Montag, 24. Juli 2017

Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus

6. März 2017 von  

Feuerwehrhäuser werden kontaminiert – offensichtlich und unsichtbar. Gerade im nicht erkennbaren Schmutz liegt die große Gefahr. Schadstoffe der Einsatzstelle können so bis ins heimische Schlafzimmer gelangen. Schuld sind meist die eigene Nachlässigkeit und eine fehlende Schwarz-Weiß-Trennung. Konsequentes Handeln und bauliche Maßnahmen im Sinne der Schwarz-Weiß-Trennung können ein Gerätehaus zur Schleuse zum Schutz vor einer Schadstoff-Verschleppung machen.

So wir hier im Feuerwehrhaus Dortmund-Asseln kann schon durch die Auswahl der Spinde eine Trennung zwischen privater Kleidung und Persönlicher Schutzausrüstung erfolgen. Foto: Patzelt

Mitten in der Nacht wird eine freiwillige Feuerwehr alarmiert. Die Kameraden, die 20 Minuten vorher noch zuhause im Bett gelegen haben, stehen jetzt am Strahlrohr. Sie bekämpfen einen kleinen Brand in einer Wohnung, tragen Atemschutz und die komplette Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Schon nach kurzer Zeit meldet der Trupp „Feuer aus“. Insgesamt dauert es nicht mal 90 Minuten, bis die Freiwilligen wieder in den heimischen Betten liegen. Ein leichter Geruch von Brandrauch liegt in der Luft.

Die Schadstoffe aus diesem Rauch haften an der Haut und an den privaten Kleidungsstücken, die die Einsatzkräfte unter der PSA getragen haben. „Das ist die typische Kontaminationsverschleppung: Schadstoffausdünstungen aus der Schutzkleidung werden wegen fehlender Schwarz-Weiß-Trennung auf saubere Kleidung übertragen und bis nach Hause mitgeschleppt“, erklärt Christian Schröder, Stellvertretender Referatsleiter Umweltschutz der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb). „Jeder kennt doch die Situation, dass nach einer Feier, auf der viel geraucht worden ist, die Kleidung noch tagelang danach riecht.“

Kontaminationsverschleppung beginnt direkt am Einsatzort und führt weiter ins Fahrzeug und schließlich ins Feuerwehrhaus. „Hier gilt es, zwischen Fehlern und Ursachen zu unterscheiden“, betont Schröder.

PSA Feuerwehr ein großer Schadstoff-Verschlepper

Zu den häufigsten Fehlern zählen die nicht vorhandene räumliche und einrichtungstechnische Trennung zwischen Einsatz- und Sozialbereich (Schwarz-Weiß Trennung) sowie fehlende Schränke mit Belüftung zum Trocknen der Einsatzkleidung. Als Ursachen sieht Schröder unter anderem, dass alte Gerätehäuser oft zu wenig Platz für Umbau-Maßnahmen haben. So lässt sich keine Schwarz-Weiß-Trennung einrichten. Außerdem würden Führungskräfte nicht konsequent auf die Umsetzung der Schwarz-Weiß-Trennung hinwirken.

„Insbesondere bei den freiwilligen Feuerwehren fehlt genügend Einsatzkleidung, um kontaminierte Persönliche Schutzausrüstung umgehend auszutauschen“, ergänzt Schröder. Dabei ist die PSA Feuerwehr der größte Schadstoff-Verschlepper überhaupt. Hierzu zählen insbesondere die Einsatzstiefel. Ein Klassiker der Kontaminationsverschleppung ist der Transport von verschmutzter Einsatzkleidung im Privat-Pkw. Einige Kameraden führen Bestandteile der PSA dauerhaft im eigenen Pkw mit. Andere transportieren stark verdreckte Kleidung zum Beispiel zur Kleiderkammer. Dabei sollte immer gelten: Kontaminierte Kleidung darf das Feuerwehrhaus, bestenfalls sogar die Fahrzeughalle, ausschließlich in verschließbaren Säcken oder Behältern verlassen.

