Großeinsätze in Deutschland

Die größten Brandkatastrophen im neuen Jahrtausend

Nur wenige Feuerwehren haben solche heftigen Erfahrungen hinter sich wie die FF Backnang (Rems-Murr-Kreis): Vor 5 Jahren starben bei einem Großbrand acht Bewohner. Heino Schütte hat bei seinem Besuch erfahren, wie nachhaltig das Ereignis die rund 200 Brand- und Katastrophenschützer im Murrtal geprägt hat.

Inhalt:
2017 – Münchberg, 18 Menschen sterben bei Busbrand auf A 9
2013 – Backnang, acht Bewohner sterben bei Gebäudebrand
2012 – Titisee-Neustadt, 14 Tote bei Feuer in Behinderteneinrichtung
2008 – Garbsen, 20 Tote bei Busbrand auf der Autobahn 2
2008 – Ludwigshafen, 9 Menschen kommen bei Wohnhausbrand ums Leben

2013 – Backnang (BW)

Ein großes Wohngebäude ist in der Nacht zum 10. März 2013 in Backnang (Rems-Murr-Kreis) in Flammen aufgegangen. Das Inferno endet in einer Tragödie. Insgesamt acht Menschen verloren in der Nacht ihr Leben, darunter sieben Kinder. Drei Menschen konnten noch rechtzeitig gerettet werden. 

Mitten in der Nacht wurde das Feuer gemeldet. Als die Feuerwehr Backnang nur 7 Minuten später die Einsatzstelle erreichte, stand das Gebäude vollständig in Brand. Es steht auf einem verwinkelten Gelände einer ehemaligen Lederfabrik. Wegen des großen Ausmaßes wurden gleich weitere Feuerwehren zur Unterstützung nachgefordert. Im Verlauf des Einsatzes kamen vier Drehleitern und 120 Feuerwehrleute zum Einsatz.

Einige Bewohner hatten das Feuer noch rechtzeitig bemerkt und sich auf ein balkonähnliches Gebäudeteil geflüchtet. Passanten aus einer nahgelegenen Gastwirtschaft wollten den Menschen helfen, jedoch gelang die Rettung erst der Feuerwehr. Zwei der Geretteten kamen mit Verletzungen ins Krankenhaus.

Brand in Backnang: Bei dem Feuer starben acht Menschen. Foto: Benjamin Beytekin

In dem Gebäude hielten sich aber noch weitere Personen auf. Wegen der umfangreichen Brandausbreitung gelang es den Helfern aber nicht sie noch zu erreichen. Als sich ein erster Löscherfolg einstellte, machten die Feuerwehrleute dann unfassbar schreckliche Entdeckungen. Sie stießen auf insgesamt acht Leichen. Sieben Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 16 Jahren und ihre 40-jährige Mutter.

Die Brandtragödie von Backnang und ihre Folgen

Der 10. März 2013 ist in der Chronik der Stadt Backnang und ihrer Feuerwehr ein trauriges Datum. Die „Brandkatastrophe von Backnang“ machte international Schlagzeilen und löste tagelang einen Medienansturm auf die Stadt im Murrtal aus. In einem verschachtelten, alten und mehrfach umgebauten Gebäudekomplex einer ehemaligen Lederwarenfabrik an der Wilhelmstraße war in den frühen Morgenstunden ein Feuer ausgebrochen. Es breitete sich in Windeseile in der Wohnung einer türkischen Großfamilie aus und griff aufgrund fehlender Brandschutzabschnitte auch auf weitere Gebäudeteile über. Acht Menschen, vorwiegend Kinder und Jugendliche, kamen ums Leben.

Feuerwehrkommandant Marcus Reichenecker will eigentlich ungern, dass dieses Ereignis in den Blickpunkt einer Gesamtbetrachtung der FF Backnang gestellt wird. „Wir haben damit abgeschlossen“, so der Kommandant. Dies nicht im Sinne einer Verdrängung, sondern durch eine gute Verarbeitung, wie er betont. Er deutet hierbei auch auf eine außergewöhnliche Reihe von weiteren Ein­sätzen, die sich in den letzten Jahren in das Gedächtnis viele Kameraden eingebrannt haben.

