Extremhitze und Trockenheit plus Wind

Experten warnen: Es drohen katastrophale Vegetationsbrände

Berlin/Münster (NW) – Nach Einschätzung von Feuerwehr-Experten wächst die Gefahr riesiger Vegetationsbrände in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Insbesondere die Kombination aus hohen Temperaturen, großer Trockenheit und starken Winden soll die Lage in den nächsten Tagen weiter verschärfen.

Feuerwehrexperten warnen vor katastrophalen Vegetationsbränden in den nächsten Tagen und Wochen (Symbolfoto).

Wie der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben, haben Meteorologen für die kommende Woche für weite Teile Deutschlands Temperaturen von über 30 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten in Böen bis zur Stärke 6 vorhergesagt.

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„Es ist zu befürchten, dass die Situation noch gefährlicher werden könnte als im Katastrophenjahr 2018“, betont Dr. Ulrich Cimolino, Vorsitzender des Arbeitskreises Waldbrand im DFV und Vegetationsbrandexperte der vfdb. „Damals verursachten Waldbrände und Dürre allein in Europa Schäden von 3,9 Milliarden Dollar.“ Besonders dramatisch sei die langfristige Vorhersage, wonach die kritische Wetterlage mit hohen Temperaturen und großer Trockenheit noch bis in den August anhalten soll.

Feuerwehren hätten beobachtet, dass trotz Niederschlags in einigen Regionen die Bodentrockenheit und Durchschnittstemperatur derzeit größer sei als üblicherweise zu Beginn des Sommers. „Diese Ausgangslage wird in weiten Teilen Europas und in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ausgedehnten Vegetationsbränden führen, die sich schnell entwickeln“, warnt Cimolino.

In Deutschland liege der Gefahrenschwerpunkt voraussichtlich in einem mehrere hundert Kilometer breiten Band von Südwesten nach Nordosten. Hier werde es wohl die höchsten Temperaturen geben, bei zum Teil frischem Wind (Windstärke 5).

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Ebenfalls gefährdet seien auch nicht so extrem von Hitze betroffene Bereiche, insbesondere das Bergland. Wegen der Hanglagen könne sich Feuer dort besonders schnell ausbreiten. Auch nachts würden die Temperaturen nur wenig fallen, während gleichzeitig – nach aktuellen Vorhersagen – ganztägig mit böigem Wind gerechnet werden müsse.

Laut Cimolino müssten alle Partner im Einsatz darauf achten, dass die Brandbekämpfung schnell, massiv und gleichzeitig nachhaltig durchgeführt werde. „Jedes Glutnest wird bei dieser Wetterlage spätestens mit auffrischendem Wind sofort wieder für den nächsten Brand sorgen“, warnt der Experte. „Insbesondere die Nachlöscharbeiten müssen daher sorgfältig und möglichst mit Wärmebildkontrolle auch aus der Luft durchgeführt werden.“

Warnungen und Empfehlungen des DFV und der vfdb

In einem gemeinsamen Appell rufen DFV-Präsident Karl-Heinz Banse und vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner dazu auf, die Warnungen und Empfehlungen der Feuerwehrexperten ernst zu nehmen:

1. Rauchen, offenes Feuer, Grillen etc. ist vom 1. März bis 31. Oktober in den Wäldern in ganz Deutschland (in einigen Ländern ganzjährig!) verboten, sondern auch in allen anderen Vegetationsbereichen zu unterlassen, insbesondere dann, wenn es dort trocken ist. Bitte nutzen Sie dafür befestigte Plätze mit ausreichend großen nicht brennbaren Bodenflächen.

2. Jeder Verdacht auf ein Feuer sollte sofort über die Notrufnummer 112 gemeldet werden. Je früher ein Brand entdeckt wird, umso schneller kann er noch mit dann guter Aussicht auf Erfolg bekämpft werden.

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3. Geben Sie den Ort des Feuers möglichst genau an. Dazu kann man bekannte Objekte, Wegkreuzungen, oder auch die Rettungspunkte der Rettungskette Forst benutzen. Soweit Sie über ein Mobiltelefon mit einer Standortfunktion verfügen, können Sie auch diese benutzen, um ihren Standort zu übermitteln. Beachten Sie dabei, das ist allerdings unter Umständen nicht die konkrete Lage des z.B. am gegenüberliegenden Berghang gesehenen Feuers!

