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Fahrzeug-Portrait: Saugwagen für Ölspuren der BF Wuppertal.
Was macht das Havariekommando?

Feuerwehr auf hoher See

Cuxhaven (NI) – Für das Havariekommando begann das Jahr 2019 mit fünf Einsatzlagen innerhalb von 23 Tagen. Insgesamt haben die Mitarbeiter in 2019 sechs komplexe Schadenslagen bewältigt. Davon drei Einsätze in der Nordsee, zwei auf der Elbe und einen in der Ostsee. Zusammengerechnet waren dies 651 Stunden Gesamteinsatzleitung für die gemeinsame Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland und der fünf norddeutschen Bundesländer.

Notschleppübung mit einem Rohöltanker sowie einem Mehrzweckschiff des Bundes auf der Nordsee. Diese Manöver werden regelmäßig trainiert und durch das Havariekommando koordiniert. Foto: Havariekommando

„Zu Jahresbeginn wurde deutlich, welche Herausforderungen unser Personal sowie die Einsatzkräfte unserer Partner annehmen und wie professionell sie in diesen Situationen agieren“, erklärt der Leiter des Havariekommandos Hans-Werner Monsees. „Wir hatten die Einsätze der Havaristen Palmerton (am 2. Januar) und Lapis (am 13. Januar), die am Anker durch die Nordsee trieben, die Havarie der MSC Zoe (ab dem 2. Januar), die in der Nordsee 342 Container verlor, die auf Grund gelaufene Oriental Nadeshiko (am 21. Januar) in der Elbe und in der Ostsee die Kollision der Schiffe Norvind und Beate (am 25. Januar). Diese Einsätze haben wir zeitweise parallel bewältigt. In der zweiten Jahreshälfte übernahmen wir die Gesamteinsatzleitung bei einem Brand im Maschinenraum auf der Kelly (am 6. September). Jede Einsatzlage hatte ihre Herausforderungen und lieferte Erkenntnisse für die Zukunft.“ fasst Monsees zusammen.

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Fortschritte in der
Maritimen Notfallvorsorge

Im Jahr 2019 wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die den Standard der Maritimen Notfallvorsorge weiter verbessern. Dazu zählen die ständige Verfügbarkeit eines Helikopters für die Maritime Notfallvorsorge und die neue Kennzeichnung der Notschlepper Nordic und Baltic, die besser erkennbar machen, dass sie in hoheitlichem Auftrag handeln. Seit Jahresbeginn kann das Havariekommando auf ein landgestütztes Towing Assistance Team (TAT)* zurückgreifen. Dies verbessert die Einsatzmöglichkeiten, wenn die Wetterverhältnisse das Aufwinschen von den Notschleppern auf See erschweren oder unmöglich machen. Das Havariekommando verfügt damit über drei TAT für die Nord- und Ostsee.

* Gut zu wissen: Towing Assistance Team

Ein Towing Assistance Team (TAT) besteht aus vier Seeleuten, die speziell für den Einsatz auf manövrierunfähigen und verlassenen Schiffen ausgebildet sind. Zuvor hieß das TAT Boarding Team. Da der Begriff Boarding Team unter anderem bei der Marine verwendet wird und den Einsatz militärischer Kräfte suggeriert, wurde die Bezeichnung Towing Assistance Team eingeführt.

Am 29. April 2019 unterzeichneten das Technische Hilfswerk (THW) und das Havariekommando eine Kooperationsvereinbarung. Damit steht für die Maritime Notfallvorsorge mehr Personal zur Verfügung und Schadenslagen können noch effizienter abgearbeitet werden.

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Das Havariekommando beteiligt sich fachlich intensiv an der Beschaffung der neuen Mehrzweckschiffe der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS). Es setzt die Mehrzweckschiffe regelmäßig für die Bewältigung maritimer Großschadenslagen ein.

