bvfa veröffentlicht erschreckende Statistik

Bereits 13 Tote bei Bränden in Senioren- und Pflegeheimen

Würzburg (BY) – Die Zahl an Bränden in den stationären Einrichtungen der Alten- und Behindertenpflege bewegt sich in den letzten Jahren auf kontinuierlich hohem Niveau. Für 2018 waren bereits bis Mitte August 89 Brände mit 13 Toten und 144 Verletzten gemeldet. 2017 waren bei einer vergleichbaren Anzahl an Bränden fünf Todesopfer zu beklagen. Mehr Brandschutz für Alten- und Pflegeheime fordert daher der bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V., denn zu selten setzen die Einrichtungen bisher auf Sprinkleranlagen, die im Ernstfall nachweislich Leben retten.

Im Juni 2017 brennt es in einem Pflegeheim in Wilhelmshaven (NI). 66 Bewohner können von der Feuerwehr aus dem Gebäude gerettet werden. Sieben Menschen werden verletzt. Das Gebäude wird ein Totalschaden. Foto: Preuschoff

Die Bilanz der bvfa-Statistik zeigt die dramatische Entwicklung von Bränden in sozialen Einrichtungen: Im Jahr 2018 weist die Statistik bereits Mitte August mit 13 Brandopfern fast dreimal mehr Todesopfer auf als im Vorjahr (2017: fünf Brandopfer) über das gesamte Jahr. Die Anzahl an Verletzten befindet sich aktuell 2018 mit 144 Personen schon auf vergleichbarem Vorjahresniveau (2017: 158 Verletzte). Im vierten Jahr in Folge verzeichnen die Statistik damit eine gleichbleibend hohe Anzahl an Zwischenfällen. Die häufigsten Brandursachen waren entflammte Küchengeräte, defekte technische Geräte, aber auch fahrlässiges Verhalten beim Rauchen sowie Brandstiftung. Die Auflistung wird regelmäßig vom bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. aktualisiert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie steht unter www.bvfa.de kostenfrei zum Download bereit.

Zwischen 2012 und August 2018 hat der bvfa Informationen gesammelt zu Brandhäufigkeiten, Brandopfern und Brandursachen in sozialen Einrichtungen (Senioren- und Pflegeheimen). Das abgebildete Diagramm zeigt die Anzahl von Bränden und die damit verbundenen Todesopfer sowie Verletzten zwischen 2012 und 2018. Quelle: bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e. V.

Die Statistik zeigt eindringlich, dass es noch immer viel zu oft in sozialen Einrichtungen in Deutschland brennt – im Schnitt mehr als zwei Mal wöchentlich! Betroffen sind besonders hilfsbedürftige Menschen, für die weitaus umfangreichere Brandschutzmaßnahmen erforderlich sind, als bisher zum Einsatz kommen. In der Regel sind Sprinkleranlagen in Alten- und Pflegeheimen gesetzlich nicht vorgeschrieben, können allerdings im Ernstfall Leben retten. Sprinkleranlagen erkennen Brände automatisch und löschen im besten Fall das Feuer bereits im Anfangsstadium beziehungsweise minimieren die Rauchentwicklung und verschaffen wichtige Zeit für die Bewohner und Pflegekräfte, um sich und andere zu retten.

Wie sich ein solches Brandgeschehen entwickeln kann, zeigt unser Einsatzbericht aus der April-Ausgabe:

Von wegen nur BMA!

Dienstag, 13. Juni 2017. In Wilhelmshaven treffen sich die Mitglieder der FF Bant-Heppens, einer Schwerpunktfeuerwehr der FF Wilhelmshaven, um 19 Uhr an ihrem Feuerwehrhaus zum wöchentlichen Dienstabend. Es steht die jährliche Wachüberprüfung an. Daher sind neben den ehrenamtlichen auch der Fachbereichsleiter Steffen Lutter, Stadtbrandmeister Michael Feist und stellvertretender Stadtbrandmeister Walter Menßen zugegen. Gerade als die angesetzte Übung beginnt, lösen die Funkmeldeempfänger von Lutter und Feist aus: „BMA, Pflegeheim Friesenhaus, Kniprodestraße.“

Zusammen mit den Mitarbeitern retten die Kräfte der zuerst eintreffenden Berufsfeuerwehr alle Bewohner ins Freie. Foto: Preuschoff

Da die Feuer- und Rettungswache 2 der Feuerwehr Wilhelmshaven in der Albrechtstraße gerade mal 400 Meter von dem Pflegeheim entfernt ist, sollte sich die Lage mit der ausgelösten Brandmeldeanlage schnell geklärt haben, denken alle und die Übung wird fortgesetzt. Doch keine Minute später gehen die Melder wieder auf – und diesmal sind es alle. Das Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) 20 der BF hat die Rückmeldung „Offener Dachstuhlbrand“ gegeben. Neben dem Löschzug der BF, der bereits von der Feuer- und Rettungswache 1 mit Einsatzleitwagen (ELW) 1, HLF 20 und DLAK 23/12 sowie den Rettungswagen (RTW) der Feuerwehr auf dem Weg ist, rücken jetzt die FF Bant-Heppens und die FF Rüstringen ebenfalls aus. Glücklicher Umstand an diesem Dienstag: Auch die Rüstringer haben Dienstabend und sind bereits am Feuerwehrhaus versammelt. Weiterhin werden die FF Fedderwarden und die FF Sengwarden alarmiert. Feist: „Die enorme Rauchwolke war bereits auf der Anfahrt schon von weitem erkennbar.“

Zusammen mit elf Pflegefachkräften des Heims setzen die eintreffenden Einheiten die bereits eingeleiteten Evakuierungsmaßnahmen fort. Ein weiterer glücklicher Umstand: Da es erst kurz nach 19 Uhr ist, sind viele Bewohner noch nicht im Bett und wurden zum Zeitpunkt der Feuermeldung noch von den Pflegern versorgt. Einige der bettlägerigen Menschen müssen auf Tragen aus dem Haus gebracht werden.

Trotz zügig eingeleiteter Brandbekämpfung können die Einsatzkräfte nicht verhindern, dass sich das Feuer über den Dachstuhl immer weiter ausbreitet. Foto: Preuschoff

Insgesamt 66 Personen – zum großen Teil in ihrer Mobilität stark eingeschränkt – sowie ein Besucher müssen in Sicherheit gebracht werden. Pfleger und Feuerwehrleute kümmern sich zunächst im Hof des Anwesens um die Menschen. In der Zwischenzeit löst die Leitstelle Friesland-Wilhelmshaven einen ManV50 – ein Massenanfall von Verletzten mit bis zu 50 Personen – aus, um ausreichend Kräfte für die Evakuierungsmaßnahmen zur Verfügung zu haben. Während die Betroffenen in Sicherheit gebracht werden, leiten andere Kräfte der eingesetzten Feuerwehren erste Löschmaßnahmen ein.

Lest den ganzen Einsatzbericht in Feuerwehr-Magazin 4/2018. Das Heft könnt Ihr hier versandkostenfrei bestellen oder in unserem Shop downloaden.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Durch die Zunahme der Pflegebedürftigen, bei gleicher Konzentration auf Privatinvestoren wird sich das Brandrisiko nicht verringern. Preiswerter und effizienter werden in Österreich Druckbelueftungsanlagen statt Springleranlagen zur Freihaltung der Fluchtwege gefördert.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: