Havariekommando feiert runden Geburtstag

20 Jahre maritimes Notfallmanagement aus einer Hand

Cuxhaven (NI) – Das Havariekommando, Deutschlands herausragende Institution für Notfallmanagement in den Gewässern der Nord- und Ostsee, feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Im Jahr 2003 wurde diese gemeinsame Initiative von Bund und den Küstenländern ins Leben gerufen. Die Havarie des Holzfrachters „Pallas“ 1998 vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste war der Auslöser für die Gründung des Havariekommandos. Ein Brand zwang das Schiff vor Amrum auf Grund, und tonnenweise Treibstoffe verschmutzten die See, was zum Tod von über 15.000 Seevögeln führte.

Der jüngste Großeinsatz des Havariekommandos war ein Ölunfall kurz vor Weihnachten 2022, als etwa 300.000 Liter Rohöl aus einer Pipeline in den Nord-Ostsee-Kanal gelangten. Das Havariekommando übernahm die Gesamteinsatzleitung während dieses mehrere Tage andauernden Einsatzes. (Bild: Havariekommando)

Als Reaktion auf dieses Unglück entstand die Vision, das Havariekommando zu gründen. Im Falle von Havarien hat diese Institution die Kompetenz, Einsatzkräfte unterschiedlicher Partnerorganisationen sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene effektiv zu koordinieren. Diese Zusammenarbeit ist in Deutschland einzigartig. Das Havariekommando wird bei schweren Unfällen wie Schiffskollisionen oder Bränden an Bord eingesetzt. Ebenso ist es gefragt, wenn Schadstoffe ins Wasser gelangen, und es ist ständig an der Küste präsent, um potenzielle Gefahren, etwa durch Öl-Anlandungen, abzuwehren.

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Seit seiner Gründung hat das Havariekommando insgesamt 91 sogenannte „Komplexe Schadenslagen“ erfolgreich bewältigt. Diese Ereignisse reichten von kurzfristigen Fällen bis hin zu langanhaltenden Situationen über mehrere Wochen. Insgesamt wurden in 20 Jahren rund 500 Einsatztage gezählt, ohne die zahlreichen Fälle, in denen das Havariekommando Fachberatung leistete oder im Rahmen von Amtshilfe tätig war. Auf Bundesebene ist das Havariekommando dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr zugeordnet. Die Verantwortung auf Landesebene liegt bei den Innen- und Umweltministerien der fünf Küstenländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Die Leitung der Institution, die ihren Sitz in Cuxhaven hat, obliegt dem ehemaligen Marineoffizier Robby Renner, der erst der zweite Leiter des Havariekommandos in 20 Jahren ist. Im Jahr 2021 löste er den langjährigen Leiter Hans-Werner Monsees ab.

Geleitet wird das Havariekommando von Robby Renner (45) seit Dezember 2021. (Bild: Havariekommando)

Renner betont die enorme Bedeutung seiner Einrichtung: „Das Havariekommando ist nunmehr 20 Jahre alt und hat seine Anfänge hinter sich gelassen. Es ist ein selbstbewusster, etablierter und hochgeschätzter Akteur in der maritimen Sicherheitswelt. Der Brand auf dem Autofrachter „Fremantle Highway“ im Juli dieses Jahres hat in Deutschland erneut die Wichtigkeit der maritimen Notfallvorsorge verdeutlicht. Unsere Aufgabe ist es nun, kontinuierlich daran zu arbeiten. Die Herausforderungen im Bereich der maritimen Sicherheit entwickeln sich rasch, und wir müssen Schritt halten und uns zukunftssicher aufstellen. Das Havariekommando befindet sich auf einem guten Weg, aber wir sind stets auf die Unterstützung von Bund und Ländern angewiesen.“

Derzeit arbeiten 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Bund und Ländern gemeinsam in Cuxhaven für das Havariekommando. Ihre beruflichen Hintergründe sind vielfältig und umfassen Nautikerinnen und Nautiker, Verwaltungsfachkräfte, Rettungsingenieure, Maschinenbauer, Biologinnen, Schiffsmechaniker, Chemiker und Feuerwehrleute. Abseits von Einsätzen hat sich die Institution zu einem Kompetenzzentrum für maritime Sicherheit entwickelt. Die Mitarbeitenden in Cuxhaven sorgen dafür, dass die Partner des Havariekommandos die notwendige Ausrüstung und das Training für die speziellen Einsatzanforderungen erhalten. Jährlich führt das Havariekommando über 100 Übungen, Trainings und Schulungen durch.

