Kein Durchkommen für die Einsatzkräfte

Feuerwehr muss aufs Fahrrad umsteigen

Neustadt in Holstein (SH) – Auf der Autobahn 1 zwischen Neustadt und Harmsdorf ist aufgrund einer Baustelle der Verkehr einspurig gehalten. Das führt zu Staus, Frust bei den Autofahrern und Navigationsgeräten, die eine alternative Route direkt durch die Neustädter Innenstadt vorschlagen. Hier herrscht dadurch nun häufig ein Verkehrschaos. Kein Durchkommen mehr für niemanden, auch nicht für die Feuerwehr.

Die ehrenamtlichen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt in Holstein sehen keine Chance mehr, mit dem Auto zum Feuerwehrhaus zu gelangen. Gerade am Wochenende sind die Straßen in der Hafenstadt an der Ostsee dicht. Normalerweise leben hier rund 17.000 Einwohner. Jetzt im Sommer kommen rund 40.000 Touristen, Tagesausflügler und Urlauber hinzu. Und die Durchreisenden, die eigentlich über die A1 an Neustadt vorbeifahren wollten.

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„Die ganze Innenstadt steht komplett“, berichtet Wehrführer Alexander Wengelewski gegenüber feuerwehrmagazin.de. „Die Leute kommen nicht einmal mehr von der eigenen Hofeinfahrt zum Einkaufen.“ Und eben auch nicht, um im Einsatzfall zum Feuerwehrhaus zu fahren. Zum Glück liegt das Neustädter Feuerwehrhaus sehr zentral. Einige Kameraden sind zu Fuß schnell vor Ort und können das erste HLF und die Drehleiter zeitnah besetzen. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es dann los. Wieder in den Stau, in dem es auch mit Sondersignal kaum eine Möglichkeit gibt, schneller voranzukommen.

Zu Fuß oder mit dem Rad geht es schneller

Die weiter weg wohnenden Kameraden brauchen mehr Zeit, bis sie es zum Feuerwehrhaus geschafft haben. Statt mit dem Auto kommen sie nun teilweise zu Fuß angerannt oder mit dem Fahrrad. So sind sie zwar langsamer als normalerweise mit dem Auto, aber schneller, als wenn sie im Stau stehen würden. Es dauert bis zu fünfzehn Minuten länger als sonst, bis auch sie mit weiteren Fahrzeugen ausrücken können. Die Schutzzeiten sind unter diesen Bedingungen kaum mehr einzuhalten.

Wenn die Einsatzkräfte es zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Feuerwehrhaus geschafft haben, stehen sie anschließend auf der Anfahrt zum Einsatzort im Stau. (Bild: Lutz Roessler)

„Die Verkehrsteilnehmer verlieren die Nerven,“ gibt Wengelewski wieder, was die Kameraden dann auf der Anfahrt zum Einsatzort erleben. „Sie biegen in den Gegenverkehr ab, Wenden mit dem ganzen Wohnwagengespann und Überholen den Stau auf der Gegenfahrbahn. Dort können sie nicht ausweichen, selbst wenn ihnen auf einmal ein Feuerwehrauto mit Blaulicht entgegenkommt. So kommt es immer wieder zu brenzligen und nicht ganz ungefährlichen Situationen.“ Der Rettungsdienst, der in Neustadt ständig besetzt ist, hat die gleichen Probleme.

Der Wehrführer lobt den Bürgermeister der Stadt, der sich für seine Feuerwehr und die Sicherheit im Ort einsetzt. So unterbreitete die Stadt der Autobahn GmbH bereits mehrere Vorschläge, um die Situation schnell zu lösen: Schilder auf der A1, die die Autofahrer darum bitten, die Neustädter Innenstadt zu umfahren oder die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, die Autobahn während der Umbauphase wenigstens zweispurig geöffnet zu halten. Alle Anträge wurden abgelehnt. Also werden die Navigationsgeräte die Autofahrer wohl noch bis November durch die Neustädter Innenstadt führen.

Die Feuerwehr Neustadt in Holstein behilft sich so lange, so gut sie kann. „Noch ist niemand zu Schaden gekommen, weil wir später angekommen sind“, erklärt Wengelewski. Trotzdem rückt zu Brandsicherheitswachen bei großen Veranstaltungen im Moment statt einem Fahrzeug ein ganzer Löschzug aus. So ist sichergestallt, dass im Notfall ausreichend Hilfe da ist und sich nicht erst einen Weg zum Einsatzort bahnen muss.

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