Fehlender Nachwuchs: FF Schmilka aufgelöst

Schmilka (SN) – Trauriger Jahresabschluss für die FF Schmilka (Gemeinde Schandau, Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge). Die Feuerwehr in dem 60-Einwohner-Dorf am Elbufer wurde zum 31. Dezember aufgelöst. Grund: akuter Personalmangel. Zuletzt waren nur noch zwei aktive Kameraden in der Feuerwehr tätig.

Die letzten Kameraden der FF Schmilka: von links Richard Rittner, Stadtteilwehrleiter, Rüdiger Herschel und Detlef Rittner (beide Altersabteilung), Sven Myszka (jetzt FF Langburkersdorf) und Anne-Marta Rittner (wohnt in Postelwitz, ohne Auto kommt sie nicht schnell genug zum Gerätehaus). Ein Aktiver fehlt auf dem Foto. (Bild: Marko Förster)

Gegründet worden war die FF Schmilka 1941, mitten im 2. Weltkrieg. Sie überlebte mehrere gesellschaftliche Systeme und Krisen. Doch bereits 1842, als am 31. August zur Mittagszeit ein Waldbrand ausbrach, kämpften über 3.000 Forstleute 14 Tage gegen die Flammen in den Schluchten und an den Berghängen. Unter ihnen waren auch Schmilkaer Forstarbeiter, die ersten Einsatzkräfte im Feuerwehrdienst.

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Schläuche, Pumpe und ein Sarg

So klein die Feuerwehr auch sein mochte, am Weltgeschehen nahm sie dennoch teil. So gehörte zu den ersten Ausrüstungsgegenständen neben einer Pumpe, Hacken und Schaufeln sowie Hanfschläuchen auch ein Sarg, welcher zur Bergung von Wasserleichen besonders um 1945 häufig zum Einsatz kam. Zu dieser Zeit wurden viele Sudetendeutsche in Böhmen erschossen und in die Elbe geworfen. Die Klappe im Spitzboden des Gerätehauses, in dem der Sarg bereitstand, existiert heute noch. Am 21. August 1968 mussten die Schmilkaer Kameraden die NVA bei der Räumung des Ortes unterstützen. Grund dafür war die Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Armeen des Warschauer Paktes. Schmilka war daraufhin bis 24. September 1968 Sperrgebiet und durfte nur mit Ausweis und Passierschein betreten werden.

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Am 23. Oktober 1981 kam es um 23.30 Uhr zum größten Brandeinsatz im Ort, ein explodierter Fernseher setzte die Dickmannhütte in Brand. Verletzt wurde niemand, allerdings versagte die Schmilkaer Technik in dieser Nacht. Die Kameraden aus Bad Schandau unterstützten bei den Löscharbeiten. Mit der Wende änderte sich auch das über Jahrzehnte geprägte Bild der Feuerwehr. Der einsetzende Strukturwandel in der kompletten Region setzten der Wehr zu, sodass es zu einem Rückgang der Mitgliederzahlen kam. Aus 24 Mitgliedern im Jahr 1988 wurden 13 Mitglieder im Jahr 1997. Hatte der Ort 1999 noch 198 Einwohner, sind es heute noch knapp 60.

Während eines Unwetters im Sommer 2021, bei dem die Ilme über den Mühlberg in die Elbe floss und große Schlammlawinen im Bereich Aufstieg Kleine Bastei am Ortsanfang auf die B172 rollten, standen nur noch drei Aktive im Feuerwehrhaus und Schmilka war wieder einmal von der Außenwelt abgeschnitten. Danach fiel der Entschluss, die Wehr Ende 2022 aufzulösen. Am 10. Januar 2022 wurden ihre Mitglieder zum letzten Mal alarmiert: Rauchentwicklung am Gasthof „Zur Mühle“, verursacht durch eine vergessene Lüftungsklappe. Nach einem Treffen mit den umliegenden Feuerwehren wurde das Fahrzeug vom Einsatzdienst abgemeldet: „Status 6“ (nicht einsatzbereit). Es soll voraussichtlich in Porschdorf (ebenfalls Stadt Bad Schandau) weiter zum Einsatz kommen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Eine traurige Entwicklung, die leider immer mehr um sich greift.
    Und die Attacken, die anscheinend unter einigen Menschen ‘en Vogue’ ist, beschleunigen diese Entwicklung enorm.

    Ich habe auch den Eindruck, dass Arbeitgeber immer weniger Verständnis für das Ehrenamt haben.

    Bei mir z.B. wurde ganz klar gesagt, wenn das 2-3 im Jahr vorkommt, dass ich nicht pünktlich zur Arbeit komme (wegen Einsätzen), steht mein Job auf dem Spiel. Ein Hinweis zum Brandschutzgesetz wird dann nur mit einem Schulterzucken abgetan. Man könne ja gehen.
    In meinem Bekanntenkreis hört man solche Dinge aus den Firmen immer öfter.

