Dienstag, 25. Juli 2017

9 Fakten zur Löschwasserentnahme aus dem Netz

7. Februar 2017 von  

Bremen – Seit Juni 2016 liegt das neue Arbeitsblatt W 405-B1 „Bereitstellung von Löschwasser aus durch die öffentliche Trinkwasserversorgung“ des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) vor. Es wurde eigens für die Feuerwehren unter Mitarbeit der Feuerwehrvertretungen/-organisationen erstellt und gilt sowohl bei Einsätzen als auch beim Übungsdienst. Es soll die Arbeit der Feuerwehren erleichtern, Verschmutzungen des Trinkwassers oder Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung verhindern. Wir nennen die 9 Dinge, die Feuerwehrleute bei der Löschwasserentnahme aus öffentlichen Netzen beachten beziehungsweise wissen müssen. 

Som simpel lässt sich ein freier Einlauf in ein Güllefass herstellen. Foto: Thieme

So simpel lässt sich ein freier Einlauf in einen Tank herstellen. Foto: Thieme


Was gilt es bei der Löschwasserentnahme aus öffentlichen Netzen zu beachten? 

1. Ohne Sicherungsmaßnahmen darf kein Löschwasser aus dem öffentlichen Leitungsnetz entnommen werden. Nur durch dieses Vorgehen sind die Feuerwehren bei möglichen Rechtsstreitigkeiten auf der sicheren Seite. Diese Forderung leitet sich aus der Trinkwasserverordnung ab und ist keine neue Forderung. Die Tatsache ist vielen Einsatzkräften nicht bewusst.

2. Wenn verunreinigtes Fremdwasser (Flüssigkeits-Kategorie 5 nach DIN EN 1717, beispielsweise Wasser aus offenen Gewässern) zum Löschen genutzt wird, ist immer ein Zwischenbehälter mit Freiem-Auslauf zur Entkopplung vom Trinkwasser-Versorgungsnetz notwendig. Die gängigsten Zwischenbehälter sind mobile Faltbehälter. Offene Gewässer sind häufig mit Keimen und Bakterien belastet (beispielsweise Kolibakterien) und dann als Kategorie 5 einzustufen, auch wenn das Wasser extrem sauber und klar aussieht.Die Belastung lässt sich mit dem bloßen Auge nicht erkennen.

3. Wasser im Löschsystem (in den Schläuchen oder den Pumpen) ist grundsätzlich als Kategorie 4 nach DIN EN 1717 einzustufen. Unter Kategorie 4 fallen Flüssigkeiten, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen beispielsweise durch die Anwesenheit einer oder mehrerer giftiger oder besonders giftiger Stoffe  darstellen. Wenn das öffentliche Trinkwassernetz zur Löschwasserentnahme genutzt wird, ist deshalb für jeden Abgang eines Überflurhydranten beziehungsweise eines Standrohres ein Systemtrenner BA als Sicherungsarmatur einzusetzen. Ist dies nicht möglich, muss für die Schlauchstrecke bis zum freien Auslauf beziehungsweise zum Systemtrenner mindestens ein Rückflussverhinderer am Hydranten- oder Standrohrabgang eingesetzt werden.

4. Werden vor Erscheinen des Arbeitsblattes W 405-B1 beschaffte Rückflussverhinderer weiterhin eingesetzt (nach W405-B1 wird dies ausdrücklich als Übergangslösung zugelassen), so müssen immer zwei dieser Armaturen für jeden genutzten Abgang in Reihe eingesetzt werden (beispielsweise einer am Hydrant und einer am Fahrzeug). Alternativ dürfen auch Sammelstücke nach DIN 14355 mit federbelasteten Einzelklappen oder Einzelabsicherungen verwendet werden. Sie sind den Rückflussverhinderer gleichgestellt, wenn sie in Praxistests durch die Feuerwehr auf Rückflussdichtigkeit geprüft wurden. Bereits beschaffte Rückflussverhinderer dürfen bis zu ihrer Aussonderung weiter genutzt werden.

5. Beim Überflurhydrant, ausgenommen Fallmantel-Hydrant, ist an jedem genutzten Abgang eine Absperrarmatur anzuschließen.

bild1_edossier2016_trinkwasserschutz_1 Trinkwasserschutz durch Feuerwehren

Seit dem 19.04.2016 liegt die Endfassung des DVGW-Arbeitsblattes W 405-B1 „Bereitstellung von Löschwasser durch die öffentliche Trinkwasserversrogung“ vor. Es wurde eigens für die Feuerwehren erstellt. Wir sagen, welche Auswirkungen der Schutz des Trinkwassers auf Feuerwehreinsätze hat und wie nachgerüstet werden muss.