Ähnlich belastend für die Feuerwehrleute wie die Brandkatastrophe war ein Flugzeugabsturz während des traditionellen Flugplatzfestes am 10. September 2012: Beim Start zu einem Rundflug war eine einmotorige Maschine in die Wirbelschleppe eines vorausfliegenden, großen Doppeldeckers geraten. Das Flugzeug mit vier Insassen kippte aus einer Höhe von etwa 30 Metern ab, krachte kopfüber auf das Flugfeld und ging sofort in Flammen auf. Die mit einem Tanklöschfahrzeug auf dem Flugplatz präsente Brandschutzwache der FF Backnang war blitzschnell an der Absturzstelle.

Kubilay Özcan gehört zu den vielen stillen Helden der Backnanger Brandkatastrophe. Der türkischstämmige Backnanger Feuer-wehrmann nahm eine segensreiche Rolle ein, als bei dem Unglück vor gut fünf Jahren acht Angehörige einer türkischen Großfamilie ums Leben kamen. Kubilay Özcan tröstete, über-setzte, betreute, vermittelte, stellte klar. Kommandant Marcus Reichenecker weiß bis heute zu würdigen, dass Özcans Einsatz sehr dazu beitrug, dass auch seitens der türkischen Medien keinerlei Vorwürfe gegen die Feuerwehr auftauchten. Foto: Heino Schütte

Trotz des heftigen Feuers gelang es, die vier Menschen lebend aus dem Wrack zu ziehen. Sie hatten jedoch schon so schlimme Brand- und andere Verletzungen erlitten, dass drei von ihnen noch an der Unfallstelle oder in der Klinik starben, darunter ein 15-jähriges Mädchen. Ihre Mutter blieb schwerstverletzt die einzige Überlebende.

Kommandant Reichenecker: „Genau das sind die Situationen, bei denen für die Feuerwehr quälende Fragen auftauchen: Waren wir schnell genug da? Werde ich die Bilder jemals wieder aus meinem Kopf bekommen?“ Wie geht eine Feuerwehr bei solchen Ereignissen im Sinne der Für- und Nachsorge für die Einsatzkräfte um?

Die FF Backnang kann da aufgrund ihrer Erfahrungen Hilfreiches weitergeben. Reichenecker beschreibt vor allen den Begriff der Achtsamkeit am Einsatzort als wichtiges Instrument für Führungskräfte: Auch Feuerwehrleute seien nur Menschen mit ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen und Reaktionen. Beim Brandunglück mit den vielen Todesopfern in der Wilhelmstraße habe er sehr schnell an Haltung und Gesichtsausdruck ablesen können, wenn es einem Kameraden nach den Eindrücken und Anblicken beim Innenangriff in der ausgebrannten Wohnung auch innerlich zum Heulen gewesen war. Wichtig, dass diese Kräfte sofort aus dem Einsatzgeschehen herausgenommen werden.

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In einem geschützten Raum müsse sofort Gelegenheit geboten werden, das Gespräch mit Notfallseelsorgern zu beginnen. Diese Gesprächsangebote sollten auch Tage oder Wochen danach aufrecht erhalten bleiben, um einer posttraumatischen Belastungsstörung mit allen schlimmen Folgen für Seele, Psyche und auch Körper vorzubeugen.

Eine zentrale Frage, die sich auch Reichenecker immer wieder stellt: „Muss ich mir tatsächlich und unbedingt den Anblick von Opfern zumuten oder reicht es nicht, wenn möglichst wenige, ausgesuchte Kameraden sich der erforderlichen Sichtung oder Leichenbergung annehmen?“ Ganz bewusst habe er, der in der Wilhelmstraße Gruppenführer – und später Abschnittsleiter – auf dem ersten Löschfahrzeug gewesen war, sich dafür entschieden, am Zugang zu den Räumen stehenzubleiben und nicht etwa einen direkten Blick in jenes Zimmer zu werfen, in dem vier tote Kinder lagen.

Am Ende aller Gespräche und Nachbetrachtungen sei, so Reichenecker, aufgrund auch der baulichen Struktur des Gebäudes und des heftigen Feuers die Überzeugung entstanden: „Wir hatten keine Chance, die acht Menschen zu retten!“ Dafür staunen die damals am Einsatz Beteiligten heute noch, dass es gelang, durch einen massiven Einsatz –mit Unterstützung mehrerer Einheiten aus den Nachbarstädten – das Inferno auf einen Gebäudeflügel zu beschränken. Auch konnten drei von Flammen und Rauch eingeschlossene Menschen von einer im Gebäudekomplex innenliegenden Dachterrasse gerettet werden.

