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WF am RWE-Kraftwerk in Neurath

Gelenkmastbühne der Superlative

Neurath (NW) – Die Werkfeuerwehr des RWE-Kraftwerks in Neurath (NW) besitzt das zweithöchste Hubrettungsgerät aller europäischen Feuerwehren: eine Bronto Skylift Gelenkmastbühne mit 90 Meter Arbeitshöhe. Wir haben uns das ungewöhnliche Fahrzeug erklären lassen.

Die Technischen Daten des TM 90 der WF des RWE-Kraftwerks in Neurath erstaunen: 90 Meter Arbeitshöhe, Fünfachsfahrgestell, 52 Tonnen zulässige Gesamtmasse und 15,60 Meter Länge. Foto: Fichte

Das Kraftwerk Neurath ist mit einer Bruttoleistung von 4.465 Megawatt das größte Kraftwerk Deutschlands. Alleine die beiden 2012 in Betrieb genommenen Kraftwerksblöcke F und G vom Typ „Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik (BoA)“ erbringen eine Leistung von jeweils 1.060 Megawatt. Wegen möglicher Brände in den Bekohlungsanlagen in einer Höhe bis 77 Meter über dem Boden beschaffte RWE die damals höchste Teleskop-Gelenkmastbühne der Welt: eine „GMB F90 HLA“ von Bronto Skylift. Die Abkürzung HLA steht für „High Level Articulated“ und bedeutet so viel wie „in großer Höhe abknickbar“. Im Feuerwehr-Sprachgebrauch wird das Fahrzeug als „TM-90“ bezeichnet.

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Der TM 90 besitzt zwei Gelenke, die ein Abknicken in 52 Meter Höhe und eine Ausladung von bis zu 30 Metern sowie ein Abknicken des Korbes ermöglichen. Foto: Fichte

Ihr größter Vorteil ist die maximale Arbeitshöhe von 90 Meter, wobei der in bis zu 52 Meter Höhe abknickbare Mast mit dem bis zu 400 Kilogramm belastbaren Korb eine Ausladung von fast 30 Meter in dieser Höhe ermöglicht. Im Unterflur-Betrieb kann eine Tiefe von etwa 10 Meter erreicht werden. Dazu kommt die Möglichkeit, sehr große Wassermengen (maximal 3.800 l/min. Wasser oder Schaum-Wasser-Gemisch bei 10 bar) auch in sehr großen Höhen abzugeben.

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Als Fahrgestell dient ein Scania P420 10×4*6 HHA-Fahrgestell. Die zulässige Gesamtmasse beträgt 52 Tonnen. Das Fahrzeug ist 15,60 Meter lang. Der Motor leistet 420 PS. Den feuerwehrtechnischen Aufbau dieses Giganten fertigte die Firma Rosenbauer, von der auch die festverbaute Feuerlöschkreiselpumpe des Typs FPN 10-4000 (4.000 l/min bei 10 bar) und der Schaum-Wasser-Werfer am Rettungskorb stammen. Als Schaumzumischanlage ist eine FireDos MSR FD 4000/3/3-PPF verbaut.

Der TM-90 besitzt fünf Achsen. Gelenkt wird mit der 1., 2. und 5. Achse, die jeweils einfach bereift sind. Angetrieben wird er über die 3. und 4. Achse, die mit einer Doppelbereifung (Zwillingsbereifung) versehen sind. Bei Kurvenfahrten schwenkt das Heck fast zwei Meter weit aus. Um das 52 Tonnen schwere Fahrzeug zu fahren, benötigen die Maschinisten eine spezielle Ausbildung. Die Unterkante des rund 32 Tonnen schweren Gelenkmasts befindet sich im abgelegten Zustand fast 3 Meter über dem Fahrbahnniveau. Damit liegt der Schwerpunkt des 16,5 Meter langen Teleskopmasts rund 3,50 Meter über der Fahrbahn, und mehr als 60 Prozent der Gesamtmasse des TM-90 befinden sich auf den oberen eineinhalb Meter des 3,96 Meter hohen Fahrzeugs.


 
„Bei diesem extrem hohen Schwerpunkt besteht in Kurven eine enorme Kippgefahr“ betont Sachgebietsleiter Fahrzeuge und Technik der WF, Boris Sachsenhausen. „Schon ein kleiner Lenkfehler oder eine etwas zu hohe Kurvengeschwindigkeit können reichen, damit das Fahrzeug auf die Seite kippt.“ Dass das Risiko keinesfalls unterschätzt werden darf, zeigte sich am 19. März 2011, als der TM-90 beim Abbiegen auf das Kraftwerksgelände umkippte. Es entstand erheblicher Sachschaden, und erst zwölf Monate später war das Fahrzeug wieder einsatzbereit.

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