Schreckens-Bilanz

Orkantief “Friederike”: Zwei Feuerwehrleute gestorben

Zwei Feuerwehrleute sind gestern beim Sturmeinsatz um Lebens gekommen. Ein 28-jähriger Kamerad wurde in Bad Salzungen in Thüringen von einem umstürzenden Baum erschlagen, als er eine eingeklemmte Pkw-Fahrerin befreien wollte. Bei einem Einsatz im sauerländischen Sundern starb ein weiterer Kamerad einer freiwilligen Feuerwehr. Das Orkantief “Friederike” hat acht Todesopfer in Deutschland gefordert und war hierzulande das schwerste Orkantief seit 11 Jahren.

Feuerwehrmann in Bad Salzungen von Baum erschlagen

Bad Salzungen (TH) – Ein 28-jähriger Kamerad ist gestern in Bad Salzungen (Wartburgkreis) während eines technischen Hilfeleistungseinsatzes von einem Baum erschlagen worden. Die Bundeswehr half bei der Bergung des tödlich verunglückten Feuerwehrmanns.

Die Bundeswehr half mit einem Panzer bei der Bergung des tödlich verunglückten Kameraden. Foto: NEWS5 / Ittig

Die Leitstelle hatte die Feuerwehr alarmiert, weil eine Frau wegen umgestürzter Bäume in einem Waldgebiet in ihrem Pkw eingeschlossen wurde. Während die Kameraden das Fahrzeug freischnitten, stürzte ein weiterer Baum um. Dieser erschlug einen 28-jährigen Feuerwehrmann.

Ein zweiter Feuerwehrmann (57 Jahre alt) wurde bei dem Einsatz schwer verletzt. Heute Nacht gab es die Informationen von Feuerwehrleuten, dieser Kamerad sein auch verstorben. Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung Bad Salzungen konnte dies heute Morgen zum Glück nicht bestätigt werden.

Die Feuerwehr sei wegen der umgestürzten Bäume mit ihren Einsatzfahrzeugen nicht mehr vorwärts gekommen. Deshalb half auch die Bundeswehr bei der Bergung des tödlich verunglückten Feuerwehrmanns. Ein Schützenpanzer des Typs “Marder” vom Panzergrenadierbataillon 391 in Bad Salzungen fuhr zum Einsatzort.

Auch im Sauerland stirbt ein Feuerwehrmann

Sundern (NW) – Bei einem Einsatz im sauerländischen Sundern (Hochsauerlandkreis) starb ebenfalls ein Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr. Dies bestätigte Nordrhein-Westfalens Innenminister gegenüber den Medien. Das 51-jährige Mitglied der FF Hachen brach bei Aufräumarbeiten plötzlich zusammen. Er konnte noch wiederbelebt werden, starb wenig später aber im Krankenhaus.

Hiermit möchten wir den Angehörigen der beiden Feuerwehrleute und den betroffenen Kameraden unser tiefstes Beileid aussprechen.

Orkan”Friederike”: 203 km/h Spitze

Genau 11 Jahre nach “Kyrill” (18. und 19. Januar 2007) sorgte der Orkan “Friederike” für Tote, Verletzte und große Schäden sowie für Tausende von Feuerwehr-Einsätzen in Deutschland. Mit einer gemessenen Böe von 203 km/h auf dem Brocken war sie einer der stärksten Orkane in Deutschland (“Kyrill”: 202 km/h auf dem Wendelstein). Der Deutsche Wetterdienst gab folgende Windgeschwindigkeiten für “Friederike” an:
Berge:
– Brocken 203 km/h – Fichtelberg 174 km/h – Zugspitze 158 km/h – Feldberg/Schwarzwald 144 km/h – Kahler Asten 142 km/h
Tiefland:
– Gera-Leumnitz 138 km/h – Frankenberg-Geismar 133 km/h – Erfurt-Weimar 130 km/h – Leipzig/Halle 129 km/h – Ahaus 127 km/h


Wetterwarnung des DWD vom 17. Januar 2018

Letztmals wurde am 1. März 2008 mit 220 km/h (Orkan “Emma”) ein höhere Windgeschwindigkeit in Deutschland gemessen.
Quelle: DWD

503 Einsätze für die Feuerwehr Essen

Essen (NW) – Die Feuerwehr Essen hat am Donnerstag insgesamt 503 Sturmeinsätze abgearbeitet. Verletzte gab es keine. Über 400 Kräfte von Berufsfeuerwehr, freiwilligen Feuerwehren, Technisches Hilfswerk und anderen Hilfsorganisationen waren im Einsatz.

