12.500 Stimmen aus der Feuerwehr

Ehrenamtsstudie: Kritik an Geräten, Häusern und Ausbildung

Mainz (RP) – Die rheinland-pfälzischen Feuerwehren sind hoch motiviert – und gleichzeitig an zentralen Stellen unzufrieden mit der Ausstattung. Mehr als 12.500 Feuerwehrangehörige haben sich an der landesweiten „Ehrenamtsstudie Feuerwehr“ beteiligt, das entspricht rund 22 Prozent aller ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Land. Die Ergebnisse zeigen eine starke Bindung an das Ehrenamt, machen aber auch deutlich, wo es aus Sicht der Einsatzkräfte hakt: bei Schutzkleidung, Feuerwehrgerätehäusern und der Ausbildung.

Symbolfoto: Michael Rüffer

Innenminister Michael Ebling stellte die Studie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, dem Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes, Moritz Petry, sowie dem Präsidenten des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz, René Schubert, vor. Beauftragt wurde die Untersuchung vom Ministerium des Innern, durchgeführt vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft e.V. Grundlage war ein dreistufiges Forschungsdesign mit Online-Befragung, Workshops und Interviews, das zwischen Mai 2024 und August 2025 umgesetzt wurde.

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Hohe Einsatzbereitschaft besonders bei jungen Menschen

Die Studie zeichnet zunächst ein positives Bild der Engagementbereitschaft: Rund 80 Prozent der Befragten wollen ihr Engagement in der Feuerwehr im bisherigen Umfang fortsetzen, mehr als ein Drittel kann sich sogar vorstellen, sich künftig mehr einzubringen. Besonders ausgeprägt ist diese Bereitschaft bei den 16- bis 29-Jährigen.

Gleichzeitig rechnen viele Einsatzkräfte damit, dass die Gewinnung neuer Mitglieder künftig schwieriger wird. Vor diesem Hintergrund rücken die Rahmenbedingungen des Ehrenamts stärker in den Fokus und werden von den Befragten kritisch bewertet.

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Kritik an Grundlagen des Feuerwehralltags

Der größte Handlungsdruck liegt laut Studie nicht bei Fahrzeugen oder digitaler Kommunikation, sondern bei Grundlagen, die im Einsatzalltag ständig präsent sind. So bewerten zwar 65 Prozent der Befragten ihre persönliche Schutzausrüstung als gut oder sehr gut, zugleich stuft jedoch jeder achte Feuerwehrangehörige sie als (sehr) schlecht ein. Aufgrund der sicherheitskritischen Bedeutung bezeichnet die Studie diesen Befund ausdrücklich als „bedenklich“.

Noch schlechter fallen die Bewertungen bei der Dienstkleidung und den Feuerwehrgerätehäusern aus: Nur 43 Prozent bewerten ihre Dienstkleidung als gut oder sehr gut, bei den Gerätehäusern liegt dieser Anteil sogar lediglich bei 38 Prozent. Auffällig ist zudem ein klarer Zusammenhang mit der Gemeindegröße: Je kleiner die Kommune, desto negativer fällt die Einschätzung der Ausstattung aus.

In Workshops wurden darüber hinaus bauliche Mängel an Gerätehäusern, fehlende oder unpassende Rahmenbedingungen sowie Defizite bei Dienst- und Schutzkleidung benannt. Weibliche Einsatzkräfte kritisierten dabei besonders häufig unpassende Dienst- und Schutzkleidung – ein Aspekt, den die Studie auch im Zusammenhang mit der Gewinnung weiterer Frauen als relevant einstuft.

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Ausbildung und Vereinbarkeit als weitere Baustellen

Neben der Ausstattung sehen viele Feuerwehrangehörige Verbesserungsbedarf bei der Aus- und Weiterbildung. Genannt werden unter anderem fehlende Flexibilität in der Grundausbildung sowie lange Wartezeiten. Zudem zeigt die Studie, wie schwierig es für viele ist, das Ehrenamt mit Beruf und Familie zu vereinbaren: Weniger als die Hälfte der Befragten kann ihre Arbeitszeiten so flexibel gestalten, dass ausreichend Zeit für den Feuerwehrdienst bleibt.

Beim Thema finanzielle Anerkennung ergibt sich ein gemischtes Bild. Aufwandsentschädigungen finden bei 43 Prozent der Einsatzkräfte Zustimmung, werden aber nicht einheitlich als zentrales Motivationsinstrument gesehen.

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Zehn Empfehlungen und ein neues Forum

Als Ergebnis formuliert die Studie zehn Handlungsempfehlungen: sechs zur Gewinnung neuer Einsatzkräfte und vier zur langfristigen Bindung bereits Engagierter. Sie richten sich an Land, Kommunen und die freiwilligen Feuerwehren gleichermaßen.

Zur Umsetzung soll ein „Forum Ehrenamt Feuerwehr“ eingerichtet werden, in dem Land, Kommunen und Landesfeuerwehrverband die Empfehlungen priorisieren und konkrete Vorschläge erarbeiten. Unabhängig davon sollen erste Maßnahmen zeitnah angestoßen werden. Dazu zählen der weitere Ausbau der Bambini-Feuerwehren, eine stärkere Verankerung von Feuerwehr und Bevölkerungsschutz in Kitas und Schulen sowie die Prüfung landesweit möglichst einheitlicher und fairer Formen der finanziellen Anerkennung.

Die Studie zeigt ein klares Bild: Die Einsatzkräfte sind bereit, sich künftig stärker einzubringen. Ob die angekündigten Maßnahmen spürbare Verbesserungen bringen, lässt sich derzeit jedoch noch nicht beurteilen. Klar ist, dass viele Befragte vor allem bei Gerätehäusern, passender Schutzkleidung und einer alltagstauglichen Ausbildung Verbesserungsbedarf sehen.

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