Fünf Jahre danach

Bernd 2021: Was der größte THW-Einsatz verändert hat

Bonn (NW) – Am 14. Juli 2026 jährt sich der Beginn des Einsatzes nach Starkregen „Bernd“ zum fünften Mal. Rund 17.000 ehrenamtliche THW-Kräfte leisteten mehr als 2,7 Millionen Einsatzstunden. Die Erfahrungen aus der monatelangen Hilfe flossen in Ausbildung, Einsatzbekleidung und neue Technik ein.

Einsatzkräfte des THW bei der Arbeit an einem zerstörten Haus. (Bild: THW | Yann Walsdorf)

Ein Teil der Einsatzbilanz steht inzwischen im Fuhrpark des Technischen Hilfswerks. Zwölf neue Mobilkräne können schwere Brückenbauteile und kurze Brücken als vollständige Konstruktion anheben und positionieren. Hinzu kommen 66 geländegängige Unimogs mit Ladekran, die auch überflutete oder durch Treibgut und Schutt versperrte Wege passieren können.

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Weiterentwickelt hat das THW außerdem seine Einsatzbekleidung. Sie soll die Helferinnen und Helfer bei Unwettereinsätzen besser schützen. Erkenntnisse aus dem Einsatz berücksichtigte die Organisation auch in der Ausbildung ihrer ehrenamtlichen Kräfte.

Mehr als 2,7 Millionen Einsatzstunden

Bereits am 14. Juli 2021 begannen die ersten THW-Helferinnen und -Helfer mit Menschenrettungen und Pumpmaßnahmen. Starkregen und Wassermassen hatten vor allem an Ahr und Erft ganze Landstriche verwüstet.

Insgesamt beteiligten sich rund 17.000 Ehrenamtliche aus allen damals 668 THW-Ortsverbänden. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 4.000 Kräfte gleichzeitig aktiv. Erstmals arbeiteten Spezialistinnen und Spezialisten aller Typen von THW-Teileinheiten parallel in einer Schadenslage.

Der Einsatznachbereitungsbericht des THW nennt 184 Menschen, die in Deutschland durch die Fluten ihr Leben verloren. Die Organisation begann in der Nacht zum 15. Juli 2021 mit dem größten Einsatz seit ihrem damals 70-jährigen Bestehen.

Nach den ersten Menschenrettungen pumpten die Kräfte überflutete Bereiche leer, räumten Treibgut und Schutt von Straßen und stützten beschädigte Bauwerke ab. Im weiteren Verlauf stellten sie provisorische Infrastruktur bereit. Dazu gehörten Strom, Trinkwasser und Behelfsbrücken.

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Der Einsatz; Probleme bei der Warnung; Überörtliche Hilfe; Erlebnisse und Erkenntnisse der Kameraden im Ahrtal

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Feuerwehr und THW sichern die Steinbachtalsperre

An der Steinbachtalsperre arbeiteten das THW und die örtliche Feuerwehr zusammen, weil ein Dammbruch drohte. Mit Hochleistungspumpen förderten die Einsatzkräfte mehr als 110.000 Liter Wasser pro Minute, um den Druck auf die Talsperre zu verringern.

Parallel überwachte das THW den beschädigten Damm mit dem Einsatzstellen-Sicherungssystem. Die Lasertechnik misst dreidimensional und millimetergenau. Damit lassen sich unter anderem Bewegungen an einsturzgefährdeten Gebäuden, Deichen oder Hanglagen erfassen.

An anderen Einsatzstellen erkundeten THW-Kräfte die Schäden, unterstützten Führungsstrukturen mit Fachberaterinnen und Fachberatern oder betrieben Bereitstellungsräume. Am Nürburgring fanden zeitweise 5.000 Einsatzkräfte von THW, Feuerwehr, Hilfsorganisationen, Polizei und Bundeswehr Platz zum Schlafen, Essen und Ausruhen.

Im Bereitstellungsraum können die Helferinnen und Helfer auf den nächsten Einsatz warten, sich ausruhen und haben auch Platz für ihre Einsatzfahrzeuge. Foto: THW

Behelfsbrücken blieben jahrelang bestehen

Nachdem die Pegel gesunken waren, verlagerte sich der Schwerpunkt auf die provisorische Wiederherstellung der Infrastruktur. Strom- und Wasserleitungen, Telekommunikationsnetze, Straßen und Brücken waren in den betroffenen Regionen beschädigt oder zerstört.

Nach Angaben des THW errichteten seine Spezialistinnen und Spezialisten insgesamt 34 Behelfsbrücken. Die Konstruktionen verbanden Orte und Ortsteile, bis dauerhafte Übergänge wieder zur Verfügung standen.

Wie lange diese Hilfe benötigt wurde, zeigt das Beispiel Heppingen im Ahrtal. Dort errichtete das THW im Oktober 2021 eine 40 Meter lange und 5 Meter breite Behelfsbrücke. Die rund 69 Tonnen schwere Konstruktion diente der Bevölkerung und den Einsatzkräften etwa vier Jahre lang als Verbindung.

Erst nachdem eine neue dauerhafte Brücke eröffnet worden war, begann das THW am 31. Oktober 2025 mit der Demontage. Am 1. November schlossen die beteiligten Ortsverbände den Rückbau ab. Es handelte sich um die vierte demontierte Behelfsbrücke im Ahrtal.

