Die 5 größten Irrtümer zur Feuerwehr

Bremen – Könnt Ihr Euch noch erinnern? “Die Rettungskräfte waren zuerst freiwillige Feuerwehrleute oder waren das Profis?” lautete das Statement eines Reporters im Juli 2017 in der Berichterstattung zum Busunglück auf der Autobahn A9 bei Münchberg (BY).  Leider kursieren so einige Irrtümer und Klischees, wenn es um das Thema Feuerwehr geht. Wir haben die fünf bekanntesten zusammengestellt – und räumen mit Vorurteilen auf.  

 Irrtum 1: Die Feuerwehr besteht überwiegend aus Hauptamtlichen und Berufsfeuerwehrleuten

“Seid Ihr von der richtigen Feuerwehr?” – diese Frage stellen Bürger, die zwischen Hauptamt und freiwilliger Feuerwehr unterscheiden wollen. Was in der Bevölkerung im ländlichen Raum noch weiter verbreitet ist, wissen die meisten Bürger in Städten und Ballungsräumen gar nicht. Nur 6,2 Prozent, zirka 62.000, der 1 Million erwachsenen Feuerwehrangehörigen in Deutschland sind hauptamtliche Kräfte, Berufsfeuerwehr- beziehungsweise Werkfeuerwehrleute.

Laut Statistik des Deutschen Feuerwehrverbandes engagieren sich zirka 1 Million freiwillige Feuerwehrleute im aktiven Einsatzdienst. Es gibt keine öffentliche Feuerwehr ohne ehrenamtliche Einheiten beziehungsweise freiwillige Feuerwehrleute. Auch in den Großstädten sind freiwillige Feuerwehren unverzichtbar für die Gefahrenabwehr. In kleineren Städten, Gemeinden und Kommunen meistern ausschließlich Ehrenamtliche den Brandschutz und Hilfeleistung. Ob beim Großbrand oder dem Einsatzstichwort “Katze auf Baum”.

Es gibt Feuerwachen beziehungsweise Feuer- und Rettungswachen. Diese sind von Berufsfeuerwehren oder einer hauptamtlichen Wachbereitschaft besetzt.

Irrtum 2: Ein Feuerwehrhaus ist rund um die Uhr besetzt

Freiwillige Feuerwehrleute gehen dem Ehrenamt in ihrer Freizeit nach. Klar, dass sie deswegen nicht die gesamte Zeit in ihrem Feuerwehrhaus sitzen und auf den nächsten Einsatz warten. Im Falle einer Alarmierung fahren deswegen die Einsatzkräfte von ihrem Aufenthaltsort auf direktem Weg zum Feuerwehrhaus und rüsten sich aus. Einige Gemeinden haben allerdings einzelne hauptamtliche Kräfte, die dann ihre Arbeitszeit im Gerätehaus verbringen. Da dies aber nicht die Regel ist, gilt: Im Notfall nicht bei der Feuerwehr direkt anrufen, sondern die 112 wählen!

Irrtum 3: Wer den Notruf wählt, muss auch für den Einsatz der Feuerwehr zahlen

Um es klar zu sagen: Wer einen Brand entdeckt und diesen an die 112 meldet, muss nichts zahlen. Leider ist dieser Irrtum sehr verbreitet. Auch wenn er überhaupt nicht stimmt. Darüber hinaus ist dieser Irrtum gefährlich. Denn wer aus Angst vor Kosten nichts unternimmt, kann sich bei einem Notfall der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. Allerdings: Wird die Feuerwehr beispielsweise wegen eines nicht angemeldeten Gartenabfallfeuers gerufen, kann es teuer werden – für den Gartenbesitzer.

Irrtum 4: Die Arbeit der freiwilligen Feuerwehrleute wird gut bezahlt

Wie es der Name schon sagt, sind die Einsatzkräfte einer freiwilligen Feuerwehr Freiwillige und opfern ihre Freizeit. Es handelt sich dabei um ein Ehrenamt, dem jeder Einzelne aus ganz unterschiedlichen Gründen nachgeht. Aber für alle gilt: Freiwillige Feuerwehrleute bekommen für das Ehrenamt kein Gehalt. Eine Ausnahme stellen beispielsweise Führungspositionen in der Feuerwehr dar. Für diese gibt es eine geringe Aufwandsentschädigung. Einzelne Kommunen zahlen den Einsatzkräften auch Fahrtkostenerstattung beziehungsweise eine Aufwandsentschädigung für Einsätze. Die Beträge werden in den meisten Fällen pauschal für einen Einsatz ausgezahlt und liegen in der Größenordnung von 10 Euro.