Einfach, aber effektiv: Eine Garderobe in der Halle montieren und kontaminierte Einsatzkleidung bis zur Reinigung hier aufhängen. Foto: Patzelt

Unterschätzt wird auch die Gefahr, die von kontaminierten Helmen ausgeht. Es gibt Wehren, in denen die Helme noch nie gründlich gereinigt wurden. Einfaches Abwischen reicht in den seltensten Fällen. Weitere Maßnahmen zur einfachen Schwarz-Weiß-Trennung:

  • Reinigung von kontaminierter PSA auch nach geringer Brandrauch-Anhaftung
  • Stiefel gründlich reinigen, Schmutz und Ruß eventuell mit wässriger Seifenlösung abwaschen
  • Einsatzstiefel nur nach gründlicher Reinigung mit Pflegemittel behandeln
  • Noch im Feuerwehrhaus duschen, bevor die private Kleidung – idealerweise frische Wechselkleidung – wieder angezogen wird
  • Klare Abtrennung zwischen Einsatz- und Sozialbereich im Gerätehaus

Ruß auf der Haut sollte im ersten Schritt mit kaltem Wasser und Seife abgespült werden. Optimal ist es, wenn eine Grobreinigung schon am Einsatzort erfolgen kann. Wenn die sichtbare Verunreinigung beseitigt ist, kann die gründliche Körperreinigung durchgeführt werden.

Nach dem Feuerwehr Einsatz in die Schleuse

Räumliche Trennungen im Sinne der Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus funktionieren ganz einfach: In der Fahrzeughalle muss die PSA oder Dienstbekleidung mit Schutzfunktionen getragen werden. Im Gruppenraum und Büros ist das Tragen von PSA verboten. „Insbesondere der Wechsel des Schuhwerks spielt eine wichtige Rolle“, weiß Mark Wellner von der Baltes Schuhtechnik und Arbeitsschutzprodukte GmbH. „Kehrt die Mannschaft vom Einsatz zurück, sollte nicht nur die Einsatz- gegen Dienstkleidung, sondern vor allem der Feuerwehrstiefel gegen einen Dienst- oder Sicherheitsschuh gewechselt werden.“

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In der Hauptfeuerwache in Ratingen (NW) wird kontaminierte Einsatzkleidung durch Schächte aus der Fahrzeughalle direkt in Container befördert. Foto: Hegemann

Über das Schuhwerk wird der Schmutz der Einsatzstelle im gesamten Feuerwehrhaus verteilt. Aber auch der Dienstschuh sollte gewisse Anforderungen erfüllen: Zehenschutz nach EN 20345 für Sicherheitsschuhe mit S2-Kennzeichnung, mit zusätzlichem Durchtrittschutz mit S3-Kennzeichnung. „Besonders beliebt sind Sicherheitsschuhe mit Klettverschluss zum schnellen An- und Ausziehen“, sagt Wellner.

Als Schleuse für die Bekleidungstrennung dient der Umkleideraum. Es sollten Spinde installiert sein, die eine Trennung von Privat- und Einsatzkleidung ermöglichen. Dies ist notwendig, weil die Kontaminationsverschleppung nicht nur direkt nach dem Einsatz geschehen kann.

Das ist für Neubaumaßnahmen auch baulich vorgeschrieben. Die DIN 14092 „Feuerwehrhäuser“ fordert in Teil 1 „Planungsgrundlagen“ eine Schwarz-Weiß-Trennung zur Vermeidung der Verschleppung von Kontamination nach Einsätzen zwischen Fahrzeughalle und Verwaltungstrakt.

„Die klassische Schwarz-Weiß-Trennung in Industriebetrieben sieht sogar eine Trennung der Spindräume für saubere Kleidung und schmutziger Arbeitskleidung mit dazwischen liegenden Wasch- und Duschräumen vor. Die Spindräume haben jeweils einen eigenen Zugang von außen“, erklärt Heinrich Wess, Architekt der S3-Sasse-Stein-Sasse-GmbH in Bremen. Wess plant und realisiert Neu- und Umbaumaßnahmen von Feuerwehren in ganz Deutschland. Außerdem arbeitet er im Normenausschuss Feuerwehrwesen (FNFW) des Deutschen Instituts für Normung mit.

