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Kolumne

Umfassende Lösung für die Vegetationsbrandbekämpfung

Der Deutsche Wetterdienst berichtet: die drastische Dürresituation von 2018 könne sich in diesem Jahr wiederholen, wenn weiterhin so wenig Niederschlag fällt. Sebastian Hodapp, Vorstand von @fire – Internationaler Katastrophenschutz e.V. fordert eine umfassende Lösung für die Vegetationsbrandbekämpfung (Kolumne aus Feuerwehr-Magazin 2/2019).

Bessere Ausrüstung, Taktik, Training und eine einheitliche Lösung für die Waldbrandbekämpfung fordert Sebastian Hodapp. Symbolfoto: FF Bad Reichenhall (Bild: Markus Leitner BRK BGL)

Der Sommer 2018 war für die deutsche Feuerwehren besonders: Wir waren nicht nur zum ersten Mal in Schweden zur Bekämpfung von riesigen Waldbränden im Einsatz. Nein, auch im eigenen Land haben wir Bilder gesehen, die sonst nur aus dem Fernsehen bekannt sind: Von Flammen bedrohte und evakuierte Dörfer, Vegetationsbrände, die auf Gebäude übergreifen, und Waldabschnitte im Vollbrand.

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Aber leider haben wir auch vertraute und wiederkehrende Muster gesehen. Wie jedes Jahr gab es verletzte Feuerwehrangehörige und verbrannte Ausrüstung bei vermeintlich einfachen Flächenbränden.

Klimawandel betrifft uns alle

Spätestens seit den letzten Dürremonaten ist klar, dass der Klimawandel uns alle betrifft. Nicht nur bei Extremunwetterlagen, sondern auch in Bezug auf Vegetationsbrände. Langanhaltende Hochdruckgebiete und Trockenheit sind nur der erste Schritt. Eine Veränderung der Vegetation wird folgen.

Medial ist zu vernehmen, dass wir vorbereitet sind. Bis auf fehlende Flugzeuge und zu wenig Hubschrauber vielleicht. Aber sind wir das wirklich? Oder waren wir in den letzten Jahren froh, unter der Vielzahl an Aufgaben und Situationen, gegen die eine Feuerwehr gewappnet sein muss, einige vermeintlich weniger dringliche Themen zurückstellen und vergessen zu können? Zum Beispiel die Ausbildung und Ausrüstung für Wald- und Flächenbrände?

Sicherlich verfügen wir über eines der leistungsfähigsten Feuerwehrsysteme weltweit, das es uns (noch) ermöglicht, im Zweifel mit Masse zu reagieren. Doch insbesondere in stärker belasteten Gebieten – wie Brandenburg – und bei großen Feuern haben Feuerwehren ihre Belastungsgrenzen bereits erreicht.

Änderungen im Feuerwehrwesen müssen her

Darauf müssen wir reagieren! So wie sich die Gefahrenlage ändert, wird es auch eine Änderung im Feuerwehrwesen brauchen. Sowohl in Technik und Taktik als auch in Ausbildung und unseren Strukturen braucht es Veränderungen.

Unsere Technik muss den Szenarien der Vegetationsbrände gewappnet sein. Hiermit sind in erster Linie nicht Löschflugzeuge, Hubschrauber oder Panzer gemeint. Es beginnt mit angemessener Schutzausrüstung! So richtig und wichtig Schutzkleidung nach EN 469 ist, so gut die mittlerweile flächendeckende Verfügbarkeit: Sie dient einzig dem Zweck der Innenbrandbekämpfung. Für die Wald- und Flächenbrandbekämpfung ist einlagige und leichte Schutzkleidung nötig, um bei der körperlichen Arbeit zusätzlichen Hitzestress zu minimieren.

Erst dann kommen geländegängige und entsprechend ausgerüstete Tanklösch- und Führungsfahrzeuge. Dazu spezielle Ausrüstung und Handwerkzeug, um auch in entlegenem oder schwierigem Gelände Löscharbeiten durchführen zu können.

Feuerwehr-Dienstvorschrift ungeeignet für Vegetationsbrände

Auch bei der Taktik und Ausbildung für Vegetationsbrände werden wir Neuland betreten. Aktuell werden Vegetationsbrände in der Feuerwehrausbildung faktisch nicht behandelt. Wie auch? Die Inhalte der Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 3 sind ungeeignet. Vielmehr bräuchte es eine eigene Dienstvorschrift, um das Thema ganzheitlich zu behandeln. Hier ließe sich auch verankern, wie Luftfahrzeuge taktisch sinnvoll in den Einsatz gebracht werden können.

Ein gemeinsamer Standard hilft auch bei der größten Hürde: Die Schaffung von Strukturen zur überregionalen Zusammenarbeit, die den Einsatz von standardisierten Waldbrandeinheiten über Tage und Ländergrenzen zulassen.

