Rund um das Technische Hilfswerk

10 Dinge, die jeder Feuerwehrmann über das THW wissen sollte

Stößt die Feuerwehr mit ihrem Material an die Grenzen, sind sie zur Stelle: die Frauen und Männer des Technischen Hilfswerkes. Klassisch werden die THW´ler zum Ausleuchten und zur Deichverteidigung eingesetzt. Doch die Blauen können noch viel mehr: Sprengen, Orten und Retten von Verschütteten oder Brückenbau. Diese 10 Punkte sollte jeder Feuerwehrmann über die Spezialisten in Blau wissen.

THW und Feuerwehr Quelle THW_600(3)
Arbeiten Hand in Hand: Feuerwehr und THW. Quelle: THW

668 THW-Ortsverbände bundesweit

1.) Deutschlandweit gibt es 668 THW-Ortsverbände mit insgesamt zirka 83.000 Angehörigen. Die Feuerwehr in Deutschland bringt es auf etwa 1,1 Millionen Angehörige an rund 25.000 Standorten.

2.) Das THW ist eine Bundesoberbehörde, das heißt, über Einsätze im In- und Ausland entscheidet grundsätzlich das Bundesministerium des Inneren. Trotzdem können im Rahmen der Amtshilfe auch THW-Kräfte von Feuerwehr, Polizei und anderen Behörden angefordert werden. Finanziert wird das THW dementsprechend durch Mittel des Bundes.

3.) Ähnlich wie die Jugendfeuerwehr bei den meisten Feuerwehren verfügt auch das THW über eine große Jugendorganisation; die THW-Jugend e.V. Während sich zirka 240.000 Mitglieder in den Reihen der Deutschen Jugendfeuerwehr engagieren, sind es rund 15.000 Jungen und Mädchen bei der THW-Jugend.

Das THW half umgehend nach der verheerenden Naturkatstrophe in Südostaien und blieb noch mehrere Jahre, um den Wiederaufbau zu unterstützen. Fotos: THW
Das THW bei der Naturkatastrophe in Südostasien. Quelle: THW

 

Spezielle Fachgruppen bei den THW-Ortsverbänden

4.) Jeder THW-Ortsverband besteht aus einer oder mehreren Fachgruppen. Grundsätzlich verfügt jeder Ortsverband über einen Zugtrupp, vergleichbar mit der Einsatzleitung bei der Feuerwehr. Hinzu kommen spezielle Fachgruppen aus den Bereichen Bergung, Ortung, Elektroversorgung, Logistik, Ölschaden, Räumung, Wasserschaden/Pumpen, Wassergefahren, Sprengen, Trinkwasserversorgung, etc..

5.) Auch wenn die unterschiedlichen Fachgruppen mehrfach im gesamten Bundesgebiet vorhanden sind, sind die Strukturen und Bezeichnungen gleich. Das schafft Vorteile bei der Ausbildung an spezifischen Geräten. Außerdem kann das Material in großen Stückzahlen beschafft werden, wodurch kosten gespart werden.

THW: Größter Trinkwassereinsatz in Deutschland. Symbolfoto: THW
Die Fachgruppe Trinkwasserversorgung im Einsatz. Quelle: THW

 

Spezialisten mit schweren Gerät

6.) Mit der Gründung des THW am 22. August 1950 stand die Hilfsorganisation auch gleich schon vor einem riesen Problem: Die fehlende Ausstattung. Viele Ortsverbände nahmen ihren Dienst anfangs nur mit einer Schubkarre, einer Hand voll Schaufeln und diversen Leinen auf. Fahrzeuge, wenn es sie den gab, waren meist Privateigentum der Helfer.

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7.) Ähnlich wie bei der Feuerwehr durchläuft jeder THW´ler seine Grundausbildung, danach erfolgt je nach Ortsverband und eigenem Interesse eine fachspezifische Ausbildung. In der Regel ist also jedes THW-Mitglied auf seine jeweilige Fachgruppe spezialisiert. Es kann zwar nicht jede Aufgabe im THW wahrnehmen, ist dafür aber auf seinem Gebiet Experte.

8.) Das THW kommt meist dann zum Einsatz, wenn Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen an ihre Grenzen kommen. Daher verfügt das Technische Hilfswerk über spezialisiertes Großgerät wie Radlader in der Fachgruppe Räumung, Kräne und Pontonbrücken in der Fachgruppe Brückenbau sowie verschiedenste Boote und Amphibienfahrzeuge in der Fachgruppe Wassergefahren.

Tag und Nacht sind Feuerwehr und THW wegen des Hochwassers an der Elbe in Lauenburg im Einsatz. Foto: Timo Jann
Für viele die letzte Rettung: Das THW im Hochwassereinsatz. Foto: Timo Jann

 

Frauenanteil höher als bei der Feuerwehr

9.) Jeder THW´ler in Deutschland kann sich für die Aufnahme in eine Auslandsdatenbank bewerben. Mit entsprechenden Voraussetzungen und nach diversen Lehrgängen kann er dann im Rahmen von internationalen Hilfsaktionen von der Bundesrepublik Deutschland in jedes Krisengebiet der Welt entsandt werden.

