Arbeiter auf der Straße: “Ziegler soll leben”

Giengen/Brenz (BW) – Rund 2.000 Menschen gingen am Dienstag für eine Solidaritätsdemo für den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Aufbauhersteller Ziegler in Giengen auf die Straße. Doch nicht nur wütende Worte waren dabei zu hören, sondern auch großer Beifall. Und zwar in dem Moment, als Insolvenzverwalter Dr. Bruno Kübler bekannt gab, dass Achim Ziegler aus der Geschäftsleitung ausgeschieden sei. Als neuen Geschäftsführer stellte der Anwalt Prof. Dr.-Ing. Albert Jugel vor. Jugel kennt die Branche – er war bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Dräger Safety AG.

Eine solche Solidaritätsbekundung hat die Wirtschaftsregion Ostwürttemberg wohl bislang selten erlebt. Rund 2.000 Menschen, darunter viele Gewerkschafter, Politiker und auch Feuerwehrangehörige, gingen am Dienstag in Giengen auf die Straße, um für die Zukunft des Feuerwehrgeräteherstellers Albert Ziegler GmbH & Co. KG Flagge zu zeigen. Sogar ein regionaler Radiosender hatte sein Programm umgestellt und brachte den ganzen Tag über, aus Solidarität mit den Ziegler-Beschäftigten, Wunschtitel.

Zu der Demonstration vom Werksgelände zum etwa einen Kilometer entfernten Rathaus, wo eine große Kundgebung stattfand, hatte in den vergangenen Tagen zunächst die IG Metall aufgerufen. Die Jugendauszubildendenvertretung hatte per Facebook um Mitstreiter geworben. Viele Bürger und Feuerwehrangehörige sowie Oberbürgermeister Gerrit Elser reihten sich in den Demonstrationszug ein.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Landrat Hermann Mader hatte sich in den vergangenen Monaten bemüht, das  durch das Kartellverfahren angeschlagene Unternehmen wieder auf die Spur zu bringen. Mit einem “Runden Tisch” und Ehrenerklärungen gegenüber den Feuerwehren und Kommunen bemühte man sich um neues Vertrauen. Dennoch, so kam bei der großen Dienstags-Demo immer wieder zum Ausdruck, habe der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens vergangene Woche wie ein Blitz aus heiterem Himmel gewirkt, der in all diese Bemühungen einschlug. Landrat Mader fand deutliche Worte, die bei der Demo velesen wurden: Ihm sei vergangene Woche beim Bekanntwerden des Insolvenzantrags sofort das Grundgesetz eingefallen: “Eigentum vepflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem  Wohle der Allgemeinheit dienen.”  Es sei fraglich, ob dieser Insolvenzantrag der Eigentümer der Allgemeinheit diene.

Demonstration in Giengen: Mitarbeiter und Unterstützen gehen für eine Zukunft der Firma Ziegler auf die Straße. Foto: Heino Schütte
Demonstration in Giengen: Mitarbeiter und Unterstützen gehen für eine Zukunft der Firma Ziegler auf die Straße. Foto: Heino Schütte

Beim Protesttag war auch eine große Anzahl von Feuerwehrleuten in Uniform und mit Fahrzeugen vertreten. Zunächst versammelten sich rund 1.000 Menschen zum Protestzug am Werksgelände. Vor dem Rathaus waren es dann trotz tropischer Hitze von 34 Grad im Schatten mindestens 2.000 Zuhörer, die mit lebhaften Beifalls- oder auch Missfallenskundgebungen den Ausführungen der Kundgebungsredner lauschten. Alle fanden offenherzige Worte, riefen zum Aufbruch in eine neue Firmenzukunft aus. Die Parole „Ziegler soll leben!“ fand einen nicht enden wollenden Beifall.

Bei Kartellabsprachen kriminelle Methoden im Spiel

Betroffenheit löste die Ansprache von Betriebsratschef Hermann Ruf aus, der die Chronologie der Ereignisse schilderte. Herbe Vorwürfe richteten sich hierbei sowohl gegen das Geschäftgebaren der Familie Ziegler als auch gegen das Vorgehen der Kartellbehörde, die eine Einbindung des Betriebrats in die Entscheidungen gescheut hätte. Die Gewerkschafter sprachen von “kriminellen Methoden”, die bei den Preisabsprachen im Spiel gewesen seien und welche die damalige Geschäftsleitung, nicht jedoch die Mitarbeiter zu verantworten habe.

Oberbürgermeister Gerrit Elser und die Landes- und Bundestagsabgeordneten der Region verdeutlichten, wie stolz man auf die Feuerwehrfahrzeuge „Made in Giengen“ sei – nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Auch der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Bruno Kübler, trat ans Rednerpult. Er machte den Beschäftigten Mut. “Insolvenz bedeutet doch nicht das Ende eines Unternehmens, sondern zeigt auch neue Zukunftschancen auf.”

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Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Andreas Strobel erklärte mit Begeisterung, die dann auf die Demonstranten übergriff: Trotz des von der Unternehmensleitung angerichteten Desasters sei doch bei Ziegler das wichtigste Kapital gerettet worden, nämlich die Erfahrung und die Motivation einer Belegschaft, die stolz auf ihre Produkte sein könne. Alle beschrieben die Zielrichtung: Das Vertrauen für Ziegler mit entsprechender Innen- und Außenwirkung ganz schnell wiedergewinnen. Die Basis sei gut, denn die Auftragsbücher seien gut gefüllt, sagte der Betriebsratschef.

Der neue Geschäftsführer Jugel will am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung seine Vorstellungen der Ziegler-Zukunft vorstellen. “Ziegler soll leben!” wurde auch als Schlusswort formuliert. Wie bestellt, läuteten dazu die Kirchenglocken von Giengen und die Martinhörner etlicher Feuerwehrfahrzeuge stimmten mit ein. (Text: Heino Schütte / Fotos (Galerie): IGM)

3 Kommentare zu “Arbeiter auf der Straße: “Ziegler soll leben””
  1. Tom van de Wiel / Holmatro

    Beeindruckend und schön zu sehen dass so viele so beteiligt sind.
    Ich wünsche Sie viel Erfolg.
    Ziegler soll leben

  2. Florian

    Ich wünsche den Mitarbeitern alles Gute.
    Die Mitarbeiter stehen für ein super Produkt in höchster Qualität.

    Ich würde der Firma Ziegler jedoch nahelegen seine Kunden nicht weiter zu verprellen, denn bestellte Fahrzeuge nicht herauszugeben ist schlecht für das Geschäft.
    Wir sollten letzte Woche unser neues LF bekommen, dieser Termin wurde leider abgesagt.
    Man verlangt eine zusätzliche Zahlung, die jedoch schon getätigt wurde.
    Dieses LF ist das dritte in drei Jahren welches bestellt wurde und wenn es so weiter geht, war es das letzte aus dem Hause Ziegler. Es sollten noch mindestens zwei in den nächsten zwei Jahren folgen.

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