    Aber wenn das das Bürogebäude oder das Privathaus brennt und keiner kommt, dann sind ist die Geschäftsführung entsetzt, wie das sein kann …

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  2. Und Mobbing ist weit verbreitet.
    da wird man als schwule Sau beschimpft nur weil man nicht liiert ist.
    Aus der Feuerwehr rausgetrieben.
    Selbst durch den Wehrführer.
    Da ist man nur nett und hält die Gerätehaustür offen und wird gefragt ob man in fi**en will ich schwule Dre**sau.
    Tja, das muss man sich in einer Freiwilligen Feuerwehr gefallen lassen, nur weil man keine Freundin hat.
    Und der Deutsche Feuerwehrverband unternimmt nichts gegen Mobbing.
    Kein Wunder das darauf immer weniger Leute Lust haben sich in solch einem Verein zu engagieren.

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  3. Auch ein Grund ist die Abschaffung der Wehrpflicht, denn seit dem haben doch sehr viele Wehren zu kämpfen das sie Mitglieder bekommen und viele anderen haben Mitgliedermangel.
    Sicherlich kommt der Egoismus auch dazu.

    Aber schaut doch mal in die Alten- und Pflegeheime, dort fehlen Kräfte ohne ende und das war früher nicht so, als es noch die Wehrpflicht gab, denn zu der Zeit gab es sie noch – die “Zivis” – und diese gibt es heute eben nicht mehr!
    Wer den Wehrdienst verweigerte wurde Zivi oder ist vor ab in die Feuerwehr gegangen und hat sich dort verpflichtet.

    Darum ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht meiner Meinung nach viel zu lange überfällig!!!!

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  4. Es wundert mich mitlerweile nicht mehr, warum sich keiner mehr für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst meldet. So habe ich persönlich erlebt, dass die Feuerwehr eher zum Familienbetrieb umgewandelt wird und jedem dem dies nicht passt gehen kann oder gegangen wird. So wird vermutlich demnächst ein Fall vor dem Verwaltungsgericht verhandelt. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen denen das Eherenamt weniger wichtig ist garnicht erst soweit gegangen wären sondern sich einfach gleich davon getrennt hätten. Natürlich kann ich meine Behauptungen belegen, dies würde aber den Rahmen des Kommentars sprengen.

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  5. Schade und Traurig zugleich,das es in einer FF zu so einer Entwicklung kommen kann und musste,gerade heutzutage in Zeiten immer wachsender Einsatzzahlen steigenden Anforderugen,alleine schon durch den Klimawandel.

    Aber leider trägt auch das Politische versagen seinen Teil dazu bei immer mehr und große Betriebe verlegen ihre Standorte ins Ausland,so das Deutschland als Wirtschaftsstandort unattraktiv wird,,sich aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und des schlechten Arbeitsmarktes die Ortschaften verkleinern,und der Demografische Wandel voll zuschlägt und diese Orte unattraktiv werden.

    Und ein zusätzlicher Punkt der diesen Entwicklungen zuzuführen ist ,ist die Tatsache das heutzutage alle Egoistisch sind ,schnelle Hilfe gerne annehmen ,jedoch, keiner für den anderen 365, 24/7 da sein will also, auch mal seine Freizeit opfern will um anderen in Not geratenen Menschen insbesondere Fremden helfen will jeder ist sich seiner selbst,und am nähesten.

    Da ist also in vielen Dingen lange Zeit am falschen Ende gespart worden,und falsch gewirtschaftet,nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und kommt alleine so schnell nicht wieder raus.

    Und es wird in den kommenden Jahren leider noch mehr kleinere Wehren dieses ereilen ,und so ergehen.

    Hier sind die Kommunen,und die große Politik gefragt die aber Interessiert nur das eigene Überleben, Brand und Bevölkerungsschutz ,und alles was damit zusammen hängt spielen leider bloß eine untergeordnete Rolle.
    Am Ende ist aber der Aufschrei groß wenn keine schnelle Hilfe vor Ort ist,durch fehlendes Personal,oder kaputt gesparte Feuerwehren,dann stellt sich wieder jeder große ,und kleine Politiker vor die Presse und schwingt tolle Reden,und tut so als wäre er zutiefst erschüttert und wolle helfen.

    Echt traurig für diese Wehr hoffen wir mal das in Zukunft die Bürgerinnen,und Bürger dieser Ortschaft auf schnelle Hilfe hoffen können wenn sie diese benötigen ,was hoffentlich nie der Fall sein wird.

    Alles gute den Kameradinnen/Kameraden für die Zukunft in der Nachbarwehr.
    Auf euch das ihr so lange die Stellung gehalten habt ein 3 Fach Gut Wehr.

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