4. Die Feuerwehren sollten sich z.B. so vorbereiten:
a) Kontrolle der Zusatzbeladung Vegetationsbrandbekämpfung.
b) Geeignete leichte Persönliche Schutzausrüstung bereitlegen und auch bei anderen Einsätzen mitführen.
c) Kontakte zu den Land- und Forstwirten mit den notwendigen Spezialmaschinen zur Einsatzunterstützung sowie deren konkrete Verfügbarkeit überprüfen.
d) Unterstützung für den Wassertransport prüfen und aktualisieren (Landwirtschaft, Bauhöfe, Firmen etc.).
e) Einheiten aus der Vorplanung für überregionale Einsätze sollten ihre Zusammenstellung aktualisieren (Ferienzeit und eigene Gefahrenlage beachten!).
f) Einsatztaktik nochmals besprechen, dabei insbesondere auf die Gefahrenlage von schnell laufenden, da windgetriebenen Feuern eingehen!
g) Überregionale Einheiten – insbesondere auch solche für den Luftfahrzeugeinsatz, die im Rahmen der Amtshilfe angefordert werden sollen – frühzeitig über die vorgesehenen Stellen kontaktieren und um Bereitstellung der entsprechenden Einsatzmittel ersuchen.
h) Beachten Sie in der Einsatzvorbereitung und im Einsatz die regionale Wetterlage und deren Entwicklung.

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5. Land- und Forstwirte sollten
a) Löschmöglichkeiten am Fahrzeug mitführen (z.B. Feuerlöscher),
b) die Maschinen und deren Motoren vor und nach der Arbeit überprüfen, um z.B. verschmutzte Filter, defekte Hydraulikschläuche etc. zu wechseln,
c) während der Arbeit ihre Geräte und Maschinen beobachten und bei Problemen (steigenden Temperaturen, Warnungen etc.) die Arbeit unterbrechen, den trockenen Bereich verlassen und auf einem Weg oder einer unbewachsenen Stelle die Maschine kontrollieren,
d) bei Verdacht auf ein Feuer ebenfalls sofort die Feuerwehr alarmieren,
e) größere bzw. abgelegenere Arbeitsbereiche z.B. bei der Feldarbeit mit einem Traktor mit Grubber bzw. im Wald bzw. Buschbereich mit einem Wasserfass begleiten. So können bei einem Feldbrand die nicht betroffenen Bereiche mit einem Schutzstreifen gesichert und das Feuer so von der umgehend alarmierten Feuerwehr einfacher und schneller bekämpft werden.

6. Einheiten zur Luftfahrzeugunterstützung der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sollten ihre Verfügbarkeit prüfen, einen möglichst hohen Klarstand bei den Fluggeräten und Besatzungen vom kommenden Wochenende an bereitstellen und sich darauf einrichten, parallele Anforderungen zu mehreren Einsatzorten abdecken zu müssen.

7. Unterstützende Behörden oder Firmen sollten ihren Fuhrpark vorbereiten. D.h. Wasserfässer füllen, ggf. notwendige Übergangsstücke bereitlegen.

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Zur Einsatzunterstützung hat der AK Waldbrand über den DFV dazu folgende Fachempfehlungen herausgegeben (Link zum Download):

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Frau Hesse, Privatleute und Gärtner aufs Feld zum Pflügen? Netter Witz! Dazu brauchts Fachkräfte aus der Landwirtschaft. Einfach mal mit dem Traktor und schwerem Gerät aufs Feld? Schon etwas naiv gedacht. Die Meisten würden die Fahrt zunm Acker nicht schaffen! Ich würde als Landwirt meine Profigeräte keinem Laien überlassen. Wäre unverantwortlich gegenüber den Menschen. Vom wahrscheinlichen Schäden an Maschinen noch garn nicht zu reden. Das ist genauso wie die Politikerin, die meinte die Landwirte um Ingolstadt, die ihre Höfe aufgeben müssen, können dann bei Audi arbeiten. Es hat jeder drei Berufe und alle Führerscheine in der Hosentasche 🙂

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  2. Gibt es nicht vielleicht die Möglichkeiten, das Bauern zB mit ihrem Traktor die Felder auflockern? So das Regen im Extremfall eindringen kann? Und das man dieses auch auf Waldrandgebiete erweitert? Ich weiß, daß die Bauern wirklich massive Arbeiten, teilweise fast die ganze Nacht hindurch. Vielleicht machen ja Gärtnereien mit, oder Privatleute. Ich habe zum Beispiel hier im Park einige Löcher hinein gebohrt, damit Wasser eindringt. Die Bäume brauchen ja auch Wasser. Ist nur eine Frage

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  3. Das Problem beim Niederschlag ist, dass der Regen gar nicht mehr in den harten Boden eindringen kann. Wenn es jetzt stärker regnet (und das ist immer öfter der Fall, “Landregen” gibt es offensichtlich nicht mehr), kommt es oftmals zu Überschwemmungen bis hin zu Ausmaßen wie zuletzt am 14. Juli 2021 in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz mit dramatischen Folgen. Also sind die Hauptprobleme nicht mehr der “normale” Waldbrand, sondern Extremereignisse. Entweder große Waldbrände oder Überflutungen ganzer Gebiete. Richtig vorbereiten kann man sich darauf allerdings nicht, da meistens nicht vorhersehbar ist, wo genau sich das Ereignis entlädt. Leider gibt es immer noch einige Brandstifter, die wie zuletzt bei dem Brandereignis zwischen Brandenburg und Sachsen den Brand vorsätzlich gelegt haben. Wir haben noch eine Menge vor uns.

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