Leitstelle und Gemeinde streiten um Reanimations-Einsätze

Bayern: muss die Feuerwehr zur Reanimation ausrücken?

Augsburg (BY) – In der Gemeinde Kutzenhausen (Kreis Augsburg) gibt es Streit um die Zuständigkeit bei Reanimations-Einsätzen. Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet, habe der dortige Gemeinderat als Dienstherr beschlossen, Feuerwehren von diesen psychisch belastenden Einsätzen zu entbinden. Dabei berufe sich der Rat auf ein Papier vom bayerischen Innenministerium. Darin hieße es, dass jede Feuerwehr selbst darüber entscheiden könne, ob sie zu einer Wiederbelebung ausrückt.

Medienberichten zufolge soll das bayerische Innenministerium den Feuerwehren überlassen haben, ob sie zu Reanimations-Einsätzen ausrückt. Symbolfoto: M. Brändli

Laut dem Zeitungsbericht setze die Integrierte Leitstelle Augsburg diese Weisung aber nicht um. Dort werde befürchtet, dass Disponenten auf unterlassene Hilfeleistung verklagt werden, wenn sie im Falle einer Reanimation eine ortsnahe Feuerwehr – bei entsprechendem Zeitvorteil gegenüber dem Rettungsdienst – nicht alarmieren. Diese Auffassung teile auch ein Oberstaatsanwalt. Die Ortsfeuerwehren wollen offenbar indes doch zu Reanimationen ausrücken, wenn sie eine entsprechende Schulung erhalten, heißt es in einem weiteren Bericht der Augsburger Allgemeinen.

Hier geht’s zum Originalbeitrag: „Sind Feuerwehren für Reanimationen zuständig?“ (Augsburger Allgemeine, 04. August 2018)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ja warum denn nicht? Der Ausbildungsstand in Sachen Erster Hilfe ist bei jeder durchschnittlichen FF deutlich höher als in der normalen Bevölkerung. Viele mir bekannte FFs haben auch med. Sauerstoff und AEDs an Bord. Im Fall eines Kreislaufstillstands nimmt die Überlebenschance pro Minute um 10% ab, umso wichtiger ist es frühestmöglich professionelle Hilfe und Ausstattung vorort zu haben. Kann mir auch nicht vorstellen dass eine Feuerwehr von sich aus in der Situation die Hilfe verweigert?

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  2. Ich muss ganz ehrlich zu diesem Thema sagen, dass man sich beim Eintritt in die Feuerwehr darüber im Klaren sein muss, dass man zu belastenden Einsätze gerufen wird.
    Was kommt als nächstes ?
    Werden Feuerwehren dann auch nicht mehr zu belastenden Einsätzen wie Verkehrsunfällen gerufen ?
    Klar sind solche Einsätze nicht schön, doch man muss sich wie oben bereits gesagt, darüber im Klaren sein, dass man bei der Feuerwehr in keinem Gesangsverein ist.

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  3. Ja warum denn nicht, warum soll ein Feuerwehrmann nicht können, was von jedem Verkehrsteilnehmer und Ersthelfer erwartet wird. Erste Hilfe ist für jeden eine Pflicht und hier hat die Feuerwehr die Möglichkeit ihre Mitglieder besser und fortlaufend zu schulen (Aufnahme der Ausbildung in den Übungsplan). Ein Verkehrsteilnehmer hat in aller Regel nur beim Erwerb seines Führerscheines einen einfachen Ersthelfer-Kurs abgelegt und von dem wird es ja auch verlangt.

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  4. Bei uns hat jeden Feuerwehr wagen einen Automatische Externe Defibrillator an bord und alle collegen sind dahr fur ausgebildet

