Schweres Zugunglück bei Braunschweig

Braunschweig (NI) – Bei einem schweren Zugunglück sind am frühen Mittwochmorgen in Braunschweig 16 Menschen verletzt worden, drei von ihnen schwer. Ein Regionalzug war nach einem Zusammenstoß mit einem Lastwagen auf ein Feld gestürzt, teilten Polizei und Feuerwehr mit. Insgesamt befanden sich etwa 60 Menschen in der Bahn.

Wie die Bundespolizei mitteilte, hatte der Fahrer eines Lkw verbotenerweise die Bahngleise befahren. Der 53-Jährige hatte versucht eine Abkürzung zu nehmen, da das Tor einer Mühle, zu der er gelangen wollte, verschlossen war. Dabei hatte sich das Fahrzeug festgefahren. Der Fahrer stieg aus, um Hilfe zu holen. Ein aus Salzgitter kommender Zug (RB 14955) fuhr unterdessen mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h auf den stehenden, mit mehreren Tonnen Getreide beladenen Lkw auf. Großes Glück hatte dabei der Lokführer – er konnte sich mit einem Sprung gerade noch in Sicherheit bringen. Trümmer durchbohrten anschließend den Führerstand des Triebkopfes. Der Zug entgleiste.

Feuerwehr und Rettungsdienst waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Neben der Versorgung der Verletzten galt ein Augenmerk der Feuerwehr auslaufendem Öl und Diesel. Nicht verletzte Fahrgäste mussten betreut werden. Die Bundespolizei ermittelt gegen den Lkw-Fahrer wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr. (Fotos: Bundespolizei)

Der Regionalzug entgleiste nach dem Zusammenstoß mit einem Lkw. Foto: Nonstopnews
Der Regionalzug entgleiste nach dem Zusammenstoß mit einem Lkw. Foto: Nonstopnews
Ein Kommentar zu “Schweres Zugunglück bei Braunschweig”
  1. Michael Klöpper

    Pressemitteilung der Feuerwehr Braunschweig, vom 20.01.2010, 15.30 Uhr:

    16 Verletzte, davon drei schwer-, aber nicht lebensbedrohlich Verletzte – das ist das Re-sultat eines Unfalls zwischen einer Regionalbahn und einem LKW auf der Bahnstrecke im Bereich Rüningen.

    Um 07:38Uhr meldete eine Vielzahl von Anrufern einen Unfall im Bereich des Bahnüberganges Berkenbuschstraße, an dem ein Zug und ein LKW beteiligt sein sollten. Aufgrund der beschriebenen Situation ging man auf der Leitstelle der Feuerwehr gleich von einer Vielzahl verletzter Personen aus, so dass Einheiten der Südwache und Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr, die Ortsfeuerwehr Rüningen, 5 Rettungswagen, zwei Notärzte alar-miert wurden. Noch während der Anfahrt der Einsatzkräfte wurden weitere Rettungskräfte für den Massenanfall verletzter Personen (ManV) nachalarmiert.

    Den ersten Einheiten, die nach ca. 8 Minuten am Einsatzort eintrafen, kamen bereits zahl-reiche der insgesamt 58 Zuginsassen entgegen. Diese hatten, zumeist unverletzt, selbst-ständig den teilweise aus den Schienen gesprungenen Zug verlassen können. Drei Passa-giere hatten sich durch den Aufprall jedoch schwer verletzt und mussten durch die Ret-tungskräfte versorgt und an den Rettungsdienst übergeben werden. Der Lokführer hatte vor dem Aufprall eine Notbremsung eingeleitet und hatte sich im letzten Moment durch ei-nen Sprung nach Hinten auf den Boden retten können und konnte damit leicht verletzt den völlig zerstörten Führerstand selbstständig verlassen. Der LKW-Fahrer befand sich zum Zeitpunkt des Aufpralls nicht mehr im Fahrzeug und blieb unverletzt.

    Insgesamt wurden 16 Patienten durch Rettungswagen in die umliegenden Krankenhäuser und einige Arztpraxen transportiert. Insgesamt 58 Personen wurden in Räumlichkeiten der Mühle Rüningen versorgt und betreut, von denen 42 unverletzt waren.

    Zu dem Unfall kam es nach ersten Erkenntnissen, weil ein mit Getreide beladener LKW auf das Mühlengelände und dabei ein zu diesem Zeitpunkt noch verschlossenes Tor umfahren wollte. Hierfür wählte er den ungewöhnlichen Weg über das parallel verlaufene geschotter-te Gleisbett, in dem er nach ca. 50 m Fahrstrecke stecken blieb. Der Fahrer verlies umge-hend sein Fahrzeug und versuchte sich auf dem Mühlengelände andere LKW als Schlepp-hilfe zu organisieren. Währenddessen näherte sich ein aus Salzgitter kommender Regio-nalzug. Aufgrund der Dunkelheit und des Bodennebels konnte der Lokführer erst kurz vor dem Aufprall die Situation erkennen. Trotz einer sofort eingeleiteten Notbremsung konnte ein Zusammenprall mit dem Lastzug nicht mehr verhindert werden.

    Der LKW wurde beim Zusammenprall komplett zerstört. Der vordere Teil des zweiteiligen Regionalzuges sprang aus den Schienen und rutschte glücklicherweise aufrecht stehend auf eine benachbarte Wiese. An diesem Zugteil wurden sämtliche Unterbauten und ein Drehgestell abgerissen. Es entstand nach Angaben der Bahn Totalschaden. Aus den zer-rissenen Tanks des LKW und der Bahn liefen mehrere hundert Liter Dieseltreibstoff ins Er-dreich.

    Aufgrund des Unfalls kam der Zugverkehr auf den Strecken Braunschweig – Salzgitter und Braunschweig – Wolfenbüttel zum Erliegen. Die Bergungsarbeiten werden voraussichtlich bis in die Abendstunden andauern. Gegen 16:00Uhr wird ein Eisenbahnkran aus Fulda er-wartet, mit dem der Zug geborgen werden soll.

    Hervorragend war das Notfallmanagement der Bahn und der Bahnpolizei, die jeweils nur wenige Minuten nach dem Unfall mit Verantwortlichen an der Einsatzstelle eintrafen und in Absprache mit der Feuerwehr umgehend erforderliche Maßnahmen einleiteten.

    Die Geschäftsleitung der Mühle bemühte sich während des gesamten Einsatzes um die Betroffenen und die Einsatzkräfte und stellte umfassend die komplette Verpflegung zur Verfügung. Die Außenanlagen der Mühle standen der Feuerwehr zum Aufbau der Einsatz-leitung zur Verfügung.

    Zahlen zum Einsatz:
    – Ca. 120 Einsatzkräfte (Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr, DRK, JUH, MHD, ASB)
    – 58 Zuginsassen
    Davon:
    – 13 Leichtverletzte
    – 3 Schwerverletzte
    – 42 Betreute Zuginsassen

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