ZDF-Fernseh-Serie

Marie fängt Feuer

Seit 2016 läuft die Serie Marie fängt Feuer beim ZDF. Mit Helden des Alltags ist am 24. Oktober 2021 bereits die 14. Folge erschienen. Die Serie dreht sich um das Leben von Feuerwehrfrau Marie Reiter – gespielt von Christine Eixenberger. In diesem Beitrag findet Ihr Zusammenfassungen beziehungsweise Rezensionen zu allen 14 bisher ausgestrahlten Folgen.

Spoiler Alarm

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Inhaltsverzeichnis:

  • Helden des Alltags
  • Schattenhaft
  • Coming out
  • Spiel des Lebens
  • Den Mutigen gehört die Welt
  • Alles oder nichts
  • Lügen und Geheimnisse
  • Stürmische Zeiten
  • Kleine Sünden
  • Zweite Chance
  • Nichts als die Wahrheit
  • Allein war gestern
  • Vater sein dagegen sehr
  • Für immer und ewig

14. Helden des Alltags (6.2)

Helden des Alltags startet mit einem Gartenhaus-Brand. Mit lautem Knall und Feuerball explodiert das Holzhäuschen, bleibt dabei aber bis auf Tür und Fenster vollkommen intakt. Doch eigentlich dürfte danach nur ein Bretterhaufen übrig bleiben. Kommandant Stefan wird durch die Druckwelle mehrere Meter durch die Luft geschleudert, rappelt sich sofort wieder auf und ruft: “Das muss Benzin sein”. Wobei allgemein bekannt ist, dass Benzin nicht explodiert und in Gartenhäusern eher Gasflaschen zu finden sind.

Jedes Feuerwehrmitglied, das im Einsatz durch die Druckwelle einer Explosion zu Boden geschleudert wird, sollte umgehend dem Rettungsdienst zugeführt werden. Doch Stefan redet nach dem in aller Ruhe mit dem Eigentümer der Hütte und fachsimpelt mit Marie, ob es wohl Brandstiftung gewesen sein könnte. Entschuldigung, aber in dieser ersten Einsatzszene zeichnen die Filmemacher ein derart realitätsfremdes Bild der Feuerwehr, dass alle bisherigen Bemühungen, den Zuschauern die Arbeit der Feuerwehr näherzubringen, zunichte gemacht werden.

Inhaltlich dreht sich die Folge um ein heikles Thema. Denn bei dem Feuer zu Beginn handelt es sich tatsächlich um Brandstiftung. Marie und Stefan ermitteln diesmal gemeinsam. Auch ein Feuerwehrmann, der bei zwei Bränden “zu schnell” vor Ort ist, gerät in Verdacht, der Feuerteufel zu sein…

Hier könnt Ihr die Folge anschauen: Helden des Alltags

13. Schattenhaft (6.1)

Nach Marcos Tod, der am Ende der letzten Folge im Einsatz ums Leben gekommen ist, trauern alle Wildegger Feuerwehrleute auf ihre eigene Weise um ihren Kameraden. Besonders hart hat es Angie, Marcos Verlobte getroffen. Auch Maries Vater Ernst, hat dieser Unfall vollkommen aus der Bahn geworfen. Weil er mit Marco einen Trupp gebildet hatte, gibt er sich die Schuld an Marcos Tod.

Marie und Stefan erzählen ihren Söhnen Daniel und Max, dass Rita ein Baby von Stefan erwartet. Besonders  Daniel ist nicht begeistert davon, einen Halbbruder zu bekommen. Selbst für Marie ist es nach wie vor schwierig, mit der neuen Situation umzugehen. Doch dass sich Stefan felsenfest zu ihr bekennt sowie seine Offenheit und Ehrlichkeit ihr gegenüber macht es Marie ein wenig leichter.