10.) Das THW ist Männersache? Von wegen. Neben vielen Männern engagieren sich auch immer mehr Frauen und Mädchen in den Reihen des THW. Rund 10.000 sind es schon heute. Während die Feuerwehr in Deutschland mit einer Frauenquote von 7 Prozent daher kommt, sind es beim THW etwa 10 Prozent.

>>THW: Keine reine Männersache<<

THW und Feuerwehr Quelle THW (2)
Gemeinsam am Stärkesten: THW und Feuerwehr üben miteinander. Quelle: THW

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sehr schöner Beitrag!

    Nur Punkt 4 ist ein wenig ungenau… Wenn ich vorschlagen dürfte:

    4.) Jeder THW-Ortsverband beinhaltet einen oder sogar mehrere “Technische Züge”. Grundsätzlich verfügt jeder Technische Zug über einen Zugtrupp, vergleichbar mit der Einsatzleitung bei der Feuerwehr, sowie über mindestens eine Bergungsgruppe. Hinzu kommen spezialisierte Fachgruppen aus den Bereichen Ortung, Infrastuktur, Beleuchtung, Elektroversorgung, Logistik, Führung/Kommunikation, Räumen, Wasserschaden/Pumpen, Wassergefahren, Ölschaden, Brückenbau, Sprengen und Trinkwasserversorgung.

    Gruß,
    Matthi

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  2. Danke schön für den tollen Beitrag .

    Das THW versteht sich als Partner sowie als Ergänzung der Feuerwehr .

    Zusaamen und nicht gegeneinader sollte das Motto sein

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  3. Eine solche Zusammenarbeit, incl. gemeinsamer Übungen, halte ich für sehr sinnvoll. Gerade im Angesicht zunehmender “Schadenswetter-Lagen”.

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  4. Ein gelungener Beitrag über das THW. Ich kann mich den vorherigen Kommentaren nur anschließen. Die eigentliche Gründung des THW war genau genommen am 16. September 1950. An diesem Tag erhielt Otto Lummitzsch vom damaligen Bundesinnenminister Gustav Heinemann den Auftrag zur Aufstellung eines zivilen Ordnungsdienstes. Dies war die “Geburt” des THW.

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  5. Ein guter Beitrag…. viele Feuerwehren sehen das THW als Konkurrenz an …..was wir aber nicht sind. Ich bin in beiden Organisationen tätig und es macht viel Spaß mit den Anderen Übungen zu absolvieren. Nicht nur mit der Feuerwehr sondern ASB , BRK, Wasserwacht, …. . Wir lernen von einander und die Kameradschaft wächst auch dadurch. Doch leider wissen viele nicht was das THW hat und was wir können und der Beitrag ist ein Schritt in die richtige Richtung.
    Macht weiter so Gruß Steffen

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  6. Toller Artikel
    Nur leider gibt es immer noch Feuerwehren die es boykottieren das THW anzufordern kenne da selbst eine Wehr in Niedersachsen Sturmeinsatz alles ist raus Kräfte werden verheizt nur nicht das THW alarmieren .

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  7. Schön das das THW neue Fahrzeuge bekommt,Aber leider gibt es noch viele Feuerwehren die Fahrzeuge haben die Älter als Zwanzig Jahre sind aber die Gemeinden das Geld haben sich ein neues Fahrzeug zu Kaufen !!!

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  8. Hallo zusammen, vielleicht sollte Erwähnung finden, dass lange Jahre die Helfer auf Antrag vom Wehrdienst für 10 Jahre freigestellt werden könnten. Obwohl die Zeit vorbei ist, finden sehr viele Freiwillige die Zeit sich in den Thw OV S anzuschließen. Ich bin jetzt 53 Jahre dabei und freue mich sehr über diesen Entwicklung.

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  9. Lieber Lothar,

    Wir haben beim THW auch Fahrzeuge die älter als 30 Jahre sind. Aktuell bei mir im Ortsverband, ein 911 er Runfhauber. Zu dem kommt, das wir eine Bundesbehörde sind und das Bundesministerium des Innern, entscheidet wann und wo neue Fahrzeuge stationiert werden.

    Mfg

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  10. Nun ist es ja so, dass das THW eine Bundesbehörde ist, während Feuerwehren durch die Länder finanziert werden. Daher hinkt der Vergleich. Aber es ist auch so, dass beim THW nicht jedes Fahrzeug ein Neuwagen ist, auch hier sind viele Fahrzeuge 25 Jahre und älter.

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  11. Sehr informativ! Das Thema der Kostenübernahme bei Unterstützungseinsätzen für die kommunalen Feuerwehren wäre noch interessant, beispielsweise bei Sturmeinsätzen oder Hochwassereinsätzen unterhalb der Katastrophe.

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  12. Hallo Marcel, zum Glück entscheidet nicht das BMI welche Fahrzeuge in welchen Ortsverband gehen. Diese Entscheidung fällt in der Regel der/die Landesbeauftragte in Abstimmung mit dem was. besetzten Landesausschuss.
    VG

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