Freitag, 18. August 2017

Umfrage-Ergebnis: Zweidritteln hilft Flash-over-Reaktion

Bremen – In der Oktober-Ausgabe des Feuerwehr-Magazins veröffentlichten wir einen Beitrag, in dem die Wirksamkeit der Flash-over-Reaktion kritisch hinterfragt wurde. Eine Umfrage unter Anwender sollte Aufschluß darüber bringen, ob „wir“ das richtige lehren und lernen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Die Flash-over-Reaktion: Aus dem Seitkriechgang (in der Regel) lässt sich der Trupp zurückfallen. Dabei die Durchflussmenge und den Sprühwinkel maximieren und schützend vor/über dem Trupp platzieren. Foto: Hegemann

Die Flash-over-Reaktion: Aus dem Seitkriechgang (in der Regel) lässt sich der Trupp zurückfallen. Dabei die Durchflussmenge und den Sprühwinkel maximieren und schützend vor/über dem Trupp platzieren. Foto: Hegemann

Insgesamt haben 948 Feuerwehrleute den Fragebogen von Chris Wallenstein, André Grese und Sebastian Neuwirth komplett ausgefüllt. Genau 400 Teilnehmer konnten die ersten vier Fragen mit „Ja“ beantworten, welches einer Quote von 42,2 Prozent entspricht. Die ersten vier Fragen lauteten:

  1. Bist du Atemschutzgeräteträger?
  2. Hast du Erfahrung bei der Innenbrandbekämpfung?
  3. Hast du ein Phänomen der schnellen Brandausbreitung während der Innenbrandbekämpfung erlebt?
  4. Hast du VOR diesem Erlebnis die Flash-over-Reaktion trainiert?

Nur, wer diese vier Fragen mit „Ja“ beantworten konnte, war für die weitere Befragung interessant. Nur diese Personen haben als Truppmitglied während der Innenbrandbekämpfung irgendein Phänomen der schnellen Brandausbreitung erlebt haben und VOR diesem Ereignis die Flash-over-Reaktion trainiert. Also spiegeln sie genau das wieder, was in der Flash-over-Ausbildung bisher trainiert wird.

Für die weitere Befragung werden diese 400 Antworten also als 100 Prozent angenommen.

Etwa die Hälfte der befragten hat die Flash-over-Reaktion bereits einmal angewandt.

Etwa die Hälfte der Befragten hat die Flash-over-Reaktion bereits einmal angewandt.

Wie wurde das Training absolviert? Heiß, in einem Brandübungscontainer oder kalt, sprich als praktisches Training im Freien? So lautete Frage 5 des Fragebogens. 82,8 Prozent (331 Teilnehmer) absolvierten das Training heiß. Nur 17,2 Prozent der Teilnehmer (69 Teilnehmer) übten kalt.

Mit Frage 6 wurde abgeklärt, ob die Feuerwehrleute als Trainer oder Teilnehmer an dem Training teilgenommen hatten. An der Heißausbildung nahmen 68,3 Prozent (226 Personen) als einfache Aktive teil. Die restlichen 31,7 Prozent (105 Personen) fungierten als Trainer. Da dies nicht der üblichen Verteilung bei Heißausbildungen entspricht, scheint die Thematik bei den Trainern auf größeres Interesse gestoßen zu sein als bei den „Auszubildenden“.

Bei der Kaltausbildung hingegen haben nur 11 Beantworter als Trainer teilgenommen – 15,9 Prozent. 58 Personen (84,1 Prozent) waren „einfache“ Übende.

Zurück zum Realeinsatz. 80 Prozent (320 Teilnehmer) gaben an, dass sie Anzeichen der schnellen Brandausweitung beim Phänomen im Innennangriff erkannt hätten. 20 Prozent (80 Teilnehmer) verneinten dies.

Mit diesem Logo kennzeichnen wir die Beiträge der Serie "Feuerwehr kritisch" im Feuerwehr-Magazin.

Mit diesem Logo kennzeichnen wir die Beiträge der Serie „Feuerwehr kritisch“ im Feuerwehr-Magazin.

In Frage 8 ging es um die Anwendung der Flash-over-Reaktion beim Innenangriff. 49 Prozent (196 Teilnehmer) gaben an, die Flash-over-Reaktion angewendet zu haben. 51 Prozent (204 Teilnehmer) haben nach eigenen Angaben die Flash-over-Reaktion nicht angewendet. „Was diese Personen stattdessen gemacht haben, soll eventuell durch eine weitere Befragung geklärt werden“, berichtet Chris Wallenstein vom Projektteam.

Danach kam die alles entscheidende Frage: Ist die Flash-over-Reaktion wirkungsvoll? Hier liegen die 196 Teilnehmer aus Frage Nummer 8 zugrunde, die, die Flash-over-Reaktion im Innenangriff auch angewendet haben. 68,4 Prozent  (134 Personen) von ihnen sagen aus, dass die Flash-over-Reaktion wirkungsvoll war. Nur 31,6 Prozent (62 Personen) gaben an, dass die Flash-over-Reaktion nicht wirkungsvoll war.

Rund Zweidrittel der Anwender gab an, dass die Flash-over-Reaktion wirkungsvoll gewesen ist.

Rund Zweidrittel der Anwender gab an, dass die Flash-over-Reaktion wirkungsvoll gewesen ist.

Insofern kann festgehalten werden: Es macht durchaus Sinn, dass die Flash-over-Reaktion für den Innenangriff regelmäßig geschult wird! „Aber die Frage muss auch erlaubt sein“, so Wallenstein, „ob wirklich so viele Brände im Innenangriff bekämpft werden sollten/müssen?“ Außerdem plädiert der Berufsfeuerwehrmann dafür, in der Ausbildung mehr Wert auf Gefährdungen im Brandeinsatz, das Erkennen der Brandphänomene und Brandverläufe sowie den Einfluß der Bauweisen und Materialien auf die Einsatzabläufe zu legen. (ID 156)

Die Projektgruppe: Chris Wallenstein, André Grese und Sebastian Neuwirth (von links). Foto: privat

Die Projektgruppe: Chris Wallenstein, André Grese und Sebastian Neuwirth (von links). Foto: privat

Im zweiten Teil der Reihe „Feuerwehr kritisch“ in der Januar-Ausgabe 2017 des Feuerwehr-Magazins geht es übrigens um die Unfallrettung. Eine großangelegte Studie sollte Aufschluß darüber bringen, welche Rettungsmethode am schnellsten geht. Dafür wurden eigens 30 Ford Focus bei der Dekra gecrasht. Hier kann die Ausgabe ganz bequem Online bestellt werden.

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