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„Bei der Feuerwehr spielt die Zeit im Alarmfall eine wichtige Rolle. Deshalb wird die Einsatzkleidung zusammen mit Privat- oder Dienstkleidung aufbewahrt, um das Umziehen zu beschleunigen“, sagt Wess. Aber gerade auf dem Rückweg nach dem Einsatz sollte es auch bei freiwilligen Feuerwehren eine räumliche „Schleuse“ geben, wo kontaminierte Kleidung in Behälter aufgenommen oder zum Trocknen aufgehängt werden kann.

Schwarz-Weiß-Trennung bei Neubau gefordert

„Bei neuen Wachen von Berufsfeuerwehren oder Wehren mit hauptamtlicher Wachbereitschaft liegen die Sozialräume im Gegensatz zu den Feuerwehrgerätehäusern der Freiwilligen nicht zwingend in der Nähe der Fahrzeughalle“, erzählt Wess. „Entsprechend werden Schleusen zur Schwarz-Weiß-Trennung heute bei Neubauplanungen und Sanierungsmaßnahmen gefordert.“

Diese Schleusen bieten nicht nur eine Ablagemöglichkeit kontaminierter Kleidung, sondern auch direkte Zugänge zu Dusch- und Sanitärräumen. Und von da aus besteht eine direkte Verbindung zu den Spindräumen mit Privat- oder Dienstkleidung.

Bei Umbau- und Sanierungsmaßnahmen kann die Schwarz-Weiß-Trennung nicht immer bewerkstelligt werden.

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Schuhe aus! Die minimale Maßnahme muss sein, das Tragen von Einsatzkleidung im Sozialtrakt zu verbieten. Foto: Patzelt

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Kommentare

4 Kommentare zu “Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus”
  1. WW-Grisu sagt:

    Das klingt ja alles wunderschön, aber dazu bräuchten die Mitglieder einer freiwilligen Feuerwehr erst einmal doppelte PSA. Bei uns gibt es noch nicht einmal für alle Atemschutzgeräteträger in der VG eine Hupf-Überhose für den Innenangriff.
    Oder die Mitglieder der Stützpunktwehr ziehen sich in der Fahrzeughalle um, in der 3 Großfahrzeuge (2 davon um die 30Jahre alt) ohne Absauganlage stehen und angelassen werden.

  2. Jean sagt:

    SW Trennung ist ein nicht wirklich neues Thema und wirklich sinnvoll, alledings ist es vielfach nicht umzusetzen. Aus meiner aber auch anderen Wehren ist mir bekannt das es zum einen die Gerätehäuser nicht hergeben, weder vom Spindraum noch den sanitären Einrichtungen, desweiteren muss jeder einzeln in seinem privat PKW die konatminierte PSA zur Kleiderkammer fahren, klar kann man die in nen Sack packen, aber wenn man die nach nem Einsatz mit nimmt um die vielleicht am nächsten morgen zu tauschen, dünstet die trotz Sack im Kofferraum aus. Wenn man das überhaupt schafft die zeitnah zu tauschen weil man zu den Kammeröffnungszeiten arbeiten muss. Das gewichtigere Problem ist jedem nicht genügend Ersatz PSA zeitnah zur Verfügung steht, die muss erst auf der Kammer geholt werden, natürlich im Tausch gegen die kontaminierte… Wenn welche in der eigenen Größe da ist sonst ist man halt nicht einsatz bereit. Zum direkten Tausch und damit meine ich nicht nur die Nomex Oberbekleidung sondern auch die normale blaue Uniform die man drunter trägt hat man nicht genügend Wechselkleidung, es sei denn man hat privat beschafft, die Einsatzstiefel muss man auch in der Wache tragen, da Tagesdienst Schuhe für die FF nicht beschafft werden, weil kein Geld dafür da, klar kostet auch ne Stange wenn in einer Stadt zusätzlich zu den Einsatzstiefel für jeden noch Tagesdienstschuhe in ca. ner Höhe von 100,- € gekauft werden müssen und das für ein paar Hundert Leute zumal dann ja auch wieder regelmässig Ersatz beschafft werden muss.
    So wie aktuell die Lage ist müssten die Leute für eine strenge Auslegung der SW Trennung selbst noch PSA beschaffen damit es möglich ist das so durch zu führen. Das wiederum kann nicht sein, das die Leute die sich eh schon den Hintern für das Ehrenamt aufreissen noch mal ihren privaten Geldbeutel dafür mal wieder ihren Geldbeutel öffnen müssen.
    Wenn man eine schlagkräftige FW will die zudem auch gesund bleiben soll, dann muss man nicht nur in Fahrzeuge oder Wachen investieren sondern auch nicht nur in eine moderne und qualitative PSA sondern auch eine die quantitativ zur Verfügung steht.