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Auch hier muss ein Umdenken stattfinden: Vegetationsbrände können nicht mehr einzig als Aufgabe der betroffenen Regionen verstanden werden. Im Gegenteil! Regionale Kräfte sind bereits mit dem “Tagesgeschäft” aus kleineren und mittleren Wald- und Flächenbränden ausgelastet und unentbehrlich.

Unterstützung und Ablöse kann daher nur aus urbanen oder weniger gefährdeten Gebieten Deutschlands kommen, deren Einheiten dann jedoch genauso ausgestattet und ausgebildet sein müssen!

Uns steht also kein einfacher Umbruch bevor. Wir brauchen eine umfassende Lösung. Aber: Als Feuerwehr sind wir es gewohnt, mit Änderungen umzugehen und uns Herausforderungen zu stellen. Auch Gespräche in den Ländern und auf Bundesebene sind im Gange. Und so steht zu hoffen, dass das Thema nicht wieder in Schubladen verschwindet und es nicht mehr allzu viele “Jahrhundertsommer” braucht, bis wir wirklich bereit sind!

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir: “Der Deutsche Wetterdienst warnt: die drastische Dürresituation von 2018 könne sich in diesem Jahr wiederholen. Gebietsweise sei die seit Jahresbeginn gemessene Niederschlagsmenge alarmierend niedrig.”

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Natürlich muss man in Deutschland jetzt alles neu – erfinden und verschlimmbessern ( wie beim Digitalfunk!!)..
    Oder man schaut doch mal ob man im europäisch Ausland etwas lang bewährtes lernen- und übernehmen kann ?!!!!

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  2. Hm. Da bin ich doch sehr froh, einen Gemeindebrandmeister mit Weitsicht zum Vorgesetzten zu haben.
    Wir sind zwar nur eine Wehr mit erweiterter Grundausstattung, wurden aber in den letzten Jahren so ausgerüstet, ausgerichtet und ausgestattet, das wir uns heute als Vegetationsbrandwehr verstehen.
    Ein handliches aber umfassend ausgestattetes TLF 2000, eine D-Schlauchausrüstung und entsprechende Armaturen und Handwerkszeuge bieten uns mittlerweile viele Möglichkeiten.
    Nein, einer Katastrophe können wir uns alleine auch nicht entgegen stemmen.
    Aber das, was sich uns hier zeigt, können wir, mit Hilfe unserer Nachbarn, sicher abarbeiten.
    Da Niedersachsen noch die dünne, orange Einsatzjacke kennt, war hier nichts nötig. In entsprechenden Atem- und Augenschutz haben wir investiert.
    Hinzu kommt natürlich, daß die Führungskräfte die Bereitschaft zur Weiterbildung und zur Multiplikation des erworbenen Wissens mitbringen müssen.
    Das ist es, was wir leisten können und müssen.

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  3. Sehr interessanter Artikel über ein Thema, dass die Feuerwehr in Zukunft verstärkt in Atem halten wird.
    In meinen Augen würde die ein oder andere neue Norm in Verbindung mit den passenden Zuschüssen der Länder auch Abhilfe schaffen bzw. helfen. Beispielsweise vermisse ich in der deutschen Normung voll und ganz ein Großtanklöschfahrzeug mit 10.000-25.000 Litern, bspw. für die landkreiseigene Gefahrenabwehr. Mit Einführung einer solchen Norm könnte man den in meinen Augen ineffizienten Pendelverkehr mit 1600-5000 Litern pro Fahrzeug stark eindämmen und somit wichtiges und rares Personal für andere Dinge einsetzen. Zudem sehe ich auch in Sachen der Geländegängigkeit keine Probleme mit Großtanklöschfahrzeugen, denn viele Flächen- und Waldbrände sind über Forst- und Landwirtschaftswege gut erreichbar.
    Abschließend hoffe ich, dass in Sachen Normung auch Mal versucht wird nicht die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen.

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  4. Klar, einfach, verständlich und fachlich korrekt formuliert!
    Nicht unfinanzierbare Investitionen sind die Grundforderung dieser Kolumne, um auf geänderte Gefahrenlagen wie die der qualifizierten Vegetationsbrandbekämpfung in großen Territorien zu reagieren.
    In erster Linie ist es notwendige Grundausbildung unserer Feuerwehrangehörigen für diese Einsätze, “etwas” angepasste Schutzausrüstung und überregionale, abgestimmte Handlungsstrategien und Einsatztaktiken.
    Allein an der Unzahl “örtlicher Besonderheiten” der Brandbekämpfung unseres föderalen Feuerwehrsystems wird die Umsetzung der berechtigten Forderungen, nach der Anpassung, der Einsatzstrategien scheitern ….
    Schade!

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