Stellvertretender Kommandant Michael Schladt beschreibt gut fünf Jahre nach diesem einschneidenden Ereignis das Gefühl: „Wir alle von der Backnanger Feuerwehr sind durch diesen Einsatz erfahrener, besser gesagt reifer geworden.“ Dies betreffe ganz besonders auch die Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber der Notfallseelsorge. Was einstmals vielleicht von vermeintlich Hartgesottenen belächelt worden sei, stehe heute als wertvolle Fürsorge im Mittelpunkt des Feuerwehrdienstes.

Michael Schladt geht noch einen Schritt weiter und erzählt auch von guten Erfahrungen mit Vorsorge: Bei einem Workshop sei seine Abteilung Backnang-Stadt ein Wochenende lang begleitet worden von einem erfahrenen Notfallseelsorger. Dieser habe viel Aufmerksamkeit und Zustimmung gefunden, als er abseits des technischen Übungs- und Einsatzbetriebs die Kameraden darin geimpft habe, auch Geist und Seele auf Herausforderungen und Eindrücke im Feuerwehrdienst vorzubereiten. Auch um innere Warnsignale rechtzeitig zu erkennen, Hilfe anzunehmen, ehe das Unglück anderer zu einer Katastrophe für Psyche und Körper des Helfers und/oder auch seiner Familie wird. [3748]

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Fast 200 Rettungskräfte waren stundenlang im Einsatz. Dazu zählen auch einige Notfallseelsorger, die die Familienangehörigen der Getöteten betreuten. Im Laufe des Tages kamen Innenminister Reinhold Gall , der türkischer Generalkonsul, der türkische Botschafter und Ministerpräsident Wilfried Kretschmann an die Einsatzstelle, um Angehörigen und Freunden ihr Beileid auszudrücken.

2012 – Titisee-Neustadt (BW)

Bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sind am 26. November 2012 zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Feuer starben 14 Menschen, sieben weitere erlitten teils schwere Verletzungen. Bei den Toten handelte es sich um Behinderte sowie eine Betreuerin. 

Foto: Polizei

Der Brand in der holz- und metallverarbeitenden Werkstatt war gegen 14 Uhr ausgebrochen. Die Feuerwehr sei zunächst aufgrund einer ausgelösten Brandmeldeanlage alarmiert worden, hieß es. Nach Angaben der Polizei soll es in einem Lager der Werkstatt zu einer Explosion gekommen sein, Zeugen wollen einen Knall vernommen haben. Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte der Dachstuhl des Gebäudes, Eingeschlossene riefen aus dem Rauch um Hilfe. In der Folge entwickelte sich ein Großeinsatz zahlreicher Feuerwehr- und Rettungskräfte aus der Region.

In der Werkstatt der Caritas sind rund 130 Menschen beschäftigt. Etwa 50 bis 60 Behinderte und Angestellte der Einrichtung konnten sich selbst retten bzw. sind von der Feuerwehr gerettet worden. Einige Opfer wiesen teils schwere Brandverletzungen auf. Vor Ort waren auch mehrere Rettungs- bzw. Polizeihubschrauber.

2008 – Ludwigshafen (RP)

Bei dem Wohnhausbrand in Ludwigshafen am Rhein (RP) sterben vier Frauen und fünf Kinder. 60 Personen werden verletzt. Dramatischen Minuten am Einsatzort folgen erhebliche Konflikte in den Tagen nach der Feuerkatastrophe. Sie haben die Feuerwehr verändert.

Es ist der 3. Februar 2008, Fastnachtssonntag. Ein Tag zum Feiern. Wie seit Anfang der 1950er Jahre steigt auch an diesem Tag der gemeinsame Fastnachtsumzug der Nachbarstädte Ludwigshafen und Mannheim (BW) – diesmal in Ludwigshafen. Der Umzug ist gerade beendet, da geht um 16.22 Uhr ein Notruf in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen ein. So beginnt einer der dramatischsten Feuerwehreinsätze der letzten 25 Jahre.

Brandkatastrophe von Ludwigshafen im Februar 2008. Foto: Feuerwehr Ludwigshafen

Der erste Anrufer berichtet von eine Rauchentwicklung über einem Wohnhaus am Danziger Platz, direkt im Stadtzentrum. Sofort alarmiert ein Disponent die Wachabteilung der Hauptfeuerwache und den Einsatzleiter Feuerwehr für den Fastnachtsumzug. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Sechs weitere Notrufe von Augenzeugen gehen ein. Um 16.24 Uhr treffen die ersten Kräfte am Einsatzort ein. Es sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oppau mit ihrem Löschgruppenfahrzeug (LF) 16/12, die vorher zur Absicherung des Fastnachtsumzuges eingesetzt waren.

