Produkt: Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei der Wasserrettung
Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei der Wasserrettung
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Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Feuerwehr rettet vier Personen aus Donaukanal

Wien – Am Wochenende musste die Berufsfeuerwehr Wien gleich vier Personen aus dem Donaukanal retten. Drei Männer waren alkoholisiert ins Wasser gesprungen, der vierte wollte einen E-Scooter retten. Wir geben Tipps, worauf bei der Rettung von Menschen aus Bächen, Flüssen, Kanälen oder Seen geachtet werden muss. 

Die Feuerwehr Wien musste an diesem Wochenende gleich vier Personen aus dem Donaukanal retten. Foto: Hegemann

Kurz zur Lage am Wochenende: Kurz nach 1 Uhr am Sonntag verständigten Passanten die Feuerwehr Wien. Ein Mann war bei der Friedensbrücke in den Donaukanal gesprungen. Die Feuerwehr suchte den Bereich mit Scheinwerfern ab. Sie entdeckten den Vermissten einige 100 Meter entfernt. Die eingesetzten Kräfte konnten ihn ins Feuerwehrboot ziehen. An Bord waren auch komplett ausgerüstete Feuerwehrtaucher, die aber nicht eingreifen mussten. 

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Fast zeitgleich wurde gemeldet, dass in Höhe der Anlegestelle Twin City Liners zwei Männer im Donaukanal schwimmen würden. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass ein 17-jähriger Afghane betrunken in den Kanal gefallen war. Sein 21 Jahre alter Begleiter war dann hinterher gesprungen, um den 17-Jährigen zu retten. 

Am Sonntagvormittag fiel ein vierter Mann in den Kanal, als er versuchte, einen Elektro-Scooter aus dem Wasser zu bergen. Feuerwehrleute zogen den Verunglückten und den Scooter aus dem Kanal.    

Lebensrettende Sofortmaßnahmen 

Erschöpfung, Tauchunfälle, Übermut, Verletzungen durch den Sprung in flache Gewässer oder Herzinfarkte – es gibt viele Gründe, die einen Menschen im Wasser in Not bringen können. Die Rettung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Wasserrettung und Rettungsdienst. Nicht selten muss die Erstversorgung der Patienten durch die Kameraden der Feuerwehr durchgeführt werden. Oberstabsärztin Dominique Pawlowski erklärt, worauf dabei geachtet werden muss.

Diese Bootsbesatzung hat zwei Personen aus dem Wasser gerettet. Eingehüllt in Rettungsdecken werden sie an Land gebracht. Foto: Wiesbaden112 (Bild: Michael Ehresmann - Wiesbaden112.de)

Der Prozess des Ertrinkens

Laut Definition ist das Ertrinken ein Prozess, welcher durch das Eintauchen (Immersion) beziehungsweise Untertauchen (Submersion) in eine Flüssigkeit zur Verschlechterung der Atmung führt. Der Kampf eines Ertrinkenden um das Überleben ist nicht unbedingt erkennbar, da er sich knapp unter der Wasseroberfläche abspielt. Es kommt zunächst zu einer Panikattacke mit dem Versuch, durch meist unkoordinierte Schwimmbewegungen an der Wasseroberfläche zu bleiben. Gerät der Kopf unter Wasser, wird der Atem reflektorisch angehalten und gleichzeitig werden große Mengen an Wasser geschluckt. Dies kann zum Erbrechen, gefolgt von einem unwillkürlichen Atemzug führen.

Auch ein maximaler Atemreiz führt zum Einatmen, obwohl sich der Kopf noch unter Wasser befindet. Dabei wird Wasser eingeatmet, eine so genannte Aspiration. In den häufigsten Fällen wird dadurch ein Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) ausgelöst. Der Sauerstoffmangel führt zur Bewusstlosigkeit und letztendlich zum Tod.

Nicht selten ertrinken Schwimmer durch plötzliche Erkrankungen. Beispielsweise können die Unterzuckerung beim Diabetiker, Herzrhythmusstörungen, ein akuter Herzinfarkt oder ein Schlaganfall eine Bewusstlosigkeit auslösen. Aber auch Verletzungen wie ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Wirbelsäulenverletzung durch den Sprung in zu flaches Wasser können das Schwimmen unmöglich machen.

Die Dauer des Sauerstoffmangels ist von großer Bedeutung, da jede Verzögerung die Überlebenswahrscheinlichkeit verringert. Der Ertrinkende muss schnellstmöglich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unter Beachtung des Eigenschutzes aus dem Wasser gerettet werden. Unmittelbar nach der Rettung werden bei der Person Bewusstsein, Atmung und Kreislaufzeichen überprüft.

