Unsere Feuerwehrnachbarn

13 Unterschiede zu Deutschland: So tickt die Feuerwehr der Niederlande

Die Niederländer sind schon ein Völkchen für sich. Und auch die Feuerwehr im Königreich hat so ihre ganz eigenen Besonderheiten. Speziell im Vergleich zur Feuerwehr in Deutschland Wir haben für Euch die außergewöhnlichsten Merkmale der Brandweer zusammengefasst.

1.) Grundlehrgang für Freiwillige und Hauptamtliche gleich

Jeder Anwärter, der in die Wehr – ob freiwillig oder beruflich – eintreten will, bekommt dieselbe Grundausbildung. Diese ist wesentlich umfangreicher als in Deutschland. Über 2 Jahre stehen in der Regel wöchentlich zwei Ausbildungsdienstabende sowie der Samstag als Ausbildungstag an. Mit Bestehen des Grundlehrgangs können Freiwillige dann auch in den Berufsfeuerwehren eingesetzt werden. Dies ermöglicht Freiwilligen unter anderem schneller als Quereinsteiger in die Reihen der BF zu wechseln. Außerdem gibt es einen kleineren Qualifikationsunterschied zwischen freiwilligen und beruflichen Feuerwehrleuten.

Für deutsche Verhältnisse unvorstellbar: Niederländische Feuerwehrleute – ob freiwillig oder beruflich – haben dieselbe Ausbildung. Foto: S. Konjer (Bild: Copyright by Stephan Konjer / www.stephan-konjer.de)

2.) Feuerwehr und Rettungsdienst in Holland getrennt

Rettungsdienst und Feuerwehr sind in den Niederlanden grundsätzlich zwei verschiedene Organisationen. Einziger Überschneidungspunkt: First Responder-Einsätze. Mehr noch als bei uns sind niederländische Einheiten vor allen Dingen in ländlichen Gebieten verbreitet. Aber auch in der Großstadt Amsterdam kommt eine entsprechende Einheit zum Einsatz. Hauptsächlich dienen die First Responder-Gruppen aber der schnellen Zuführung eines AED-Geräts zu einem entsprechenden Einsatzort.

Fahne an Bord

Die Niederländische Flagge findet sich in jedem Einsatzfahrzeug von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst wieder.

3.) Ein Funkgerät pro Feuerwehrmann

Zu wenig Funkgeräte am Einsatzort? In den Niederlanden kann das nicht passieren. Grundsätzlich ist auf jedem Fahrzeug ein Handfunkgerät pro Einsatzkraft vorgesehen.

 

Sogar auf Deutsch: die niederländische Feuerwehr auf Youtube

4.) Gemeinsame Leitstelle für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst

In Deutschland unterhalten Feuerwehr und Polizei, manchmal auch der Rettungsdienst, unterschiedliche, eigene Leitstellen. In den Niederlanden gibt es hingegen nur eine Leitstelle für alle Hilfsorganisation in einer der 25 Sicherheitsregionen. De facto sind es sogar noch weniger, da mittlerweile einzelne Sicherheitsregionen schon eine gemeinsame Leitstelle unterhalten. Erst vor einigen Jahren wurden die Leitstellen zentralisiert und das gesamte Land in 25 veiligheidsregios aufgeteilt. Die Verantwortlichen versprechen sich davon eine verbesserte Zusammenarbeit der Organisationen. Zukünftig soll es sogar in den gesamten Niederlanden nur noch 10 gemeinsame Leitstellen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei geben.

5.) Verkehrsteilnehmer machen bei Blaulicht und Martinhorn nicht sofort Platz

In den Niederlanden sind Verkehrsteilnehmer zwar genauso wie bei uns dazu verpflichtet, Einsatzkräften mit Blaulicht und Martinhorn eine ungehinderte Fahrt zu ermöglichen – trotzdem ist die Verkehrsmentalität der Niederländer eine andere. So kann es mitunter passieren, dass Pkw-Fahrer nicht direkt an die Seite fahren oder einen Kreuzungsbereich frei machen. Das macht besonders die deutschen Feuerwehren in Grenznähe stutzig, wenn diese zu Einsätzen ins Nachbarland alarmiert werden.

