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Feuerwehr muss CSA aus dem Umland ordern

Riesiger Gefahrguteinsatz im Hamburger Hafen

Hamburg – Gefahrguteinsatz XXL für die Feuerwehr Hamburg: Von Mittwoch, 8.20 Uhr bis Donnerstag, 3 Uhr hielt ein mit Säure gefülltes und beschädigtes Fass in einer Logistikhalle auf dem Gelände des Roßhafen Terminals mehr als 200 Einsatzkräfte in Atem. 19 Arbeiter wurden vorsorglich ins Krankenhaus befördert, um ein noch 24 Stunden später auftretendes mögliches toxisches Lungenödem sofort erkennen zu können.

Von Timo Jann

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Zunächst waren am Mittwochmorgen in einer der vielen Hallen auf dem weitläufigen Areal am Roßweg zwei Gabelstapler zusammengestoßen. Die Gabel des einen Fahrzeugs zerfetzte dabei ein Fass mit giftiger Säure auf einer Palette auf der Gabel des anderen Staplers. Etwa 200 Liter des Gefahrstoffes (UN-Nummer 2924) liefen daraufhin aus, verteilten sich großflächig auf dem Boden und reagierten mit der feuchten Luft zu einer giftigen Nebelwolke. Allerdings lagen der Feuerwehr zunächst über Stunden keine Erkenntnisse zu dem genauen Stoff vor.

Auf dem weitläufigen Gelände des Roßhafen Terminals in Hamburg rückten rund 200 Kräfte der Feuerwehr zum aufwendigsten Gefahrstoff-Einsatz in Hamburg seit Jahren an. (Bild: Timo Jann)

Nach ersten Messungen an der Einsatzstelle veranlasste der Umweltdienst der Hamburger Feuerwehr eine vorsorgliche Warnung der Bevölkerung. Von Steinwerder aus zog die große Nebelwolke in Richtung Hafencity, Veddel und Wilhelmsburg. „Die Meldung erfolgte vorsorglich, an Messpunkten in der Umgebung hatten wir keine relevanten Messergebnisse, die auf eine ernste Gefahr außerhalb der Halle hinwiesen“, sagte Martin Schneider, Sprecher der Feuerwehr Hamburg, dem Feuerwehr-Magazin.

Allerdings stellte die ausgelaufene Säure die Feuerwehr vor große Herausforderungen. Schneider: „Unseren ursprünglichen Plan, die ausgelaufene Flüssigkeit mit Ölbindemittel aufzunehmen, mussten wir verwerfen. Nach der Erkundung durch einen Trupp, der sich durch Chemikalienschutzanzüge und Atemschutzgeräte geschützt hatte, war klar, dass die Säure sich großflächig auch unter den umstehenden Palettenstapeln auf etwa 15 Metern verteilt hatte.“ Dort konnte das Gefahrgut nicht abgestreut werden. Allerdings begann die Säure, Folien von verpackter Fracht und das Holz der Paletten anzugreifen. „Langsam, aber deutlich erkennbar“, so Schneider. Tests ergaben, dass sich Jod-Wasserstoff gebildet hatte. „Das ist vergleichbar ätzend wie Salzsäure“, so Schneider. Problem: Die Retter konnten die Paletten nicht einfach umsetzen, weil sie die Gefahr damit noch weiter verteilt hätten.

Vom Löschboot „Branddirektor Westphal“ aus wurde das Wasser an Land gepumpt, um die Säure verdünnen zu können. (Bild: Timo Jann)

Daraufhin wurde am Nachmittag das Löschunterstützungsfahrzeug (LUF) angefordert, das über ein leistungsstarkes Gebläse verfügt. Damit sollte der Reaktionsnebel aus der Halle ins Freie geblasen werden. An der Pier machte das Löschboot „Branddirektor Westphal“ fest, um die Gefahrstoffwolke mit Wasser niederzuschlagen und zu verdünnen. Eine Lauge zur Neutralisierung der Säure konnte nicht beschafft werden. „Das ist eine extrem personalintensive Arbeit hier, wir müssen unsere Kräfte regelmäßig austauschen“, sagte Schneider. Vorsorglich fragte die Feuerwehr Hamburg in den benachbarten Landkreisen die Verfügbarkeit von Chemikalienschutzanzügen an. „Unsere Anzüge gingen langsam zur Neige und wir wollten vorbereitet sein“, so Schneider.

Kräfte der FF Blankenese besetzten während des Einsatzes einen Messpunkt, um mögliche Schadstoffausbreitungen schnell erkennen zu können. (Bild: Timo Jann)

Schließ setzte die Einsatzleitung auf das, was bei der Brandbekämpfung gerne mit „ozeanischer Löscheffekt“ beschrieben wird: Die Halle wurde ausgiebig gespült, die Säure so verdünnt. Gegen 0.30 Uhr konnten die Maßnahmen beendet werden, um 3 Uhr gab es letzte Kontrollmessungen der Feuerwehr. Schneider: „Das Zeug war derart aggressiv, dass wir reichlich Material aussondern müssen.“ Selbst Räder der „Ameisen“, also der Palettenhubwagen, zersetzten sich.

Einen vergleichbaren Gefahrstoff-Einsatz hatte es in Hamburg seit Jahren nicht mehr gegeben.

 

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