Wiebelsheim (RP) – Ein ungewöhnlicher Geruch gab den ersten Hinweis. Am Nachmittag des 11. März wurde rund um den Industriepark in Wiebelsheim Dieselgeruch wahrgenommen. Damit begann ein Einsatz, der Feuerwehr, THW, Polizei und Katastrophenschutzkräfte aus zwei Kreisen (Rhein-Hunsrück-Kreis und Bad Kreuznach) bis tief in die Nacht beschäftigen sollte.
Nach dem Leck an einer unterirdisch verlegten Diesel-Pipeline liefen die Einsatzmaßnahmen am Abend und in der Nacht weiter. Feuerwehr, Behörden und weitere Kräfte arbeiteten daran, die Folgen des Kraftstoffaustritts zu begrenzen. (Bild: 5VISION.NEWS)
Vor Ort zeigte sich, dass aus einer unterirdisch verlegten Pipeline Kraftstoff auslief. Das Problem dabei: Die Leitung lag im Erdreich, die genaue Leckagestelle ließ sich nicht auf Anhieb lokalisieren. Erst nach aufwendiger Suche konnte das Leck geortet und schließlich am frühen Abend geschlossen werden. Landrat Volker Boch, der sich persönlich vor Ort ein Bild von der Lage machte, erklärte, das Leck sei innerhalb weniger Stunden geschlossen worden.
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Zu diesem Zeitpunkt hatte der ausgetretene Diesel jedoch längst seinen Weg in die Umgebung gefunden. Kraftstoff floss über einen nahegelegenen Bach ab und gelangte in ein Regenrückhaltebecken sowie weitere Fließgewässer, an denen Ölsperren eingerichtet wurden. Parallel saugten Kräfte den Diesel aus dem Gewässer ab und entsorgten ihn. Noch in der Nacht waren Einheiten damit beschäftigt, weitere Sperren zu setzen.
In der Spitze standen bis zu 300 Einsatzkräfte im Einsatz – neben der Feuerwehr auch der Leitungsbetreiber mit eigenen Teams sowie zahlreiche Fremdfirmen. Wie viel Dieselkraftstoff insgesamt ausgetreten ist, konnte zunächst weder die Kreisverwaltung noch der Betreiber beziffern. Boch sprach von einer „größeren Menge“. Gleichzeitig wurde das Erdreich begutachtet: Die Frage, ob in den nächsten Tagen Boden ausgebaggert werden muss, blieb am Abend noch offen.
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Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Kraftstoff über den Simmerbach auch in den benachbarten Kreis Bad Kreuznach abfließt, handelte auch die dortige Kreisverwaltung vorsorglich. Sie richtete eine Koordinierungsstelle Katastrophenschutz ein, beobachtete die Lageentwicklung fortlaufend und plante Einheiten und Fremdfirmen vor. Messungen der Feuerwehr in der Grenzregion verliefen negativ. Gegen Mitternacht konnte die Koordinierungsstelle ihren Betrieb einstellen.
Parallel zu den Eindämmungsmaßnahmen ermittelt die Polizei. Neben örtlichen Kräften ist auch die Kriminalpolizei Koblenz eingeschaltet. Die Polizei teilte am 12. März außerdem mit, dass sich im Rahmen der bisher durchgeführten polizeilichen Maßnahmen keine Hinweise auf einen politisch motivierten Sabotageakt ergeben hätten.
Bei der Pipeline handelt es sich um eine Leitung der Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft – ein 525 Kilometer langes unterirdisches Versorgungsnetz, das von der deutsch-niederländischen Grenze bei Venlo bis in den Raum Frankfurt am Main und Ludwigshafen am Rhein reicht. Über sie werden Mineralölprodukte wie Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin und Naphtha zu Raffinerien, Tanklagern und Industrieanlagen transportiert.