Kameraden prangern Hygiene- und Arbeitsschutzbedingungen an

10 Jahre Warten auf neues Feuerwehrhaus – und kein Ende in Sicht

Erfurt (TH) – In der Landeshauptstadt Erfurt haben Aktive der Löschgruppe (LG) Azmannsdorf der Freiwilligen Feuerwehr eine Protestaktion gestartet, um auf unzumutbare Bedingungen hinzuweisen. Ihr Feuerwehrhaus sei eher eine Garage –viel zu klein und schlecht ausgestattet. Wenn sich bis 31. Dezember 2021 nichts ändert, wollen die Kameraden ab Beginn des neuen Jahres 2022 ihren Dienst ruhen lassen.

Die 17 Kameraden der Löschgruppe des Erfurter Ortsteils Azmannsdorf fordern Unterstützung. Seit 10 Jahren weisen sie nach eigenen Angaben die Stadt auf folgende Mängel hin:

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  • Es gibt kein WC, noch nicht einmal ein Waschbecken, keinen Stuhl, keinen Tisch.
  • Spinde sind nicht vorhanden, lediglich (gesponserte) Kleiderhaken. Deshalb wird bei Einsätzen die Privatkleidung mangels anderer Möglichkeiten auf den Boden geworfen.
  • Eine Schwarz-Weiß-Trennung ist nicht gewährleistet, von adäquaten Hygienebedingungen ist man weit entfernt.
  • Im Winter ist Außentemperatur gleich Innentemperatur.
  • Die räumliche Situation ist so beengt, dass im Haus nur der Maschinist in das Kleinlöschfahrzeug Thüringen (KLF-Th) einsteigen kann.
Keine Toilette, keine Spinde, kein Platz: Die Löschgruppe Erfurt-Azmannsdorf protestiert gegen unhaltbare Zustände in ihrem Feuerwehrhaus.

Außerdem stamme das KLF-Th noch aus dem Jahr 1997 und besitze keinen Wassertank. Seit 2011 sei zwar von einem Neubau des Feuerwehrhauses die Rede, aber es passiere nichts, sagt Jens Bose, Ortsteilbürgermeister und selbst Aktiver in der LG Azmannsdorf, gegenüber dem Feuerwehr-Magazin. Er wirft den städtischen Behörden vor, so lange Diskussionen um ein passendes Grundstück für einen Neubau geführt zu haben, bis fast alle verfügbaren verkauft waren. 

„Wir möchten keinen Luxus, nur halbwegs vernünftige Bedingungen“, betont Bose. Zwar beschließe der Stadtrat immer wieder, Mittel zur Verfügung zu stellen. So seien auch für das vergangene Jahr 100.000 Euro sowie für die nächsten 2 Jahre wieder 450.000 Euro im Haushalt eingeplant. Aber der Oberbürgermeister und das für die Planung und den Bau zuständige Amt setzten den Beschluss nicht um. Grund: Das Amt sei laut Bose völlig unterbesetzt, somit erfolge keine Planung und damit kein Bau.

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Aus diesem Grund protestierten die Azmannsdorfer Feuerwehrleute jetzt öffentlich gegen die Zustände. Bose: „Wir fordern nicht viel, es muss nicht ein neues Gerätehaus und ein neues Fahrzeug sein. Wir würden auch in Eigenleistung unser bestehendes Haus erweitern und ein gebrauchtes geländefähiges, wasserführendes Fahrzeug würde uns völlig reichen. Aber es vergeht Jahr für Jahr, ohne dass etwas passiert. Am alten Gebäude wird nichts gemacht – da wir ja ein neues bekommen sollen.“