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  5. lt. deren web-site verfügt die FF über 1 (!) KF 8/6. Das spricht für eine kleine Gemeinde ohne besondere Risiken. Die web-site informiert auch über die aktive Beteiligung an weltlichen und kirchlichen Aktivitäten. Das soll wohl heissen, daß an der Kirmes der Parkplatzdienst gemacht wird und bei der Prozession die Fahne präsentiert wird. Das Argument der psych. Belastund ist eine Farce. Brand- und Wasserleichen, Person unter Zug auf 200m Länge verteilt, im Häcksler eingeklemmt…alles keine “schönen” Einsätze. Deswegen gibt es auch für die Feuerwehren die Möglichkeit der strukturierten Einsatznachbearbeitung. Der DFV ist hier durchaus rege. Man könnte ja ein bekanntes Gesicht treffen…was macht die FF denn bei einer Techn. Hilfeleistung mit eingeklemmter Person auf der Landstrasse? Die Wahrscheinlichkeit eines von weit-weit-weg kommenden Fahrzeugs ist wohl gering. Mit Sicherheit machen die FF-ler vor Ort die Totenwache mit blankpoliertem Helm und Ausgehanzug. Fragen über die evtl. vorherige und abgelehnte Hilfe werden dann wohl ausgesessen;mir-san-mir. Sorry aber für mich ist das eine Feierwehr und keine Feuerwehr.

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  6. Zur Grundausbildung bei der Feuerwehr gehört auch der Nachweis eines Erste- Hilfe- Lehrganges, außerdem müssen die Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig aufgefrischt werden. Und das Motto der Feuerwehren sagt es schon: Retten- Löschen- Bergen- Schützen. Was ist daran nicht zu verstehen?

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  7. Der Grundgedanke liegt nahe.
    Aber:
    Dann müssen diese Einsätze einer Gebührenordnung unterliegen, damit die KK sich nicht noch mehr aus der Fläche ziehen und den Rettungsdienst nicht weiter ausbauen, was in vielen ländlichen Regionen nötig wäre.
    Grundsätzlich steht das Wohl des Menschen im Vordergrund und da sehe ich vor den KK den Gesetzgeber in der Pflicht, ein funktionierendes System zu etablieren.

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  8. “Wir kehren 50 mal im Jahr Ölspuren und fahren zu 100 Täuschungsalarmen. Von der Gemeinde wollen wir für dieses tolle, tolle Engagement gelobt und gefördert werden. Ein noch neueres, noch größeres Feuerwehrauto soll es bitte auch sein.
    Aber wehe jemand ruft uns zu Hilfe, weil in der Nachbarschaft einer zu sterben droht! Dafür sind wir nicht zuständig, das belastet uns, das wollen wir nicht.”

    …für so eine Haltung habe ich absolut kein Verständnis. Es ist doch völlig egal, ob mich jemand als “Feuerwehr” zur ersten Hilfe ruft oder als Privatperson. Entscheidend ist, dass jemand in meiner Gemeinschaft (in meinem Dorf) dringend Hilfe benötigt und ich davon Kenntnis erlange. Und dann helfe ich. Als Feuerwehrdienstleistender erst recht.

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  9. Sehr interessant.
    Das, was im Rahmen des 1. Hilfe Lehrgangs für den Führerschein von jedem Bürger verlangt wird, kann/will von den bayrischen Kameraden nicht geleistet werden?
    Das man gerade als freiwilliger Kamerad oftmals bei Einsätzen in der direkten Nachbarschaft tätig wird, sollte jedem klar sein, der sich für dieses “Hobby” interessiert.
    “Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr” sollte nicht nur für den vollgelaufenen Keller oder die in Brand stehende Gartenlaube gelten.

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  10. Die ganzen Kommentare gehen hier am Thema vorbei. Es ist ja nicht die Frage ob die Kameraden erste Hilfe leisten oder nicht das ist unbestreitbar. Hier geht es darum das die Leitstelle die Feuerwehr explizit zu Reanimationsmassnahmen alarmiert, das heißt, die Kameraden verlassen ihren Arbeitsplatz, fahren unter Nutzung von Sonderrechten zur Feuerwache und von dort mit Blaulicht und Martinshorn unter nutzen von Sonder und Wegerechten zu einem Einsatz bei dem sie unter Umständen nicht mehr tun können als der Nachbar von gegenüber nur mit einem erheblich höheren Risiko. Ich denke das sollten die Kameraden wohl selbst entscheiden denn hier handelt es sich nicht um eine Pflichtaufgabe der Feuerwehr. Zuständig sind hier definitiv der Rettungsdienst oder freiwillige First Responder Einheiten der Feuerwehr und andere freiwillige Einheiten wieso gesteht man also nicht der Feuerwehr das gleiche Recht wie allen anderen zu.