Irrtum 5: Die Feuerwehr ist eine reine Männerdomäne

In vielen Feuerwehren in Deutschland arbeiten Frauen und Männer mittlerweile Hand in Hand zum Wohle der Bevölkerung. Das Bild, dass sich in einer Feuerwehr nur Männer beteiligen können, ist absolut antiquiert. Jedoch gibt es körperliche Grenzen. Die gesamte Ausrüstung, die beispielsweise für den Innenangriff benötigt wird, kann bis zu 25 Kilogramm wiegen. Aber auch dabei stehen viele Frauen mittlerweile ihren Mann.

Neun Frauen gehören aktuell der FF Böbingen. Damit beträgt die Frauenquote 15 Prozent. Deutschland weit ein Spitzenwert. Foto: Schütte

Text: Michael Klöpper

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Gute Erklärungen. Zur Weiterempfehlung und Aufklärung geeignet.

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  2. Hallo,
    eine Frage: Darf ich den Text in 5 Teilen auf Facebook für meine Freunde veröffentlichen? Ich finde die Argumente prima. Kann näheres zu meiner Person gerne mitteilen, schau mal auf die Homepage.
    Gruß Günther Semmler

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  3. In die Niederlande(Holland) bekommen die freiwilige feuerwehre ongefehr €2400 pro jahr exl einsatse die werden pro stunde betsalt aug studien werden pro stunde betsalt

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  4. Irrtum Nr.6 : Die freiwilligen machen das ja “nur” als Hobby !

    Ohne die sehr Gut ausgebildeten freiwilligen Kräfte , welche neben Beruf und Familie den Brandschutz in unseren Gemeinden, rund um die Uhr ehrenamtlich sicherstellen, ist ein Flächendeckender Brandschutz nicht sichergestellt.

    Am 24.01.2011 von Sonntag zu Montag brannte mein Haus nieder, die Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Holtriem (Westerholt/Nenndorf, Schweindorf, Blobmberg, Ochtersum – um einige zu nennen) haben das schlimmste verhindert und waren über 12 h im Eindatz, !! Ehrenamtlich und Freiwillig !!

    Vielen Dank an alle Kameraden der FFW

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  5. Irrtum Nr.7 Die Löschen ja nur Feuer

    Das Aufgabengebiet der Freiwilligen Feuerwehren ist nicht mehr nur Brandbekämpfung.
    Technische Hilfeleistung bei Unfällen, bei Unwetter Keller auspumpen, Fehlalarme von Brandmeldeanlagen überprüfen. Viele Kameraden der FFW sind auch im Rettungsdienst tätig.

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  6. Vielleicht sollten Journalisten (selber freiberuflich tätig) sich erst einmal über die Feuerwehr(en) und die Strukturen informieren, bevor man sie an ein Mikrofon oder den Stift lässt. Es kann ja durchaus sein, das der einzelne Journalist, weil er eben aus einem Ballungsraum stammt, freiwillige Feuerwehren nicht kennt, aber der Einsatzleiter oder ein Pressesprecher hätte ihm wohl helfen können. Die Feuerwehr (Sammelbegriff) ist in allen Fällen hochmotiviert und hervorragend ausgebildet. Die einen beruflich aber der überwiegende Teil eben als freiwillige, die Zeit in den Bereichen Aus- und Weiterbildung und die Hilfe für die Bevölkerung investieren. Dies sollte, so meine ich, erheblich besser kommuniziert werden.

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  7. Da stellt sich die Frage, ob das alles ureigenste Aufgabenbereiche der Feuerwehr sind oder ob sie rekrutiert worden sind. Neu ist mir, dass Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren (FFW) im regulären Rettungsdienst eingesetzt sind.