Das komplette Flachdach einer Halle an der Manderscheidstraße ist abgeräumt. Foto: Mike Filzen / Feuerwehr Essen

Bis Donnerstagabend, 21 Uhr, arbeiteten die Feuerwehrleute ihre Einsätze ab. Im gesamten Stadtgebiet waren Bäume umgestürzt, Dächer beschädigt sowie Bauzäune und Schilder umgeweht.

435 Einsatzkräfte waren laut Feuerwehr an der Schadenbeseitigung beteiligt. Den Großteil brachten die freiwilligen Feuerwehren mit 240 Kräften mit. 80 Kräfte der Berufsfeuerwehr sowie 25 Helfer des THW waren vor Ort.

Essens Feuerwehrchef Ulrich Bogdahn zeigte sich von der Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer begeistert. “Es ist immer wieder beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und hoher Professionalität die ehrenamtlichen Kräfte bei der Schadenbeseitigung mitwirken.”

Köln: Mutter bringt Baby im Auto zur Welt

Köln (NW) – In Köln ist gestern ein Baby im Pkw zur Welt gekommen, weil die Straße zum Krankenhaus wegen des Orkantiefs gesperrt war.

Wie die Feuerwehr mitteilte, machten sich die werdenden Eltern aufgrund einetzender Wehen am späten Nachmittag mit ihrem Fahrzeug auf den Weg ins Krankenhaus. Eine Straßensperrung im Bereich des Stadions verhinderte die Weiterfahrt. Der werdende Vater setzte einen Notruf ab. Sofort alarmierte der Leitstellendisponent einen Rettungswagen und einen Notarzt. Doch Baby Anton erblickte noch vor Eintreffen der Rettungskräfte das Licht der Welt. Die Geburt war ein ergreifender Moment für alle Beteiligten – auch für den Disponenten, der am Telefon das Neugeborene schreien hörte.

Auf der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg stürzte im Bereich Dankelsheim (NI) ein Baum auf die Gleise. Ein ICE fuhr auf und musste von der Feuerwehr freigeschnitten werden. Foto: KFV Northeim

Zahlreiche Verletzte in Deutschland

Neben den mittlerweile acht Todesopfern meldeten die Feuerwehren aus ganz Deutschland auch zahlreiche zum Teil auch schwer Verletzte. Allein für Nordrhein-Westfalen sprach das Innenministerium von 62 Personen. In Ratingen-Lintorf (NW) wurde eine Passantin von einem umstürzenden Baum getroffen. Sie war bei Eintreffen der Feuerwehr bereits befreit, wurde von Notarzt und Rettungsdienst versorgt und dann in die BGU Duisburg gebracht. In Hannover wurde der BMW einer jungen Frau auf dem Messeschnellweg von einem umstürzenden Baum erwischt. Eine zufällig vorbeikommende RTW-Besatzung versorgte die Verletzte und brachte sie in eine Klinik. Im Müllinger Holz (Stadt Sehnde, NI) durchschlug ein herabfallender Ast die Windschutzscheibe eines aus Richtung Wassel kommenden Volvo und traf den Fahrer. Der kam dadurch in den Gegenverkehr und traf einen entgegenkommenden Audi, bevor er von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Die Fahrer beider Autos wurden hierbei verletzt und mussten mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden.

Schnee statt Sturm

Das Orkantief bescherte Hamburg statt Sturm viel Schnee. Seit dem Morgen fielen in kurzer Zeit zirka 10 Zentimeter Schnee. Da dieser nass und schwer war, brachen besonders an Nadelbäumen dicke Äste und sogar ganze Bäume unter der Schneelast und verursachten Gefahrenstellen im gesamten hamburgischen Stadtgebiet. „Über 110 Einsätze mit dem Stichwort „Droht zu fallen“ mussten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehren ab 10 Uhr bewältigen“, so Pressesprecher Jan-Ole Unger.

Schneefall statt Sturm: In Hamburg und den umliegenden Kreisen waren die Feuerwehren vor allem wegen schneebdingter Einsätze gefordert. Den Schnee hatte das Orkantief an seiner Nordflanke mitgebracht. Foto: Feuerwehr Hamburg

Durch schneeglatte Straßen und Gehwege kam es zu mehreren Unfällen, bei denen insgesamt 18 Personen verletzt wurden. Schulterverletzungen, Frakturen an Beinen und Kopfplatzwunden mussten durch Notfallsanitäter der Feuerwehr versorgt werden. Im Stadtpark wurde ein 18-jähriger Schüler durch einen aus etwa 10 Meter Höhe herabstürzenden etwa 30 Zentimeter dicken Ast lebensgefährlich am Kopf verletzt. Er wurde vor Ort durch Kräfte der Feuerwehr versorgt und notarztbegleitet in ein Krankenhaus der Maximalversorgung befördert.

 

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