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Wie können Fahrzeugbesatzungen und Führungskräfte aus realen Unfällen mit Hubrettungsfahrzeugen lernen?
Neue Straßenverkehrsordnung

Rettungsgasse: Einmonatiges Fahrverbot bei unerlaubter Nutzung

Berlin – Seit dem 28. April 2020 ist die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) in Kraft. Eine wichtige Veränderung ist das härtere Vorgehen gegen Rettungsgassen-Verstöße.

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Immer in den Rückspiegel schauen, ob Einsatzfahrzeuge anrücken. Symbolfoto: Wiesbaden112 (Bild: Wiesbaden112)

200 Euro Bußgeld und zwei Punkte in Flensburg sind aktuell fällig, wenn jemand keine Rettungsgasse bildet. Künftig wird das Durchfahren der Rettungsgasse oder das Dranhängen an Einsatzfahrzeuge mit mindestens 240 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot geahndet.

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Die StVO-Novelle enthält auch höhere Strafen bei Tempoverstößen. So droht nun ein einmonatiges Fahrverbot bereits ab 21 km/h Überschreitung innerorts und ab 26 km/h außerorts.

Anmerkung der Redaktion: Die Regeln für Fahrverbote bei zu schnellem Fahren sind aufgrund eines Formfehlers in der Eingangsformel der neuen StVO inzwischen von allen Bundesländern vorerst außer Vollzug gesetzt worden (Stand 10. Juli 2020).

Auch fürs Halten in zweiter Reihe verschärfte der Gesetzgeber die Sanktionen: 55 Euro sind nun zu zahlen, bei Behinderung steigert sich das Bußgeld auf 70 Euro und es kommt ein Punkt in Flensburg dazu. Die gleichen Strafen gibt es jetzt beim Parken auf Geh- und Radwegen sowie beim Halten auf Schutzstreifen.

Beim Überholen von Fußgängern, Radfahrern und Elektro-Tretroller-Fahrern durch Kraftfahrzeuge schreibt die StVO nun einen Mindestüberholabstand von 1,5 Metern innerorts und von 2 Metern außerorts vor.

Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen

Auch auf die schweren Unfälle beim Abbiegen von Lkw hat der Gesetzgeber reagiert. So müssen alle konventionell angetriebenen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen – wie etwa Lkw und Busse -, die innerorts rechts abbiegen, künftig auf Straßen, auf denen mit Rad- oder Fußgängerverkehr zu rechnen ist, Schrittgeschwindigkeit (7 bis 11 km/h) fahren. ­Bei einem Verstoß drohen 70 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Zu den weitere Änderungen der StVO zählt auch das Verbot von so genannten Blitzer-Apps, mit denen auf Smartphones oder Navigationsgeräten vor Radargeräten gewarnt wird. Bei einem Verstoß sind 75 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig.

Ausführliche Infos des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Novelle der StVO findet Ihr hier.     

Hessische Feuerwehren funken Lkw-Fahrer an

Ein landesweites Pilotprojekt mit CB-Warnfunksystemen führt das Hessische Ministerium des Innern und für Sport (HMdIS) im Rahmen seiner Kampagne “Rettungsgasse” durch. Per Funkspruch sollen Lkw-Fahrer dazu aufgefordert werden, eine Rettungsgasse zu bilden und Einsatzstellen zu beachten.

Absicherung einer Einsatzstelle durch die Feuerwehr. Symbolfoto: Feuerwehr-Magazin/Rüffer
Absicherung einer Einsatzstelle durch die Feuerwehr. Symbolfoto: Feuerwehr-Magazin/Rüffer

Nach Angaben des HMdIS erhielten fünf Freiwillige Feuerwehren mit starker Einsatzfrequenz auf Autobahnabschnitten jeweils ein CB-Funkgerät: Bad Hersfeld, Kirchheim, Limburg, Seligenstadt und Neu-Isenburg. Die Geräte lassen sich auf Feuerwehrfahrzeugen mitführen und können den Satz “Achtung! Es folgen Einsatzfahrzeuge, bilden Sie eine Rettungsgasse” in acht Sprachen ausstrahlen.