Das Havariekommando verfügt nicht über eigene Einsatzkräfte, sondern arbeitet eng mit Partnerorganisationen zusammen. Zu diesen gehören unter anderem neun Berufsfeuerwehren entlang der Küste, das Technische Hilfswerk, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Landesbehörden für Küstenschutz, die Bundespolizei und die Deutsche Marine. Renner würdigt die wichtige Rolle dieser Organisationen: „Wir sind diesen Organisationen zu großem Dank verpflichtet. Maritimes Notfallmanagement unter der Leitung des Havariekommandos ist nur durch eine enge und gut koordinierte Zusammenarbeit mit unseren kompetenten Partnern möglich. Wir sind sehr dankbar, dass wir uns auf sie verlassen können.“

Das Havariekommando hat die Leitungen der Partnerorganisationen sowie die zuständigen Ministerien und Behörden zu einem Festakt am 21. September eingeladen. Am 22. September findet anlässlich des Jubiläums außerdem eine Fachkonferenz zum maritimen Notfallmanagement in Cuxhaven statt.

Dr. Robby Renner übernimmt Leitung des Havariekommandos von Hans-Werner Monsees

Cuxhaven (NI) – Der neue Leiter des Havariekommandos heißt Dr. Robby Renner. Der Fregattenkapitän wird zum 1. Dezember seinen Dienst antreten. Er löst den langjährigen Amtsinhaber Leitender Polizeidirektor Hans-Werner Monsees ab, der altersbedingt aus dem Dienst ausscheidet. Die offizielle Amtsübernahme fand heute in Berlin im Beisein von Noch-Verkehrsminister Andreas Scheuer statt.

ehemaliger Leiter des Havariekommandos Hans-Werner Monsees
Der ehemalige Leiter des Havariekommandos Hans-Werner Monsees wurde heute in den Ruhestand verabschiedet. (Bild: Preuschoff)

„Am 1. September 2001 haben Sie die Aufgabe übernommen, die Schiffssicherheit an den deutschen Küsten zu übernehmen”, erinnerte der Minister an den Beginn von Monsees als Leiter der damals neu zu gründenden Behörde.“ Auslöser für diesen Schritt war die Havarie der „Pallas“ im Jahr 1998. Insgesamt 90 große Havarien habe das Havariekommando seither unter seiner Leitung erfolgreich abgearbeitet, so Scheuer. Monsees Nachfolger Dr. Robby Renner ist als langjähriger Stabsoffizier und zuletzt Kommandeur der Stützpunktgruppe des Marinefliegergeschwaders 3 mit den Aufgaben des Havariekommandos bereits durch die Ölüberwachung bestens vertraut.

Frachter Flaminia im JadeWeserPort Wilhelmshaven
Der Einsatz für den brennenden Containerfrachter Flaminia ist eine der Havarien, die Monsees noch gut im Gedächtnis geblieben sind. (Bild: Preuschoff)

„Der schwierigste Einsatz ist immer der nächste, der kommt”, so Monsees. „Aber wenn ich gefragt werde, an welche Einsätze ich mich besonders erinnere, dann sind das wohl die Rettung von 240 Menschen auf der brennenden Lisco Gloria in der Ostsee zusammen mit der DGzRS oder die Bergung der Flaminia aus dem Nordatlantik. Das waren zwei herausragende und anspruchsvolle Einsätze.“ „Mich erfüllt es mit Stolz, dass ich jetzt der Kapitän dieses tollen Teams sein darf“, sagte Dr. Renner bei seiner Antrittsrede.

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Neues Mehrzweckschiff für
maritime Notfallvorsorge und Forschung

Brake/Norden (NI) – Ein neues Mehrzweckschiff für die Schadstoffunfallbekämpfung sowie die Überwachung und Forschung in den niedersächsischen Küstengewässern wird derzeit vom Hamburger  Ingenieurbüro Technolog geplant. Der Neubau wird dem Havariekommando und den Betriebsstellen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Brake und Norden zur Verfügung stehen und die 1981 gebaute „Thor“ ersetzen.