Zentrales Thema von Schattenhaft ist jedoch der Wolf, der seit einigen Jahren wieder in Deutschland lebt. Gewaltbereite Bauern, die mehr und mehr Schafe durch Wölfe verlieren, und Demonstranten einer Pro Wolf Organisationliefern sich verbale Schlachten. Mit schlich geführten Diskussionen haben die meisten Dialoge, besser gesagt Monologe, nichts zu tun. Da hilft lange Zeit auch Maries Verhandlungsgeschick nichts. 

Es muss erst ein kleines Mädchen in Lebensgefahr geraten, bevor sich die Gemüter einiger Beteiligter beruhigen und sie für vernünftige Gespräche bereit sind. Eben diese Mädchen ist es, die den verschlossenen Ernst wieder auf andere Gedanken bringt. Seine Ehefrau Irene organisiert ein scheinbar zufälliges Treffen von Angie und Ernst, dass den emotionalen Knoten platzen lässt. Wie so oft sind es die Frauen, die es am Ende richten müssen.

Hier könnt Ihr die Folge anschauen: Schattenhaft

Marie fängt Feuer
Marie (Christiane Eixenberger, rechts) und ihre Freundin Angie (Sylta Fee Wegmann) retten die Freiwillige Feuerwehr Wildegg vor der Schließung. Foto: ZDF

12. Coming out (5.2)

Als Kirsten, eine Mitschülerin von Max, sieht, dass ihr Vater schwul ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Marie spricht sowohl mit Kirsten als auch mit ihrem Vater um zu helfen – zunächst ohne Erfolg. Kirsten verschwindet. Marie trommelt einige Wildegger Feuerwehrleute zusammen, um den Teenager zu suchen. Schließlich entdeckt sie Kirsten, die sich von einer Brücke stürzen will. Doch schließlich können die Kameradinnen und Kameraden das Mädchen retten – aber deren Familie auch? 

Die Autoren bringen das zentrale Thema dieser Episode, nämlich das Coming out – besonders von älteren homosexuellen Menschen – durch eine dramatische Familiengeschichte ins Bewusstsein des Publikums. Dabei stellen sie nicht eine vorurteilsbehaftete Sicht von Außenstehenden auf den sich Outenden dar, sondern dringen in die Gefühlswelt der engsten Familienmitglieder ein. Welche Last wiegt schwerer? Nach einem halben Leben die Wahrheit über einen geliebten Menschen zu erfahren, oder sich sein gesamten Leben aus Angst selbst verleugnen zu müssen? 

Drunter und drüber geht es auch – mal wieder – in Maries Privatleben. Still und heimlich heiratet sie Stefan, ohne jemandem davon zu erzählen. Erst als alle Bescheid wissen und nach einer Standpauke von Maries Eltern darf das junge Paar sein Glück auf einer Überraschungsparty genießen. Es sieht nach einer heilen Welt aus, aber der Schein trügt. Stefan und Marie erfahren, dass sein Seitensprung nicht ohne Folgen geblieben ist. Rita erwartet ein Kind.

Was Einsätze betrifft, so geht es am Schluss der Folge für die Mitglieder der Feuerwehr Wildegg zu einem Verkehrsunfall. Ein Pkw hat sich überschlagen und ist auf dem Dach liegengeblieben. Während Kräfte die Rettung des Fahrers vorbereiten, kümmern sich Marco und Ernst um die Verkehrsabsicherung an der unübersichtlichen Kurve, in der der Unfall passiert ist. Doch leider zu spät: Es kommt zur Katastrophe und die gesamte Serie zu ihrem ersten, wirklich tragischen Höhepunkt.

11. Spiel des Lebens (5.1)

Spiel des Lebens startet mit einer Wasserrettung. Zwei Kinder haben auf einem See ein Boot gemopst und sind zu einer Insel gerudert. Von dort ist es abgetrieben, sodass der Schwester und Bruder nicht mehr wegkamen. Deren Vater wählt schließlich den Notruf.

Gemeinsam mit der Wasserwacht sucht die Feuerwehr mit zwei Rettungsbooten den See ab. Marie findet die Geschwister schließlich unverletzt. Das war es diesmal auch schon an Feuerwehreinsätzen.

