Sonntag, 26. Juni 2016

Ölsperren: Tipps für die Beschaffung und den Einsatz

„Öl auf Gewässer“ – mit Ölsperren kann die Ausbreitung verhindert werden. Wir sagen, was bei Beschaffung und Handhabung von Ölsperren beachtet werden muss.

Ein Fluss, irgendwo in Deutschland. Grüne Ufer, Fische tummeln sich im Wasser, eine Entenfamilie beim Morgenausflug – Idylle pur. Doch was da gerade aus einem Abwasserkanal einströmt, wird gleich die beschauliche Szenerie empfindlich stören: mit Heizöl verunreinigtes Wasser, Herkunft unbekannt. Ein Angler bemerkt den Schaden und setzt einen Notruf ab. Alarm für die Ölwehr des Kreises. Der fünfzig Meter lange und sieben Meter breite Ölfilm treibt langsam flussabwärts. Für die Einsatzkräfte heißt es zunächst: An einem geeigneten Einschwimmpunkt Ölsperren setzen. Im besten Fall stehen hierzu Sperren zur Verfügung, die den Eigenschaften des Flusses entsprechen.

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Der Umgang mit Ölsperren muss systematisch erlernt und ständig geübt werden. Hier die Ölwehr des Kreises Verden (NI) beim Einschwimmen einer Sperre per Boot. Foto: Klöpper

„Schon bei der Beschaffung von Ölsperren wird viel falsch gemacht“, sagt Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Schemmel, Leiter der Lehrgruppe Umwelt an der Staatlichen Feuerwehrschule (SFS) Würzburg (BY). „Oft werden Fließgeschwindigkeit, Breite und Tiefe des jeweiligen Gewässers nicht berücksichtigt. Feuerwehren sollten sich daher vor einer Beschaffung gut informieren und die Beratung eines Fachmanns in Anspruch nehmen.“

Bei der Auswahl einer Ölsperre ist zuerst der Gewässertyp zu bestimmen. Dass eine Küsten-Ölsperre mit großer Eintauchtiefe nicht für einen Bach geeignet ist, leuchtet schnell ein. Wird in einem flachen, fließenden Gewässer der unter der Ölsperre verbleibende Restquerschnitt zu stark eingeengt, treten unter der Sperre zu hohe Fließgeschwindigkeiten auf. Folge: Das Öl wird unter der Sperre hindurch gedrückt. Daher sollte die unter der Ölsperre verbleibende Resttiefe noch ein Drittel der Gesamttiefe des Gewässers betragen.

Dies muss auch bei Festlegung der Sperrstelle beachtet werden. Geeignete Sperrstellen sollten an fließenden Gewässern des Einsatzgebietes am besten schon vorab erkundet und im Kartenmaterial der Feuerwehr entsprechend eingezeichnet werden. So sollten die Einsatzkräfte nicht dem Ölfilm hinterherfahren, sondern diesen an den Sperrstellen abfangen.

Einsatz von Ölsperren: Fließgeschwindigkeit berücksichtigen

Wichtig bei der Beschaffung von Ölsperren ist auch die Wahl der richtigen Länge. Diese ist nicht nur von der Gewässerbreite abhängig, sondern auch von der Fließgeschwindigkeit. Je schneller das Wasser fließt, desto länger muss auch die Ölsperre sein. Denn die senkrecht auf die Sperre wirkende Anströmgeschwindigkeit sollte zirka 0,3 Meter pro Sekunde nicht übersteigen. Um dies bei

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Transportmöglichkeit bei größeren Längen: Ölsperre auf Haspel. Foto: Optimal

einer hohen Fließgeschwindigkeit zu gewährleisten, muss der Einbringwinkel der Ölsperre entsprechend spitz und die Sperre daher auch länger sein. Erzielter Effekt: Trifft das Wasser im spitzen Winkel auf die Sperre, verringern sich Anströmgeschwindigkeit und damit die einwirkenden Kräfte. Nicht nur die Sperre selbst, auch die Haltepunkte – beispielsweise Erdanker – müssen hohe Zugkräfte aushalten. „Als Grundsatz gilt, dass Sperren in Fließgewässern auf keinen Fall rechtwinklig zum Ufer eingebracht werden dürfen“, so Schemmel.

Durch das Einbringen von mehreren Sperren kann ein noch besseres Zurückhalten des Öls erreicht werden. Der Abstand zwischen hintereinander angeordneten Ölsperren sollte dann aber mindestens sechs Meter betragen. Auf dieser Distanz kann Öl, das eine vorherige Sperre unterwandert hat, wieder auftauchen und durch die nächste Sperre aufgehalten werden.

