Rettungs-Methoden im Vergleich

Neumünster (SH) – Aktuell gibt es fünf verschiedene Methoden, Eingeklemmte aus Wracks zu befreien: das Hamburger Modell, die Schnelle Rettung, die Große Seitenöffnung, das Tunneln und den Kettenzug. Unfallforsche der Dekra und der Universitätsmedizin Göttingen wollten wissen, welche Methode am schnellsten geht. Mit großem Aufwand wurden deshalb 30 Ford Fokus Kombi gecrasht und die eingeklemmten Fahrer durch Feuerwehr-Teams befreien lassen.

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Um es gleich vorweg zu nehmen. Das Ergebnis der Forschungsreihe überrascht ein wenig. Die Schnelle Rettung und das Tunneln gehen definitiv am schnellsten. Die Große Seitenöffnung und das Hamburger Modell – die beiden am häufigsten angewandten Methoden – dauern am längsten. Und die äußerst kontrovers diskutierte Kettenzug-Methode (auch Oslo Methode genannt) landet zeitlich in der Mitte. Ein beeindruckendes 360-Grad-Video aus Sicht des eingeklemmten Fahrers haben wir auf unserer Facebook-Seite veröffentlicht.

Kritik: Es darf nicht nur eine Methode geschult werden

Fachleute wie Dr. Tim Heyne, dem Leiter der Forschungsreihe, fordern deshalb, dass den Einsatzkräften nicht nur eine Methode vermittelt werden darf.  „Ich habe manchmal das Gefühl, der erste Schritt an einer Unfallstelle wird vernachlässigt“, sagt Feuerwehrarzt Dr. Heyne, „das Erkunden.“ Aufgrund dieser Erkenntnisse soll der Einsatzleiter dann in Absprache mit dem Rettungsdienst die geeignete Methode wählen. Voraussetzung ist dafür natürlich, das die Kräfte auch die unterschiedlichen Rettungsmethoden beherrschen. Aber das muss geübt werden.

Vorgehen nach dem Hamburger Modell: das Dach des Unfallfahrzeugs ist komplett abgetrennt. Der Fahrer kann so patientenschonend aus seinem Sitz gehoben werden. Foto: Hegemann
Vorgehen nach dem Hamburger Modell: das Dach des Unfallfahrzeugs ist komplett abgetrennt. Der Fahrer kann so patientenschonend aus seinem Sitz gehoben werden. Foto: Hegemann

Womit wir beim zweiten Kritikpunkt an der aktuellen Ausbildung in der Unfallrettung wären: Geübt wird meistens an Fahrzeugen vom Schrottplatz. Mit Unfallfahrzeugen haben die oft nicht viel gemeinsam. Sehr häufig sind die Schrottautos nicht oder kaum beschädigt. „Wenn wir das üben wollen, was wir für die Realität brauchen“, sagt Dr. Heyne, „benötige ich zwingend stark beschädigte Fahrzeuge.“ Wir müssen nämlich üben, wie wir die Deformationen zurückformen können. Heyne plädiert deshalb dafür, auch Schneidversuche an echten Unfallfahrzeugen durchführen zu lassen.

Im zweiten Teil unserer Serie „Feuerwehr kritisch“ stellen wir in der Januar-Ausgabe 2017 des Feuerwehr-Magazins die Versuchsreihe der Dekra und der Universitätsmedizin Göttingen ausführlich vor. Ab dem 23. Dezember ist das Heft im Handel erhältlich. Oder ganz bequem hier bestellen.

Der Einsatz der so genannten Oslo-Methode (Kettenzug) wird vorbereitet. Foto: Hegemann
Der Einsatz der so genannten Oslo-Methode (Kettenzug) wird vorbereitet. Foto: Hegemann

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Moin aus Kiel,

    danke für diese umfangreiche Betrachtung. Der Aufwand für solch eine Studie ist enorm und kann nur in Zusammenarbeit mit großen Partnern durchgeführt werden. Ich bin gespannt auf die detaillierten Ergebnisse und würde diese gerne in die Weiterbildung einfließen lassen. Besteht die Möglichkeit die gesamten Daten der Auswertung zu erhalten?

    Gruß
    Manuel Fechtner
    Feuerwehr Kiel

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