Der 40 Meter lange Neubau soll in Wilhelmshaven stationiert und zur Bewältigung von komplexen Schadstoffunfällen sowie zur technischen Hilfeleistung bei havarierten Schiffen eingesetzt werden. Das Schiff wird über hydraulisch gesteuerte Ölaufnahmetechnik und rund 200 Kubikmeter Tankkapazität verfügen. Ausgestattet mit einem dynamischen Positioniersystem wird das Schiff über eine hervorragende Manövrierbarkeit verfügen, die beispielsweise bei Ölbekämpfungseinsätzen und beim Entnehmen von Bodenproben erforderlich ist. Darüber hinaus wird es mit einem sogenannten A-Bock und speziellen Winden für den Einsatz von Schleppgeschirr ausgestattet. Es soll im ersten Quartal 2024 fertig sein.

Ölabwehr: Acht Schiffe trainieren für den Ernstfall

Deutsche Bucht – Nach einer Kollision von zwei Schiffen ist in den frühen Morgenstunden ein Containerschiff gesunken, so lautet das Szenario der Ölbekämpfungsübung unter der Leitung des Havariekommandos am Mittwoch, den 14. April 2021. Ein Sensorflugzeug habe die Unfallstelle überflogen und festgestellt, dass aus dem gesunken Schiff kontinuierlich Treibstoff an die Wasseroberfläche steige.

Die Ölbekämpfungsschiffe „Eversand“ und „Luneplate“ in Formationsfahrt in der Deutschen Bucht während einer Ölabwehrübung. (Bild: Havariekommando)

An der Übung beteiligt waren die Mehrzweckschiffe „Neuwerk“ und „Mellum“, der Bagger „Nordsee“, die Ölbekämpfungsschiffe „Leysand“, „Luneplate“, „Eversand“ und „Knechtsand“ sowie das Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Wega“. Die Schiffe wurden im Übungsgebiet von Bord des Mehrzweckschiffes Neuwerk durch den On Scene Coordinator (OSC) des Havariekommandos geführt. Die Aufgabe der Spezialschiffe war es, das Übungsgebiet in verschiedenen Formationen zu durchfahren, um den laut Szenario ausgetretenen Treibstoff von der Wasseroberfläche aufzunehmen.

Erstmalig war mit dem Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Wega“ an einer gemeinsamen Ölbekämpfungsübung von Bund und Ländern auch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) beteiligt. Sie kann mittels Seitensichtsonar ein Lagebild von gesunkenen Schiffen erstellen und bei der Ortung über Bord gefallener Container unterstützen. „Durch diese behördenübergreifende Zusammenarbeit ist es uns möglich, die Übung noch realistischer zu gestalten und die Notfallstrukturen für verschiedene Einsatzszenarien intensiv zu trainieren. Wir schätzen diese Einsatzbereitschaft sehr, denn sie ist die Grundlage für einen reibungslosen Ablauf in gemeinsamen Einsätzen“, betont der Leiter des Havariekommandos Hans-Werner Monsees. Die Vorsorge für die Schadstoffunfallbekämpfung in den deutschen Gebieten der Nord- und Ostsee ist eine gemeinsame Aufgabe des Bundes und der fünf norddeutschen Küstenländer. In den regelmäßig stattfindenden Übungen werden die Einsatzkräfte trainiert und die Fahrzeuge sowie die Technik und das Material erprobt.

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Komplexe Schadenslagen, Höhenrettungstraining,
Notschleppen und neue Ölerkennungssysteme

Cuxhaven (NI) – Das Havariekommando veröffentlicht erstmalig einen Jahresbericht und gibt damit einen Überblick über sein Aufgabenspektrum und die in 2020 bewältigten Einsatzlagen. Im vergangenen Jahr war es pandemiebedingt nicht möglich, wie sonst üblich in größeren Runden direkte Gespräche mit Partnern zu führen, Besuchergruppen im Havariekommando zu empfangen und Medientermine anzubieten. Auch deshalb hat das Havariekommando diesen Weg gewählt, um seinen Auftrag transparent zu machen.