>>Einsatz ohne Grenzen – 1. deutsch-niederländischer Feuerwehr-Kongress<<

6.) Regionale statt kommunale Feuerwehrstruktur

Seit dem 1. Januar 2014 ist die Feuerwehr in den Niederlanden regional organisiert. Das heißt zum Beispiel, es gibt keine kommunale, beziehungsweise gemeindliche Feuerwehr mehr. Stattdessen wird die Feuerwehr in einem Gebiet von der Oberaufsicht einer Sicherheitsregion geleitet. Im konkreten Einsatzdienst äußert sich dies zum Beispiel bei der Alarmierung. Auch wenn ein Feuer auf dem Gemeindegebiet einer Brandweer gemeldet ist, kann eine andere Wehr zuerst alarmiert werden. Ausschlaggebend ist dabei immer die Nähe zum Einsatzort.

Die Einsätze: Niederländische Kameraden bei der Brandbekämpfung eines typisch holländischen Wohnhauses. Koordiniert werden die Einsätze von einer der 25 Leitstellen im Staat. (Bild: Grafschafter Nachrichten)

7.) Jedes Tanklöschfahrzeug hat hydraulische Rettungsgeräte an Bord

Alle Löschfahrzeuge, auch Tanklöschfahrzeuge, verfügen in den Niederlanden über eine (hydraulische) Basisausrüstung zur Technischen Hilfeleistung. Daher sind Rüstwagen nach deutschen Vorbild in den Niederlanden sehr selten geworden. Wird dann doch mal zusätzliches Spezialgerät benötigt, wie bei einem Lkw-Unfall oder einen Zugunglück, stehen den Feuerwehren im gesamten Landesgebiet insgesamt fünf Einsatzgruppen zur Verfügung, die auf die technische Hilfe spezialisiert sind. Weitere national organisierte Spezialeinheiten gibt es für die Bereiche Dekontamination/Gefahrgut, Brandbekämpfung in Naturgebieten und Logistik.

8.) Nur vier bis sechs Mann Besatzung pro Löschfahrzeug

Standardmäßig ist ein Löschfahrzeug in den Niederlanden mit sechs Personen besetzt. Allerdings geht der Trend immer mehr in Richtung vier Personen pro Fahrzeug. Zusätzlich dazu experimentieren viele Wehren mit sogenannten “snelle interventievoertuigen” (schnelle Einsatzfahrzeuge) die nur mit zwei, maximal vier Kameraden, besetzt werden. Diese Fungieren dann als Vorauslöschfahrzeug.

Die Kameraden: So kennt man sie: Die Niederländer. Immer ein Grinsen im Gesicht. Beim Thema Feuerwehr können “brandweerlieden” aber auch Ernst. (Bild: Copyright by Stephan Konjer / www.stephan-konjer.de)

9.) Gelbes Blinklicht an der Einsatzstelle

Aus Blau wird Orange: Befindet sich ein Feuerwehrfahrzeug auf der Einsatzfahrt, so wird ein blaues Sondersignal op straat (auf der Straße) verwendet. Befindet sich das Fahrzeug dann jedoch an der Einsatzstelle, sind die Maschinisten dazu angehalten, ein gelbes Sondersignal einzuschalten. Der Hintergedanke: Durch das orange Licht soll eine ruhigere Einsatzstelle geschaffen werden. Da dies unauffälliger ist, erhoffen sich einige Feuerwehren zudem weniger Gaffer an der Unfallstelle.

10.) Atemschutzgeräteträger ist Pflicht in den Niederlanden

Wer kein Atemschutzgeräteträger ist, ist raus. Nur wer in den Niederladen auch mit Pressluftatmer in den Einsatz darf, wird auch in die aktive Wehr übernommen. Aus diesem Grund ist auf jedem Löschfahrzeug ein Atemschutzgerät pro Mannschaftsmitglied vorgesehen.

11.) Einheitliche Fahrzeugbeklebung im ganzen Land

Individuelle Fahrzeugbeklebung? Von wegen! Das einheitliche Erscheinungsbild der Fahrzeuge gehört zur Norm für Einsatzfahrzeuge in den Niederlanden. Im gesamten Staat tragen Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr einen blau-rot-weißen Streifenlook. Ministeriale Richtlinie: uniforme Erkennbarkeit der Hilfsdienste.

Ihre Einsatzfahrzeuge: Ein einheitliches Erscheinungsbild ist für die Niederländischen Hilfskräfte Pflicht. Die Brandweer präsentiert sich seit jeher in einem blau-weiß-roten Streifen Look. Foto: O. Preuschoff (Bild: Christopher Benkert)

12.) Weniger Kuppeln durch längere Saugschläuche

Bei einzelnen Feuerwehren in Deutschland sind Saugleitungen bereits zusammengekuppelt und auf dem Fahrzeug verlastet. Das spart Zeit. Die Niederländer sind einen Schritt weiter. Bei ihnen sind Saugleitungen grundsätzlich länger. Damit entfällt ein oftmals mühseliges Kuppeln.

