Im Gefahrenfall viele Menschen erreichen

Warnung statt Werbung: Feuerwehr nutzt öffentliche Displays

Frankfurt – Die Stadt Frankfurt geht neue Weg in der Gefahrenmeldung: Sie informiert ihre Bewohner künftig zu Lagen auch über digitale (Werbe-)Bildschirme, die an Bahnhöfen und S-/U-Bahn-Station stehen. Möglich macht dies eine Kooperation mit der Ströer Media Deutschland GmbH, wie die Feuerwehr Frankfurt in einer Pressemitteilung berichtet.

An der Konstabler Wache: Ab jetzt werden auf allen 290 digitalen Ströer-Displays in Frankfurt Bevölkerungswarnungen ausgespielt. © Feuerwehr Frankfurt

Wie informiert man in Gefahrenlagen wie Bombenfund, Chemieunfall, Großbrand oder Hochwasser so schnell wie möglich potenziell gefährdete Menschen? Wie gibt man Verhaltensregeln effizient an die Hand, um das eigene und das Leben von anderen zu schützen? Annette Rinn, Dezernentin für Ordnung, Sicherheit und Brandschutz in Frankfurt, erklärt dazu: „Ziel ist, dass im Ereignisfall möglichst viele Menschen mit einer Warnmeldung erreicht werden können. Um dies zu erreichen, muss man heute auf viele Verbreitungswege für eine Warnung setzen.“ Im digitalen Zeitalter also vor allem über Bildschirme, Displays und Screens.

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In der Main-Metropole ist die Feuerwehr Frankfurt für Bevölkerungswarnungen „nicht-polizeilicher Gefahrenlagen“ zuständig. Die Zentrale Leitstelle verfügt über eine satellitengestützte, hoch ausfallsichere Station für das nationale Warnsystem MoWaS, zur Verfügung gestellt vom Land Hessen. So werden nationale und regionale Radio- und Fernsehsender mit Warnmeldungen zur zeitnahen Weiterverbreitung versorgt, parallel dazu auch Warn-Apps.

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Eine weitere Schnittstelle sorgt ab sofort dafür, dass Warnungen nun auch über die digitalen Stadtinformationsflächen der Firma Ströer ausgespielt werden. Wenn künftig erneut flächendeckend die Notfallnummern 112 und 110 ausfallen, kann dies weiterhelfen.

Das Public-Video-Netzwerk von Ströer umfasst in deutschen Großstädten 5.500 digitale Werbeflächen an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfe, Straßen, Einkaufszentren und U- sowie S-Bahnsteigen. In Frankfurt befinden sich mehr als 40 dieser Displays allein an den Stationen Hauptwache und Konstablerwache. Am Hauptbahnhof, am Regionalbahnhof am Flughafen und vielen weiteren Stationen im Stadtgebiet sendet das Unternehmen über 290 digitale Informationsflächen ebenfalls Werbung, Nachrichten und Wetter an Passanten und Pendler. Ein dichtes Netz an zusätzlichen Anzeigeflächen mit in die Warninfrastruktur einzubinden, liegt nahe.

Infoscreen am Bahnhof Konstablerwache. Ab jetzt werden auf allen 290 digitalen Ströer-Displays in Frankfurt Bevölkerungswarnungen ausgespielt. © Feuerwehr Frankfurt

Die Warnmeldungen auf den Ströer-Anzeigen werden explizit als Warninhalte der Feuerwehr gekennzeichnet und enthalten die Informationen: Welche Gefahr besteht? Wo in Frankfurt? Was sollen die Bürger tun oder lassen?

Frankfurt ist damit die erste Stadt, in der durch solche Werbe-Screens in allen drei Gefahrenstufen gewarnt werden kann. Das Warnsystem MoWaS unterscheidet in:

  • „Gefahreninformation“ (niedrigste Stufe, zum Beispiel eine Bombenentschärfung mit einigen Tagen Vorlauf),
  • „Gefahr“ (mittlere Stufe, etwa Starkregen in kritischen Mengen) und
  • „extreme Gefahr“ (höchste Stufe, die beispielsweise ausgelöst wird bei extremem Hochwasser mit akuter Lebensgefahr).

Zwischen der Feuerwehr Frankfurt und Ströer besteht die Vereinbarung, je nach Stufe ihre eingespielten Inhalte zu unterbrechen oder die Warnung innerhalb der geplanten Schleife auszuspielen.

Zentrale Warninfrastruktur für Frankfurt – Feuerwehr nimmt satellitengestützte MoWaS-Station in Betrieb. © Feuerwehr Frankfurt

Die Nutzung von digitalen Flächen in Frankfurt sei sinnvoll und zeitgemäß, bestätigt Markus Röck. Der Direktionsbereichsleiter bei der Frankfurter Feuerwehr ist für Krisenkommunikation zuständig. „Warnung im Krisenfall muss schnell, einfach und wirkungsvoll sein – für die Leitstellenkräfte, die mit MoWaS nur ein System für alle Warnmedien bedienen müssen, und für die Empfänger. Dort die Menschen erreichen, wo sie sind, mit den Medien, die sie im Alltag nutzen beziehungsweise wahrnehmen – das Prinzip ist wichtig beim Thema Warnung“, sagt Röck.

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