuge in Frankreich

Auf Grund der Struktur und der Vorgaben der Regierung sehen die meisten Feuerwehren mit ihren Fahrzeugen und Persönlicher Schutzausrüstung im ganzen Land sehr ähnlich aus. Die französischen Fahrzeuge sind von der Ausrüstung her etwas abgespeckt im Vergleich zu unseren. Während hier das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug (HLF) die Allzweckwaffe ist, sind die französischen Fahrzeuge eher spezialisiert.

Eines der markanten Fahrzeuge in Frankreich ist das CCF – ein Tanklöschfahrzeug speziell für die dort häufigen Waldbrände. Es ist geländegängig und verfügt über Selbstschutzeinrichtungen. Foto: Jean-Luc Dides

Die anderen Typen sind aber mit den deutschen vergleichbar. Die gängigsten Fahrzeuge:

  • Véhicule secours routier (VSR) – Rüstwagen. Einige Typen sind zusätzlich mit kleinem Löschwassertank und/oder Schienenfahreinrichtung ausgestattet.
  • Échelle pivotante automatique (EPA) – Vollautomatische Drehleiter. Standardlängen der Leiterparks sind in Frankreich 24 oder 30 Meter. Meistens sind sie mit einem Korb ausgestattet.
  • Fourgon pompe-tonne (FPT) – Eine Mischung aus Löschgruppen- und Tanklöschfahrzeug. Ein FPT ist mit 6 bis 8 Feuerwehrleuten besetzt und verfügt über einen 2.000 bis 3.000 Liter fassenden Wassertank sowie einen Schnellangriff. Häufig sind die Fahrzeuge mit Schaumzumischanlagen ausgestattet.
  • Camion-citerne feux de forêts (CCF) – TLF-Waldbrand. Diese geländegängigen Fahrzeuge sind meist mit vier Kräften besetzt. Sie verfügen in der Regel über Selbstschutzeinrichtungen, Löschwassertanks mit 2.000 bis 13.000 Liter und spezielle Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung.
  • Véhicule de secours et d’assistance aux victimes (VSAV) – Rettungswagen. Diese sind in der Regel mit drei Kräften besetzt.

Weitere Fahrzeuge sind:

  • Das camion citerne rural (CCR). Eine Kombination aus Mittlerem Löschfahrzeug und TLF-Waldbrand, das sowohl für die Brandbekämpfung in der Stadt als auch im Gelände konzipiert ist.
  • Das véhicule de premier secours et incendies (VPSI). Ein First Responder-Fahrzeug mit kleinem Löschwassertank, wofür der Maschinist meistens keinen Lkw-Führerschein benötigt.
  • Das fourgon mousse grande puissance (FmoGP). Ein Hochleistungs-Schaumlöschfahrzeug mit großem Schaummitteltank für Industriebrände.

Strammes Programm bei der französischen Jugendfeuerwehr

Sprachbarriere? Kein Problem! Wenn deutsche und französische JF zusammen üben, funktioniert die Kommunikation auch ohne viele Worte. Selbst, wenn die Trupps gemischt werden. Die französischen “Jeunes Sapeurs Pompiers” sind übrigens nur 4 Jahre aktiv. Foto: JF Hückeswagen/Bender

Die französische Jugendfeuerwehr (Jeune Sapeur Pompier – JSP) weist auch einige Unterschiede zur deutschen Jugendfeuerwehr auf. Zwar ist das Eintrittsalter mit 12 bis 18 Jahren ähnlich. Doch die Mitglieder der JSP sind nur 4 Jahre aktiv.

Danach gelten sie als fertig ausgebildet und können sich damit bei einer Einsatzabteilung bewerben. “Das Programm der JF ist dort auch recht stramm”, sagt Werner Spanier, JF-Wart in Stein-Bockenheim “Die üben jede Woche für 4 Stunden.”

Was vier deutsche Jugendfeuerwehren in Austauschprogrammen mit französischen Partnern erlebt haben, stellen wir Euch im Feuerwehr-Magazin 12/2019 vor, das Ihr bequem und ohne Versandkosten in unserem Shop bestellen könnt.

Darin geht es auch um die bewegte deutsch-französische Geschichte, wie sie in keinem Schulbuch steht.

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