10-Stunden-Einsatz

Kilometerlange Schlauchleitungen bei Reetdachbrand

Ottersberg-Quelkhorn (NI) – Ein Großbrand hat am Mittwochabend ein abgelegenes Reetdachhaus zwischen Ottersberg und Quelkhorn, Kreis Verden, schwer beschädigt. Vereiste Zufahrten, eine aufwendige Wasserversorgung und das brennende Reetdach forderten die Feuerwehr über fast zehn Stunden.

Mit der Drehleiter gehen Einsatzkräfte der Feuerwehr gegen die Flammen im Reetdach vor. Der Großbrand auf dem abgelegenen Anwesen erforderte umfangreiche Löschmaßnahmen. (Bild: Kreisfeuerwehr Verden | Schone)

Gegen 17:15 Uhr alarmierte die Leitstelle mehrere Ortsfeuerwehren zu dem Gebäudebrand auf einem weit abgelegenen Anwesen. Bereits auf der Anfahrt zeigte sich die besondere Lage der Einsatzstelle: Die schmale Zufahrtstraße ab der Landesstraße war über rund 1,5 Kilometer stark vereist. Die Fahrer der großen Einsatzfahrzeuge mussten äußerst vorsichtig vorgehen, um nicht selbst zu verunfallen. Zur Absicherung der Anfahrt ließ die Feuerwehr frühzeitig ein Streufahrzeug nachfordern.

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An der Einsatzstelle stellte sich die Wasserversorgung zunächst als problematisch dar. Erste Löschmaßnahmen leitete die Feuerwehr mit den wasserführenden Fahrzeugen ein. Da mehrere Wasserentnahmestellen vereist waren, machten die Einsatzkräfte deren Abdeckungen mithilfe von Gasbrennern wieder beweglich. Zusätzlich griffen sie auf ein großes Schwimmbecken auf dem Grundstück zurück, das als Wasserquelle genutzt wurde.

Da absehbar war, dass diese Wassermengen nicht ausreichen würden, alarmierte die Einsatzleitung das Großtanklöschfahrzeug der Kreisfeuerwehr. Das Fahrzeug mit 26.000 Litern Wasser konnte aufgrund seines hohen Gesamtgewichts nicht direkt bis zur Einsatzstelle fahren. Um dennoch eine kontinuierliche Wasserversorgung sicherzustellen, verlegten die Einsatzkräfte eine doppelte Schlauchleitung von der Landesstraße bis zum Brandobjekt, jeweils über eine Länge von rund 1,5 Kilometern. Parallel dazu entnahmen sie Wasser aus dem etwa 100 Meter entfernten Wümme-Nordarm, während das Großtanklöschfahrzeug im Pendelverkehr seinen Tank wieder auffüllte. Insgesamt kamen rund 3,5 Kilometer B-Schläuche sowie diverse C-Schläuche zum Einsatz. Das Schwimmbecken diente dabei weiterhin als Pufferspeicher.

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Trotz des umfangreichen Kräfteeinsatzes konnte die Feuerwehr das Reetdach nicht retten. Reetdächer stellen im Brandfall eine besondere Herausforderung dar, da Löschwasser nur schwer in die Dachkonstruktion eindringt. Das Feuer breitete sich teilweise verdeckt im Reet weiter aus, sodass die Einsatzkräfte von allen Seiten versuchten, an die Brandherde heranzukommen. Der massive Wassereinsatz führte bei Temperaturen um minus drei Grad zu einer glatten, nassen und matschigen Einsatzstelle.

Zur Versorgung der Einsatzkräfte stellten die Feuerwehr sowie der Verpflegungszug des DRK Oyten kalte und heiße Getränke, Snacks und heiße Würstchen bereit. Zusätzlich sicherte das Deutsche Rote Kreuz den Einsatz mit einem Rettungswagen ab. Die Löscharbeiten zogen sich über viele Stunden hin, auch die anschließenden Aufräumarbeiten dauerten lange. Um letzte Glutnester zu erreichen, lotsten die Einsatzkräfte einen Kettenbagger durch den Wald zur Einsatzstelle und nahmen damit das Reet vom Dach ab.

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Nach 9 Stunden und 58 Minuten konnten die ersten Einsatzkräfte aus dem Einsatz herausgelöst werden und zu ihren Standorten zurückkehren, um die Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu machen. Neben den Feuerwehren aus Fischerhude-Quelkhorn, Ottersberg und Oyten waren aufgrund des hohen Bedarfs an Atemschutzgeräteträgern auch Kräfte aus dem Kreis Osterholz eingebunden. Darüber hinaus unterstützte die Feuerwehrtechnische Zentrale des Landkreises Verden mit dem Einsatzleitwagen ELW 2, einem Schlauch- und Gerätewechselwagen sowie einem Transporter mit Schläuchen und einer Tragkraftspritze. Insgesamt waren rund 120 Kräfte verschiedener Organisationen im Einsatz.

Noch während der Löscharbeiten nahm die Polizei die Ermittlungen zur Brandursache auf. Die Bewohner des Anwesens konnten privat unterkommen. Das Gebäude ist unbewohnbar, der Schaden liegt vermutlich im hohen sechsstelligen Bereich.

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