Interkommunale Organisation

Pilotprojekt: So kommen Einsatzkräfte bei Alarmierung schneller zu ihrer Wehr

Ahrensburg (SH) – Viele Freiwillige Feuerwehren kennen das Problem: Tagsüber fehlen Einsatzkräfte, weil sie außerhalb ihres Wohnortes arbeiten. Ein Pilotprojekt im Kreis Stormarn zeigt, wie organisatorische Hürden zwischen Kommunen überwunden werden können – ohne neue Fahrzeuge, aber mit klaren Regeln.

Nicht-einsatztaktische Dienstfahrzeuge der FF Ahrensburg dürfen genutzt werden, um in Ahrensburg arbeitenden Einsatzkräften den schnelleren Weg zu ihrer Heimatwehr in Nachbargemeinden zu ermöglichen. (Bild: FF Ahrensburg)

Die Tagesverfügbarkeit Freiwilliger Feuerwehren steht seit Jahren unter Druck. In kleineren Gemeinden sind Einsatzkräfte häufig außerhalb ihres Wohnortes berufstätig. Während sie abends und nachts zur Verfügung stehen, entstehen tagsüber personelle Engpässe. Genau diese Konstellation beschreibt auch die Ausgangslage im Kreis Stormarn: Feuerwehrangehörige arbeiten in Ahrensburg, sind aber in ihren Heimatgemeinden aktiv. Bei Alarmierungen tagsüber fehlt ihnen bislang oft der schnelle Weg zurück zur eigenen Wache.

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Wie das Ahrensburger Modell funktioniert

Die Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg hat dafür gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein Pilotprojekt aufgesetzt. Kern ist eine gemeinsame Dienstanweisung, die es bestimmten Feuerwehrangehörigen erlaubt, nicht-einsatztaktische Dienstfahrzeuge der Feuerwehr Ahrensburg zu nutzen. Ziel ist nicht der Einsatz mit dem Fahrzeug selbst, sondern der schnellere Weg zur zuständigen Feuerwache in einer direkt angrenzenden Heimatgemeinde. Dort angekommen, kann die Einsatzkraft je nach Lage beim Auffüllen eines Löschfahrzeugs unterstützen oder direkt an der Einsatzstelle die Personalstärke erhöhen, wie Gemeindewehrführer Florian Stephani gegenüber dem NDR beispielhaft erläutert.

Adressiert werden damit Einsatzkräfte, die tagsüber in Ahrensburg arbeiten, ihre primäre Einsatzzugehörigkeit jedoch in Nachbarkommunen wie Siek oder Hammoor haben. Nach Angaben der Feuerwehr betrifft das etwa 15 bis 20 Personen. Der organisatorische Ansatz setzt bewusst auf bestehende Ressourcen und eine klar definierte Nutzung, statt neue Strukturen aufzubauen. Ziel ist es, sowohl die Ausrückzeit zu verkürzen als auch die personelle Schlagkraft im Einsatz zu stabilisieren.

Bislang verhinderten vor allem versicherungs- und dienstrechtliche Fragen eine solche Lösung. Feuerwehrfahrzeuge durften nicht für Fahrten außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs genutzt werden. Im Ahrensburger Pilotprojekt hat die Stadt als Träger der Feuerwehr hierfür den rechtlichen Rahmen geschaffen und den notwendigen Versicherungsschutz sichergestellt. Erst diese formale Klärung machte das Modell praktisch umsetzbar.

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Übertragbarkeit auf andere Wehren

Der Ansatz eignet sich vor allem für Regionen mit enger kommunaler Verzahnung und klaren Pendlerströmen. Voraussetzung sind kurze Distanzen, überschaubare Fahrzeugnutzung und die Bereitschaft der Träger, gemeinsame Regelungen zu treffen. Grenzen liegen dort, wo große Entfernungen, fehlende Fahrzeuge oder ungeklärte Zuständigkeiten bestehen.

Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Tagesverfügbarkeit nicht allein eine Personalfrage ist, sondern auch eine Organisations- und Rechtsfrage. Die Lösung liegt nicht zwangsläufig im Aufbau neuer Einheiten, sondern kann unter bestimmten Rahmenbedingungen in der gemeinsamen Nutzung vorhandener Mittel liegen.

Das Pilotprojekt verweist auf eine übergeordnete Systemfrage: Wie flexibel können Freiwillige Feuerwehren organisatorisch reagieren, wenn klassische Strukturen an ihre Grenzen stoßen? Die Antwort darauf wird regional unterschiedlich ausfallen, der Impuls zur Diskussion ist aber gesetzt.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jeder verantwortungsvolle und entsprechend ausgebildete Feuerwehr(mann/frau) könnte mit Blaulicht und Horn einen PKW nutzen.
    Ab Truppführer und ausreichender Zugehörigkeit zum Beispiel. Für die sichere und zügige Anfahrt zum Gerätehaus. Bei Einsätzen, mit entsprechender Dringlichkeit.
    Spätestens als Maschinist traut man mit das Fahrzeug mit Blaulicht ja nach einer Einweisung an. Inklusive sämtlicher Materialien und Kameraden. Warum also kein Magnetblaulicht auf meinem privat PKW für die Anfahrt zum Gerätehaus?
    Die Person ist die gleiche, nur in zivil. Das Unfallopfer wird die zeitnahe Rettung sicher befürworten und alle Kritiker in der Gemeinde, sollten mal 12 km über Land fahren, wenn Einsatz mit Y auf dem Melder steht.

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  2. Ich finde den Grundgedanke gut, aber sehe die Lösung sehr skeptisch.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Lösung nur, dass Fahrzeuge der Feuerwehr den Kameraden überlassen werden.
    Gerade im ländlichen Raum haben sicherlich die meisten Personen einen eigenen PKW.
    Die Verhältnismäßigkeit der Kosten ist hier sicherlich ein weiteres Thema.
    wenn schon ein PKW bereit gestellten wird, warum dann nicht auch die PSA darin vorhalten?
    Ich bin überrascht, dass eine freiwillige Feuerwehr überhaupt über nicht-Einsatzfahrzeuge verfügt.

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  3. Man wird immer wieder erfinderisch. Ob das der große Durchbruch ist? Natürlich braucht die FF Unterstützung, aber welche Neider kommen da um die Ecke? Tatsächlich ist das mit dem Finanzamt nicht von der Hand zu weisen. Ist diese Idee auch Bestandteil eines Hygienekonzeptes?

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  4. An sich eine sehr gute Idee, wobei ich mir denke eine klare Stellung des Gesetzgebers und offener Kommunikation, zwecks Alarmierung ehrenamtlicher in der Wehr und Katschutz würde deutlich mehr Einsatzkräfte zur Verfügung stellen.

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  5. dann kommt wieder das Finanzamt und meldet Geldwerte Vorteile an.

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  6. Es werden also Fahrzeuge genutzt, die sonst nur “rumstehen”…oder wie erklärt man sich “nicht einsatztaktische Fahrzeuge”? Da scheint Geld keine Rolle für die Beschaffung von Pkw zu spielen…erschreckend. Die Fahrzeuge kosten Geld in der Beschaffung, Ausstattung und im Unterhalt. Auf Kosten der Allgemeinheit. Da wäre ein anderer, lösungs- und kostenorientierter Ansatz doch wohl eher die Beschaffung einer mobilen Sondersignalanlage – auch das könnt man, wenn man wollte, durch Änderung der rechtlichen Vorgaben umsetzen…und anstatt eines Pkw dann eben das Geld für LED-Blaulicht und Tonfolgeanlagen ausgeben…aber was weiß ich als Feuerwehrmann schon…

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