„Oft wird der Schutz des Uferbereichs vernachlässigt“, gibt Umweltexperte Schemmel zu bedenken. „Wer beispielsweise die Ölsperre an einem zu hohen Haltepunkt befestigt, riskiert das Unterwandern der Sperre am Ufer.“ Zum Schutz des Ufers können noch zusätzliche Ölsperren sowie Vliese ausgebracht werden, um ein Eindringen des Öls in die Uferbefestigung zu verhindern. Grundsätzlich sollte das Öl zum Ufer mit der geringeren Fließgeschwindigkeit geleitet werden, um es dort mit einem Skimmer aufnehmen zu können.

Ölsperren: Flosse oder Zaun?

Feuerwehren verwenden als schwimmende Ölsperren meistens Tauchwandsperren. Diese bestehen entweder aus schlauchartigen Schwimmkörpern mit einer beschwerten „Kielflosse“ oder aus Sperrwänden mit integrierten oder außen montierten Auftriebskörpern sowie Gewichtselementen. Zu letzten Kategorie gehören etwa die so genannten „Fence Boom“-Konstruktionen (Fence ist das englische Wort für Zaun, Boom = Sperre). Hierbei handelt es sich um Flachkörper-Sperrwände mit Auftriebskörpern, die sich selbst tragen beziehungsweise in der ganzen Höhe ausgesteift sind. Als ein Vorteil dieser Systeme gilt die hohe Verwindungssteifheit in strömendem Wasser. Bei Sperren mit zylindrischem Auftriebskörper und Kielflosse weisen die Anbieter dagegen auf die besonders stabile Schwimmlage hin. Manche Firmen führen Produkte beiderlei Prinzips im Programm.

Als Füllung der Auftriebskörper von schwimmenden Sperren dienen Luft, Luftschaum oder leichter Kunststoff. Bei Luftfüllung sind die Lagerungs- und Transportmaße zwar im Vergleich zur entsprechenden Festkörper-Version geringer. Allerdings sind diese Sperren auch erst nach Befüllung einsetzbar. Oft bieten die Hersteller jeweils eine Festkörper- und eine Luftfüllungsversion desselben Modells an.

Die einzelnen Sperrensegmente können starr ausgeführt und durch entsprechende Gelenke anpassbar sein oder aus flexiblem Material gefertigt sein. Durch das Verbinden von Segmenten ist die Länge variierbar.

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Foto: Michael Rüffer

Eine Besonderheit stellen Systeme dar, bei denen Standard-Rollschläuche mittels Zubehör zu Ölsperren umfunktioniert werden können. Zwei mit Luft gefüllte Schläuche dienen als Auftriebseinheit, ein mit Wasser gefüllter Schlauch soll den entsprechenden Tiefgang bringen. Die Schläuche werden miteinander verschnürt und zu Wasser gelassen. Ein solches System bietet beispielsweise Firma Vetter (www.vetter.de) an. Gedacht für Feuerwehren ohne spezielles Ölwehrgerät, sind derartige Konstruktionen allerdings nicht mit fertigen Ölsperren vergleichbar. „Aus unserer Sicht nur eine Notlösung mit hohem Aufwand und zweifelhaftem Erfolg“, so Schemmel.

Ölsperren mit rein sperrender Wirkung werden als passive Systeme bezeichnet. Sie sind – nach entsprechender Reinigung – mehrfach verwendbar. „Allerdings auch nicht unbegrenzt“, warnt der Würzburger Ausbilder. „Einige Ölsperren füllen sich konstruktionsbedingt mit Wasser. Dadurch kann Öl beispielsweise in die Schwimmkörper gelangen und von dort nicht mehr entfernt werden.“

Neben den passiven sind auch aktive, ölbindende Sperren (Absorberoder Sorbentsperren) auf dem Markt, die nach einmaliger Verwendung ausgetauscht bzw. neu mit Bindemittel bestückt werden müssen. Sie sind nach Herstellerinformationen „bedingt wiederverwendbar“, wenn sie nach dem Einsatz ausgewrungen werden. Diese Systeme eignen sich für den Schnelleinsatz beziehungsweise für Restölmengen. Ein solches System bieten etwa die Firmen Hellmann Verpackungssysteme (www.x-oil.de) und RAW Handel und Beratungs GmbH an.

Speziell für den stationären Einsatz in Häfen und Industrieanlagen gedacht sind Druckluft-Ölsperren, zum Beispiel von Hydrotechnik Lübeck. Konstruktionsprinzip: Durch ein fest verlegtes Düsenrohr wird Luft nach oben geblasen, die entstehende Verwirbelung und der Wassersattel auf der Oberfläche verhindern ein Verdriften des Öls.

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