Zum ersten Mal hat das Havariekommando einen Jahresbericht über seine Arbeit 2020 veröffentlicht. (Bild: Havariekommando)

Die Vielfältigkeit der Aufgaben, die das Havariekommando bearbeitet, wird in dem Jahresbericht deutlich: Angefangen bei Psychosozialer Notfallversorgung an Bord von Schiffen über Notschleppübungen und neue Ölerkennungssysteme bis zur Ausstattung des Hubschraubers für Maritime Notfallvorsorge finden Lesende praxisnahe Beiträge sowie ein Interview mit einem On Scene Coordinator in der komplexen Schadenslage „Santorini“.

Der Bericht ist in digitaler Form als Download und auf Anfrage in gedruckter Form unentgeltlich verfügbar.

Ölwehrübung mit Popcorn

Rügen (MV) – Sechs Spezialschiffe vom Bund und den Küstenländern sowie ein Sensorflugzeug Do 228 trainierten am 16. September 2020 unter der Leitung des Havariekommandos die Ölbekämpfung rund 35 Kilometer nordöstlich der Insel Rügen. Laut Übungsszenario trieb ein Ölteppich nach einem Schiffsunfall auf der Ostsee in den Offshore-Windpark Arkona-Becken Südost.

Die Spezialschiffe Scharhörn (oben) und Ranzow ziehen eine Ölsperre durch den Windpark. An deren Ende sammelt sich Popcorn, welches sich hervorragend zur umweltfreundlichen Darstellung von treibendem Öl auf Gewässern eignet. Foto: Havariekommando

Ziel der Übung war es, die Zusammenarbeit zwischen dem Windparkbetreiber RWE und dem Havariekommando sowie das Zusammenwirken der Einsatzkräfte zu verbessern. Die Spezialschiffe Scharhörn, Bottsand, Ranzow, Arkona, Vilm und Kiel trainierten den Einsatz der bordeigenen Ölaufnahmesysteme und das Ausbringen von Ölsperren im Windpark. Als Simulationsmittel für das Öl diente Popcorn, da es sich auf der Wasseroberfläche ähnlich verhält. Aus der Luft begleitete das Ölüberwachungsflugzeug Do 228 die Übung als Koordinationshilfe, indem es entdeckte Verschmutzungen meldete. Im Übungsgebiet leitete der On Scene Coordinator des Havariekommandos die Übung von Bord des Mehrzweckschiffes Scharhörn. „Die Schadstoffunfallbekämpfung auch in Offshore-Windparks gehört für uns seit einigen Jahren zum Vorsorgestandard. Durch jede Übung gewinnen wir wichtige Erkenntnisse und erhöhen die Handlungssicherheit bei allen Beteiligten in der Zusammenarbeit zur Bekämpfung derartiger Unfälle. Ich freue mich über die hohe Motivation und Professionalität der Einsatzkräfte“, erklärt der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees.

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Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus weist auf die Wichtigkeit derartiger gemeinsamer Übungen hin: „Der Schiffsverkehr in der Ostsee nimmt zu. Gleichzeitig wächst die Zahl der Offshore-Windkraftanlagen. Damit steigt das Risiko, dass ein Schadstoffunfall unsere Ostseegewässer und Küsten bedroht. Welche katastrophalen Auswirkungen so ein Unfall haben kann, führen uns gerade wieder Havarie und Bergung des Frachters Wakashio vor der Küste von Mauritius vor Augen. Umso wichtiger ist es, unsere vorhandenen Strukturen und Verfahrensweisen zum Bekämpfen derartiger Vorkommnisse weiter zu trainieren und effektiver zu machen.“

Das Ölauffangschiff Bottsand nimmt am das am Ende der Schleppölsperre austretende “Öl” auf. Foto: Havariekommando

Frank Scholtka, Plant Manager des Offshore-Windparks Arkona bei RWE Renewables, ergänzt:
„Eine Ölbekämpfungsübung, wie sie vom Havariekommando im Offshore-Windpark Arkona durchgeführt wurde, liefert wichtige Erkenntnisse für den Ernstfall. Als zweitgrößter Betreiber von Offshore-Windparks weltweit haben die Sicherheit unserer Mitarbeiter und der Schutz der Umwelt für uns oberste Priorität. Eine enge Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem Havariekommando ist dafür eine wichtige Voraussetzung. Deshalb freue ich mich, dass wir mit unserer Erfahrung und unserem Fachwissen zum Gelingen der Übung beitragen konnten.“

Was macht eigentlich das Havariekommando?