Mit Plakaten und Bannern macht nun die LG auf ihre Situation aufmerksam. Auch über Social Media informieren die Kameraden. „Außenstehende erkennen dieses Gebäude nicht einmal als Feuerwehrgerätehaus“, schreibt Bose auf der Facebook-Seite von Azmannsdorf. Auf Nachfrage vonseiten des Feuerwehr-Magazins haben sich bislang weder die Stadt Erfurt noch die Feuerwehr Erfurt zur Sachlage geäußert.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Da wird es Zeit das Du Dich mal im Land Umschaust. Es wurden zwar viele neue ´Geräthäuser nach 1990 gebaut oder Umgebaut, aber es gibt noch sehr viele Gerätehäuser wie hier gezeigt. Es gibt auch überdimensionale Bauten von Gerätehäusern in Thür. In Erfurt verlässt sich der OB auf die BF und einige freiwillige Feuerwehren, die das Tagesgeschäft abdecken. Ein Grund für die Hinhaltetaktik könnte die Tageseinsatzbereitschaft sein. Dann kommt noch hinzu, dass die KLF Thüringen nie ein vollwertiges Löschfahrzeug war. Dieses KLF Th war nur als Ersatz für die TSA – Anhänger vorgesehen. Dieses KLF-Th hat nie die Anforderungen der DIN 1846 und der DIN 14502 erfüllt. Also benötigt die Feuerwehr nicht nur ein neues Gerätehaus mit der Mindestausstattung, es wird auch mindestens ein TSF-W oder MLF benötigt.

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  2. dem kann man nur zustimmen

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  3. Hauptsache 9.8 Millionen für das “Petersberg Entree” ausgeben

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  4. Alles sehr bedenklich! Solange diese Kommentare aber nur in einem Forum veröffentlicht werden, welches auch nur von Feuerwehrangehörigen gelesen wird, wird sich nichts ändern. Das ist wie das sprichwörtliche Braten im eigenen Saft.

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  5. Es kann doch nicht angehen, dass die KameradInnen nicht mal über die nötigsten sanitären Anlagen verfügen. Sollen sie zum Pinkeln etc. hinters Haus gehen? Absolut unzumutbar!
    Man weiß, wie wichtig Freiwillige Feuerwehren sind und wie oft sie benötigt werden. Und diese dann so dermaßen unzureichend bestehen zu lassen, ist geradezu eine Frechheit!
    Der Begriff “Feuerwehrhaus” sollte in diesem Falle definitiv noch einmal überdacht werden. Ich denke mal, “Feuerwehrhütte” trifft es leider eher.

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  6. Deutsche Realität seit Jahren. Die Politik schwätzt und de Bürger, in diesem Fall die Kameraden der Feuerwehr die ihre Freizeit unbezahlt dafür opfern, müssen die Folgen tragen.
    Und wenn wirklich nach mindestens 10 Jahren ein neues Löschfahrzeug beschaft wird, dann läßt die Politik sich feiern als ob sie das aus eigener Tasche bezahlt hätten. Es ist und bleibt aber das Steuwrgelt der Bürger.

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  7. Fas sieht doch ganz gut aus. Unsere Wache ist zu klein für ein Fahrzeug und da steht ein TSA mit fast noch Originalausstattung drin, der mit 2 oder 4 MS gezogen wird.
    Letztes Jahr haben wir dann einen T Bus bekommen, der schon fast mit grünen Kennzeichen fahren kann und in einer anderen Garage parkt, wiederum aber die selben Bedingungen herum hat.

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  8. Ich komme aus einer Ortsfeuerwehr der Stadt Northeim bei uns ist es ähnlich
    Mal wurde gesagt die Einsatzzahlen stimmen mich,dann war es der Politik ungewiss ob wir in Zukunft noch ausreichend Nachwuchs finden. Das geht bei uns bereits seit24 Jahren ein Ende ist nicht wirklich in Sicht

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  9. Erschreckend, wie mit dem Ehrenamt umgegangen wird. Mit unserer Ortswehr Berwartshausen (Landkreis Northeim) geht man seit 20 Jahren ähnlich um.

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  10. Ja, das kennen Wir in der Nähe von Forst Lausitz auch zu gut. Wir haben 17 Jahre für neuen Aussenputz, neue Fenster u. Tor, und ein dichtes Dach auf dem Gerätehaus Bj1933, äh ehr eine Garage mit Schlauchturm gekämpft, und vor 3 Jahre erst bekommen. Aber das dollste Ding kam erst vor 5 – 6 Jahren und zwar ein KLF der Marke Barkas-B1000 Bj.1965/67 mit 5Mann Besatzung u. TS. drin. Bis dahin wurde der alte TSAnhänger Bj. 1989 alles von Hand bzw. von den Umliegenden Wehren mit Ello u. Traktor gezogen. Na gut Wir sind ja jetzt auch nicht mehr 12 sondern nur noch 7 aktive Kameraden in einem kleinen Kuhdorf bei Forst.

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  11. Da wird das Ehrenamt, mit Füßen getreten.

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