Wie sich herausstellt, ist der Vater der beiden Kinder spielsüchtig. Die prekäre finanzielle Lage der Familie, dessen Mutter Suizid beging, treibt den Vater immer weiter. Bei jeder neuen Dummheit möchte man als Zuschauer den Mann einfach nur noch kräftig wachrütteln. Aber weil er sich nicht helfen lassen will, tritt schließlich der schlimmste Fall ein…

Marie hängt sich auch dieses Mal wieder voll in diesen Fall rein und lässt nicht locker, um allen Beteiligten zu helfen. Was ihr schließlich auch gelingt. Ebenso wie sie bei dieser Familie, hängt sich Stefan in seiner und Maries Familie voll ins Zeug, um zu beweisen, dass sein Fehltritt eine einmalige Sache war. Er macht vieles richtig, sodass sich ihre Beziehung langsam wieder stabilisiert. 

Marie Reiter (Christine Eixenberger) beobachtet den Vater mit seinen gerade geretteten Kindern. Foto: ZDF/Bernd Schuller

10. Den Mutigen gehört die Welt (4.2) 

Marie hat einen neuen Job angenommen. Außer ihren Mitmenschen als Feuerwehrfrau zu helfen, leitet sie jetzt eine Bürgersprechstunde. Wie immer hängt sie sich voll rein und verstrickt sich schließlich in einen Fall, bei dem es um häusliche Gewalt geht. Privat ist bei Marie auch noch nichts wieder in Ordnung. Ihr Verhältnis zu Stefan bleibt angespannt und deren beide Söhne von nach wie vor bei Max’ leiblichem Vater.

Den einzigen Einsatz in dieser Folge absolviert die Feuerwehr wegen einer Rauchbombe in der Schule. Allerdings bekommen die Zuschauer eine Drehleiter in Aktion zu sehen. Wir erfahren nebenbei, dass Marie mittlerweile auch Atemschutzgeräteträgerin (AGT) ist. Die markanten Ein- und Ausatemgeräusche der Pressluftatmer fehlen leider.

In dieser Szene wird deutlich, dass wir über Maries Ausbildung bei der Feuerwehr leider nichts erfahren. AGT wird man ja nicht so nebenbei, wenn man die Voraussetzungen wie den Truppmann 1- und den Sprechfunklehrgang dafür betrachtet. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die Produzenten der Serie die Feuerwehr und deren Tätigkeit wieder mehr in den Vordergrund stellen werden.

Apropos Hoffnung: Dass Stefan in einer gewalttätigen Szene am Ende der Folge für Marie da ist und ihr beisteht, sorgt für ein wenig Entspannung in der Beziehungskrise der beiden.

9. Alles oder nichts (4.1) 

Maries Familie bricht auseinander. Sie kann Stefan seinen Fehltritt (noch) nicht verzeihen. Noch immer weiß sie nicht, wer die mysteriöse Frau ist, mit der sich ihr Verlobter vergnügt hat. Weil bei ihnen zu Hause so eine angespannte Stimmung herrscht, ziehen die beiden Jungen Max und Daniel kurzerhand zu Max’ Vater Philipp. Als Marie und Angie zufällig dahinter kommen, wer die geheimnisvolle Frau ist, brennt schließlich die Luft. 

Feuerwehrtechnisch bekommen wir zwar keinen Brand, aber zu Beginn einem Verkehrsunfall inklusive Menschenrettung mit hydraulischen Rettungsgeräten zu sehen. Angie belebt den verletzten Pkw-Fahrer wieder und betreut ihn im Krankenhaus anschließend weiter, weil sie dort als Krankenschwester arbeitet.

