Bonn (NW) – Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 unterstützt das Technisches Hilfswerk (THW) die Ukraine mit umfangreichen Hilfslieferungen und Ausbildungsmaßnahmen. Nach Angaben der Organisation setzte das THW in den vergangenen vier Jahren Hilfsgüter im Wert von rund 170 Millionen Euro um.
THW-Kräfte trainieren den Umgang mit technischem Gerät zur Lastenbewegung. Solche Fähigkeiten vermitteln die Ausbilder auch ukrainischen Einsatzkräften, um Infrastruktur nach Angriffen instand zu setzen. (Bild: THW | Claushallmann)
Der Einsatz gilt als der größte Logistikeinsatz in der 75-jährigen Geschichte des THW und dauert weiterhin an. Beschafft wurden unter anderem hunderte Fahrzeuge – darunter Spezial- und Feuerwehrfahrzeuge – sowie Baumaschinen. Zuletzt lieferte das THW unter anderem drei Abrissbagger, die in stark zerstörten Städten nach Angriffen auf Wohngebiete eingesetzt werden sollen. Auch Walzenzüge gingen an den ukrainischen Grenzschutz, um Straßen instand zu setzen und Grenzanlagen zu sichern.
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Finanziert wurden die Hilfsgüter aus Sondermitteln sowie aus Mitteln des Auswärtigen Amts. Die Ausstattung stammt nicht aus dem eigenen Bestand des THW, sondern wurde eigens für die Lieferung beschafft.
Neben schwerem Gerät stellt die Versorgung der Bevölkerung mit Energie, Wärme und sauberem Wasser einen Schwerpunkt der Unterstützung dar. Nach Angaben des THW lieferte die Organisation bislang sieben Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung sowie zahlreiche Stromerzeuger in betroffene Regionen.
Die Abstimmung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnern wie dem Zivil- und Katastrophenschutz DSNS, dem Grenzschutz sowie staatlichen Wasserbehörden und regionalen Verwaltungen.
Ein THW-Helfer sichert sich beim Arbeiten auf einem Schuttberg. Schulungen wie diese stärken die Einsatzfähigkeit kommunaler Rettungsstationen in der Ukraine. (Bild: THW | Claushallmann)
Um die gelieferten Geräte nachhaltig einsetzen zu können, schult das THW ukrainische Einsatzkräfte. Im Ausbildungszentrum in Hoya vermittelten Ausbilderinnen und Ausbilder Kenntnisse im Umgang mit technischer Grundausstattung und Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Die geschulten Kräfte besetzen kommunale Rettungsstationen in frontnahen Gebieten und übernehmen dort Aufgaben im Brandschutz sowie in der ersten medizinischen und technischen Hilfe.
THW-Präsidentin Sabine Lackner erklärte, jeder Hilfsgütertransport und jede Weitergabe von Fachwissen trage dazu bei, das Leid der Zivilbevölkerung zu mindern. Zugleich betonte sie den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte, die die Unterstützung kontinuierlich tragen.
Der Ausbau der Rettungsstationen erfolgt als Gemeinschaftsprojekt des THW und des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Bereits 2024 hatten THW-Kräfte ukrainische Einsatzkräfte im Umgang mit Trinkwasseraufbereitungsanlagen geschult. Zudem unterstützte die THW-Jugend e. V. eine ukrainische Partnerorganisation mit Hilfsgütern für die Ausbildung.
Nach Angaben des THW profitiert auch Deutschland vom engen Austausch mit den ukrainischen Partnern. Deren Erfahrungen aus der aktuellen Lage fließen in die Weiterentwicklung der deutschen Zivilschutzstrukturen ein.
Das THW ist die ehrenamtlich getragene Einsatzorganisation des Bundes. Rund 88.000 Freiwillige engagieren sich bundesweit im Bevölkerungsschutz. Neben Einsätzen in Deutschland übernimmt das THW im Auftrag der Bundesregierung regelmäßig technische und logistische Aufgaben im Ausland.