Zu diesem Zeitpunkt dringt dichter schwarzer Rauch aus den Fenstern des vierstöckigen Wohnhauses mit ausgebautem Dachge-schoss. Menschen stehen auf den kleinen Balkonen und an geöffneten Fenstern. Es sind ausschließlich Personen mit türkischer Herkunft. Sie sind nur schlecht zu verstehen.

Dramatische Szenen der Menschenrettung

Ein Fahrzeug des Rettungsdienstes und Beamte der Polizei sind bereits vor Ort. Die Polizisten retten erste Personen über das Dach des Rettungsdienstfahrzeugs. Die Besatzung des LF 16/12 geht mit der Schiebleiter zur Menschenrettung vor.

In diesen dramatischen Momenten retten die jungen Kameraden und die Polizei 9 Kinder und 3 Erwachsene von den Balkonen. Fast im Sekundentakt treffen weitere Kräfte der FF Oppau, Führungsdienste der Feuerwehr und zwei Rettungswagen ein. Schnell wird auch ein Löschangriff aufgebaut, um die Brandgase herunter zu kühlen. Kurz darauf erreicht der Löschzug der Hauptwache mit LF 24/30, Drehleiter (DLK) 23-12 und Trockentanklöschfahrzeug (TroTLF) 50/50 den Einsatzort – gefolgt vom Löschzug der Feuerwache Nord.

Die Kräfte bringen eine DLK an der Straßenecke in Stellung und bauen zusätzlich einen Sprungretter auf. „Plötzlich diese erschütternde Szene, deren Bild um die Welt geht“, beschreibt Feuerwehr-Magazin-Autor Ulrich Scheer in seinem Einsatzbericht. „Ein Kleinkind wird von seinem verzweifelten Onkel hinuntergeworfen und aufgefangen mit einer Dienstjacke von zwei Polizisten.“

Brandkatastrophe in Saarbrücken: Vier Tote, 23 Verletzte

Flammen schlagen lichterloh aus dem dritten Obergeschoss und dem Dach des Wohnhauses. Die Feuerwehr verstärkt den Außen-angriff und auch der Innenangriff wird gewagt. Doch das Treppenhaus steht bereits in Vollbrand. Keine Chance, weiter in das Gebäude einzudringen.

Noch immer schreien dutzende Personen von den Balkonen und aus den Fenstern um Hilfe. 24 Bewohner sind offiziell in dem Haus gemeldet, aber den Helfern wird schnell klar: Es befinden sich noch deutlich mehr Menschen in dem Gebäude.

In ihrer Panik springt eine schwangere Frau aus dem Fenster, verfehlt jedoch durch den dichten Rauch den zweiten Sprungretter, der kurz zuvor aufgebaut worden ist. Sie wird schwer verletzt und stirbt wenig später im Krankenhaus. Unkontrolliert stürzen sich auch weitere Personen in die Sprungretter, trotz Warnungen und Rufe der Feuerwehr. „Die Bewohner haben uns in ihrer Panik, aber auch aufgrund der sprachlichen Barriere einfach nicht verstanden“, erinnert sich Frank Bohm, damals Mitglied im Einsatzstab der Feuerwehr.

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Immer mehr Kräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr rücken an. Ein Großaufgebot der Polizei versucht die aufgebrachten Angehörigen und andere Bürger auf der Straße zurückzuhalten, damit die Retter weiter agieren können.

Über die zweite Drehleiter, Steckleitern und die Schiebleiter versuchen die Kräfte, Personen aus dem Gebäude zu retten. Die Feuer-wehr geht erneut zum Innenangriff vor. Immer wieder erleben die Einsatzkräfte Erfolgserlebnisse, können Menschenleben buchstäblich in letzter Minute retten.

Zwei Drehleitern, zwei Sprungretter und tragbare Leitern sind rund um das Brandobjekt in Stellung. Foto: Feuerwehr Ludwigshafen

Doch auch die Gewissheit, dass sich noch Todesopfer im Gebäude befinden, nimmt zu. In diesen bangen Minuten kann der Feuerwehrangehörige Murat Isik etwas Licht ins Dunkel bringen. Der Sohn eines Türken hilft bei der Verständigung mit den Verletzten und befragt sie auch zu möglichen weiteren Personen im Haus. Am Ende des Tages ist die Bilanz fürchterlich: neun Menschen sind ums Leben gekommen – fünf Kinder und vier Frauen. Die meisten von ihnen haben sich bei Brandausbruch im dritten Obergeschoss aufgehalten.