Voller Dank für die Lebensretterin entwickelt sich der Gerettete zum Stalker. Die Situation wird für Angie schnell zum Alptraum. Ihre Feuerwehrkameraden stellen zwar eine Nachtwache vor Angies Wohnung, schlafen aber ein – nicht gerade eine Heldentat. Denn der Stalker verschafft sich Zugang und hinterlässt auf Angies Balkon eine Nachricht. Erst als es fast zur Katastrophe kommt, kann ihn die Polizei festnehmen. Das ZDF macht deutlich, mit welchen Vorurteilen das Thema Stalking belastet ist und es viele Unbeteiligte nicht Ernst nehmen, sogar belächeln: zu Unrecht. 

Marie fängt Feuer
Ernst (Wolfgang Fierek, rechts) steht vor seinen Feuerwehrleuten Angie (Sylta Fee Wegmann, links), Gerhard (Ferdinand Dörfler, 2. von links), Marco (Gabriel Raab, 3. von links) und Marie (Christine Eixenberger, 2. von rechts) und gibt ihnen Anweisungen für den Einsatz. Foto: ZDF/Bernd Schuller

8. Lügen und Geheimnisse (3.4)

Ein kleines Mädchen muss nach einem Brand in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht werden. Dort müssen die Ärzte sie sogar ins künstliche Koma versetzen. Die Ursache für eine Vergiftung ist zunächst unklar. Allerdings scheinen die Eltern der kleinen Emma, die auf dem Hof auch eine Biogasanlage betreiben, etwas zu verheimlichen. Marie recherchiert in jede Richtung, um herauszufinden, was dort vor sich geht.

Schließlich steht fest: Es handelt sich um den schlimmsten aller möglichen Fälle. Die Hofbetreiber entsorgen – aus finanzieller Not heraus – Giftmüll in ihrer Biogasanlage. Als der Landwirt einige Fässer des gefährlichen Stoffes auf einem Feld entsorgt, kommt er selbst mit der Chemikalie in Kontakt und kommt ins Krankenhaus. 

Um die Gefahr zu beseitigen, holt die Feuerwehr Wildegg Verstärkung in Form eines Gefahrgut-Zuges inklusive Gerätewagen-Gefahrgut (GW-G). Ein paar Feuerwehrleute gehen in Chemikalienschutzanzügen (CSA) auf das Feld vor, doch mehr bekommen wir von diesem Einsatz leider nicht zu sehen. Aber immerhin bekommen die Zuschauer, die sich nicht in der  etwas Spezial-Equipment der Feuerwehr zu sehen.

Die Lage zwischen Marie und Stefan ist weiter angespannt. Er schafft es lange Zeit nicht, Ihr seinen Fehltritt zu gestehen. Sein merkwürdiges Verhalten macht Ihr dabei sehr zu schaffen. Erst ganz am Ende der Folge herrscht Klarheit. Lügen und Geheimnisse sind eben nichts für die Ewigkeit. Erneut macht Stefan eine nicht wirklich gute Figur. Während Marie ein paar Folgen lang wegen der Lügen um den noch lebenden Vater ihres Sohnes die Täterrolle innehatte, wechselt sie nun wieder in die Opferrolle der betrogenen Lebensgefährtin. 

Wiederholt zeigt das ZDF, dass es bei Marie fängt Feuer nicht um die heile Welt geht, was mir persönlich gut gefällt. Das offene Ende macht gespannt auf die nächste Episode.

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7. Stürmische Zeiten (3.3)

Diese Folge startet mit einer nächtlichen Brandbekämpfung. Es brennt die Werkstatt von Altay (Vedat Erincin). Vieles deutet auf eine Brandstiftung hin. War es ein anderer Werkstatt-Betreiber, der seinen letzten Konkurrenten matt setzen will oder sogar Altay selbst, für den es schon lange nicht mehr gut lief und der das Versicherungsgeld einstreichen will.

Geschickt veranschaulichen die Macher von Stürmische Zeiten, was vorschnelle Schlüsse und Vorurteile anrichten können und wozu sie Menschen treiben. Dies ist genau die Situation, in der sich der populistische Lokalpolitiker Sepp (Rainer Furch) wohlfühlt. Doch tagsüber mit seinen Kumpels in der Kneipe Bier trinkend und rechtsradikale Sprüche klopfend ist ein mittlerweile zu abgegriffenes Bild für einen heutigen, fremdenfeindlich Gesinnten.  

