Darmstadt (HE) – Ein Großbrand auf dem Gelände des GSI im Stadtteil Wixhausen hat die Feuerwehr seit Donnerstagmorgen beschäftigt. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Wissenschaftsstadt Darmstadt während der gesamten Einsatzdauer nicht. Am Freitag laufen Nachlösch- und Aufräumarbeiten weiter.
Dichte Rauchwolken und Flammen über einer Halle beim Großbrand auf dem GSI-Gelände in Darmstadt. (Bild: 7aktuell.de | Bruecker)
Alarmiert wurde die Feuerwehr am Donnerstag (05. Februar 2026) gegen 6:30 Uhr über die automatische Brandmeldeanlage sowie über den Notruf 112. Beim Eintreffen der ersten Kräfte stellten die Einsatzkräfte einen Brand in einer Industriehalle fest. Dort brannten nach Angaben der Wissenschaftsstadt Darmstadt industrieübliche Einrichtungen, darunter elektrische Anlagen, Büroarbeitsplätze und Werkstattausstattung. Trotz schnellen Eingreifens breitete sich das Feuer auf weite Teile der Halle aus; verletzt wurde nach den vorliegenden Angaben niemand.
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Wegen einer weithin sichtbaren Rauchwolke wurden Bürgerinnen und Bürger über Warnapps aufgefordert, den Bereich zu meiden sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Aufforderung ist laut Stadt inzwischen aufgehoben. Parallel richtete die Feuerwehr eine Messzentrale ein und führte Messungen an der Brandstelle sowie im Stadtgebiet durch. Dabei seien während der gesamten Einsatzdauer keine Gefahrstoffe nachgewiesen worden, teilte die Wissenschaftsstadt Darmstadt mit.
Zum Vorgehen schilderte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Darmstadt, Christian Wagner, dass in der Anfangsphase zunächst eine Außenbrandbekämpfung erforderlich gewesen sei. Als Gründe nannte er eine Gefährdung durch elektrischen Strom sowie Einsturzgefahr, weshalb Einsatzkräfte nicht ins Gebäude vordringen konnten. Um Löschmittel in den Mittelteil des Gebäudes zu bringen, forderte die Feuerwehr Teleskopmasten an. Später kam zusätzlich ein aus Hanau angeforderter, ferngesteuerter Löschroboter zum Einsatz, der mit Kamera- und Greiftechnik in gefährdete Bereiche fahren und dort Lösch- sowie Manipulationsmaßnahmen ausführen kann. Am Donnerstagabend trafen zusätzliche Sonderfahrzeuge der Feuerwehr Hanau ein, darunter ein spezieller Löschpanzer. Außerdem kam seit dem Abend ein mobiler Schwerlastkran mit einer Hubkraft von bis zu 400 Tonnen zum Einsatz, um beschädigte Gebäudeteile und Anlagentechnik zu bewegen und Glutnester besser erreichen zu können. Einsatzkräfte öffneten mit schwerem Gerät Fassadenteile.
Für die Brandbekämpfung und die folgenden Arbeiten waren neben Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr Darmstadt zahlreiche Einheiten aus der Region und darüber hinaus eingebunden. Die Stadt nennt unter anderem Werkfeuerwehren, Feuerwehren aus mehreren Kreisen, das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sowie die Landespolizei mit Polizeihubschrauber. Außerdem waren laut Stadt ein Kanalfachunternehmen mit Saugfahrzeugen zum Abtransport von Löschwasser sowie ein Kranfachunternehmen mit Spezialkran als Arbeitskorb für Löscharbeiten von oben beteiligt.
Zur Dimension der Wassermengen nannte Christian Wagner für die Anfangsphase etwa 7.000 bis 10.000 Liter pro Minute. In einer weiteren Angabe heißt es, zeitweise seien 10.000 bis 20.000 Liter pro Minute abgegeben worden – hochgerechnet knapp eine Million Liter pro Stunde. Für den Abend nannte er noch rund 100 Kräfte; in der Nacht sollte auf etwa 45 reduziert werden, um Nachlöscharbeiten durchzuführen. Für den Freitag rechnete Wagner mit einer ähnlichen Stärke – abhängig davon, wie die Nachlöscharbeiten verlaufen und ob die Kräfte wieder hochgefahren werden müssen. Die Nachlöscharbeiten bleiben aufwendig, unter anderem weil Wände geöffnet und noch brennende Kunststoffe gesucht werden müssen.
Zur Brandursache ermittelt die Polizei. Ein Sprecher der Forschungseinrichtung nannte als mögliche Ursache einen Kurzschluss im Bereich der Stromversorgung einer bestehenden Anlage. Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur brach das Feuer in einem Gebäude des Linearbeschleunigers UNILAC aus, einem vorgeschalteten Bereich des neuen Teilchenbeschleunigers FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research), der derzeit auf dem GSI-Gelände entsteht. Die FAIR-Baustelle sei von dem Brand nicht betroffen. Wissenschaftsminister Timon Gremmels erklärte, ein geplanter Probelauf für die Inbetriebnahme von FAIR sowie die an UNILAC geplanten Experimente müssten nun dennoch verschoben werden.
Zur Höhe des Schadens gibt es bislang keine belastbare Summe: Die Wissenschaftsstadt Darmstadt erklärte, der Schaden lasse sich derzeit nicht schätzen. Medienberichte gehen von einem Schaden mindestens im Millionenbereich aus; Hessens Innenminister Roman Poseck wiederum sprach in einem Interview von einem Schaden, der in die Milliarden gehen könnte.