Für Rettung und Brandbekämpfung nicht nur in Tunneln

Vom Rettungszug zum Servicejet

Wien (Österreich) – Die ÖBB-Infrastruktur AG investiert 230 Millionen Euro in multifunktionelle, innovative und emissionsarme Fahrzeuge von Stadler. Die 18 Hybrid-Servicejets sollen Rettungs- und Löscharbeiten auf einen völlig neuen Stand bringen und werden die bisherigen dieselgetriebenen Rettungszüge ersetzen. Ausrücken sollen damit die örtlich zuständigen Feuerwehren, wie auch in Deutschland.

Einer der beiden Fahrstände des neuen Rettungszugs der ÖBB. An beiden Zugenden ist jeweils einer vorhanden, der Lokführer kann im geschützten Innern des Zugs wechseln. Oben sind zwei Strahlventilatoren zur Tunnelbelüftung zu sehen. (Bild: ÖBB)

Jetzt wurde das erste Fahrzeug vorgestellt. Es kann bis zu 324 Personen in Sicherheit bringen. Johann Pluy, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG: „Wenn einmal etwas passiert, können wir mit unseren neuen Servicejets schnell an jedem Ort in Österreich sein und Hilfe leisten. Sie bringen mehr Leistung in einem größeren Einsatzbereich.“ Die Fahrzeuge können in beide Richtungen mit bis zu 160 km/h zum Einsatzort fahren. Denn: Waren Rettungszüge bisher aneinander gekuppelte Spezialwaggons, bestehen die neuen Fahrzeuge aus einer durchgängigen Zuggarnitur, was erhebliche Vorteile mit sich bringt. So ist einerseits ein Wechsel des Lokführers von einem in den anderen Führerstand schneller möglich, was einen Richtungswechsel einfacher macht.

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Andererseits verwenden die Österreichischen Bundesbahnen ein neuartiges Antriebskonzept: Die Züge sind mit einem nachhaltigen Elektro-Hybrid-Antrieb ausgestattet, der drei Energiequellen nutzen kann. Entweder Strom aus der Oberleitung, dann verfügen sie über 4.000 PS Antriebsleistung. Sie können auch auf einen leistungsstarken Akku mit 280 kWh oder zwei Dieselaggregate mit gesamt 1.060 PS als Rückfallebene zugreifen. Das neue Konzept ermöglicht darüber hinaus eine Reduktion von 21 auf 18 Fahrzeuge. Zusätzlich verringert die geringere Typenvielfalt den Schulungsaufwand des Personals sowie Instandhaltungskosten.

Atemschutz für 18 Einsatzkräfte

Das permanent in Bereitschaft befindliche Bedienpersonal besteht aus zwei Mitarbeitern der ÖBB-Infrastruktur AG und wird durch Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehren verstärkt. An Bord sind mobile Rollcontainer, die unter anderem mit Druckschläuchen, Atemschutzgeräten für 18 Einsatzkräfte, Wärmebildkameras und hydraulischen Rettungsscheren ausgestattet sind. Die Rollcontainer können am Stützpunkt rasch verladen werden, somit ist eine kurze Ausrückzeit gewährleistet. Der Servicejet verfügt über großzügig ausgelegte Zustiegsbereiche. Das ermöglicht einerseits eine rasche Nachbeladung mit Material und garantiert auch die Aufnahme von bis zu 324 Betroffenen in kurzer Zeit.

Die neuen Rettungszüge bestehen aus jeweils drei Teilen. Im mittleren Wagen werden unter anderen 40 Kubikmeter Löschwasser mitgeführt. (Bild: ÖBB)

40.000 Liter Wasser für Brandeinsatz

Für den Brandeinsatz führt der Servicejet im mittleren Wagen einen Löschwassertank mit einem Fassungsvermögen von 40 m³ mit. An beiden Triebköpfen sind Löscheinrichtungen verbaut, die vom Führerstand aus bedient werden können: vier Hochdruckwasserwerfer mit 100 bar, zwei Niederdruckwasserwerfer mit 10 bar sowie Löschwasseranschlüsse an beiden Fahrzeugseiten. Alle Löscheinrichtungen können auch in Verbindung mit Schaummittel eingesetzt werden.

Zur Absicherung der Einsatzkräfte und des Servicejets gegen Rauchumkehr und hohe Temperaturen sind am Dach vier Strahlventilatoren angeordnet. Sie wirken wie Überdrucklüfter. Ein Filtersystem reinigt die Luft und Überdruck verhindert, dass Rauch in die Innenräume eindringen kann. Dies sorgt für einen geschützten Innenraum für das Bedienpersonal, die Einsatzkräfte und die zu evakuierenden Personen. Des Weiteren ist das Fahrzeug mit Wärmebildkameras ausgestattet, um in einer verrauchten Umgebung Personen erkennen zu können.

Instandhaltung und Abschleppdienst

Weitere Einsatzbereiche sind ebenfalls vorgesehen. Die Servicejets verfügen über genügend Leistung, um Züge mit bis zu 2.000 Tonnen abzuschleppen – auch ohne Oberleitung – oder um einen defekten Zug mit Strom zu versorgen. Zudem ist der Servicejet im täglichen Betrieb für Instandhaltungsarbeiten vorgesehen. Für planmäßige Wartungs- und Inspektionstätigkeiten werden Instandhaltungstrupps samt Material zu den Querschlägen in den Tunnels transportiert. So wird zusätzlich zu den standardmäßig eingeplanten Trainings, optimales Handling des Fahrzeugs durch das Bedienpersonal gewährleistet.

Der Servicejet wird für die Inbetriebnahme der Koralmbahn mit dem Herzstück des 33 Kilometer langen Koralmtunnels erstmalig zum Einsatz kommen und sukzessive am gesamten Netz der ÖBB stationiert. Die Montagearbeiten haben 2022 begonnen, ab heuer erfolgen Funktionstests und 2024 startet das Zulassungsverfahren.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ist so etwas für D auch geplant, z.B. für die neue Schnellfahrstrecke von Stuttgart nach Ulm mit ihren aneinander gereihten Tunnels und Talbrücken? Oder ist dafür etwa der Rettungszug in Würzburg zuständig?

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