Familiär durchlebt auch Marie stürmische Zeiten. Denn Philipp (Julian Looman), der leibliche Vater ihres Sohnes, wohnt jetzt in Wildegg und lernt seinen Sohn Max (Moritz Regenauer) kennen. Das ist nicht gerade förderlich für die Beziehung von Marie und Stefan (Stefan Murr).

Marie fängt Feuer
Wird die Beziehung von Marie und Stefan die stürmischen Zeiten überstehen? Foto: ZDF/Bernd Schuller

Doch egal wie verletzt Stefan auch sein mag, weil Marie ihn angelogen hat, die Figur des Kommandanten bekommt durch seine Handlungen einen gewaltigen Riss. Zuerst genehmigt er sich mehrere große Biere in der Kneipe und fährt anschließend mit seinem Bulli nach Hause. An dieser Stelle würde ich mir vom ZDF mehr Feingefühl wünschen. Hier wird nicht nur ein Klischee des Alkohol trinkenden Feuerwehrmannes genährt, sondern auch eine Straftat (Alkohol am Steuer) gezeigt. Dann leistet sich Stefan auch noch einen Seitensprung. Ob Marie oder die Zuschauer ihm das verzeihen können, bleibt abzuwarten. 

Nachdem die Ursache des Werkstattbrandes ermittelt ist und Klarheit zwischen den betroffenen Protagonisten schafft, enden die Stürmischen Zeiten mit einem Laternenumzug der Wildegger Bürger gegen Ausgrenzung und Fremdenhass. Das ZDF setzt hier klar ein Zeichen gegen Rassismus. Danke dafür!

6. Kleine Sünden (3.2)

Eins fällt in dieser Folge besonders auf: Obwohl Marie nach wie vor in der Kritik steht, sie am Boden zerstört ist und alles zu verlieren droht, setzt sie sich ohne zu zögern weiterhin für andere Menschen ein. Dadurch muss man sie als Person einfach gern haben.

Dieses Mal setzt sie sich für die berufliche Zukunft einiger Näherinnen ein. Eine Brandstiftung in der Näherei setzt sowohl die Frauen als auch den Betrieb vorübergehend matt. Daher organisiert Marie kurzfristig ein großes Nähen in der Fahrzeughalle der Feuerwehr, bei dem auch die Feuerwehrleute mit anpacken.

Ach ja: Auch Komik kommt in dieser Episode nicht zu kurz. Auch wenn die Filmemacher die komischen Szenen da eingebaut haben, wo man am liebsten weinen möchte. Mein Lob gilt daher den Darstellern, die durch ihr Wechselspiel zwischen Wut, Verzweiflung und dem unwiderstehlichen Drang laut loszulachen, überzeugt haben. Als Belohnung – auch für die Zuschauer – gibt es zum Schluss einen Funken Hoffnung… 

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5. Zweite Chance (3.1)

Mit Zweite Chance hat das ZDF die bisher ergreifendste Folge von Marie fängt Feuer rausgebracht. Eines der Hauptthemen ist die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Außerdem dreht sich diese Episode um Lügen, Wahrheiten und Vertrauensbrüche. Maries Vergangenheit hat sie schließlich eingeholt und erstmals steht sie im Mittelunkt der Kritik.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Mir persönlich hat diese Episode ausnehmend gut gefallen, weil wir erfahren, dass Maries Welt keine heile Welt ist und diese durchaus aus den Fugen geraten kann. Der Cliffhanger am Schluss macht gespannt auf den nächsten Film.