Feuerwehr gerät massiv in die Kritik

Als wäre der Einsatz nicht schon schwer genug gewesen, sehen sich die Retter schon vor Ort immer wieder Anfeindungen der Bevölkerung ausgesetzt. In den türkischen Medien wird ebenfalls die Feuerwehr schnell an den Pranger gestellt: Die Kräfte seien erst nach 20 Minuten am Einsatzort gewesen. Auch die Polizei gerät in die Kritik.

In der türkischen Gemeinde in Ludwigshafen wird dadurch das Bild geschürt, dass die Helfer die Katastrophe bewusst nicht verhindert haben, weil das Gebäude von türkischstämmigen Menschen bewohnt worden ist. Die Stimmung heizt sich schnell auf. Dazu tragen auch die Gerüchte, die Ursache könne ein Brandanschlag gewesen sein, bei. Es kommt rund um die Einsatzstelle und auch fernab sogar zu tätlichen Übergriffen auf Feuermänner.

Der damalige Feuerwehrchef Peter Friedrich erinnert sich in einem Interview mit Feuerwehrmagazin.de: „Die Anfeindungen haben uns überrumpelt, weil wir die türkische Medien-Berichterstattung nicht so schnell nachvollziehen konnten. Erst durch die Berichte unseres türkischen Kollegen Murat Isik und seiner Frau, die zu diesem Zeitpunkt in der Türkei weilte, wurde uns dies bewusst. Von diesem Zeitpunkt an haben wir die türkischen Medien täglich übersetzen lassen, um dann in Pressekonferenzen darauf reagieren zu können. Dies zeigte Wirkung.“

Maßgeblich zur Deeskalation trägt der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am 7. Februar bei. Er ruft seine Mitmenschen zur Ruhe auf und lobt den Einsatz der Rettungskräfte. Auch Isik wirkt weiter auf die türkische Gemeinde ein. „Ich habe mit meinen Landsleuten gesprochen, sie über die Lage aufgeklärt. Schließlich kam uns der entscheidende Einfall, die Imame anzusprechen“, erzählt er. „Sie riefen in den Gebeten in den Moscheen ihre Mitmenschen zur Besonnenheit und Ruhe auf.

Auch als die Wogen geglättet sind, bleibt die Feuerwehr Ludwigshafen am Ball. Sie knüpft und pflegt Kontakte zur Berufsfeuerwehr Istanbul. Über einige Zeit wird Brandschutzerziehung über den türkischsprachigen Radiosender Metropol FM ausgespielt. Die Feuerwehr zeigt Präsenz bei interkulturellen Veranstaltungen. So gelingt es den Rettern in den Monaten und Jahren nach der Brandkatastrophe, gute Kontakte zu deutsch-türkischen Vereinen zu knüpfen.

Das hat die Konflikte nach dem Einsatz heilen können. Doch die Szenen von dem 3. Februar 2008 gehen den Rettern wohl nie mehr aus dem Kopf. Sie haben die Kräfte und die Feuerwehr verändert.

Inferno in London: Die Brandkatastrophe im Grenfell Tower

Brandkatastrophe der Flughafen Düsseldorf

Am 11. April 1996 brach ein Feuer im Düsseldorfer Flughafen aus. Bei dem Brand starben 17 Menschen. Knapp 90 Personen kamen ins Krankenhaus – zumeist mit Rauchvergiftungen.

Ursache des Brandes waren Schweißarbeiten, die einen Schwelbrand in einer Zwischendecke zur Folge hatten. Eine Durchzündung setzte diese über mehrere hundert Meter in Brand.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Zur Brandkatastrophe in Ludwigshafen.
    Es ist immer wider nur das Negative in Überschriften bzw. in den Berichterstattungen zu lesen.
    „ elf Menschen sind bei dem Brand ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte waren deswegen in der Kritik. Das die Feuerwehr aber „47 Menschen gerettet hat“ liest man kaum. Das finde ich gegenüber jedem beteiligten ein Schlag ins Gesicht. Aber so sind neunmal die Medien, mit Negativer Berichterstattung auf kosten der Retter lässt sich anscheinend mehr Geld drucken als mit Anerkennung und Respekt.

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