Beim Transport regelmäßig die Vitalzeichen überprüfen

Ist die Person bei Bewusstsein, sollte sie in Rückenlage gelagert, durchgehend überwacht und dem Rettungsdienst zugeführt werden. Ist die gerettete Person bewusstlos bei erhaltener Atmung und Kreislauf, wird sie statt auf den Rücken in der stabilen Seitenlage gelagert. Auch hier darf die regelmäßige Überprüfung der Vitalzeichen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht vergessen werden.

Wenn neben der Bewusstlosigkeit keine Anzeichen für Atmung und Kreislauf vorhanden sind, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Hier gibt es die Besonderheit, dass vor den weiteren Maßnahmen der Wiederbelebung fünf Initialbeatmungen durchgeführt werden. Das liegt daran, dass für den Herzkreislaufstillstand durch Ertrinken in den meisten Fällen der Sauerstoffmangel ursächlich ist und behandelt werden muss. Auf keinen Fall versuchen, das eingeatmete Wasser aus der Lunge zu entfernen. Dies führt nicht zum Erfolg und vergeudet nur wertvolle Zeit.

Wenn die Ersthelfer vor Ort eine über den Erste Hilfe-Kurs hinausgehende Ausbildung haben, zum Beispiel Mitarbeiter der Wasserrettung der Hilfsorganisationen, gilt für sie ein speziell für den Ertrinkungsunfall abgestimmter Ablauf (siehe Fließschema). Sollte die Möglichkeit zur Sauerstoffgabe vorhanden sein, diese auf jeden Fall immer nutzen, damit das Gehirn nicht weiter durch den Sauerstoffmangel geschädigt wird. Bei erhaltener Spontanatmung bekommt der Patient 4 bis 8 Liter Sauerstoff pro Minute über eine Inhalationsmaske mit Reservoirsystem.

Patienten ohne vorhandene Spontanatmung müssen mit Beatmungsbeutel, Reservoirsystem (dient der bestmöglichen Anreicherung mit Sauerstoff) und dem maximal möglichen Sauerstofffluss (meist 15 l/min) beatmet werden. Alternativ kann auch mit Beatmungsbeutel und Demandsystem beatmet werden – das Demand-Ventil öffnet nur durch den negativen Druck, der durch die Einatmung des Patienten erzeugt wird. In Verbindung mit einer dichtsitzenden Beatmungsmaske kann hierüber eine Sauerstoffgabe in höchster Konzentration erfolgen. Im Notfall darf der Sauerstoff auch durch einen eingewiesenen medizinischen Laien gegeben werden, obwohl medizinischer Sauerstoff nach dem Arzneimittelgesetz als Medikament gilt. In solchen Fällen erlaubt es die aktuelle Gesetzeslage.

Auch wenn die Geretteten sich ganz gut fühlen, sollten sie durch den Rettungsdienst vorsorglich ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: Ralf Hettler

Nach einem Ertrinkungsunfall sollte die betroffene Person durch den Rettungsdienst versorgt und immer ins Krankenhaus zur Überwachung gebracht werden. Das gilt auch für Patienten, die bei Bewusstsein sind und sich subjektiv gut fühlen. Es besteht grundsätzlich die Gefahr, dass sich die Atmung plötzlich doch noch verschlechtert. Ursächlich dafür ist das sekundäre Ertrinken, bei dem sich innerhalb von ein bis zwei Tagen nach dem Ertrinkungsunfall noch ein Lungenödem entwickeln kann.

Begleitverletzungen durch den Unfall

Während der Erstversorgung muss auf mögliche Begleitverletzungen geachtet werden. Hinweise auf eine Verletzung ergeben sich meistens aus den Umständen der Ertrinkungsunfalls, zum Beispiel eine vorhandene Kopfverletzung, oder dem Unfallmechanismus. Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule, sollte diese mit einer geeigneten Halsmanschette immobilisiert werden.

In unseren Breitengraden ist wegen der meist recht niedrigen Wassertemperaturen die Unterkühlung ein großes Problem bei Ertrinkungsunfällen. Zusätzlich sorgt die 24-mal höhere Wärmeleitfähigkeit des Wassers gegenüber der Luft für eine noch schnellere Auskühlung.

Die zu treffenden Maßnahmen hängen vom Stadium der Unterkühlung ab. Insgesamt gibt es drei Stadien.

  • Das 1. Stadium ist das Erregungsstadium. Hier liegt die Körperkerntemperatur bei 37 bis 34 Grad Celsius. Der Patient friert stark mit unwillkürlichem Muskelzittern, ist dabei aber wach und ansprechbar und meist psychisch etwas erregt.
  • Das 2. Stadium ist das Erregungsstadium mit einer Körperkerntemperatur von 34 bis 27 Grad Celsius. Das Bewusstsein ist getrübt bis hin zur Bewusstlosigkeit. Die Muskulatur ist steif und der Puls langsam.
  • Das 3. Stadium ist das Lähmungsstadium. Die Körperkerntemperatur liegt unter 27 Grad Celsius. Die Person ist tief bewusstlos mit starrer Muskulatur. Atmung und Puls sind nicht mehr feststellbar.