4. Nichts als die Wahrheit (2.2)

Fast passiert schon zu Beginn ein Unglück, als Marie und Stefan mit dem Bulli unterwegs sind. Stefan muss kräftig in die Bremsen treten, weil plötzlich ein kleines Mädchen mitten auf der Straße steht. Es ist eine der beiden Töchter ihres Feuerwehrkameraden Gerhard (Ferdinand Dörfler), dessen Frau an Krebs erkrankt ist. Diese will jedoch nicht, dass ihre beiden Kinder davon erfahren und sie in diesem schlechten Zustand sehen.

Dank Maries Hartnäckigkeit entlockt sie ihm dieses Geheimnis und findet schließlich auch eine Lösung für den überforderten Gerhard. Stefans Sohn Daniel, den wir bisher nur als grantigen Sturkopf kennen, passt zum Beispiel auf die beiden Mädchen auf, während Gerhard arbeitet. Durch die Trennung der Töchter von ihrer Mutter an seinen eigenen Verlust erinnert, zeigt Daniel endlich seine wahre Seite. Auch lehnt er Marie als Stiefmutter nicht mehr ab, weil sie ihn dabei unterstützt, Gerhards Familie wieder zusammenzuführen.

Einsatzleiter Stefan (Stefan Murr, 2. von links) überlässt es Marco (Gabriel Raab, Mitte), einen Vogel vom Baum zu retten. Foto: ZDF

Ein kleiner Tierrettungseinsatz lockert die Stimmung zwischendurch etwas auf. Feuerwehrmann und Dorfpolizist Marko (Gabriel Raab) darf einen exotischen blauen Vogel vom Baum retten. Anschließend ziehen ihn seine Kameraden als Vogelflüsterer auf. Haken wir das mal unkommentiert unter Feuerwehrhumor ab.

Gerhards schwierige Situation gipfelt darin, dass eine seiner Töchter in einen trockenen Brunnen fällt. Das richtige Handeln ihrer Schwester, die Daniel anruft und dieser dann mit Max den Notruf absetzt, sorgt für die rechtzeitige Rettung durch die Feuerwehr. Gerhard gewinnt in dieser Folge zwar an Sympathie, aber dass kein Wort darüber verloren wird, dass er seine kleinen Töchter ohne Aufpasser alleingelassen hat, finde ich nicht in Ordnung. Jeder fühlt mit ihm, aber eine kleine Rüge hätte ich mir doch gewünscht.

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Während Gerhards Familiendrama glimpflich endet, bahnt sich ein neues an. Wir erfahren, dass Philipp, der geheimnisvolle Mann aus München, der Vater von Max ist. Als Marie etwa 16 Jahre zuvor von ihm schwanger wurde, wollte Philipp kein Kind und hatte Marie zu einer Abtreibung geraten. Daraufhin trennte sie sich von ihm, brachte Max zur Welt und verschwieg es Philipp.

Max denkt, dass sein Vater gestorben ist. Als Philipp unvermittelt in Wildegg auftaucht, kann Marie gerade so die Begegnung zwischen Vater und Sohn verhindern. Moralisch war ihr Schweigen sicherlich eine schwierige Entscheidung, aber weil wir noch nicht alle Hintergründe kennen, wäre ein Urteil meiner Meinung nach verfrüht.

Marie (Christine Eixenberger, links) versucht mit Stefan (Stefan Murr, 2. von links) nach der Rettung des kleinen Mädchens über ihre Probleme zu sprechen. Foto: ZDF/Bernd Schuller

3. Allein war gestern (2.1)

Teil 3 startet mit einem durch Wildegg laufenden Pferd, dass einen Verkehrsunfall verursacht. Die Feuerwehr rückt aus, um ausgelaufene Betriebsmittel aufzunehmen. Beim zweiten Einsatz wird es richtig ernst. Ein Pferdestall steht in Flammen, in der Marie noch eine Person vermutet, nämlich die Besitzerin des Pferdehofs. Sowohl die kurzen und knappen Befehle des Einsatzleiters als auch das geschäftige Agieren der Darsteller sorgen für die nötige Spannung. Tatsächlich liegt die Besitzerin bewusstlos im Stall. Zwei Atemschutzgeräteträger Retten sie.

