Berlin – Bei einem Wohnungsbrand in einem Hochhaus in Berlin-Friedrichsfelde, Bezirk Lichtenberg, ist am Mittwochabend ein neun Monate alter Säugling ums Leben gekommen. Die Berliner Feuerwehr rettete rund 60 bis 70 Bewohner aus dem stark verrauchten Gebäude und brachte acht Menschen in Krankenhäuser. Mehr als 20 Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar.
Rauchausbreitung an der Fassade: Aus einer Wohnung im dritten Obergeschoss des Hochhauses in der Dolgenseestraße schlugen Flammen, rund 170 Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr waren im Einsatz. (Bild: Berliner Feuerwehr)
Kurz vor 20 Uhr ging der Alarm aus dem rund 20-geschossigen Wohnhaus in der Leitstelle ein. Beim Eintreffen der ersten Kräfte stand eine Wohnung im dritten Obergeschoss im Vollbrand. Flammen schlugen aus den Fenstern, während sich Rauch bereits im gesamten Treppenraum und über mehrere Geschosse ausgebreitet hatte. Jede Etage verfügt über acht Wohnungen.
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Mit zwei C-Rohren, eines im Innenangriff, eines über eine Drehleiter im Außenangriff, begannen die Einsatzkräfte die Brandbekämpfung. Rund 20 Trupps unter Atemschutz arbeiteten im Gebäude. Parallel zur Brandbekämpfung evakuierte die Feuerwehr das Haus und kontrollierte etwa 60 Wohnungen.
Im Hausflur nahe der Brandwohnung fanden Feuerwehrkräfte eine 26-jährige Anwohnerin und ihre beiden Kinder bewusstlos. Der Rettungsdienst transportierte alle drei Personen unter Reanimationsbedingungen in Kliniken. Das neun Monate alte Baby verstarb tragischerweise trotz eingeleiteter Maßnahmen. Die Mutter und ihr fünfjähriger Sohn befinden sich weiterhin in kritischem Zustand. Acht Menschen brachte die Feuerwehr in Krankenhäuser. Weitere 40 Bewohnerinnen und Bewohner wurden nach Polizeiangaben am Ort ambulant behandelt.
Aufgrund der Vielzahl an Betroffenen alarmierte die Leitstelle frühzeitig ein Modul zur Bewältigung eines Massenanfalls von Verletzten. In der Spitze standen rund 170 Einsatzkräfte im Einsatz, darunter 8 Führungsdienste, 12 LHF, 2 DLK, 5 NEF, 18 RTW, 2 GW RettMat, 2 GW San sowie weitere Sonderfahrzeuge.
Nach Angaben der Feuerwehr stand in der Brandwohnung deutlich mehr Inventar als üblich. Nach derzeitigem Ermittlungsstand brach das Feuer in der Wohnung des 75-jährigen Mieters aus, der sich selbst ins Freie rettete. Die Polizei berichtet, dass ein Portier gegen 20 Uhr einen ausgelösten Brandmelder in einer Wohnung gehört und eine starke Rauchentwicklung wahrgenommen hatte.
Mehr als 20 Wohnungen sind derzeit nicht bewohnbar, 21 Einheiten wurden polizeilich gesperrt. Teilweise fehlen Strom oder Wasser, andere Wohnungen sind stark verraucht. Der Aufzug ist außer Betrieb, ein Teil der Heizungen wurde abgeschaltet. Das Bezirksamt richtete eine Notunterkunft in einer nahegelegenen Turnhalle ein. Acht Betroffene brachte das landeseigene Wohnungsunternehmen Howoge in einem Hotel unter.
Für Angehörige der Verletzten sowie betroffene Bewohner standen Teams der psychosozialen Notfallversorgung und Seelsorger bereit. Die Berliner Feuerwehr alarmierte zudem ein Einsatznachsorgeteam für die eigenen Kräfte. Der Einsatz stellte nach Angaben der Feuerwehr eine nicht alltägliche psychische Belastung dar.
Das Gebäude ist nach derzeitigen Angaben nicht einsturzgefährdet. Zur Brandursache führt ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes die Ermittlungen. Der Brand ist inzwischen gelöscht.