Wie wir von den Kanadiern lernen können

Studie: Krebs häufigste Todesursache bei Feuerwehr-Berufskrankheiten

Ottawa (Kanada) – Laut einer neuen Studie Kanadischer Forscher ist Krebs mit Abstand die häufigste Todesursache von Feuerwehrleuten. In Deutschland scheint man dieses Thema allerdings mit Samthandschuhen anzufassen.

Nach dem Brandeinsatz gelangen krebserregende Schadstoffe sehr häufig durch die Haut in den Körper. Um diese Gefährdung der Einsatzkräfte zu vermindern, setzen viele Feuerwehren auf eine konsequente Schwarz-Weiß-Trennung. Symbolfoto: Patzelt

Die Wissenschaftler werteten Daten der “Association of Workers’ Compensation Boards of Canada” (AWCBC) und der “WorkSafeBC” von anerkannten Arbeits- und Dienstunfällen sowie einsatzbedingten Erkrankungen beziehungsweise Berufskrankheiten aus. Dabei stammten die Daten von freiwilligen und Berufsfeuerwehrleuten und wurden zwischen 2006 und 2015 erhoben. 

Krebs extrem häufig Todesursache bei der Kanadischen Feuerwehr

Während frühere Studien zeigten, dass durch die Fitness und den Zusammenhalt unter Feuerwehrleuten ein hoher Gesundheitslevel vorherrscht, ist hier vor allem von Gefahren durch Krebs und Posttraumatischen Belastungsstörungen die Rede. Laut Studie gilt Krebs mit 86 Prozent als Haupt-Todesursache. Zudem wurde nachgewiesen, dass Krebs bei Feuerwehrleuten dreimal so häufig auftritt wie bei der Normalbevölkerung.

Bei Krebs: Pauschaler Verdienstausfall in Kanada 

In Kanada wurde der sogenannte Workmen’s Compensation Act, der im Falle von Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten materielle Zuwendungen der Arbeitnehmer garantiert, um Krebserkrankungen erweitert. Erkrankt ein Mitglied einer freiwilligen oder Berufsfeuerwehr an einer von 17 Krebsarten und kann eine gewisse Beteiligung am Einsatzdienst nachweisen, bekommt es je nach Fall eine pauschale Anerkennung des Krebs als Berufskrankheit und entsprechenden Verdienstausfall vom Staat erstattet.

“Dieses Ergebnis ist wirklich bemerkenswert”, sagt Marcus Bätge gegenüber feuerwehrmagazin.de. Bätge ist Gründungsmitglied der Feuerkrebs guG, die Feuerwehrleute über die Gefahren und Auswirkungen von krebserregenden Rauchgasen informiert. “Wir sprechen in der Regel davon, dass Feuerwehrleute ein 30 Prozent erhöhtes Risiko gegenüber der Normalbevölkerung haben, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Darunter Hoden- und Prostatakrebs.”

Die wichtigsten Tipps gegen Krebsgefährdung:

Krebs bei deutschen Feuerwehrleuten als Berufskrankheit?

Die Anerkennung von Krebs als Berufskrankheit von Feuerwehrleuten stecke hierzulande noch in den Kinderschuhen, so Bätge weiter. “Wenn ein Schornsteinfeger beispielsweise Hodenkrebs bekommt, weil er in seinem Berufsleben mit bestimmten Stoffen in Kontakt kommt, ist das als Berufskrankheit anerkannt. Ein freiwilliger Feuerwehrmann, der im Übrigen mit den gleichen Stoffen in Kontakt kommt, kann dies nicht von sich behaupten.” Im Gegenteil: Die Beweislast liege bei der Einsatzkraft.

Vor allem die Entwicklung der Baustoffe in den letzten Jahren und immer noch unzureichender Schutz durch fehlende Schwarz-Weiß-Trennung, keine vernünftige Dekontamination oder nicht vorhandene Reserve-PSA seien Gründe, warum deutsche Feuerwehrleute im Einsatz gefährdet seien.

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Der Berufsverband Feuerwehr e.V. will damit die Lücke der Beweispflicht bei einer Krebserkrankung als Berufskrankheit schließen.

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“Kommt ein Feuerwehrmitglied nach dem Innenangriff aus einem Gebäude, dann schwitzt er in der Regel und seine Hautporen sind geöffnet”, erklärt Bätge. “Wenn die Transpiration nachlässt, aber die Poren noch geöffnet sind, kommt es zu einer 400 Prozent stärkeren Schadstoffaufnahme über die Haut. Diese Belastung über Jahre kann dann dazu führen, dass es zum Krebs kommt.”

Kommentare zu diesem Artikel

  1. “Vorbeugen ist besser als heilen”
    Es werden demnächst auf globaler Ebene weitere Versuche laufen, welche den Zusammenhang der Menge an krebserregenden Schwebstoffen in Brandgasen und dem benutzen Löschmittel dokumentieren.
    Erste Forschungsergebnisse von voneinander unabhängigen Instituten wurden verglichen und sie stimmten fast 100% überein.

    Es ist vorgesehen auch in Deutschland dementsprechend zu forschen.

    Ist es etwa so, dass die anfangs in diesem Artikel angesprochenen Samthandschuhe genutzt werden um Geld ( auf Kosten der Gesundheit und der Lebenserwartung der Einsatzkräfte ) zu sparen.

    Ein Schelm ist wer Böses denkt

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  2. Ich bin ein Betroffener Feuerwehrmann einer großen Berufsfeuerwehr. Nach der Behandlung meines Prostatakrebs Klage ich gegen meine Stadt auf Anerkennung der Krankheit als Berufskrankheit. Traurig ist es, dass es kaum jemanden interessiert, selbst unter den Kollegen erfährt man kaum Hilfe, wobei ich persönlich mindestens 15 Kollegen kenne, die gleichfalls an verschiedenen Krebsarten erkrankt sind. Die Dunkelziffer derer, die in meiner BF auch daran erkrankt oder gar schon verstorben sind, wird weit aus höher sein. Auch wenn man bei anderen Feuerwehren sich nach diesem Thema erkundigt, ist dort kaum etwas bekannt. Der einzige der mir wirklich mit Rat und Tat zur Seite steht ist Marcus Bätke von ” FeuerKrebs“. Ich wünsche mir, dass es bald zu einem Umdenken in Deutschland kommt, und auch die Anerkennung als Berufskrankheit hier für all die Betroffenen erfolgt.

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