Zu dem Brand ist es gekommen, weil der Frau der Strom abgestellt wurde und sie den Stall mit einer Petroleumlampe ausgemistet hat. Die dritte Folge dreht sich nämlich um das brisante Thema Altersarmut. In einigen Szenen musste ich schwer schlucken, um das Gesehene zu verdauen. Das ist unter anderem dem großartigen Spiel von Katharina Thalbach zu verdanken, welche die verarmte Witwe Luisa spielt, die ihren Pferdehof nicht mehr finanzieren kann und hungert. Da Marie ihr viele schöne Kindheitserinnerungen verdankt, lässt sie nicht eher locker, bis Lösungen für Luisas Probleme gefunden sind.

Langsam entwickelt sich Marie zur guten Fee von ganz Wildegg. Aber ein leichter Schatten fällt auf die Idylle. Denn als sie mit Angie in München ihren Erste Hilfe-Schein macht, trifft sie auf einen Mann namens Philipp (Julian Looman), den sie offenbar von früher kennt. Dass sie selbst Angie nichts über ihn erzählen will und dass ihr dieses Wiedersehen eine schlaflose Nacht beschert, lässt nichts Gutes erahnen.

Marco (Gabriel Raab, mit Atemschutz) rettet im Beisein von Gerhard (Ferdinand Dörfler, links) und Stefan (Stefan Murr, 3. von links) Luisa (Katharina Thalbach, 2. von rechts) aus einer brennenden Scheune. Foto: ZDF/Bernd Schuller

2. Vater sein dagegen sehr (1.2)

Der Verkehrsunfall zu Beginn der Folge entpuppt sich als realitätsnahe Übung mit Verletztendarstellern im Auto und Rauch aus dem Motorraum. Marie und Angie, die beiden ersten Feuerwehrfrauen in der Feuerwehr Wildegg, sollen die Beifahrertür mit einem hydraulischen Spreizer öffnen. Doch das gelingt offenbar nicht schnell genug.

Den lockeren Spruch, sie sollten lieber noch ein bisschen auf dem Schrottplatz üben, habe ich zuerst für einen Scherz gehalten. Doch im Lauf der Folge fahren Angie und Marie tatsächlich zu einer Werkstatt, zahlen dem Besitzer 50 Euro und trainieren mit einem akkubetriebenen Hydraulikspreizer an einem Schrottauto.

Im Vordergrund dieses zweiten Teils von Marie fängt Feuer steht jedoch nicht die Feuerwehr, sondern vielmehr Familien- und Beziehungsdramen. In Maries erstem Einsatz rettet sie über eine Drehleiter ein Mädchen, das auf ein Dach geklettert war, weil es herausgefunden hatte, dass ihr Papa nicht ihr leiblicher Vater ist. Marie unternimmt alles, um der scheinbar zu zerbrechenden Familie zu helfen.

Dabei kriselt es zwischen Marie und Stefan selbst gewaltig. Stefan überlegt nämlich, einen gut bezahlten Job in 80 Kilometern Entfernung anzunehmen. Auch der frisch pensionierte und ehemalige Feuerwehr-Kommandant Ernst kabbelt sich mit seiner Frau Irene (Saskis Vester) im Haushalt. Außerdem stehen Stefans Sohn Daniel (Jonas Holdenrieder) und Maries Sohn Max (Moritz Regenauer) auf dasselbe Mädchen, was ihre Freundschaft ins Wanken bringt. Manche dieser Beziehungskisten regeln sich von selbst und bei manchen hat Marie ihre Finger im Spiel.

Dramatischer Höhepunkt ist das Verschwinden des vermeintlichen Vaters des von Marie geretteten Mädchens. Die Mutter vermutet, dass er sich etwas antun will, weil er die Wahrheit über seine nicht leibliche Tochter erfahren hat. Kurzerhand lässt Marie alle Feuerwehrleute zusammenrufen, um eine Suchaktion zu starten. Auch wenn es sich nicht um einen offiziellen Einsatz handelt, helfen natürlich alle Kameraden mit und begeben sich auf die Suche nach dem Verschwundenen. „Wer hilft, der findet“, könnte ein Fazit dieser Folge lauten.