  3. Mr. Y. sagt:

    @Jean:

    Du kannst ja mal vorschlagen, dass bei einem Einsatz außerhalb der Kleiderkammeröffnungszeiten die Kleiderkammer mitalarmiert wird. Das hat den Vorteil, dass direkt nach dem Einsatz mit dem FW-Fzg die schmutzige Kleidung abgeliefert werden kann und dass die FA’s direkt wieder einsatzbereit sind. Dann haste die Sauerei nicht im Privat PKW und bist für Folgeeinsätze direkt bereit.
    So wird das bei uns gemacht. Hier ist der Kleiderwart auch ehrenamtlich. Wenn dann am Folgetag viel verschmutzte Kleidung zu waschen ist, unterstützt der hauptamtliche Gerätewart und macht tagsüber ein paar Maschinen wäsche 😉
    Das funktioniert soweit sehr gut.

    Weiterhin finde ich auch wichtig, dass man Kleidung, die mit Brandrauch beaufschlagt wurde, im Geräteraum oder auf der Pritsche/Ladefläche auf dem Einsatzrückweg verstaut. Zumindest die Jacken kann man da rein stopfen. Dann dünsten wenigstens die nicht im Mannschaftsraum aus.

    gruß

  4. Markus sagt:

    Theoretisch: Vollste Zustimmung.

    Praktisch: Nicht umsetzbar.
    Bei dem wohl weitaus größten Teil der (freiwilligen) Feuerwehren in Deutschland dürfte es sich um Wehren mit ca. 30 Kameraden und 1 bis 2 Fahrzeugen (MTW, TSF oder LF8/LF 10) handeln, die max. 10 Einsätze im Jahr fahren. Oftmals mit einer einfachen Garage als Unterkunft, an die bestenfalls noch in Eigenarbeit ein Aufenthaltsraum und eine Teeküche angebaut worden sind. Da haben die Kameraden im Regelfalle ihre PSA zu Hause an der Garderobe hängen, fahren mit dem Privat-Pkw zum Gerätehaus, (max.) 6 Mann besetzen das TSF und der Rest fährt mit dem Privatwagen zur Einsatzstelle hinterher.

    Um eine ordentliche SW-Trennung auch nur im Ansatz hinzubekommen, müsste
    1.) Wechselkleidung und Behältnisse für verdreckte Kleidung auf den Fahrzeugen mitgeführt werden
    2.) Auf mind. 1 Fahrzeug je Wehr eine Hygienestation vorhanden sein (für Grobreinigung)
    3.) Ausreichend Kapazitäten zum geordneten Personaltransport (MTW) vorhanden sein in Verbindung mit einer klaren Dienstanweisung, dass Einsatzstellen nicht im Privat-Pkw angefahren werden dürfen
    4.) Ein modernes Feuerwehrhaus mit Schleuse, Umkleideraum und Duschen vorhanden sein
    5.) Für jeden Kameraden mind. 1 Satz Ersatz-PSA sowie 1 Satz Dienstkleidung neben der PSA vorgehalten werden
    6.) Unmittelbar nach jedem Einsatz die Einsatzfahrzeuge, das komplette Gerät sowie das Feuerwehrhaus einer Reinigung unterzogen werden

    Da stellt sich die Frage, wie die kleine Dorffeuerwehr dieses finanziell (Fahrzeuge, bauliche Voraussetzungen, Kleidung) hinbekommen soll und bei letzterem Punkt dürfte das oft auch personell eine Herausforderung darstellen (> ehrenamtl. Gerätewarte, für einen Einsatz hat der Arbeitgeber bestenfalls noch Verständnis, für ein Fernbleiben von der Arbeit wegen Reinigungsmaßnahmen wohl eher nicht…).

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