Das Havariekommando ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf norddeutschen Bundesländer. Es hat am 1. Januar 2003 seinen Dienst aufgenommen und gewährleistet ein gemeinsames Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee. Auslöser für die Gründung war die Brandkatastrophe auf dem italienischen Holzfrachter Pallas im Jahr 1998. Das Havariekommando bündelt die Verantwortung für die Planung, Vorbereitung, Übung und Durchführung von Maßnahmen zur Verletztenversorgung, zur Schadstoffunfallbekämpfung, zur Brandbekämpfung, zur Hilfeleistung und zur Gefahrenabwehr bezogenen Bergung bei komplexen Schadenslagen auf See sowie einer strukturierten Öffentlichkeitsarbeit. Es verfügt über keine eigenen Einsatzkräfte und arbeitet deshalb mit vielen Partnern auf Bundes- und Länderebene zusammen. Zu ihnen zählen unter anderem:

• Brandbekämpfungseinheiten und Verletztenversorgungsteams der Feuerwehren Emden, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Cuxhaven, Brunsbüttel, Flensburg, Kiel, Lübeck, Hamburg und Rostock,
• das Technische Hilfswerk, unter anderem mit den Fachgruppen Ölschaden,
• die norddeutschen Standorte der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS),
• der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN),
• der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN),
• die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern (StALU),
• der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen
• die Behörde für Umwelt und Energie Hamburg,
• das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH),
• die Bundespolizei See und die Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuhlendorf,
• die Deutsche Marine,
• der Zoll,
• die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung – Fischereischutz (BLE),
• die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS),
• Fachberater für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Seemannsmissionen, kirchlicher Einrichtungen und der Militärseelsorge.

Jahresbericht Havariekommando für 2019

Cuxhaven (NI) – Für das Havariekommando begann das Jahr 2019 mit fünf Einsatzlagen innerhalb von 23 Tagen. Insgesamt haben die Mitarbeiter in 2019 sechs komplexe Schadenslagen bewältigt. Davon drei Einsätze in der Nordsee, zwei auf der Elbe und einen in der Ostsee. Zusammengerechnet waren dies 651 Stunden Gesamteinsatzleitung für die gemeinsame Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland und der fünf norddeutschen Bundesländer.

Notschleppübung mit einem Rohöltanker sowie einem Mehrzweckschiff des Bundes auf der Nordsee. Diese Manöver werden regelmäßig trainiert und durch das Havariekommando koordiniert. Foto: Havariekommando

„Zu Jahresbeginn wurde deutlich, welche Herausforderungen unser Personal sowie die Einsatzkräfte unserer Partner annehmen und wie professionell sie in diesen Situationen agieren“, erklärt der Leiter des Havariekommandos Hans-Werner Monsees. „Wir hatten die Einsätze der Havaristen Palmerton (am 2. Januar) und Lapis (am 13. Januar), die am Anker durch die Nordsee trieben, die Havarie der MSC Zoe (ab dem 2. Januar), die in der Nordsee 342 Container verlor, die auf Grund gelaufene Oriental Nadeshiko (am 21. Januar) in der Elbe und in der Ostsee die Kollision der Schiffe Norvind und Beate (am 25. Januar). Diese Einsätze haben wir zeitweise parallel bewältigt. In der zweiten Jahreshälfte übernahmen wir die Gesamteinsatzleitung bei einem Brand im Maschinenraum auf der Kelly (am 6. September). Jede Einsatzlage hatte ihre Herausforderungen und lieferte Erkenntnisse für die Zukunft.“ fasst Monsees zusammen.