13.) Bei der Brandbekämpfung wird kein Trinkwasser verwendet

In einigen Regionen wird seit kurzem kein Trinkwasser mehr als Löschwasser genutzt. Um trotzdem eine adäquate Löschwasserversorgung sicherzustellen, wurden mehrere Wassertankwagen mit 15.000 oder 16.500 Litern Fassungsvermögen beschafft. Schon länger in Benutzung: Container mit eingebauten Pumpen zum Löschwassertransport. Durch zusätzliche Schläuche mit großem Durchmesser kann zudem Wasser auch aus großen Entfernungen herangeführt werden.

Niedersachsen und Niederländer vereinbaren Hilfspakt

Katastrophen kennen keine Landesgrenzen, die Bürokratie schon. Diese könnte aber im Unglücksfall schnelle Hilfe verzögern. Um diesen Missstand im Vorfeld zu beseitigen, haben Niedersachsen und die Niederlande einen gemeinsam Katastrophenschutzvertrag unterzeichnet und regeln darin die gegenseitige Hilfe bei Hochwasser, Großbränden, Sturmfluten und Zugunfällen. Bei der feierlichen Zeremonie war wegen einer technischen Panne an einem Gelenkmast jedoch noch eine ganz andere Hilfe gefragt.

Hoch über der Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden standen der niederländische Minister für Sicherheit und Justiz, Ivo Opstelten und der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, im Korb des Gelenkmastes der Brandweer Coevorden. Der schöne Ausblick in 25 Metern Höhe sollte eigentlich neben der formalen Vertragsunterzeichnung der Höhepunkt des Festaktes werden. War er auch, wenn da nicht ein nervtötendes akustisches Signal und zwei aufgeregte Maschinisten mit ratlosen Gesichtern gewesen wären. An dem Hubrettungsfahrzeug war während seines politischen Einsatzes eine Störung aufgetreten. Nach einer Viertelstunde konnte diese aber beseitigt und der Korb nach unten gefahren werden. Dieser hatte sich zwischenzeitlich sogar leicht nach vorne geneigt.

Der niedersächsische Minister für Inneres und Sport Boris Pistorius (links von der Kupplung) und der niederländische Minister für Sicherheit und Justiz Ivo Opstelten (rechts von der Kupplung) koppeln symbolisch einen deutschen und einen niederländischen Schlauch mit Hilfe eines Übergangsstück. Foto: Stephan Konjer
Der niedersächsische Minister für Inneres und Sport Boris Pistorius (links von der Kupplung) und der niederländische Minister für Sicherheit und Justiz Ivo Opstelten (rechts von der Kupplung) koppeln symbolisch einen deutschen und einen niederländischen Schlauch mit Hilfe eines Übergangsstück. Foto: Stephan Konjer (Bild: Grafschafter Nachrichten)

Anlass des Staatsaktes auf der Landesgrenze zwischen der niederländischen Stadt Coevorden und der deutschen Stadt Emlichheim war eine offizielle Vertragsunterzeichnung zwischen Niedersachsen und den Niederlanden. Der Kontrakt ist eine Aktualisierung des bereits seit 2001 existierenden Papieres. Er regelt nur detailierter kurze Kommunikations- und Anforderungswege. Minister Pistorius betonte: “Hochwasser, Großbrände, Sturmfluten oder Zugunfälle: Bei akuten Katastrophenlagen geht es ausschließlich darum, dass die Hilfe schnell kommt – und nicht woher sie kommt”. “Nur gemeinsam können wir in diesen Situationen effektiv handeln und so den Menschen schnellstmöglich helfen. Grenzen dürfen dabei keine Mauern darstellen”, so Pistorius weiter. Die Bundesrepublik Deutschland hat seit 1988 ein ähnliches Abkommen mit dem Königreich.

Beide Minister waren sich einig, schon jetzt gibt es eine gute Zusammenarbeit zwischen den Rettungskräften beider Länder. Einige von ihnen waren auch als Gäste bei der Vertragsunterzeichnung dabei. Im Alltag sei es schon seit vielen Jahren so, dass Hilfskräfte aus beiden Ländern zusammenarbeiten und dorthin kommen, wo ihre Hilfe benötigt wird, ganz gleich auf welcher Seite der Grenze. Zudem würdigten beide Minister das Engagement haupt- und ehrenamtlicher Kräfte auf beiden Seiten der Grenze.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Zu Punkt 5 meine ich, dass es in den Niederlanden nicht Pflicht ist… Lasse mich aber gerne berichtigen. Zudem machen die Autofahrer dort mindestens genauso gut Platz wie hier bei uns in Deutschland.

