Produkt: Video Die Wärmebildkamera im Brandeinsatz
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Heute vor 25 Jahren:

Brandkatastrophe am Flughafen Düsseldorf

Düsseldorf – Am 11. April 1996 beginnen zwei Arbeiter um 13 Uhr, eine Dehnungsfuge auf einer Zufahrt oberhalb eines Blumenladens in der Ankunftsebene des Terminals A am Flughafen Düsseldorf zu schweißen. Sie haben weder die Arbeitsstelle entsprechend vorbereitet noch steht eine Brandwache der Flughafenfeuerwehr bereit. Diese ist über die Schweißarbeiten gar nicht informiert worden.

Dichte, dunkle Rauchschwaden ziehen am 11. April 1996 über das Terminalgebäude des Flughafens Düsseldorf. (Bild: Flughafen Düsseldorf)

Was die Arbeiter nicht wissen: In der Zwischendecke ist 30 Jahre zuvor zur Isolierung schnell brennbares Polystyrol verwendet worden. Es war einfach billiger als die vorgeschriebenen schwer entflammbaren Baustoffe. Auch eine Sprinkleranlage fehlt. Zudem gibt es in dem Gebäude weitere Versäumnisse im baulichen Brandschutz.

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Um 15.31 Uhr meldet ein Taxifahrer, dass in der Decke im Bereich des Blumenladens immer wieder Funken zu sehen sind. 4 Minuten später treffen zwei Feuerwehrleute sowie ein Elektriker ein. Bei der Erkundung entdecken sie zufällig die Schweißer. Die Feuerwehrleute untersagen weitere Schweißarbeiten. Den in der Zwischendecke schwelenden Brand bemerkt niemand. Um 15.50 Uhr versagt der Hohlraum aufgrund der Hitzeentwicklung und Luft tritt ein. Ein Flash-over setzt schlagartig mehrere hundert Meter der Decke in Vollbrand.

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Erst um 15.55 Uhr wird die Feuerwehr alarmiert. Und erst gegen 16.30 Uhr schaffen es die ersten Rettungskräfte, in die Ankunftsebene zu gelangen. Dort sind bereits 16 Menschen im Rauch erstickt, acht davon in der Air France-Lounge. Ein Mann durchbricht mit einem Sessel eines der Außenfenster und springt in die Tiefe. Er wird schwer verletzt. Sieben weitere Tote liegen in zwei Aufzügen, die trotz des Feuers in Betrieb blieben und die verrauchte Ebene ansteuerten. Als der Rauch die Lichtschranke unterbrach, ließen sich die Türen nicht wieder schließen. Flucht unmöglich. Einen Toten finden die Retter in einer Toilette, das 17. Opfer stirbt sechs Wochen später im Krankenhaus. 88 Reisende werden zum Teil schwer verletzt.

Erst gut 40 Minuten nach dem Brandalarm wird der Flugbetrieb in Düsseldorf eingestellt und die anfliegenden Maschinen werden nach Köln/Bonn umgeleitet. Rund 1.000 Feuerwehrkräfte aus Düsseldorf, Ratingen, den Kreisen Mettmann und Neuss sowie aus Wuppertal, Duisburg und Bonn kommen zum Einsatz. Unterschiedliche Funkfrequenzen und fehlende Gebäudepläne erschweren den Einsatz zusätzlich zum dichten Rauch. Um 19.30 Uhr ist das Feuer aus.

Zahlreiche Brandschutzmängel

Neben den bereits erwähnten Brandschutzmängeln fallen bei der Untersuchung zur Brandursache weitere Fehler auf: Große Mengen Staub auf den Belüftungskanälen trugen zur schnellen Brandausbreitung bei. Brandschutztüren und Fluchtwege fehlten – auch aus der Air France-Lounge gab es keinen Fluchtweg. Die Klimaanlage förderte große Mengen des schwarzen, dicken Brandrauchs und der Brandgase auch in nicht direkt betroffene Bereiche.

5 Jahre dauert der anschließende Prozess gegen die Schweißer, Manager, Architekten und Verantwortlichen von Flughafen und Feuerwehr. Das Landgericht Düsseldorf verurteilt die Angeklagten zu Geldauflagen zwischen 3.000 und 20.000 Euro. Der Prozess wird eingestellt. Terminal A wird kernsaniert und am 8. April 1998 eröffnet. Terminal B muss abgerissen und neu gebaut werden. Terminal C kann nach Reinigungs- und Renovierungsarbeiten noch im Jahre 1996 wieder in Betrieb gehen. Mit der Eröffnung des Terminals B in 2001 ist die Brandsanierung abgeschlossen.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Nach dem Lesen dieses Artikels tun sich dem geneigten Leser bestimmt einige Fragen auf. Zum Beispiel: Warum haben es die ersten Rettungskräfte erst nach 35 Minuten in die Ankunftsebene geschafft? Heutzutage muss es die Flughafenfeuerwehr innerhalb von 180 Sekunden(!) schaffen, jeden Punkt des Geländes zu erreichen. Und wie kommt es, dass Gebäudepläne gefehlt haben? Die müssten doch eigentlich zumindest bei der Flughafenfeuerwehr vorhanden sein. Ferner wundere ich mich über fehlende Brandschutztüren, Fluchtwege und Rauchmelder. Ich möchte aber auf diesem Wege anmerken, dass ich kein Profi, sondern “nur” ein ehemaliges Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr bin.

    Es ist schade, dass es immer wieder zu verheerenden Katastrophen kommen muss, um Fehler zu entdecken und sie zu beseitigen.

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