Dabei handelt es sich um die am häufigsten gebrauchten Sprachen von Lkw-Fahrern auf deutschen Autobahnen: Deutsch, Ungarisch, Tschechisch, Russisch, Deutsch/Englisch (Niederlande), Türkisch, Rumänisch, Polnisch.

Laut Innenministerium nutzen mehr als 70 Prozent der Brummi-Lenker CB-Funk als Hauptkommunikationsmittel, um sich über die Verkehrssituation auszutauschen. Sie verwenden hierbei bestimmte Kanäle für ihre Landessprachen. Auf diesen funken die Geräte der Feuerwehren, um die herannahenden Fahrzeuglenker zu warnen. 

An der Einsatzstelle angekommen, lässt sich der Funkspruch auf “Achtung, Gefahrenstelle! Feuerwehr im Einsatz” umstellen. So sollen Kollisionen mit Einsatzfahrzeugen an der abgesicherten Unfallstelle vermieden werden.

Die Reichweite der CB-Funkwarngeräte VA-FWS 27 PLL von B&A Antec Nachrichtentechnik beträgt laut HMdIS 1.000 Meter. Das soll bei Lkw-Fahrern für ausreichend Zeit sorgen, um auf die Lage zu reagieren. Großflächige Aufkleber an den Heckseiten der Einsatzfahrzeuge weisen zusätzlich auf die Freihaltung der Rettungsgasse für nachfolgende Einsatzkräfte hin.

Mit der Rettungsgasse Leben retten

Die Rettungsgasse kann bei Unfällen auf Autobahnen oder im dichten Stadtverkehr Leben retten. Sie dient dazu, dass Fahrzeuge der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei schnellstmöglich zum Einsatzort kommen. Leider vergessen Autofahrer häufig, eine Rettungsgasse zu bilden oder es kommt zu Problemen beim Versuch. Wir geben wichtige Hinweise zur Rettungsgasse – zum Handeln und zu den Regelungen.

Inhaltsverzeichnis:

Rettungsgasse bilden: Die gesetzlichen Vorgaben

Wichtig ist: Alle Autofahrer sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Ausschlaggebend ist hier der Paragraph 11, Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO):

“Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.”

In seiner Sitzung am 22. September 2017 hat der Bundesrat eine deutliche Erhöhung des Strafmaßes beschlossen, für die Autofahrer, die es versäumen, eine Rettungsgasse zu bilden. Ihnen droht nun ein Bußgeld von bis zu 200 Euro sowie bei weiterer Behinderung des Einsatzgeschehens zusätzlich bis zu 120 Euro Bußgeld.

Sie begehen eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraph 49, Abs. 1 Nr. 11 der StVO. Obendrein verabschiedete der Bundestag im Mai 2017 die neue Strafvorschrift “Behinderung von hilfeleistenden Personen”. Auf dieser Grundlage können die Strafen noch deutlich höher ausfallen.

Die Bundesregierung hatte den Antrag zur Erhöhung des Strafmaßes bereits im Juli 2017 eingebracht. Damals zog die Regierung diesen ersten Entwurf jedoch zurück, weil die Behinderung von Feuerwehrleuten und Rettungskräften laut Bundesverkehrsministerium noch schärfer geahndet werden sollte.

Rettungsgasse bilden: So geht es!

Bei zwei Fahrstreifen ist die Rettungsgasse in der Mittel zu bilden. Autos, die sich auf dem linken Fahrstreifen befinden, müssen an den linken Fahrbahnrand fahren. Autos auf dem rechten Streifen fahren an den rechten Fahrbahnrand. Bei dreispurigen Autobahnen wird die Rettungsgasse zwischen der ganz linken und der mittleren Fahrspur gebildet. Bei einer Autobahn mit vier Spuren gilt dies ebenso.