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  11. Es stellt sich hier wohl weniger die Frage des helfen wollens des einzelnen FA.
    Es ist traurig genug das der Regel Rettungsdienst länger braucht als eine FF, deren Angehörige im Normalfall erst vom Arbeitsplatz zum Gerätehaus müssen.
    Und wie kann die Gemeinde als Kostenträger die anfallenden Kosten (Verdienstausfall…) In Rechnung stellen?
    Was sagt der Arbeitgeber zu mehr Fehlzeiten wegen Einsätzen die eigentlich gar nicht Aufgabe einer FF sind?
    Schaffen wir dann zukünftig alle RTW ab und es gibt nur noch einen Notarzt Zubringer zu den ehrenamtlichen Helfern?
    Auch wenn es Geld kostet, hier ist definitiv der Rettungsdienst in der Pflicht.

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  12. Jede Sekunde zählt! Jeder Feuerwehrmann kann in eine solche Situation kommen und schnellstes handeln ist dann erforderlich! Haben unsere Politiker keine andere Arbeit? Eine solche Frage ist nicht wünschens Wert. Jedes Menschenleben zählt oder?

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  13. Also Grundsätzlich finde ich nicht das es die Aufgabe einer Freiwilligen Feuerwehr ist, es sei denn dort ist ein bestimmter First Responder Dienst angemeldet. Dann kann ich auch davon ausgehen das die alarmierten Feuerwehrkräfte eine ausreichende Qualifikation besitzen um eine Reanimation durchzuführen. First Responder sowie HvO Standorte nehmen immer mehr zu und das ist auch gut so, sie haben eine entsprechende Ausbildung in medizinischen Notfallsituationen erworben und sind sich dessen bewusst auf was für Situationen sie stoßen können. Eine Feuerwehr ohne diese Qualifikation kann man meiner Meinung nach nicht zu Medizinischen Notfällen schicken, da dort alleine schon die Routine zu fehlt. Des weiteren gehe ich zur Feuerwehr und nicht zum Rettungsdienst.

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  14. Eine FFW ist und bleibt eine Feuerwehr, und wenn die Rettungsmittel nicht ausreichen muss aufgestockt werden.
    Auch wenn es Geld kostet!!!
    Die Feuerwehr macht Brand& Technik nur im Extremfall sollte die FW zu solchen Einsätzen gerufen werden. Das Risiko eines Unfall auf der Fahrt zur FW und zur Einsatzstelle ist zu hoch !!!!

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  15. Und wiedermal sind die Niederländer uns viel vorraus. Die Brandweer fährt überhaupt keinen Rettungsdienst. Bei einer Reanimation kommen aver 2 RTW, Mind. ein FW-fahrzeug (Vergleichbar LF,HLF,..) UND Polizei (auch mit AED).
    Versteh hier nicht weshalb mit dann in einer FW ist, wenn man diskutiert ob man als FW zu einer Rea fährt. Würde sagen diese Leute haben ihr Hobby Feuerwehr weit verfehlt.

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  16. Da stellt sich die Frage ob das Argument der psychischen Belastung nicht vorgeschoben ist. Leider sind hier nicht alle relevanten Informationen vorhanden um das Thema bewerten zu können.
    Wenn die Kameraden 3-4 Mal am Tag zusätzlich ausrücken müssten wäre das tatsächlich eine starke psychische Belastung durch den verursachten Stress. Wenn besagte FF zu jedem lebensbedrohlichen Einsatz alarmiert werden liegt ein Behördenversagen vor. Rückt diese FF allerdings als First Responder Einheit aus, wenn kein RTW verfügbar ist sehe ich da überhaupt kein Problem.

    Den Kameraden zu unterstellen sie wollten nicht ausrücken oder sie als “Feierwehr” bezeichnen empfinde ich als vermessen. Denn wer bereits in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Einsatzgerufen wurde oder im eigenen Haushalt tätig werden musste weis nun, dass solche Einsätze schwerer zu verarbeiten sind als reguläre Alarme, bei denen Fremde Hilfe benötigen.

    Wer den Originalartikel gelesen hat, dürfte auch gelesen haben, dass die Verantwortlichen versuchen eine Lösung zu finden.

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