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1. Für immer und ewig (1.1)

Mit einem Feuerwehrmann, der sich in Uniformjacke, Feuerwehr-Mütze und Boxershorts ein Bier aus dem Kühlschrank holt, macht das ZDF gleich zu Beginn der ersten Folge seinen Standpunkt klar, wie die Serie Marie fängt Feuer zu nehmen beziehungsweise zu sehen ist: nämlich nicht ganz so bierernst. Doch der erste Eindruck prägt sich bekanntlich ein. So dürften bereits die ersten Minuten bei einigen Feuerwehrleuten ein leichtes Unbehagen beim Zusehen auslösen. 

Der oben genannte Feuerwehrmann ist Ernst (Wolfgang Fierek), Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wildegg. Seine Tochter Marie (Christine Eixenberger), die kein aktives Feuerwehrmitglied ist, will den künftigen Kommandanten Stefan (Stefan Murr) heiraten. So verwundert es nicht, dass die Handlung der Serie am Tag des Polterabends startet, der selbstverständlich im Feuerwehrhaus gefeiert wird. Marie und Stefan haben jeweils aus erster Ehe einen Sohn (14 und 15 Jahre).

Durch eine fahrlässige Brandstiftung der beiden Jungs in einer Scheune wird die Party auf ihrem Höhepunkt unterbrochen. Alle Kameraden, die sich zuvor mit Bier und Schluck reichlich zugeprostet hatten, schwingen sich, ohne zu zögern in ihre Einsatzkleidung. Kommandant Ernst fragt immerhin in die Runde, wer noch fahren kann. Als sich keiner der Feuerwehrleute meldet müsste klar sein, dass auch niemand von ihnen mehr in den Einsatz geht, egal in welcher Funktion – auch Ernst nicht.

Marie fängt Feuer
Marie (Christine Eixenberger) und Stefan (Stefan Murr) wollen in der ersten Folge eigentlich heiraten. Doch ein Brand verhindert die Hochzeitsfeier. Foto: ZDF

Schließlich steuert Maries Freundin Angie (Sylta Fee Wegmann) das Löschgruppenfahrzeug (LF) zum Brandort. Was nun folgt, entbehrt jedoch jeglichem Realismus: Der alkoholisierte Kommandant rennt – zwar unter Atemschutz – aber ohne auf seinen Truppmann zu warten – in die brennende Scheune und rettet seinen Enkel. Schließlich zieht Stefan als zweiter Atemschutzgeräteträger seinen eigenen Sohn aus den Flammen. Wenig später sitzt er in seinen verrauchten Einsatzklamotten an dessen Krankenhausbett. Kontaminationsverschleppung oder Schwarz-Weiß-Trennung spielen offenbar keine Rolle.

Auch mit Klischees knausern die Filmemacher nicht. Ernsts Ausspruch, als er ausschließlich neue männliche Mitglieder rekrutieren will, „Solange ich der Chef von dem Verein bin, bleibt des a weiberfreie Zone“, wirkt ein wenig überspitzt und sollte nicht zu wörtlich genommen werden. Weil die Feuerwehr Wildegg zu wenige Mitglieder hat und eine Schließung beziehungsweise Zwangsfusion drohen, bricht Ernst kurze Zeit später erfreulicherweise seine eigene Regel. Als eine seiner letzten Amtshandlungen nimmt er Marie und Angie als aktive Feuerwehrfrauen in die Einsatzabteilung auf. Die FF ist gerettet.

Lichtblick der ersten Folge ist meiner Ansicht nach die Hauptdarstellerin. Christine Eixenberger überzeugt in ihrer Rolle und verkörpert Eigenschaften, die jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann mitbringen sollte wie: Engagement für eine gute Sache, Empathie, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und kein Blatt vor den zu Mund nehmen.

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