Es gilt zu beachten, dass der Standstreifen von Rettungskräften nicht als Zufahrt genutzt werden kann . Der Standstreifen ist nicht immer durchgehend ausgebaut oder könnte durch liegengebliebene Fahrzeuge unpassierbar sein.

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Rettungsgasse bilden: Was sonst noch wichtig ist

Damit die Bildung einer Rettungsgasse möglich ist, wird vom Autofahrer vorausschauendes Fahren verlangt. So gilt beispielsweise im Falle eines Staus, nicht zu dicht auf den Vordermann aufzufahren. Dadurch bleibt Platz zum Rangieren! Noch besser: Sobald der Verkehr ins Stocken gerät, die Rettungsgasse bilden! Gleiches gilt natürlich auch an Ampeln.

Ebenso wichtig: Auch wenn das erste Einsatzfahrzeug die Rettungsgasse passiert hat, darf die Rettungsgasse noch nicht geschlossen werden. Weitere Einsatzfahrzeuge können folgen, um die Unfallstelle anzufahren.

Kampagnen zur Rettungsgasse

Video des Kreisfeuerwehrverbandes Bautzen:

Niedersachsen startete im Sommer 2016 die  Kampagne “Rettungsgasse“. Innenminister Boris Pistorius will damit den Druck auf Autofahrer erhöhen, bei Unfällen auf Autobahnen Rettungsgassen zu bilden.

50 Spannbänder mit dem Logo “Staubildung: Rettungsgasse” wurden an besonders unfall- und staugefährdeten Autobahnabschnitten angebracht. Zum Auftakt der Kampagne im Sommer 2016 waren bereits 20 solcher Transparente aufgestellt worden. Darüber hinaus wurden rund 120 Einsatzfahrzeuge der Polizei mit dem Logo “Rettungsgasse” versehen.

Die Kampagne ist eine gemeinsame Kooperation zwischen der Polizei Niedersachsen, dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der Landesverkehrswacht Niedersachsen, dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport.

In Hessen wurde die Kampagne “Rettungsgasse rettet Leben” ins Leben gerufen. Das private Informationsportal Wiesbaden112 und die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft – Landesgruppe Hessen, wollen mit ihrer Arbeit auf die Wichtigkeit der Rettungsgasse hinweisen und bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern für Verständnis werben. Hierzu wurde das Problem in zahlreichen Medien thematisiert werden. Mit Flyern und Aufklebern sollte das Bilden einer solchen Gasse visualisiert werden und als Gedächtnisstütze dienen.

Mitmachen kann bei der Kampagne jeder. Neben Einsatzfahrzeugen wurden bereits viele Privatwagen und auch Fahrschulfahrzeuge mit Hinweisaufklebern versehen. Weitere Hinweise zu der Kampagne gibt es hier: Rettungsgasse rettet Leben

Positives Beispiel im Video

Einsatzfahrt der Freiwilligen Feuerwehr Gräfelfing (BY) auf der Autobahn 96 in Fahrtrichtung München. Die Kameraden waren auf dem Weg zu einem Pkw-Brand und aufgrund einer ordentlichen Rettungsgasse schnell am Einsatzort gewesen.

Werben für die Rettungsgasse: Folienbeklebung am Feuerwehrfahrzeug

Wahlstedt (SH) – Die Feuerwehr Wahlstedt (Kreis Segeberg) macht es vor: Die Kameraden der Wehr haben ihre Fahrzeuge mit einer Beklebung versehen, die auf die Bildung einer Rettungsgasse hinweist. Neben der Werbung für die Rettungsgasse kann die Beklebung auch im Ernstfall von großem Vorteil sein.

