Gutachten deckt unbequeme Wahrheiten auf

Hilfsfristen in Lüneburg werden kaum eingehalten

Lüneburg (NI) – “Die Lüneburger Feuerwehr ist überaus motiviert und leistungsfähig”, dies berichtet Carsten Kreitz, Projektbearbeiter der Firma Forplan, den Mitgliedern des Ausschusses für Feuerwehr und Gefahrenabwehr in Lüneburg. Damit endeten die positiven Nachrichten aber auch schon. Das von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten zur “Struktur und Leistungsfähigkeit der Feuerwehr” brachte ansonsten regelrechte Horrorzahlen ans Licht. 

In Lüneburg brennt es, zumindest im übertragenen Sinne. Die Stadt ist in den letzten Jahren stark gewachsen – vor allem in östlicher Richtung. Hier fehlt ein zusätzliches Feuerwehrhaus. Aktuell können die Hilfsfristen nur noch sehr bedingt eingehalten werden. Symbolfoto: Behns

In 80 Prozent aller Fälle soll die Feuerwehr einer Kommune die Einsatzstellen innerhalb von 8 Minuten erreicht haben. In Lüneburg schafft die Feuerwehr dies nur in 21,1 Prozent. Bundesweit ein katastrophaler Wert. Nach 12 Minuten erreicht die Feuerwehr immerhin fast in der Hälfte aller Fälle die Einsatzstelle in Lüneburg. 

“Ein Großteil des Stadtgebietes ist nicht fristgerecht erreichbar”, fasste Kreitz eine andere Erkenntnis zusammen. Tagsüber werden nur 44,6 Prozent der bebauten Fläche der 78.000-Einwohner-Stadt erreicht. In der übrigen Zeit sind es nur 21,1 Prozent. Um diese Werte zu verstehen, müssen wir kurz einen Blick auf die Feuerwehrstruktur in der Hansestadt werfen. Aktuell gibt es lediglich zwei Feuerwehrstandorte in Lüneburg. Die Ortsfeuerwehr Mitte, dort sind werktags hauptamtliche Gerätewarte untergebracht. Dieser Standort liegt geographisch eher im nördlichen Teil der Stadt. Das Feuerwehrhaus Lüneburg Süd teilen sich die Ortsfeuerwehren Häcklingen, Oedeme und Rettmer. Aktuell gibt es in der Stadt rund 240 Ehrenamtliche Feuerwehrleute und 14 Hauptamtliche. In 2018 fielen über 870 Einsätze an – ohne Brandsicherheitswachen.

Gutachten: Strukturelles Problem in Lüneburg

Das Gutachten lässt keinen Zweifel daran, dass es in Lüneburg ein strukturelles Problem gibt. Offiziell ist von einem weiteren Standort die Rede im Osten der Stadt die Rede. “Als möglichen Feuerwehr­standort Ost schlägt Gutachter Kreitz den Bereich um den Kreuzungspunkt Dahlenburger Landstraße/Theodor-Heuss-Straße vor. Dies führe zu einer Verbesserung der Flächenerreichbarkeit um 25 Prozent”, berichtet die Landeszeitung Lüneburg. Allerdings führe auch dies nicht zu einer hundertprozentigen Abdeckung der geforderten Zeiten. In Feuerwehrkreisen wird deshalb schon länger – allerdings nur hinter vorgehaltener Hand – über zwei weitere Standorte diskutiert.

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Der zuständige Dezernent der Stadtverwaltung, Markus Moßmann berichtete in der Sitzung von vier möglichen Standort-Alternativen für die Feuerwache Ost. Er nannte den Bereich südlich des Johanneums, das Areal des Flugplatzes, eine Fläche östlich von Bülows Kamp oder auch eine Fläche nahe der DLRG-Ortsgruppe an der Friedrich-Ebert-Brücke. Für den Bau der Wache Ost werden rund 12 Millionen Euro veranschlagt. Für einen zusätzlichen Löschzug müssen weitere knapp zwei Millionen Euro aufgebracht werden.

Mindestens 21 zusätzliche hauptamtliche Kräfte

Ohne Zweifel wird Lüneburg auch das hauptamtliche Personal zeitnah aufstocken müssen. Aktuell wird mit 21 zusätzlichen Stellen gerechnet. Für diese zusätzlichen Personalstellen kommen jährliche Zusatzausgaben von knapp über einer Million Euro auf die Hansestadt zu. 

Einstimmig nahm der Ausschuss die Beschlussvorschläge an, wonach die „Notwendigkeit zur Errichtung eines dritten Feuerwehrstandortes mit hauptberuflicher Besetzung zu allen Tageszeiten“ anerkannt wird. Auch wenn es in Lüneburg aktuell wohl nicht offen angesprochen werden dürfte, ist der Schritt zur Berufsfeuerwehr dann nicht mehr weit.       

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das wäre mal ein schöner Bericht, die Hilfsfristen der Feuerwehren in god old Germany zu vergleichen 🙂

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  2. Hallo Redakteure, bitte lest den Artikel doch mal Korrektur. Zudem hat dieser Artikel doch gar keine reißerischen Vokabeln wie “Horrorzahlen” nötig. Die Stadt ist sich der Lage bewusst und lässt analysieren um richtige Konsequenzen zu ziehen.

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