In Bad Neuenahr bauen THW-Kräfte in wenigen Tagen eine Behelfsbrücke, um Verkehrswege wieder herzustellen und den Wiederaufbau der Infrastruktur voranzubringen. (Bild: THW | Alexander Steinruck)

Herdecke: 49 Menschen aus Gefahrenlagen gerettet

Welche Anforderungen das Unwetter an eine örtliche Feuerwehr stellte, dokumentiert die Bilanz aus Herdecke. Die Kreisleitstelle alarmierte die ehrenamtlichen Einsatzkräfte am 14. Juli 2021 um 17:13 Uhr. Bereits 15 Minuten später löste die Feuerwehr Vollalarm aus.

Innerhalb der folgenden 24 Stunden mussten die zeitweise 100 Kräfte weitere 102 Einsätze bewältigen. Bis zum Sonntagabend verzeichnete die Feuerwehr Herdecke insgesamt 107 Einsätze im Zusammenhang mit der Sturzflut.

Strömungsretter, Schlauchboote, das Motorrettungsboot, die Drehleiter und tragbare Leitern kamen bei den Menschenrettungen zum Einsatz. Insgesamt brachte die Feuerwehr 49 Menschen aus gefährlichen Situationen in Sicherheit. Außerdem retteten die Einsatzkräfte fünf Hunde und drei Katzen. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen und kamen unterkühlt in ein Krankenhaus.

Allein im Bachviertel konnten 41 Personen ihre Häuser wegen der starken Strömung nicht mehr ungehindert verlassen. Zwei Menschen standen bereits brusthoch im schnell fließenden Wasser. Strömungsretter führten Betroffene aus dem überfluteten Bereich, setzten ein Schlauchboot ein und retteten weitere Eingeschlossene über Leitern.

Bei einer Suchaktion unterstützte ein Polizeihubschrauber die Feuerwehr mit Wärmebild- und Nachtsichttechnik. Taucher der Feuerwehr Witten rückten ebenfalls an. Die DLRG-Ortsgruppe Wetter stand mit einem Boot bereit, musste jedoch nicht mehr eingreifen.

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Auch die Feuerwache wird überflutet

Während die Einsatzkräfte im Stadtgebiet Menschen retteten, trat der Herdecker Bach auch an der Feuerwache über die Ufer. Innerhalb von rund 15 Minuten stand das Untergeschoss etwa 40 Zentimeter unter Wasser.

Telefonanlage und EDV-Anbindung zur Kreisleitstelle fielen aus. Einsatzaufträge mussten deshalb über private Mobiltelefone entgegengenommen werden. Gleichzeitig konnten Hilfesuchende die Festnetznummer der Feuerwache nicht mehr erreichen.

Gemeinsam mit zufällig anwesenden THW-Kräften errichtete die Feuerwehr einen Sandsackwall vor dem Elektroraum und pumpte das Wasser ab. Dadurch verhinderten die Helfer einen Kurzschluss in der Hauptverteilung.

Einen Totalschaden an einem neu angelieferten Rettungswagen verhinderte die Feuerwehr, indem sie das Fahrzeug mit einem Lkw vom Hof zog. Am Rettungswagen und am Wechselladerfahrzeug entstanden dabei Schäden. Sämtliche Einsatzfahrzeuge, beide Boote und mehrere Abrollbehälter der Herdecker Wehr befanden sich während der Lage im Einsatz.

Die Flutkatastrophe im Feuerwehr-Magazin

Das Feuerwehr-Magazin begleitete die Flutkatastrophe 2021 mit mehreren Online-Beiträgen. Bereits am 15. Juli berichteten wir über die Einsätze von Feuerwehr und anderen Organisationen in den betroffenen Regionen. Im Oktober folgte eine ausführliche Zwischenbilanz zum Einsatz des THW. Im Feuerwehr-Magazin 10/2021 erschien außerdem auf 15 Extra-Seiten ein Spezial zur Flutkatastrophe.

Darüber hinaus erschienen zwei E-Dossiers zu dem Thema. „Das große Flut-Spezial“ bündelt auf 37 Seiten Berichte über den Einsatz, Probleme bei der Warnung, die überörtliche Hilfe sowie Erlebnisse und Erkenntnisse von Feuerwehrkameraden im Ahrtal. Thematisiert werden unter anderem der monatelange Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler und die persönlichen Erfahrungen der Einsatzkräfte während des Ausnahmezustands. Das E-Dossier „Lehren aus der Katastrophe“ konzentriert sich auf die Erfahrungen und Erkenntnisse der Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Feuerwehrangehörigen berichten darin über ihre persönlichen Erlebnisse während des monatelangen Ausnahmezustands und über Erkenntnisse abseits von Studien und Lehrbüchern.

Einsatzmedaille und Rückhalt für das Ehrenamt

Die Bundesregierung zeichnete die beteiligten THW-Kräfte mit der Einsatzmedaille „Fluthilfe 2021“ aus. THW-Präsidentin Sabine Lackner erinnert zum fünften Jahrestag zugleich an die Unterstützung durch die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.

Dass so viele ehrenamtliche Kräfte über einen langen Zeitraum eingesetzt werden konnten, sei nur möglich gewesen, weil sie ihre berufliche Tätigkeit dafür ruhen lassen konnten. Die Einsatzbilanz dokumentiert damit nicht nur technische und organisatorische Leistungen. Sie zeigt auch, welchen Rückhalt ein monatelanger Einsatz von Feuerwehr und Katastrophenschutz im beruflichen und privaten Umfeld benötigt.

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