Was für ein Hingucker: Die Freiwillige Feuerwehr Wahlstedt hat in den vergangenen Wochen ihren Fuhrpark an Löschfahrzeugen mit Werbung für die Rettungsgasse versehen. Leuchtend Blau prangt die Sonderbeklebung von nun an den Geräteräumen Rückseite (GR) der Fahrzeuge. Die Kameraden wollen so für die Maßnahme der Rettungsgasse Werbung machen und hoffen auf mehr umsichtige Autofahrer.

“Bei Unfällen auf der Autobahn haben die Rettungskräfte oft große Probleme, schnell an die Einsatzstelle zu gelangen. Um die Fahrer im Stau auf ihre Pflicht hinzuweisen, die Rettungsgasse auch nach dem Passieren der ersten Rettungsfahrzeuge offen zu halten, wurden unsere Löschfahrzeuge mit einem zusätzlichen Hinweis beklebt”, erklärt die Feuerwehr auf ihrer Internetseite. Zudem ist die Beklebung auch allgemeine Werbung für die Maßnahme fernab der Bundesstraße oder Autobahn.

Hier geht’s zur Internetseite der Freiwilligen Feuerwehr Wahlstedt

Ursprünglich stammt die Idee der Heckbeklebung von der Feuerwehr Fürstenwalde/Spree aus Brandenburg (Landkreis Oder-Spree). Diese hat sich aufgrund massiver Probleme bei der Bildung der Rettungsgasse auf der Autobahn diese Maßnahme einfallen lassen. Bei den Kameraden der Feuerwehr Wahlstedt war bislang der Spruch “Bei Alarmfahrt – Abstand halten” auf dem hinteren Geräteraum zu lesen.

Von nun an findet sich am Heck jedes Löschfahrzeuge in gut lesbarer Schrift der Hinweis “Rettungsgasse” und “rescue lane”. Neben der Autobahn A21 gehört auch die B205 zum Ausrückebereich der Wehr. Nach eigener Aussage haben die Retter hier immer wieder mit fehlenden Rettungsgassen zu kämpfen. Wertvolle Zeit geht dementsprechend verloren. Die neue Beklebung soll dies nun ändern.

Lautstarker Appell: Ein Rocksong für Rettungsgasse

Oldenburg (NI) – Die norddeutsche Punkrockband “Run Zero” widmet ihren neuen Song dem wichtigen Thema Rettungsgasse. Unterstützt wurden die Musiker von der Feuerwehr Zetel (Kreis Friesland). “Der rockige Song geht ins Ohr und hoffentlich auch in viele Köpfe”, betont Feuerwehr-Magazin-Redakteur Olaf Preuschoff, der Run Zero besucht hat.

Making of des Video-Clips von Run Zero zu ihrem Song “Rettungsgasse”. Foto: Feuerwehr Zetel

Grundidee des Songs war nicht zwangsläufig das Thema Rettungsgasse im Sinne der Feuerwehr. Aber die Idee kam Texter und Gitarrist Guido auf der Autobahn, als er ein Banner zum Thema Rettungsgasse sah. Somit ist der Text auch in beide Richtungen zu verstehen: Rettungsgasse für das eigene Leben und Rettungsgasse für die Feuerwehr nach einem Unfall. Das Lied und besonders der Refrain thematisieren die dramatische Notlage, selbst Unfallopfer zu sein und auf Rettung zu warten. 

“Es ist der Moment, in dem ich Euch am meisten hasse. Mein Leben braucht eine gottverdammte Rettungsgasse”

Ein lautstarker und schroffer Appell an die Zuhörer. Aber Flüstern ist bei Menschenleben in Gefahr nun mal nicht angebracht. Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Zetel entstand übrigens, weil der Bassist Micha Eilers der Bruder des Zeteler Gemeindebrandmeisters Stefan Eilers ist.

Interview mit Frederik Braun: Denkt mit, bildet eine Rettungsgasse!