Fortschritte in der
Maritimen Notfallvorsorge

Im Jahr 2019 wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die den Standard der Maritimen Notfallvorsorge weiter verbessern. Dazu zählen die ständige Verfügbarkeit eines Helikopters für die Maritime Notfallvorsorge und die neue Kennzeichnung der Notschlepper Nordic und Baltic, die besser erkennbar machen, dass sie in hoheitlichem Auftrag handeln. Seit Jahresbeginn kann das Havariekommando auf ein landgestütztes Towing Assistance Team (TAT)* zurückgreifen. Dies verbessert die Einsatzmöglichkeiten, wenn die Wetterverhältnisse das Aufwinschen von den Notschleppern auf See erschweren oder unmöglich machen. Das Havariekommando verfügt damit über drei TAT für die Nord- und Ostsee.

* Gut zu wissen: Towing Assistance Team

Ein Towing Assistance Team (TAT) besteht aus vier Seeleuten, die speziell für den Einsatz auf manövrierunfähigen und verlassenen Schiffen ausgebildet sind. Zuvor hieß das TAT Boarding Team. Da der Begriff Boarding Team unter anderem bei der Marine verwendet wird und den Einsatz militärischer Kräfte suggeriert, wurde die Bezeichnung Towing Assistance Team eingeführt.

Am 29. April 2019 unterzeichneten das Technische Hilfswerk (THW) und das Havariekommando eine Kooperationsvereinbarung. Damit steht für die Maritime Notfallvorsorge mehr Personal zur Verfügung und Schadenslagen können noch effizienter abgearbeitet werden.

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Das Havariekommando beteiligt sich fachlich intensiv an der Beschaffung der neuen Mehrzweckschiffe der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS). Es setzt die Mehrzweckschiffe regelmäßig für die Bewältigung maritimer Großschadenslagen ein.

Ölsperren ausbringen im großen Stil. Hier ebenfalls während einer Übung. Das Öl wird in der Regel durch Popcorn dargestellt. Foto: Havariekommando

Über 100 Übungen

Für die Vorbereitung auf komplexe Schadenslagen haben die Einsatzkräfte der Partner und das Havariekommando-Personal im Jahr 2019 mehr als 100 Übungen durchgeführt. Anfang April haben rund 20 Mitarbeiter zusammen mit Behörden, Feuerwehren und Technischem Hilfswerk die Ölbekämpfung unter realen Bedingungen trainiert. Übungsort war das Gelände von CEDRE (Centre de Documentation de Recherche et d’Expérimentation sur les pollutions accidentelles des eaux) in Brest, Frankreich. Die dort gegebene Möglichkeit, mit echtem Leicht- und Schweröl zu üben, ist europaweit eine Besonderheit.

Am 19. Juni haben die Besatzungen von 22 Schiffen, einem Ölüberwachungsflugzeug und einem Hubschrauber aus den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und Deutschland sowie von der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) die gemeinsame Ölbekämpfung vor Helgoland trainiert. Die Übung wurde auf der Basis des Bonn-Übereinkommens (Bonn Agreement) durchgeführt. Dieses Abkommen besteht zwischen den Anrainerstaaten der Nordsee und umfasst die gegenseitige Hilfeleistung bei schweren Schiffsunfällen. „Es ist besonders wichtig, dass wir mit unseren Nachbarstaaten regelmäßig gemeinsam üben. Wir sind stolz, die Übung im Jahr des 50-jährigen Bestehens des Bonn-Abkommens auszurichten“, betonte Hans-Werner Monsees nach der erfolgreichen Übung.
In Notschlepp-, Brandbekämpfungs-, Verletztenversorgungs- und vielen weiteren Routineübungen wurden die Einsatzfähigkeiten aller Einheiten kontinuierlich trainiert. Die Übungen finden nicht nur in Norddeutschland, sondern beispielsweise auch bei der Bergwacht in Bad Tölz und im Ausland statt. „Wir wollen für alle Einsatzkräfte optimale Übungsbedingungen schaffen, damit wir im Einsatzfall Menschen und Umwelt vor den Auswirkungen eines Schadensereignisses bestmöglich schützen können. Dieser Herausforderung wollen wir uns auch im Jahr 2020 stellen“, blickt Monsees nach vorn.

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Nach dem Verlust zahlreicher Container der MSC Zoe Anfang Januar 2019 suchen Einsatzkräfte mit zwei Hägglund-Raupenfahrzeugen den Strand von Borkum nach Trümmern und Containern ab. Bei solchen Einsätzen greift das Havariekommando auch auf Kräfte der Feuerwehr zurück. Foto: Havariekommando

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