>>Hier geht es zum Download<<

6. „Unter ungünstigen Umständen können durch Löschwasserentnahmen beim Fehlen geeigneter Sicherungseinrichtungen infolge von Rückfließen Verunreinigungen in das Rohrnetz gelangen und die Fließverhältnisse im Rohrnetz beeinflusst werden. Dadurch kann die Trinkwasserqualität gestört werden“, heißt es im Vorwort des W405-B1. Insbesondere bei hohen Betriebsdrücken und kleinen Durchmessern in Stichleitungen können dynamische Druckänderungen zustande kommen, wenn hohe Löschwasservolumenströme schnell unterbrochen werden (beispielsweise durch zu schnell betätigte Kugelhähne). Kugelhähne also unbedingt langsam schließen. Vakuumbrecher helfen, Druckschläge zu vermeiden. Druckbegrenzungsventile helfen, statische Drücke im Löschsystem zu begrenzen und Druckstöße zu reduzieren.

7. Zur Löschwasserentnahme aus dem öffentlichen Trinkwassernetz sind Informationen beziehungsweise Vorgaben des Netzbetreibers einzuholen und zu beachten. Dies sollte grundsätzlich und im Vorfeld möglicher Einsätze geschehen.

Passend zum Thema: 

8. Wasserführende Fahrzeuge ohne „Freien Auslauf“ und ohne druckstoßarme Armaturen/Steuerungsautomatik haben durch das eingeschränkte Einsatzspektrum zukünftig einen geringeren Einsatzwert.

9. Die öffentliche Wasserversorgung dient in erster Linie der Trink­wasserversorgung! Die Feuerwehr muss sich daher bei der Nutzung zwingend an die Vorgaben (Entnahmebedingungen) des Eigentümers der Wasserversorgungsanlagen und die Vorgaben des DVGW halten.

Ein Feuerwehrmann bringt an einem Standrohr einen Systemtrenner BA an. Foto: Thieme

Ein Feuerwehrmann bringt an einem Standrohr einen Systemtrenner BA an. Foto: Thieme

Kommentare

3 Kommentare zu “9 Fakten zur Löschwasserentnahme aus dem Netz”
  1. Andreas sagt:

    Gut, dass für dieses Thema ein kostenloses Faltblatt geplant ist und an alle Feuerwehren verteilt wird. Denn diese beiden Sätze aus dem Artikel beschreiben wunderbar das ganze Problem: „Diese Forderung leitet sich aus der Trinkwasserverordnung ab und ist keine neue Forderung. Die Tatsache ist vielen Einsatzkräften nicht bewusst.“

    Leider wird gerade bei kleinen Feuerwehren und deren Kostenträgern viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müssen, dass Systemtrenner beschafft und verwendet werden. Da hilft nur Aufklärung!

  2. Das Problem ist nicht die Wasserentnahme durch die Feuerwehr, sondern die maroden Netze der Wasserversorger, insbesondere der privatisierten Wasserversorger, die sich jetzt die Feuerwehren ausgesucht haben, um Kosten abzuwälzen. Leider checken das die meisten Feuerwehrler und Politiker nicht, zumal da in der Lüneburger Ecke ein Brandmeister a.D. völlig unnötig die Trommel am lautesten schlägt. Auch eine Möglichkeit, noch eben schnell überregional bekannt zu werden.

  3. Hallo Herr Schröder. Es muss ja fast im Fasching sein, wenn man glaubt, ein marodes Netz eines Trinkwasserversorgers sei schuld daran, wenn über Hydranten Löschschaum und Keime ins Trinkwasser gelangen. Der Schaumfall Nordhorn oder „Fäkalien im Trinkwasser“ Düsseldorf sind doch nicht aus der Luft gegriffen. Auch Rohrbrüche durch Hydrantenentnahmen, verbunden mit schnell schließenden Armaturen und Ventile sind deutschlandweit protokolliert. Ich hätte einen Vorschlag: Lassen Sie uns gemeinsam die Problematik positiv im Sinne aller Beteiligten angehen und die schon seit langen geltenden Bestimmungen der Trinkwasserverordnung, des Infektionsschutzgesetzes, der DVGW- und DIN-Normen ins richtige Fahrwasser bringen.

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