Hamburg – Mit seinem Video “Die Rettungsgasse rettet Leben” hat das Team vom Miniatur Wunderland in Hamburg nicht nur einen Internet-Hit gelandet. Sie haben auch große Aufmerksamkeit für das wichtige Thema Rettungsgasse erregt.

Frederik Braun erlebte persönlich, dass es für viele Autofahrer nicht selbstverständlich ist, im Stau nach einem Unfall eine Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge frei zu halten. So entstand die Idee zu dem Videoprojekt. Thomas Lichters interviewte Braun für das Löschblatt.

Löschblatt: Welche Affinität habt Ihr zur Feuerwehr und Themen rund um unseren Beruf?

Frederik Braun: Bereits als Kinder, im Alter von sechs oder sieben Jahren waren wir begeistert von der Feuerwehr. Wir wohnten damals in der Nähe der Wache 11 und da Gerrit damals schon handwerklich begabt war bauten wir die Wache aus Gips und Moltofil nach. Mit acht oder neun Jahren haben wir oft nach der Schule vor der Wache gewartet und sind den Einsatzfahrzeugen dann mit den Fahrrädern hinterher gefahren und haben bei den Einsätzen zugeschaut. Der Hausmeister unseres Hauses war ebenso begeistert wie wir und hat uns nach Absprache mit unseren Eltern oft mit dem Auto mitgenommen, wenn er einen Alarm mitbekommen hat. Wenn wir dann in den seltenen Genuss eines Besuches an der Wache kamen, konnten wir vor Aufregung nächtelang nicht schlafen. Modellbau war für uns immer schon wichtig, die Feuerwehr war aber noch wichtiger. Auch heute empfinden wir wie die Kleinkinder, wenn es um die Feuerwehr geht, unsere Interessen haben sich jedoch mehr in Richtung Fahrzeugpark und Logistik verlagert.

Es wäre mehr als logisch, wenn wir in der Freiwillige Feuerwehr eintreten würden, aber wir trauen uns nicht zu, die schrecklichen Bilder zu ertragen, die zum Beispiel bei schweren Unfällen entstehen.

Löschblatt: Wie entstand die Idee zu dem Clip mit der Rettungsgasse?

Braun: Ich fuhr im Sommer auf die Autobahn A255, um über die A1 nach Hause zu fahren. Schon nach kurzer Zeit stand ich im Stau, weil sich vor mir ein Unfall ereignet hatte. In einigen hundert Metern Entfernung konnte ich erkennen, dass ein Lkw quer stand. Einige Fahrer machten eine Gasse für die anrückenden Rettungskräfte und andere fuhren in die entstehenden Lücken, weil sie dann einen Meter weiter kamen. Damit versperrten sie die Gasse wieder. So dauerte es 15 Minuten, bis sich der Erste Rettungswagen zu uns vorgearbeitet hatte, weil die Leute es nicht begreifen oder schlichtweg egoistisch handeln. Bei dem Unfall war eine Person im Pkw eingeklemmt und die Rettung verzögerte sich dramatisch wegen dieses Fehlverhaltens. Da wusste ich, dass ich etwas tun musste.

Löschblatt: Welche Schritte folgten dann zur Umsetzung deiner Vision?

Braun: Das Konzept für den Film hatte ich bereits am nächsten Tag im Kopf. Wir bildeten ein Team von sechs Leuten für die Entwicklung, mein Bruder war auch dabei. Sogar in diesem kleinen Kreis herrschte Uneinigkeit über die Umsetzung des Projektes. Einige wussten selbst nicht, wie die Rettungsgasse gebildet wird, andere zweifelten daran, dass wir mit unseren Bemühungen etwas an der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Bewusstsein der Menschen ändern können. Also setzte ich das Projekt einfach durch.

Löschblatt: Wie wurde das Projekt realisiert?

