Troisdorf (NW) – Normalerweise sind sie es, die ausrücken, um anderen in der Not zu helfen: Doch nun benötigt die Familie von Sabine und Günter Schulz selbst jede Unterstützung. Beide Elternteile sind in der Freiwilligen Feuerwehr Troisdorf, Rhein-Sieg-Kreis, aktiv und kämpfen zeitgleich gegen schwere Krebserkrankungen – ein Schicksalsschlag, der die fünfköpfige Familie an ihre Grenzen bringt. Günter Schulz leidet unheilbar an Knochenmarkkrebs, bei Sabine Schulz wurde Brustkrebs diagnostiziert. Ihre Löschgruppe hat nun eine Spendenkampagne gestartet.
Sabine und Günter Schulz von der FF Troisdorf stehen in ihrer Einsatzkleidung vor dem Feuerwehrhaus; für die fünfköpfige Familie läuft eine Spendenkampagne, nachdem beide Elternteile an Krebs erkrankt sind. (Bild: Marius Fuhrmann)
Ob der 39-Jährige wieder arbeiten werden kann, ist ungewiss
Im April 2025 erhielt der 39-jährige Vater und Jugendwart eine Diagnose, die das Leben der Familie von Grund auf veränderte: Knochenmarkkrebs. Das sogenannte Multiple Myelom ist nach heutigem Stand nicht heilbar, lässt sich aber durch Therapien bremsen. Seit der Tumor einen Halswirbel zerstört hat und er ein Implantat aus Titan im Oberkörper trägt, kann der städtische Angestellte seinen Kopf nur noch eingeschränkt bewegen. Dazu kommt ein faustgroßer Tumor am Beckenknochen, der nicht entfernt werden kann. Das Stehen und Gehen musste der Familienvater neu lernen.
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Auch Mutter Sabine an Krebs erkrankt
Während die Familie versuchte, sich mit der neuen Normalität zu arrangieren, folgte im Oktober 2025 der nächste Schock: Bei Mutter Sabine (44) wurde Brustkrebs diagnostiziert. Die Untersuchungen zeigten, dass auch die Lymphknoten befallen sind. Auch sie ist fest in der Feuerwehr verwurzelt und engagiert sich ebenfalls als Jugendwartin. Für sie beginnt nun eine kräftezehrende Zeit aus 20 Wochen Chemotherapie, gefolgt von Operationen und Bestrahlungen. Die Erkrankung ihrer Eltern trifft vor allem die sieben, elf und 15 Jahre alten Kinder. „Wir versuchen, nicht dran zu denken und zu leben, als ob wir es nicht hätten“, sagt Günter Schulz.
Feuerwehr gibt dem Ehepaar Kraft
Kraft gebe den beiden die Mitgliedschaft in der Feuerwehr: „Ich bekomme die Alarmierungen immer noch aufs Handy und muss sagen, es juckt mir schon gewaltig in den Fingern“, sagt der 39-Jährige. So lange er und seine Frau aber krankgeschrieben seien, sei die Mitfahrt an Einsätzen aus versicherungstechnischen Gründen nicht erlaubt. „Ich gucke aber gerne bei Übungen zu oder fahre zum Feuerwehrhaus, wenn ich weiß, dass jemand da ist. Die Kameraden haben mich auch schon mal mit dem Mannschaftstransporter abgeholt, alle haben ihre Unterstützung angeboten.“
Wenn er seine Uniform überstreift und sich ans Steuer des HLF setzt, strahlt er über das ganze Gesicht. So bald es ihm möglich sei, wolle Schulz wieder mitfahren. „Ich bin zwar zu 80 Prozent schwerbehindert, aber das HLF fahren kann ich noch. Ich werde bei Bränden nicht mehr in den Innenangriff gehen können, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich nicht mehr gebraucht werde“, sagt er. Auch Sabine Schulz will nach der Krebs-Behandlung der Feuerwehr treu bleiben. „Als stellvertretende Jugendwartin möchte ich beim Pfingstcamp mitfahren, sonst haben sie ja keinen weiblichen Betreuer“, sagt sie.
Spendenaufruf von Freunden und Feuerwehr soll die Familie unterstützen
„Wir als Feuerwehr haben ihnen alle Unterstützung zugesichert, ob es Arbeiten im oder am Haus sind, einkaufen gehen oder Verwaltungsaufgaben, sie können uns ansprechen – die ganze Löschgruppe ist für sie da“, sagt Marcus Breuer, Löschgruppenführer in Altenrath. Auf der Plattform Gofundme haben er und eine Freundin der Familie einen Spendenaufruf gestartet, um Sabine, Günter und ihre drei Kinder zu unterstützen. Seit vergangenem Sonntag waren auf der Plattform Gofundme mehr als 90.000 Euro zusammen gekommen. „Wir möchten, dass sich die Familie zumindest um das Geld weniger Sorgen machen muss“, so Breuer. Die Spenden sollen dazu dienen, die laufenden Lebenshaltungskosten zu decken, die Einbußen durch das Krankengeld auszugleichen und zusätzliche Therapiekosten zu finanzieren.
„Mit dieser Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Es ist Wahnsinn, wie viele fremde Menschen einem helfen – normalerweise sind wir es ja, die um 3 Uhr nachts dafür aufstehen. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, wenn man selber Hilfe braucht“, gesteht Günter Schulz. „Ansonsten ist das komplett für die Zeit mit den Kindern gedacht: Wir können ihnen ein normales Leben ermöglichen: Im Dezember standen drei Klassenfahrten an, die wir bezahlen mussten. Jetzt ist noch Spielraum für Wünsche in den Sommerferien.“