Im 1. Stadium besteht die Erstversorgung aus der Vermeidung weiterer Wärmeverluste und einer raschen Wiedererwärmung. Dazu muss nasse Kleidung schnellstmöglich entfernt und durch trockene Kleidung und wärmende Decken ersetzt werden. Da die Person noch bei klarem Bewusstsein ist, kann sie heiße Getränke, am besten Tee mit Zucker, trinken. Auf keinen Fall alkoholische Getränke geben, da Alkohol gefäßerweiternd wirkt und so eine weitere Auskühlung bewirkt.

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Neben dem Wärmeerhalt und der Alarmierung des Rettungsdienstes ist auch hier die Gabe von Sauerstoff sinnvoll. Das Muskelzittern steigert den Sauerstoffverbrauch deutlich. Bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen (beispielsweise des Herzens) kann der Sauerstoffverbrauch höher sein als das Sauerstoffangebot. Folge ist eine ungenügende Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur, was zu einem Herzanfall bis hin zum Herzkreislaufstillstand führen kann.

Vorsicht! Es droht der Bergungstod

Im 2. und 3. Stadium ist bei der Erstversorgung größte Vorsicht geboten, da es zum sogenannten Bergungstod kommen kann. Schon die Bewegungen beim Ausziehen der nassen Kleidung können durch den Zustrom kalten Blutes aus den Armen und Beinen zum Körperkern zu einer weiteren Auskühlung führen und jederzeit einen Herzkreislaufstillstand auslösen. Nasse Kleidung sollte nur dann entfernt werden, wenn es ohne starke Manipulationen geht, zum Beispiel durch Aufschneiden der Kleidung. Der Patient sollte möglichst waagerecht aus dem Wasser gerettet werden.

Dieses Fließschema hilft dabei, die erforderlichen Schritte einzuleiten. Grafik: Feuerwehr-Magazin

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes (muss unbedingt alarmiert werden) wird der Patient flach auf dem Rücken gelagert. Er selbst sollte jede körperliche Bewegung vermeiden. Zum Schutz vor einer weiteren Auskühlung wird eine Rettungsdecke auf den Patienten gelegt, darauf wiederum sollen Wolldecken ausgebreitet werden. In diesen Stadien dürfen keine warmen Getränke mehr eingeflößt werden, da die Patienten nicht mehr bei klarem Bewusstsein sind.

Wenn weder Atmung noch Puls feststellbar sind, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Bei sehr niedrigen Körpertemperaturen kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung auch noch nach längerer Zeit, das können im Extremfall sogar mehrere Stunden sein, erfolgreich sein. Daher darf die Wiederbelebung bei scheinbarer Erfolglosigkeit nicht beendet werden.

Es gilt der Merksatz: „Niemand ist tot, der nicht warm und tot ist!“

Eine wirksame Wiedererwärmung ist der Versorgung im Krankenhaus vorbehalten, da sie nur dort effektiv, mitunter unter der Zuhilfenahme einer Herz-Lungen-Maschine, durchgeführt werden kann. Im Vordergrund steht hier der schnellstmögliche Transport durch den Rettungsdienst unter laufender Reanimation in ein geeignetes Krankenhaus mit Intensivkapazität.

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Fazit

Ertrinken geht fast immer mit einer Unterkühlung einher. Zusätzliche Verletzungen dürfen nicht übersehen werden. Sauerstoff ist ein elementarer Bestandteil der Versorgung.

Die Ausbildung und das regelmäßige Auffrischen der Kenntnisse in Erster Hilfe sind von großer Bedeutung. Die Beherrschung der Herz-Lungen-Wiederbelebung nach dem aktuellen Stand muss gegeben sein. Zusätzlich ist für eingewiesenes Personal die Möglichkeit zur Sauerstoffgabe sehr zu empfehlen. Ein wichtiger Faktor ist abschließend die enge Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr, der Wasserrettung der Hilfsorganisationen, den Rettungsdiensten und der Polizei.

Kennt Ihr eigentlich unser Ausbildungs-Sonderheft “Richtiges Vorgehen bei der Wasserrettung”. In dem Heft mit 116 Seiten Umfang werden alle Aspekte der Wasserrettung behandelt. Die medizinischen Erstmaßnahmen sind nur ein ganz kleiner Teil davon. Bei uns im Shop kann das Heft nach wie vor ganz bequem bestellt werden: als gedruckte Ausgabe oder zum Download.   

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