Psychosoziale Notfallversorgung

PSNV: Was Einsatzkräfte aus der Ukraine lernen können

Fulda (HE) – Wie lassen sich Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte in Zivilschutzlagen psychosozial unterstützen? Diese Frage stand am Donnerstag im Mittelpunkt des 12. Symposiums „Hilfe für Helferinnen und Helfer in den Feuerwehren“ von BBK und DFV. Besonders eindrücklich waren Berichte aus der Ukraine, wo Einsatzkräfte im russischen Angriffskrieg auch mit zeitverzögerten Zweitschlägen konfrontiert sind.

DFV-Präsident Karl-Heinz Banse eröffnete das 12. Symposium „Hilfe für Helferinnen und Helfer in den Feuerwehren“ in Fulda. 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich über PSNV-E in Zivilschutzlagen aus. (Bild: DFV | Kulke)

Bei der Tagung ging es vor allem um die Frage, welche Besonderheiten die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte, kurz PSNV-E, in länger andauernden Krisenlagen beachten muss. In Vorträgen und Diskussionen benannten die Fachleute zentrale Belastungsfaktoren im Zivilschutzfall. Dazu zählen neben der unbestimmten Dauer solcher Lagen auch Sabotage, Desinformation und Terrorangriffe, die Hilfeleistungssysteme überfordern sollen. Die vorhandene PSNV-Expertise in Deutschland werteten sie zugleich als tragfähige Grundlage für die Vorbereitung.

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DFV-Präsident Karl-Heinz Banse verwies auf Lagen, die besondere psychische Belastungen auslösen können, etwa wenn eigene Kräfte bei einem Atemschutznotfall vermisst werden. Unvorstellbar sei für viele hierzulande die Situation in der Ukraine, wo Einsatzkräfte durch zeitverzögerte Zweitschläge gezielt angegriffen würden.

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Gäste aus der Ukraine schilderten ihre Erfahrungen aus nicht-staatlicher Perspektive sowie aus Sicht des State Emergency Service of Ukraine. Anastasiia Kuchynska und Yuliia Sydorenko stellten PSNV-E-Angebote und Maßnahmen ihres Dienstes vor. Die Zahl der Einsätze zur psychologischen Notfallversorgung stieg ihren Angaben zufolge von rund 6.500 im Jahr 2024 auf fast 40.000 im laufenden Jahr 2026.

Anastasiia Kuchynska (Mitte) und Yuliia Sydorenko (links) berichteten beim Symposium über PSNV-E-Angebote und Erfahrungen des ukrainischen Katastrophenschutzes im russischen Angriffskrieg. (Bild: DFV | Kulke)

Berufsfeuerwehrmann Nils Thal berichtete über Anpassungen bei Feuerwehr und Rettungsdienst in der Ukraine als Reaktion auf die russische Kriegsführung. Seit 2022 ist er immer wieder ehrenamtlich in Charkiw im Feuerwehreinsatz und wird in der Ukraine inzwischen als Berater für Zivilschutz im Bereich kriegsbetroffener kritischer Infrastruktur geführt.

Weitere Beiträge behandelten unter anderem Einsatzerfahrungen aus Deutschland, die Rolle einer funktionierenden PSNV-E für Gefahrenabwehr und staatliche Strukturen sowie belastende Einsatzerfahrungen als Bildungs- und Weiterentwicklungschance. Das 13. Symposium der Stiftung „Hilfe für Helfer“ ist für den 13. Mai 2027 in Fulda geplant.

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