Berlin – Der Deutsche Feuerwehrverband sieht beim Bevölkerungsschutz dringenden Handlungsbedarf. In einem neuen Positionspapier fordert der Verband, Strukturen, Ausstattung und Ausbildung stärker auf Krisenlagen und Zivile Verteidigung auszurichten. Für die Feuerwehren sieht er dabei eine Schlüsselrolle.
Der Deutsche Feuerwehrverband hat sein Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes an die Politik übermittelt und fordert darin unter anderem neue Strukturen für Zivile Verteidigung und Krisenlagen.
Aus Sicht des Deutschen Feuerwehrverbandes reicht es nicht mehr, den Bevölkerungsschutz nur an klassischen Katastrophenlagen auszurichten. Mit dem Papier reagiert der DFV auf die veränderte sicherheits- und verteidigungspolitische Lage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Nach Vorstellung des Verbandes müssen Szenarien, die von einer mittelbaren oder unmittelbaren militärischen Bedrohung ausgehen, im Bereich der Zivilen Verteidigung weiterentwickelt werden.
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Dabei zielt der DFV nicht auf eine einzelne Organisation, sondern auf eine organisations- und aufgabenübergreifende Grundlage. Bestehende Konzepte und konzeptionelle Überlegungen sollen entlang der jeweiligen Kernkompetenzen eingeordnet und beabsichtigte Maßnahmen zielgerichteter strukturiert werden. Den Feuerwehren weist der Verband dabei wegen ihrer hohen Mitgliederzahlen, ihrer flächendeckenden Präsenz und ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit eine Schlüsselrolle zu.
Im Kern geht es darum, die Handlungsfähigkeit auch unter erschwerten Bedingungen zu sichern. Der DFV richtet den Blick dabei auf zerstörte Infrastruktur und Kritis, auf die Rettung von Menschen unter den Bedingungen und Auswirkungen von Kampfhandlungen, auf Brandbekämpfung und Löschwasserförderung, auf CBRN-Schutz, Logistik, Mobilität in kampfmittelgeschädigten Bereichen, autarke Operationsfähigkeit und den fernwirksamen Einsatz von Robotik.
PDF-Download: Download: Zappenduster- Vorbereiten auf den Blackout
Zappenduster: Dieses E-Dossier zeigt, wie sich Feuerwehren auf einen länger andauernden Stromausfall vorbereiten können – von Notstrom über Kommunikation bis zur Notrufannahme.
Der Verband macht zugleich deutlich, dass sich diese Anforderungen nicht allein mit zusätzlicher Technik beantworten lassen. Das Positionspapier verbindet die Debatte über Zivile Verteidigung deshalb mit strukturellen Forderungen. Genannt werden die Entlastung und Stärkung des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz, eine einheitliche Führungs- und Einsatzorganisation, ergänzte Ausrüstung und Ausstattung einschließlich der Härtung von Liegenschaften, die Förderung von Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie Forschung und eine stärkere Selbsthilfefähigkeit und Resilienz der Bevölkerung sowie kritischer gesellschaftlicher Bereiche.
Gerade beim Ehrenamt sieht der DFV einen zentralen Hebel. Das Papier fordert Maßnahmen zur Personalgewinnung und Personalbindung, Entlastung durch Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung sowie professionell unterstützte Wartungs- und Betreuungskapazitäten. Auch ein Wehrersatzdienstmodell im Bevölkerungsschutz wird angesprochen.
Für Führung und Einsatzorganisation drängt der Verband auf durchgängige, ebenenübergreifende Strukturen von der kommunalen Ebene bis zum Bund. Hinzu kommen ein zentrales Lagebild für den Bevölkerungsschutz, stabile Kommunikationsnetze und eine verbindliche Anwendung des Fähigkeitsmanagements von Bund und Ländern.
Auch bei Ausrüstung und Ausstattung sieht der DFV deutlichen Nachsteuerungsbedarf, nennt er im Papier unter anderem zusätzliche Fähigkeiten in der CBRN-Gefahrenabwehr, Systeme zur großvolumigen Löschwasserversorgung, geländefähige Einsatzmittel, Hubrettungsfahrzeuge mit erweiterten Rettungshöhen und Robotik für besonders gefährliche Einsatzlagen. Darüber hinaus fordert der Verband den Ausbau von Zentren für den Bevölkerungsschutz und die Härtung von Liegenschaften.
Mit Blick auf Ausbildung und Forschung plädiert der DFV für bundeseinheitliche Rahmenkonzepte, Lehr- und Lernunterlagen sowie eine stärkere Forschungsstruktur für den Bevölkerungsschutz. Parallel dazu rückt das Papier die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung und die Resilienz wichtiger gesellschaftlicher Bereiche stärker in den Fokus.
Seine Forderungen hat der Deutsche Feuerwehrverband nach eigenen Angaben an die Politik übermittelt. Das Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes im Kontext der Zivilen Verteidigung steht online zur Verfügung.