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  8. Wir bekommen 11€/Einsatzstunde und zusätzlich nochmal 11€ für eine Reinigungsstunde.

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  9. Liebe Frau Westphal, ich bin der Meinung, daß ich den Artikel schon öfters gelesen habe. Bei Wiederholungen, welche nicht schlecht sind, sollten die Daten jedoch aktualisiert werden. Die Einsatzvergütung liegt schon eine ganze Weile über 10 €. Ist schließlich als Ersatz für den Verdienstausfall vorgesehen. Dieser wird schließlich Brutto vom AG einbehalten. Bin sogar der Meinung, daß das der Städte- und Gemeindetag hierfür Empfehlungen ausgesprochen hat.

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  10. Anmerkung zu Nr. 5: “Die gesamte Ausrüstung, die beispielsweise für den Innenangriff benötigt wird, kann bis zu 25 Kilogramm wiegen.”
    Dann kauft auch mal eine neue Waage 🙂
    Atemschutzausrüstung mit Stahlflasche: Beim kürzlichen Wiegen (geeichte Waage) ergaben sich für meine PSA insgesamt 28,5kg (Gürtel und Leinenbeutel inklusive). Noch ohne Werkzeug – auch keine Axt. Wenn dann noch Axt, Strahlrohr (Schlauchpaket) und Wärmebildkamera dabei sind,
    können es schon mal 35kg und mehr sein. Nehme ich beim Innenangriff immer “gerne” mit! Anders gesagt: Komplette PSA und genanntes Werkzeug sind immer Pficht. Sonst bleibe ich draussen. Oder darfs auch ein bisschen mehr sein, fragte der freundliche Metzger beim Belegen der Schinkensemmel.

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  11. Das ist aber nicht die Regel. Bei uns bekommen nur einige Funktionsträger eine Aufwandsentschädigung und die beträgt bei mir z.B. als AGW 12€ im Monat. Da verfahre ich schon mehr, wenn ich zu den regulären Ausbildungsdiensten zum Feuerwehrhaus fahre.

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  12. Darf ich fragen, wo du herkommst?

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  13. Bei uns ist die Feuerwehr auch freiwillig.Wir bekommen aber 35 Franken pro Stunde und die erste Stunde bei einem Einsatz ist doppelte bezahlt. Das Kader erhält zusätzlich eine Funktionsentschädigung je nach Stufe

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  14. Eigentlich kann man allen Helfern nur immer wieder Danke sagen, und doch gäbe es Möglichkeiten ihre Leistungen zu würdigen.
    1. seid Wachsam, erkennt Gefahren und Meldet sie der Leitstelle für den Brand- und Katastrophenschutz und den Rettungsdienst (112)
    2. Bereitet euch auch als Laien auf das Helfen vor, Erste-Hilfe-Kurse, schaut euch einmal einen Feuerlöscher Aufmerksam an und versteht wie er funktioniert, haltet Mittel zum Selbstschutz z.B. im Auto bereit, Warnweste, Warndreieck, Sani-Kasten bereit.
    3. Unterstützt die Arbeit der Helfer z.B. durch das Bilden von Rettungsgassen, das Freihalten von Feuerwehrzufahrten und Feuerwehrstellplätzen, Parkt nicht auf Hydranten (Ihr erkennt sie an den weißen Schildern mit rotem Rand und schwarzer Aufschrift an Gebäuden oder an Pfählen) reagiert aus Sondersignale (blaues Blinklicht und Signalhorn) in dem ihr die ungehinderte Durchfahrt ermöglicht
    4. Nutzt die Möglichkeiten eure Feuerwehr kennen zu lernen, Tage der offenen Tür, öffentliche Traditionsveranstaltungen, Feuerwehrwettkämpf, Eurer Erscheinen auf diesen Veranstaltungen ist eine Dankeschön an die Kameradinnen und Kameraden

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  15. Ich denke hier ist gemeint, dass viele bei Rettungsdienst Organisationen arbeiten bzw.sich nebenbei auch in Ortsverbänden anderer Hilfsorganisationen betätigen.
    Geht alles wenn entsprechende Absprache oder Prioritäten gesetzt werden..

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