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  2. Punkt 7:
    Ist nich ganz correct: Nicht nur 5 stutzpunkten im gansen land. Aber auch im allen Kreisen verteilt: Grössere hilfeleustungsfahrzeuge (Art RW3), drehleitern, wasserrettungsteams usw. Glücklich nich auf 5 begrenzt aber viel mehr und als ein art ‘stutzpunktkasernen’ zu benennen!

    Und noch einiges was unterschiedlich ist:
    Jeder feuerwerhrmann/frau ein piepser. Alarmierung geht NICHT mehr mit sirenenalarm, auch nicht in das kleines dorf. Luftalarm ist nur (noch) als bevölkerungswarnung activ.

    Jedes TLF, auch in das kleines dorf führt wasser mit. Standard 1600 l. In ausnamefall weniger, oder sogar mehr bis 3000 l, z.b. im naturgebiet (Veluwe)

    Jeder einsatzmitglied absolviert ein fittest. Abhängig vom älter jeder 4, 2, oder 1 jahr. Kein unterschied in geschlecht, FFW oder BF. Was der Fittest anbelangt: TIP: “PPMO” mal anschauen mit YouTube!
    Wer es nicht gut macht: Oder nach einigen monaten wieder testen, oder ….. nach wiederholung und erneut nicht geschafft: möglich raus aus einsatzsdienst! Das bedeutet: Gute kondition, und flexibel sein in der knochen und gelenken, activ sein in sport, krafttrainung, gewichtreduzierung, damit kein bierbauch und bart! usw.

    Beim alarm fahrt nicht sofort ein ganse Loschzug raus. Gruppenfuhrer sind nicht beim jeder einsatz ein Einsatzleiter unterstelt, sie dürfen mehr selbstständig ein Einsatz führen. Einsatzleitern (offizieren) wirden meist allein beim grösere oder speziële alarmen mitalarmiert oder kommen später am einsatzstelle an.

    Aber gemutlichkeit, teamgeist und teamarbeit gehen mit über unsere grenze!!

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  3. Koennen Sie diesen Bericht nicht imFeuerwehrmagazin veroeffenlichen bzw. eine neue Serie starten : die Feuerwehr International? Ich bin gerne bereit daran mit zu helfen. Habe Baende mit Deutschen, Belgischen uns Niederlaendischen Feuerwehren. Auch NYFD ist mir nicht Fremd. Gruss Henk van Horck.

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  4. Hallo zusammen,

    ich bin Feuerwehrmann in NRW und seit 2 Jahren nun auch Leitstellen-Disponent, interessiere mich für einen Austausch mit Kollegen von niederländischen Feuerwehren, wer hat so etwas schonmal gemacht oder hätte Interesse an einem Internationalen Austausch?

    Innerhalb Deutschlands wurden bei uns schon solche Hospitationen durch geführt.

    Viele Grüße

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  5. Und noch einige üterschieden:

    Atem schutzgeräteträger schliessen sich selber an.

    Hochdruck schlaugen auch beim inneangriff.

    B und C schlauge haben die gleige kupplungsgrösse.

    Erschuldiging für fehler im Deutsch, bin schlieslich Holländer.

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  6. Die freiwillige Feuerwehr erhält eine Gebühr

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  7. Frw Brandweer Bad Nieuweschans Grensubergang a.d.,A7 Groningen-Bremen DAF 3000Lwasser 2 x 90m HD 1″ 7 bemannung platzen

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  8. Zu Punkt 11.Einheitliche Beklebung find ich gut.Keine bunten Autos.Und es wir für die Gemeinekasse günstiger.Man sollte öfter über den Tellerrand schauen!

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  9. Punkt 7: In NL heißen alle Löschfahrzeuge Tanklöschfahrzeug, es gibt keine Unterscheidung zwischen LF und TLF nach deutscher Norm, folglich ist dieser Unterpunkt völliger Blödsinn, denn ein niederländisches TLF entspricht einem deutschen HLF.
    Leider hat es sich in viele deutsche Feuerwehrhirne immer nocht nicht eingebrannt, daß in Deutschland ein (H)LF das Erstangriffsfahrzeug mit Ausrüstung und Mannschaft für alle Einsatzlagen ist und nicht das Tanklöschfahrzeug, daß einzig und allein dem Transport von größeren Mengen Löschwasser und der Brandbekämpfung dient. Traurig wie wenig geistig flexibel viele Feuerwehrhäuptlinge bei uns so sind…

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