Braun: Zunächst bauten die Modellbauer eine Autobahn nebst anliegenden Kulissen. Für die Dreharbeiten heuerte ich die Sterntaucher vom Kiez an, die Dialoge sollten meine Freunde Till Demtröder und Marek Erhardt einsprechen. Es entbrannte ein kleiner Streit unter den beiden, denn jeder wollte die Rolle vom muffeligen Horst übernehmen, dem auf der Anfahrt der Kragen platzt. Wichtig war uns ein original Hamburger Slang, der jedoch auch in Bayern gut zu verstehen ist. Und wir machten uns sehr viele Gedanken, ob wir mit Horst die Feuerwehr in ein schlechtes Licht rücken könnten, bekamen aber seitens der Kollegen viele Hinweise, dass es solche Reaktionen durchaus geben kann, wenn man helfen will und immer wieder bremsen muss.

 

Wir brauchten zirka 10 Tage für den Aufbau der Anlage, vier Tage für den Dreh und zwei für den Schnitt. Als dann von den Behörden die Jahresstatistik zu den Verkehrstoten heraus gegeben werden sollte, haben wir vor lauter Nervosität auch noch die Nächte durchgemacht. Unter Zeitdruck mussten dann noch einige Szenen nachgedreht werden. Und das, obwohl wir uns für den Veröffentlichungstag eine Deadline von 14:00 Uhr gesetzt hatten, denn das ist die beste Zeit für die Onlinestellung. Wir schafften es bis 17:00 Uhr und die Zahlen der Klicks und Likes gingen durch die Decke. Rein statistisch hat bisher jeder dritte Deutsche den Film angeklickt, wenn man die Teilungen über Sender und andere mit einbezieht. Inzwischen läuft unser Film bundesweit auf den Monitoren in Warteräumen von Verkehrsämtern oder als Lehrfilm in Fahrschulen.

Löschblatt: Habt ihr schon eine Idee für zukünftige Projekte dieser Art?

Braun: Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Fortsetzung der Rettungsgasse gibt. Wenn Horst dann mit seinen Jungs nach dem Einsatz auf dem Rückweg ist und an eine Stelle kommt, wo die Fahrbahn von zwei auf eine Spur reduziert wird. Denn das Reisverschlussverfahren funktioniert bei uns genauso schlecht, wie die Rettungsgasse. Da hätte Horst wieder ordentlich was über den Außenlausprecher zu schimpfen. Marek und Till wären übrigens sofort wieder dabei, den beiden Protagonisten Horst und Josch ihre Stimme zu geben.

Tausende von Kommentaren zu unserem Film von allen Seiten liefern darüber hinaus viele Anregungen. Leider sind wir die nächste Zeit total landunter. Der Ausbau von Italien kostet sehr viel Zeit und das ist noch lange nicht alles. Das Miniatur-Wunderland ist ständig im Wandel und Wachstum.

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Making-of zum Rettungsgasse-Video des Miniatur Wunderlandes. Foto: MiWuLa

Und das geht gar nicht

Die Feuerwehr Pegnitz (Kreis Bayreuth) rückte zu einem Unfall auf der Autobahn A9 in Fahrtrichtung Nürnberg aus. Ein BMW-Kombi mit zwei Insassen war verunglückt. Auf dem Weg zur Unfallstelle ging jedoch für die Feuerwehr kurzzeitig nichts mehr: Fahrzeuge blockierten die Rettungsgasse, vor alle Lkw auf der mittleren Spur bildeten die Hindernisse.

Kein Durchkommen für die Feuerwehr:

Die Kameraden stiegen sogar aus und rannten vor, um die Pkw- und Lkw-Fahrer auf die notwendige Rettungsgasse hinzuweisen. So bahnten sich der Rüstwagen, der Einsatzleitwagen und das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug mühsam den Weg. Glücklicherweise war der Rettungsdienst bereits vor der Feuerwehr vor Ort und konnte die beiden Patienten versorgen.

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Auf 25 Seiten: Unfallanlysen, Einflüsse der Konstruktion und vorbeugende Maßnahmen.

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