Fünfter Jahrestag der Transrapid-Tragödie

Lathen (NI) – Am 22. September 2006 raste ein Transrapid-Zug bei einer Testfahrt bei Lathen (Kreis Emsland) in einen Werkstattwagen, bohrte sich unter das Fahrzeug. Der dramatische Unfall forderte 23 Tote und zehn Verletzte. Für die Einsatzkräfte bot sich ein schreckliches Bild, ein Großaufgebot an Notfallseelsorgern stand den Angehörigen der Unfallopfer und den Kameraden bei.

Die 6.000-Einwohner-Gemeinde Lathen errang durch den Unfall tragische Berühmtheit. Noch am Unglückstag besuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der heutige Bundespräsident Christian Wulff, damals als niedersächsischer Ministerpräsident, den Ort des Geschehens. Fünf Jahre danach gedenken die Lathener der Katastrophe. Sie haben 23 Bäume neben den Gedenkstein unweit der Unfallstelle gepflanzt, einen für jedes Todesopfer. So soll über die Jahre eine weitläufige Stätte des Gedenkens entstehen.

Bereits im März 2011 wurden Angehörige und Rettungskräfte bei einem Prozess an die Tragödie erinnert. Zwei Personen aus der Fahrdienstleitung waren für den Unfall verantwortlich gemacht worden. Sie wurden zu Haftstrafen von bis zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie Geldstrafen verurteilt. Der Fahrdienstleiter und sein Kollege hatten den Werkstattwagen außerplanmäßig auf der Strecke stehen lassen.

Einsatzkräfte gingen an ihre Grenzen

Es war ein Freitag. Um 9.53 Uhr ereignete sich der Unfall. Von dem lauten Knall aufgeschreckte Anwohner und Autofahrer eilten zur Unfallstelle. Sie setzten Notrufe ab. Zunächst alarmierte die Leitstelle in Meppen die Freiwillige Feuerwehr Lathen. Ein verletzter Mitarbeiter verständigte die Betriebsleitstelle der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft, dem Betreiber der Strecke. Diese alarmierte die Betriebsfeuerwehr. Als die ersten Kräfte eintrafen, hatten Mitarbeiter schon begonnen, Verletzte zu retten. Nach der ersten Rückmeldung von der Einsatzstelle setzte der Disponent in der Leitstelle ein Großaufgebot an Feuerwehr und Rettungsdienst in Marsch.

Stundenlang kämpften die Rettungskräfte um Menschenleben und bekämpften Brände, die zum Beispiel aufgrund von Kurzschlüssen ausgebrochen waren. Über Drehleitern und einen Hubsteiger gelangten sie auf die 7,5 Meter hohe Magnetschwebebahn-Trasse. Für 23 Insassen kam jede Hilfe zu spät. Zur Leichenbergung rückten zwei Teleskopautokräne einer Privatfirma an, um den Werkstattwagen von der Trasse zu heben.

Noch am gleichen Abend fand eine Andacht im Lathener Feuerwehrhaus mit rund 100 Einsatzkräften statt. Insgesamt waren über 300 Retter im Einsatz. Um die schrecklichen Bilder zu verarbeiten, wurde direkt ein Netzwerk an Notfallseelsorgern aktiviert, die sich um Angehörige und Einsatzkräfte gleichermaßen bemühten.

Vor fünf Jahren verunglückte ein Transrapid bei Lathen (NI, Kreis Emsland). Bei der Tragödie starben 23 Menschen. Foto: Polizei

 

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