Rückblick auf eine Baukatastrophe

20 Jahre Eishallen-Einsturz Bad Reichenhall

Bad Reichenhall (BY) – Am 2. Januar 2006 stürzte das Dach der Eissporthalle in Bad Reichenhall unter Schneelast ein. 15 Menschen kamen ums Leben, 34 wurden verletzt. Für die Feuerwehr und alle beteiligten Rettungskräfte folgte ein mehrtägiger Großeinsatz unter extremen Bedingungen. 20 Jahre später erinnern Einsatzkräfte in einem Podcast an ihre Erlebnisse von damals.

Blick auf die vollständig eingestürzte Eissporthalle in Bad Reichenhall während des nächtlichen Großeinsatzes von Feuerwehr und weiteren Rettungskräften. (Bild: Feuerwehr)

Kurz vor 16 Uhr brach in der Eissporthalle von Bad Reichenhall ein Hauptlastträger der Dachkonstruktion. Innerhalb weniger Sekunden kam es zu einem Dominoeffekt, bei dem das komplette Hallendach einstürzte. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich rund 50 Menschen, überwiegend Kinder und Jugendliche, in der Halle auf.

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Um 16 Uhr wurden die Feuerwehren Bad Reichenhall, Piding und Bayerisch Gmain mit dem Stichwort „Alarmstufe 6 – Einsturz der Eishalle – mehrere Personen vermisst“ alarmiert. Bereits auf der Anfahrt erschwerten Schneefall und Urlaubsverkehr das Vorankommen der Einsatzkräfte. Vor Ort bot sich ein Bild massiver Zerstörung: Trümmer, Schneemassen und eingestürzte Dachbereiche prägten die Lage, während sich noch Menschen selbstständig aus dem Gebäude retteten.

Wegen der akuten Einsturzgefahr arbeiteten Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Bergwacht unter hohem Risiko. Der Katastrophenfall wurde um 16:37 Uhr ausgerufen. In den ersten 30 Minuten nach dem Einsturz konnten 14 Personen lebend aus den Trümmern gerettet werden, unter anderem mithilfe von Lawinen- und Rettungshunden. Die Einsatzleitung untersagte zeitweise das Betreten der Halle, da weitere Dach- und Bauteile als instabil galten.

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Bis zum Abend wuchs der Kräfteansatz auf mehrere Hundert Einsatzkräfte an. Neben zahlreichen Feuerwehren aus dem Berchtesgadener Land waren auch Einheiten aus angrenzenden Regionen, Spezialkräfte des THW, Rettungshundestaffeln, die Bergwacht, Polizei und Bundeswehr im Einsatz. Autokräne, Kettenbagger und umfangreiche Abstützmaßnahmen wurden notwendig, um ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen.

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten zogen sich über mehrere Tage hin. Immer wieder mussten sie aufgrund erneuter Einsturzgefahr unterbrochen werden. Erst am 5. Januar 2006 konnten alle Vermissten geborgen werden. Die endgültige Bilanz: 15 Tote und 34 teils schwer Verletzte.

Feuerwehrkräfte arbeiten im Schnee an den Trümmern der eingestürzten Dachkonstruktion der Eissporthalle Bad Reichenhall und räumen Teile des Daches frei. (Bild: Feuerwehr)

Ermittlungen ergaben später, dass die Dachkonstruktion fehlerhaft berechnet worden war und bekannte Baumängel sowie jahrelanger Wassereintritt die Tragfähigkeit weiter geschwächt hatten. In der Folge ließ das Bayerische Innenministerium landesweit vergleichbare Hallen überprüfen. In mehreren Fällen führten die Ergebnisse zu Sanierungen oder Abrissen.

20 Jahre später: Podcast erinnert an den Einsatz

Zum 20. Jahrestag des Unglücks am 2. Januar 2026 berichten Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Bad Reichenhall in einem neuen Podcast gemeinsam mit Podcaster Thorsten Jost von ihren persönlichen Erlebnissen. In mehreren Folgen schildern sie die Ereignisse aus Sicht der Einsatzkräfte, die unter extremen Bedingungen suchten, retteten und bargen. Der Podcast erscheint zum Jahreswechsel 2025/2026 auf gängigen Plattformen.

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