Ölsperren ausbringen im großen Stil. Hier ebenfalls während einer Übung. Das Öl wird in der Regel durch Popcorn dargestellt. Foto: Havariekommando

Über 100 Übungen

Für die Vorbereitung auf komplexe Schadenslagen haben die Einsatzkräfte der Partner und das Havariekommando-Personal im Jahr 2019 mehr als 100 Übungen durchgeführt. Anfang April haben rund 20 Mitarbeiter zusammen mit Behörden, Feuerwehren und Technischem Hilfswerk die Ölbekämpfung unter realen Bedingungen trainiert. Übungsort war das Gelände von CEDRE (Centre de Documentation de Recherche et d’Expérimentation sur les pollutions accidentelles des eaux) in Brest, Frankreich. Die dort gegebene Möglichkeit, mit echtem Leicht- und Schweröl zu üben, ist europaweit eine Besonderheit.

Am 19. Juni haben die Besatzungen von 22 Schiffen, einem Ölüberwachungsflugzeug und einem Hubschrauber aus den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und Deutschland sowie von der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) die gemeinsame Ölbekämpfung vor Helgoland trainiert. Die Übung wurde auf der Basis des Bonn-Übereinkommens (Bonn Agreement) durchgeführt. Dieses Abkommen besteht zwischen den Anrainerstaaten der Nordsee und umfasst die gegenseitige Hilfeleistung bei schweren Schiffsunfällen. „Es ist besonders wichtig, dass wir mit unseren Nachbarstaaten regelmäßig gemeinsam üben. Wir sind stolz, die Übung im Jahr des 50-jährigen Bestehens des Bonn-Abkommens auszurichten“, betonte Hans-Werner Monsees nach der erfolgreichen Übung.
In Notschlepp-, Brandbekämpfungs-, Verletztenversorgungs- und vielen weiteren Routineübungen wurden die Einsatzfähigkeiten aller Einheiten kontinuierlich trainiert. Die Übungen finden nicht nur in Norddeutschland, sondern beispielsweise auch bei der Bergwacht in Bad Tölz und im Ausland statt. „Wir wollen für alle Einsatzkräfte optimale Übungsbedingungen schaffen, damit wir im Einsatzfall Menschen und Umwelt vor den Auswirkungen eines Schadensereignisses bestmöglich schützen können. Dieser Herausforderung wollen wir uns auch im Jahr 2020 stellen“, blickt Monsees nach vorn.

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Nach dem Verlust zahlreicher Container der MSC Zoe Anfang Januar 2019 suchen Einsatzkräfte mit zwei Hägglund-Raupenfahrzeugen den Strand von Borkum nach Trümmern und Containern ab. Bei solchen Einsätzen greift das Havariekommando auch auf Kräfte der Feuerwehr zurück. Foto: Havariekommando

Was macht das Havariekommando

Das Havariekommando ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Bundesländer. Es hat am 1. Januar 2003 seinen Dienst aufgenommen und gewährleistet ein gemeinsames Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee. Auslöser für die Gründung war die Brandkatastrophe auf dem italienischen Holzfrachter Pallas im Jahr 1998. Das Havariekommando bündelt die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung, Übung und Durchführung von Maßnahmen zur Verletztenversorgung, zur Schadstoffunfallbekämpfung, zur Brandbekämpfung, zur Hilfeleistung und zur Gefahrenabwehr bezogenen Bergung bei komplexen Schadenslagen auf See sowie einer strukturierten Öffentlichkeitsarbeit. Es verfügt über keine eigenen Einsatzkräfte und arbeitet deshalb mit vielen Partnern auf Bundes- und Länderebene zusammen. Zu ihnen zählen unter anderem:

• Brandbekämpfungseinheiten und Verletztenversorgungsteams der Feuerwehren Emden, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Cuxhaven, Brunsbüttel, Flensburg, Kiel, Lübeck, Hamburg und Rostock,
• das Technische Hilfswerk, unter anderem mit den Fachgruppen Ölschaden,
• die norddeutschen Standorte der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS),
• der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN),
• der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN),
• die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern (StALU),
• der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen
• die Behörde für Umwelt und Energie Hamburg,
• das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH),
• die Bundespolizei See und die Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf,
• die Deutsche Marine,
• der Zoll,
• die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung – Fischereischutz (BLE),
• die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS),
• Fachberater für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Semmannsmissionen, kirchlicher Einrichtungen und der Militärseelsorge.

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